Genau so.
Und die Schritte müssen nacheinander erfolgen, da erst genug Kapazität für den ÖPNV geschaffen werden muss, damit diejenigen, die sonst MIV wären, auch eine echte Alternative bekommen.
Bei der Wegnahme von Fahrspuren zugunsten des ÖPNV ist das ne Ausnahme, allerdings sollten dann bereits die erforderliche Anzahl Fahrzeuge und Fahrzeugführer bereitstehen, um die gewonnenen Busspuren auch optimal auszulasten. Weiterhin nur einen Bus alle 30 Minuten fahren zu lassen, verkürzt zwar dessen Fahrzeit, bringt aber keine Entlastung beim MIV.
Was definitiv falsch ist, ist, den MIV zuerst zu schwächen und dann erst allmählich den ÖPNV aufzurüsten. Das erzeugt nur Frust und Streit.
Wie kommst du darauf, dass die Kapazitäten für den ÖPNV erst mal geschaffen werden müssten. Ich bin sicher, dass die Kapazitäten für den ÖPNV vorhanden sind, zumindest die komplette Fahrwege-Infrastruktur. Was relativ kurzfristig beschafft werden müsste und könnte, sind die Fahrzeuge. Rechne doch mal so: Zur Zeit sind relativ viele Menschen mit Autos mobil. In Deutschland dürfte es vermutlich nur wenige Städte geben, in denen der Autoverkehrsanteil deutlich kleiner als ein Drittel ist. In dieser Studie im Auftrag des Deutschen Bundestages gibt es auf S. 9 eine entsprechende Auflistung von neun ausgewählten deutschen Großstädten: https://www.google.de/url?sa=t&rct=j…HRugU2PB6BMTwAB
Der Autoverkehrsanteil ist also relativ hoch und das bedeutet, dass zahlreiche Straßen vorhanden sind.
Der ADAC allerdings behauptet fälschlicherweise, "Weder der motorisierte Individualverkehr (MIV) noch der ÖPNV sind aus Kapazitätsgründen allein in der Lage, alle Mobilitätansprüche zu befriedigen." Daran ist ganz sicher richtig, dass der MIV alleine aufgrund seiner geringen Kapazität nicht in der Lage wäre, die Mobilitätsansprüche zu befriedigen. (Zumindest nicht bei der gegenwärtigen Durchschnittsbesetzung von 1,2 Personen pro PKW. "Der durchschnittliche Besetzungsgrad im Berufsverkehr liegt nach Analysen des Umweltbundesamtes bei rund 1,2 Personen pro PKW" https://www.zukunftderarbeit.de/2017/05/24/arb…ud-belegschaft/ ) An den ADAC-Behauptungen ist vielleicht richtig, dass die gesteigerten Mobilitätsansprüche mancher Autofahrer, die es für eine Zumutung halten, mit anderen Menschen gemeinsam in einem Omnibus zu fahren, durch den ÖPNV nicht befriedigt werden können. Aber der ADAC behauptet ja in seinen Empfehlungen für einen anwenderorientierten ÖPNV in Ballungsräumen", dass der ÖPNV aus "Kapazitätsgründen" nicht in der Lage sei, die Mobilitätsansprüche zu befriedigen.
Da Omnibusverkehr ohne zusätzliche Investitionen in die Fahrwegeinfrastruktur realisiert werden kann, also lediglich die notwendigen Omnibusse beschafft werden müssten, trifft das nicht zu, was der ADAC da behauptet. https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache…lient=firefox-b
Besonders beachtet werden muss das Verkehrsgeschehen in den Verkehrsspitzen, dann wenn die Autos die Straßen verstopfen. Die ADAC-Argumentation basiert darauf, dass sich viele Menschen nicht vorstellen können, dass auf diesen mit PKW's überfüllten Straßen auch noch Omnibusse Platz finden sollen. Aber das müssen sie ja gar nicht, wenn die Fahrer und die wenigen zusätzlichen Fahrgäste dieser vielen PKW in Omnibussen unterwegs sind. In einen vollbesetzten Hamburger Metrobus etwa können 190 Personen mitfahren, und selbst in einem 12 m langen Solobus finden bis zu 100 Personen Platz. Wie lange ist wohl im Vergleich dazu die entsprechende Autoschlange? Selbst Stoßstange an Stoßstange gerechnet kämst du bei 5m Fahrzeuglänge auf einen halben Kilometer! Bei einem Sicherheitsabstand von durchschnittlich 15 m (entspricht dem Sicherheitsabstand bei Tempo 30) kommst du bereits auf 2 km Autoschlange!
Nicht einmal der Radverkehr wäre in der Lage, so platzsparend und effektiv die im Übermaß vorhandenen Verkehrsflächen zu nutzen, wie der ÖPNV dazu in der Lage ist. Wenn die Straßen vom PKW-Verkehr entlastet werden, dann ist der ÖPNV durchaus in der Lage, den vorhandenen PKW-Anteil am Verkehrsgeschehen zu ersetzen. Und auch für Fahrradverkehr wäre dann noch haufenweise Platz vorhanden!
Deine Aussage, dass es definitiv falsch sei, den MIV zuerst zu schwächen und dann erst allmählich den ÖPNV aufzurüsten, würde in letzter Konsequenz bedeuten, dass es notwendig wäre, eine ÖPNV-Infrastruktur aufzubauen, die alle PKW-Nutzer aufnehmen kann, ohne dass dafür bei der Autoverkehrsinfrastruktur Einschnitte vorgenommen werden. Das kann nicht funktionieren. Allerdings sind die Einschnitte, die bei der Autoverkehrsinfrastruktur vorgenommen werden müssten, sehr gering, denn wie bereits beschrieben, funktioniert der ÖPNV äußerst platzsparend!