Bislang lief die Diskussion ja eher unter dem Aspekt des direkten Begegnungsfalles. Radfahrer trifft auf automatisch gesteuertes Auto.
Heute erschien in der HAZ ein Interview mit dem Moia-Manager Robert Henrich. In dem Interview sagt er aus, dass er sich von Moia vor allem deshalb eine Entlastung der Verkehrssituation verpreche, weil er keine Steigerungsmöglichkeiten des Mobilitätsmixes zugunsten der Öffis sähe. Er schätzt den Öffinutzer-Anteil auf 20% und die seien nicht steigerungsfähig. Dafür könnten aber einige der Nichtöffinutzer, die gegenwärtig mit dem Auto mobil sind, für Moia begeistert werden.
Über Steigerungsmöglichkeiten (oder Nicht-Möglichkeiten) beim Radverkehr macht er keine Angaben. Ich befürchte, dass er das mit dem Radverkehr genau so sieht. Und hier heißt es aufgepasst! Nicht wegen selbstfahrender Moia-Fahrzeuge. Bislang sind die alle noch mit Fahrer unterwegs. (Obwohl das ja auch nicht unbedingt beruhigen kann. Siehe Christan F's Beitrag.)
Aber was sich da in dem Interview auftut, diese Einschätzung des Moia-Managers, dem möchte ich doch entschieden widersprechen. Hier die Passage aus dem Interview vom 21.3.2018: "Der ÖPNV ist stark, trotzdem hat er nur einen Marktanteil von ungefähr 20 Prozent in deutschen Städten. Immer noch wird die Mehrzahl der Strecken mit dem eigenen Auto zurückgelegt, sogar mit großem Abstand und das trotz gut ausgebautem ÖPNV und den bestehenden Angeboten wie Taxi, Carsharing oder Bikesharing." http://www.haz.de/Nachrichten/Wi…-Taxis-ersetzen
Ich befürchte, über den Radverkehr denkt er ähnlich; Keine Steigerungsmöglichkeit in Sicht.
Dafür tritt Robert Henrich mit Moia an! Und bislang stellt Moia zwar noch keine Forderungen, aber das wird, so befürchte ich auch noch kommen. Und zwar mit der jetzt schon von Moia verbreiteten Botschaft, es würden dadurch Autofahrten abnehmen und zwar in einem Segment, dass vom Radverkehr oder ÖPNV nicht abgedeckt werden könne, als Begründung.
Und dann werden wir die hunderten zusätzlichen Moia-Fahrzeuge in der Stadt rumfahren sehen. Und die werden zusätzlich zum Beispiel Schutzstreifen zum Halten benutzen (was ja STVO-gerecht möglich ist).
Aber ob das wirklich Autofahrer sein werden, die auf die Moia-Fahrzeuge irgendwann mal umgestiegen sein werden? Ich fürchte es findet vielmehr eine Kanabalisierung statt zwischen den verschiedenen Gliedern umweltschonender Mobilität. (Wenn man denn Moia überhaupt dazu zählen kann.) In einem hohen Maß werden ÖPNV-Nutzer und Radfahrer auf Moia umsteigen und nur vielleicht auch ein paar Autofahrer. Zumal die Moia-Fahrzeuge ja perspektivisch einmal autonom fahren sollen. Und da ist gängigen Umfragen zu Folge bislang kaum ein Autofahrer bereit zu.
Moia wird sich zwar damit brüsten, einen Beitrag zum Umweltschutz zu erbringen, aber Moia wird trotzdem ähnlich viel Verkehrsfläche beanspruchen wie normaler Autoverkehr und das zu Lasten des Radverkehrs. Und des ÖPNV's. Wie schon gesagt, mit Forderungen hält sich der Moia-Manager bislang zurück. Aber demnächst wird er möglicherweise die Busspuren für seine Fahrzeuge beanspruchen und dann dürfen da keine Radfahrer mehr drauf fahren. Und demnächst wird er die Ampelvorrangschaltung für den ÖPNV auch für seine Moia-Fahrzeuge haben wollen. Und auf eine Ampelvorrangschaltung, bzw. eine grüne Welle für den Radverkehr brauchen wir uns dann als Radfahrerinnen und Radfahrer keine Hoffnungen mehr machen.
Es ist zu befürchten, dass Vertreter der Medien und der Politik und der Verwaltung auf den Moia-Werbefeldzug nicht mit genügend kritischer Distanz reagieren. Ist ja auch viel cooler die tollen neuen Moia-Fahrzeuge als Vorzeigeprojekt zu präsentieren, als die ganz gewöhnlichen Radfahrerinnen und Radfahrer in den Mittelpunkt der Verkehrsplanung zu stellen. Als Radfahrerinnen und Radfahrer werden wir vermutlich nicht so sehr drum kämpfen müssen, von einem einzelnen zukünftig selbstfahrenden Omnibus nicht überrollt zu werden. Sondern es wird darum gehen deutlich zu machen, warum Radfahren die bessere Alternative ist, besser als der Autoverkehr und besser als "Moia". Und ich sehe sowohl für den ÖPNV als auch für den Radverkehr noch ganz viel Luft nach oben, vor allem dann, wenn eine echte Mobilitätswende (zu der ich Moia nicht zuzähle) mit hoher Energie vorangetrieben wird.
Moia-Fahrzeug in Hannover. Bald sollen davon über 200 durch die Stadt fahren.
