Beiträge von Ullie

    Für Falschparker eine Abschreckung? (Gesehen in Wittenberg)

       

    Wie groß freilich die abschreckende Wirkung des Hebekrans ist, bleibt abzuwarten.

    Eine vermutlich wirksamere Maßnahme erlaubt diese Geschäftsidee:

    "Ob Eigentum, gemietet oder gepachtet: gönnen Sie sich mit Parknotruf Ihren persönlichen Parkplatzwächter und statt Kosten zu haben, freuen Sie sich über eine Aufwandsentschädigung. Und das Beste: Alles geht ganz einfach. Parkplatz anlegen, Falschparker fotografieren – fertig!" Das verspricht das Unternehmen Parknotruf. https://www.parknotruf.de/

    Das Geschäftsmodell basiert darauf, dass das Unternehmen auf Veranlassung des Parkplatzeigentümers tätig wird und den Wagen, der den privaten Parkplatz blockiert, entfernt. Der Parkplatzeigentümer muss nur die Parknotruf-App benutzen und damit ein Foto hochladen. Das Unternehmen kommt auf seine Kosten dadurch, dass es beim Parkplatzblockierer abkassiert. Für den Parkplatzbesitzer entstehen keine Kosten. Es scheint vielmehr so, dass für den Parkplatzbesitzer auch noch eine Aufwandsentschädigung rausspringt.

    Auf jeden Fall spart sich der Besitzer des Privatparkplatzes den Stress, den er hätte, wenn er einen konventionellen Abschleppdienst beauftragt, den er erst mal aus eigener Tasche bezahlen müsste.

    Hier ein anscheinend erfolglos geendeter Versuch (in Hameln), private Stellplätze durch technische Vorrichtungen vor Fremdparkern zu sichern:

    Gehst du hin? Berichte doch mal bitte. Schön wären auch subversive Fragen wie: was ist eigentlich der Unterschied zwischen den beiden Planungen? :)

    Das ist keine sonderlich "subversive" Frage. Wie kommst du da drauf?

    Hast du erst mal eine Fahrradstraße eingerichtet, dann sorgt das für Diskussion. (Siehe mein oben genanntes Beispiel aus Hannover)

    Und wenn die Radfahrerschaft am Ball bleibt, dann gibt's bald eine Fahrradzone, dann eine Fahrradstadt und der Autoverkehr wird zur Randerscheinung.

    Kroll versucht, diese mögliche Entwicklung im Keim zu ersticken. Und deshalb ist es gut, ihm Contra zu geben. Und das tu ich nicht dadurch, dass ich ihm quasi zustimme, wie du es vorschlägst.

    Ob dieser Kroll wohl weiß, dass das Konzept Fahrradstraße auch innerhalb der RadverkehrsaktivistInnen immer wieder kritisiert wird? Schoenwetterradling stützt ja mit seiner Argumentation die Kritik an Fahrradstraßen:

    Man kann ja für und gegen vieles sein, aber der Unterschied zwischen einer Tempo 30 Zone und der geplanten für den Kfz-Verkehr freigegebenen Fahrradstraße ist marginal. Wieso also solche Märchen verbreiten, dass sich bei Einrichtung der Fahrradstraße der Verkehr in die Nebenstraßen verlagern wird?

    Fazit aus Schoenwetterradlings Beitrag: Fahrradstraßen bringen keine echten Vorteile für den Radverkehr.

    In Hannover gab es ja diese Situation, dass ein Kleinlaster eine Fahrradfahrerin an der Weiterfahrt in der Fahrradstraße gehindert hat:

    Der Kleinlaster fuhr in einen Abschnitt der Fahrradstraße hinein, in dem auf seiner Seite Autos parkten. Eigentlich hätte er warten müssen, bis die entgegenkommende Fahrradfahrerin diesen Teil der Fahrradstraße passiert hat. Denn auf der Seitze der Fahrradfahrerin standen keine parkenden Autos. Und zum Aneinandervorbeifahren war dieser Abschnitt der Fahrradstraße zu eng.

