Ich finde es richtig, den Durchgangsverkehr aus verkehrsberuhigten Zonen rauszuhalten. Wer sich besser auskennt, soll halt selbst navigieren.
Der Trick im Falle der Stadt Bègles besteht ja darin, den Durchgangsverkehr herauszuhalten, der daraus entsteht, dass die Straßen in Richtung Bordeaux oft verstopft sind, so dass dann der Ort Bègles auf Empfehlung der Navis durchfahren wird, um den Staus auszuweichen.
Das heißt der Verkehr insgesamt wird dadurch nicht weniger, sondern er wird entweder:
a) zu längeren Staus auf den Hauptstrecken führen, oder
b) durch die Navi-Empfehlungen auf Durchgangsstraßen durch andere Ortschaften umgeleitet, wo noch Tempo 50 km/h gilt.
Wenn diese Ortschaften dann auch beschließen auf Tempo 30 zu reduzieren, dann wird das langfristig dazu führen, dass die Navi-Programmierer sich dem anpassen und dann kommt der ganze Durchgangsverkehr wieder zurück.
Immerhin fährt er dann nur mit Tempo 30 durch die Ortschaften.
Und mit ein bisschen Glück gelingt es, die Autofahrer des Ortes mitzunehmen, anstatt dessen Protestgeschrei zu provozieren. Denn der Autofahrer in Bègles fíndet es ja vielleicht blöd, nur 30 km/h fahren zu dürfen. Nimmt das aber gerne in Kauf, wenn es mit der Maßnahme gelingt, die Autofahrer aus anderen Ortschaften aus dem eigenen Ort herauszuhalten.
Bemerkenswert finde ich unter anderem diesen Artikel in der in Frankreich weit verbreiteten Zeitung "20 Minutes": "Gironde: La ville de Bègles généralise la vitesse à 30 km/h dans ses rues à partir de lundi" vom 8.7.2019. Darin heißt es unter anderem:
Il s’agit finalement « d’une mesure de bon sens » conclut la municipalité, « lorsque l’on sait qu’en milieu dense, la vitesse moyenne de circulation d’un véhicule quatre roues n’est réellement que de 19 km/h. À 30 km/h, cette vitesse moyenne passe à 17 km/h. (...)»"
Mit Hilfe meiner eigenen rudimentären Französischkenntnisse, dem google-Übersetzer und dem Wörterbuch übersetze ich das mal so:
"Es geht letztlich darum, "den gesunden Menschenverstand walten zu lassen", stellt die Gemeindeverwaltung fest.
Bei dichtem Autoverkehr beträgt die Durchschnittgeschwindigkeit 19 km/h. Bei dichtem Autoverkehr und einer vorgegebenen Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit 17 km/h."
https://www.20minutes.fr/bordeaux/25576…es-partir-lundi
Leider habe ich nichts dazu gefunden oder spreche dafür zu wenig französisch, dass es notwendig ist, bauliche Maßnahmen zu treffen, um Tempo 30 auch wirklich zum Durchbruch zu verhelfen.
Hier noch ein Video-Link:
https://www.youtube.com/watch?v=i8FDw-Jz52c
In dem Video sprechen sich auch Autofahrerinnen und Autofahrer für die Tempo-30-Lösung aus! Siehe u. a. Minute 0:48 von 1:31
In diesem und anderen Videos sieht man auch etwas von den Straßen vor Ort.