ja, danke ADFC...
geliefert, was zu erwarten war.
Ich bin auch nicht so recht glücklich über die Pressemeldung. Obwohl ich ja hier eher dazu neige, ADFC-Positionen zu verteidigen.
Es fehlt die Bereitschaft, über den Tag hinaus zu denken. Oder zumindest ist davon zu wenig erkennbar.
Hat das damit zu tun, dass im ADFC selbst zu viele Autofahrer sind, die nicht bereit, sind in irgendeiner Form zurückzustecken?
Es fehlt aber auch an konsequenten Überlegungen in dem Text. Man gewinnt als kritischer Leser den Anschein, es besteht eine starke Angst, eine Angriffsfläche zu bieten, möglicherweise bewusst missverstanden zu werden, und dann Opfer einer Hasskampagne zu werden. (Ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man sich zum Beispiel die Hetzjagd gegen die Grünen wegen des Heizungsgesetzes erinnert.)
Besonders offensichtlich wird es an dieser Stelle: "Häufig muss man sich die Fahrbahn mit dem schnelleren Autoverkehr teilen..." Ja, das ist so und das wird sich auf vielen Strecken auch nicht so schnell ändern lassen. Selbst in Hannover, das an vielen Straßen Fahrradwege hat, ist es so, dass es auch viele Straßen gibt, auf denen zusätzlich zum Fahrradverkehr und Autoverkehr stattfindet. Und der Autoverkehr ist oft deutlich schneller unterwegs, und zwar erlaubt und obendrauf noch ein bisschen schneller im Graubereich. Das wird sich durch die Anlage von separaten Fahrradwege nicht ändern. In den meisten Fällen würde es ausreichen, stattdessen den Autoverkehr zu verlangsamen und zahlenmäßig deutlich zu reduzieren.
Der Autoverkehr wird in einem sehr hohen Maß privilegiert in Deutschland. Besonders im Hinblick auf das fehlende generelle Tempolimit auf Autobahnen und das schnelle Fahren auf Landstraßen muss man sagen, in Deutschland stärker noch als in vielen anderen Ländern. Es reicht aber nicht aus, niedrigere Tempolimits zu fordern, der ganz persönliche motorisierte Verkehr wäre ja immer noch deutlich schneller unterwegs, als der Fahrradverkehr. Der Zugang zum Auto muss erschwert werden, und viele Privilegien der Autofahrenden müssen gestrichen werden.
Maßgeblich muss der ÖPNV werden. Im Verkehrsverbund von Fußverkehr, Fahrradverkehr und ÖPNV liegt die Zukunft, Fahrradwege können an bestimmten Stellen hilfreich sein, aber mit dem Bau von zusätzlichen Fahrradwegen alleine ist keine Verkehrswende zu bewirken.
Als ADFC-Sprecher*in ist es nicht immer möglich, das alles in einzelnen Statements zu Einzelthemen durchblicken zu lassen, aber ein bisschen mehr grundsätzliche Überlegungen dürfen schon durchschimmern.