    Da greift die Regel, derjenige auf dessen Seite das Hindernis ist, der hat zu warten.

    Der Kleinlaster hat aber nicht gewartet und so standen dann die beiden Stoßstange an Vorderreifen mehr als eine halbe Stunde gegenüber. Der Kleinlaster, der unerlaubterweise in den schmalen Abschnitt eingefahren ist, war nicht bereit zurückzusetzen und die Straße frei zu geben.

    https://www.haz.de/Hannover/Aus-d…die-Radfahrerin

    Ich erwähne das hier zum Ersten, weil es mich nicht wundern würde, wenn diese Episode bei der von diesem Kroll geplanten "Diskussionsveranstaltung" zur Sprache kommt.

    Und zum Zweiten, weil in der Folge in Hannover einmal mehr das Thema Fahrradstraße dick diskutiert wurde und ich dabei den Eindruck hatte, dass sich bei diesen Gelegenheiten die Geschickteren der Autolobbyisten und Verkehrswende-Verweigerern gerne ausgiebig zu Wort melden, um so zu tun, dass eigentlich sie es sind, die die wahren Interessen der Radfahrerschaft richtig vertreten, während die eigentlichen Sprecher der Radfahrerschaft nur engstirnige ideologieverblendete Lobbyisten seien.

    Ich befürchte, der Kroll hat das recht geschickt (aus seiner Sicht) angepackt. Er hat wohl das Gefühl, mit dieser "Diskussions-Veranstaltung könne er nur gewinnen. Ob er damit die Fahrradstraße verhindern kann, das ist ihm vermutlich ziemlich schnuppe, darum geht es diesem "Spaltpilz-Verbreiter" nicht.

    Zurück zum Beispiel aus Hannover: In der lebhaften Diskussion (ausgelöst durch oben erwähnten Vorfall) um den Verkehrsweg Fahrradstraße wird zum Beispiel kritisiert, dass die Fahrradstraßen in Hannover grundsätzlich immer viel zu eng seien. Dabei gibt es in Hannover sehr viele sehr breite Fahrradstraßen.


    Ein gewinnbringendes Argument in Richtung gute Radverkehrinfrastruktur bei dieser Diskussionsveranstaltung könnte meines Erachtens sein:

    "Radfahrer kritisieren häufig, dass Autofahrer die Fahrradstraßenregelungen nicht kennen. Kein Wunder: Viele Autofahrer haben ihre theoretische Fahrprüfung absolviert, bevor die Neuerung in die Straßenverkehrsordnung (StVO) aufgenommen wurde – und wissen daher schlicht nicht Bescheid." Das wurde u. a. in dem weiter oben verlinkten HAZ-Artikel als Erläuterung aufgeführt.

    Vielleicht sollte man es so versuchen: "Lieber Herr Kroll, Ihre Befürchtungen sind unbegründet. Aus der Fahrradstraße wird kein Verkehr in andere Straßen verdrängt.

    Und schon gar kein Radverkehr, denn um den zu verbessern, wird die Radfahrstraße ja angelegt.

    (Oder sehen Sie die Sache etwas so, dass für Sie nur Autoverkehr als "richtiger" Verkehr zählt?)

    Für den Autoverkehr wird es durch die Einrichtung der Fahrradstraße keine gravierenden Einschränkungen geben. Denn der Autoverkehr wird ja weiterhin erlaubt sein in der Fahrradstraße. Die Einrichtung als Fahrradstraße mit der entsprechenden Ausschilderung wird aber dazu beitragen, dass besonders rücksichtslose Autofahrer, es sich zukünftig zweimal überlegen, bevor sie auf die Hupe drücken, um einen Fahrradfahrer zu verscheuchen, den viele Autofahrer ja nicht als gleichberechtigten Verkehrsteilnehmer betrachten. (Aber solche rücksichstlosen Auofahrer wollen Sie ja wohl nicht unterstützen, nicht wahr, Herr Kroll?)

    Die von Herrn Kroll gewählte Gegenüberstellung ist ohnehin unzutreffend. "Tempo 30 für alle oder Fahrradstraße für wenige?"

    Eigentlich muss es doch heißen: "Tempo 30 für alle und Fahrradstraße für alle Radfahrerinnen und Radfahrer und diejenigen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer, die demnächst auf's Fahrrad umsteigen werden.

    Sehr gut gefallen hat mir der gelassene und ruhige Beitrag der ADFC-Sprecherin Wiebke Hansen in diesem NDR-Beitrag vom 6.8.2019: https://www.ndr.de/nachrichten/ha…strasse144.html

    Siehe in dem eingebetteten Video bei Minute 1:44.

    Von Hannover aus ist mir der Weg zu weit, aber ich wünsch mir, dass viele Hamburger hingehen und Herrn Krolls Anti-Radfahrer-Stimmungsmache entkräften werden. Und viel Erfolg für Schoenwetterradling und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

    "Was um alles in der Welt sind das für rechtsradikale Denkwelten, aus denen der Mörder von Halle als „Einzeltäter“ hervorkroch? Was treibt Klimaaktivisten aus dem ultra-grünen Umfeld dazu, ganze Generationen zu beschimpfen und demokratische Prozesse aushebeln zu wollen?" (Der zweite Satz bezieht sich vermutlich auf die Proteste von Extinction Rebellion in Berlin in der letzten Woche.)

    Diese absurde Gleichsetzung betreibt der HAZ Kommentator vom Samstag, 12.10.2019 unter dem Titel: "Mehr Politik wagen".

    Und weiter unten heißt es: "Ein erster Schritt wäre Offenheit. Was zu sehen oder hören ist, muss auf den Tisch – auch wenn es gerade nicht zur eigenen Urteilswelt passt. Das heißt Abkehr von rot-grüner Überkorrektheit ebenso wie von raunendem rechten Gerede."

    Der HAZ-Kommentar auf pressreader: https://www.pressreader.com/germany/hannov…281569472486904

    Diese Gleichsetzung von rechten Gewalttätern mit Demonstranten für klimapolitische Forderungen durch die bürgerliche Presse erschwert es, klimapolitische Forderungen in die politische Diskussion einzubringen. Da wird "das Geschäft", die politische Debatte zu vergiften, massiv von der bürgerlichen Presse vorangetrieben, die sich durch solche Äußerungen nicht mehr unterscheidet von dem, was AfD-Vertreter unter "bürgerlich" verstehen.

    Auf den Kommentar "Mehr Politik wagen", kann man nur antworten: "Absurde Gleichsetzungen unterlassen".

    Das ist halt ein demokratische Grundproblem. Ich bin gegen Tempo 60, Sie dafür. Auf den Rad-und-Wanderwegen entlang der Flüsse und Kanäle wünsche ich mir Asphalt, weil ich dann mit dem Rennrad viele Kilometer an einer völlig freien Strecke rasen kann, ohne das mir jemand in den Weg kommt. timte möchte dort gerne mit der Familie entlang fahren.

    Mit dem Schlagwort "demokratisches Grundproblem" versuchen derzeit viele Verantwortliche in Politik und vielen Medien das Problem zu verschleiern, dass dringender Handlungsbedarf besteht, verkehrstechnisch grundlegend die alles beherrschende Auto-Dominanz zu beenden. Es ist m. E. kein Zufall, dass in den letzten Tagen so ausführlich über die Unzufriedenheit der Bevölkerung in Ecuador berichtet wurde, die in der Berichterstattung ganz gezielt fokussiert wurde auf die Unzufriedenheit mit der Aufhebung der Kraftstoffpreis-Subventionen.

    Die Botschaft zwischen den Zeilen: Liebe Politiker: Benzinpreiserhöhungen führen zu Aufständen und sind demokratisch nicht durchsetzbar, also lasst gefälligst die Finger davon und hört auf, darüber laut nachzudenken.

    Und noch eine Bemerkung zu "demokratisches Grundproblem": Der niedersächsische Ministerpräsident Weil schließt verkehrspolitische Maßnahmen, die von Autofahrern als Benachteiligung bewertet werden könnten, kategorisch aus, weil das angeblich umgehend die "Gelbwesten" auf den Plan rufen würde und Barrikaden mit brennenden Autoreifen und Gewaltexzesse provozieren würde.

    Die Gelbwestenproteste, die in Frankreich stattgefunden haben (und die so nicht auf Deutschland übertragbar sind), sind für Weil ein willkommenes Argument, um verkehrspolitische Untätigkeit zu verschleiern.

    Ein anderes Beispiel für ein "demokratisches Grundproblem" ist diese automatische Polleranlage, die ich in Wittenberg fotografiert habe. Nur durch massive Sperrmaßnahmen können Autofahrer davon abgehalten werden, geltende Verkehrsregeln zu ignorieren. Demokratie bedeutet auch, sich an geltende Regeln zu halten. Auf den Rad-und-Wanderwegen entlang der Flüsse und Kanäle kann ich mir keinen Asphalt wünschen, um dann mit dem Rennrad viele Kilometer an einer völlig freien Strecke rasen zu können. Denn gäbe es dort tatsächlich eine breite asphaltierte Strecke, dann wäre die bald von Autofahrern zugefahren. Man hat bisweilen den Eindruck, dass kurze Streckenabschnitte, die selbst für Radler schwer passierbar sind, bewusst eingebaut werden, bzw. nicht entschärft werden, um Autofahrer abzuhalten.

    Wie soll mit diesem "demokratischen Grundproblem" umgegangen werden, dass ja auch in Bezug auf Gehwegzuparken allgegenwärtig ist. Da melden sich dann Leute zu Wort, die bezeichnen so was als "Notparken". Und wer dieses Argument nicht billigt, der wird als "Anti-Demokrat" gebrandmarkt.

    Wie sich das Verkehrsschilder-technisch auswirken kann, kann man auf diesem Foto sehen. Es zeigt, bevor die eigentliche Verbotszone für den privaten Autoverkehr kommt, wird erst einmal eine verkehrsberuhigte Zone vorgeschaltet. Und die Durchsetzung der (weitgehend) autofreien Stadt ist nur durch technisch extrem aufwendige (und vermutlich auch teure) Maßnahmen möglich. Im Fall der Lutherstadt Wittenberg dürfte die Finanzierung dafür dadurch erleichtert worden sein, dass 2017 dort 500 Jahre Reformation gefeiert wurde.

       

    Grundsätzlich müsste doch eigentlich klar sein: Eine Stadt kann keine Stadt mehr sein, wenn dort jeder mit dem Auto fährt. Folglich muss das Fahren mit dem Auto an Sondererlaubnisse gebunden sein, von denen nur sehr wenige und nur aus wirklich wichtigen Gründen vergeben werden. Das ist von jedem zu akzeptieren, ohne dass mit technisch sehr aufwendigen Maßnahmen die Zufahrt für nicht autorisierte Autofahrer verwehrt werden muss.

    Dass diese Akzeptanz augenscheinlich (siehe Foto) nicht gegeben ist, darin sehe ich ein "demokratisches Grundproblem".

    Ruhe heißt zum Beispiel: Man kann zu dritt nebeneinander radeln, doppeltes Schritttempo, weil die kurzen Beinchen der Neunjährigen oder des Sechsjährigen nicht mehr schaffen, man kann jederzeit anhalten zum Blümchenpflücken oder zum Picknicken oder zum Fotografieren.

    Versuch das mal an einer vierspurigen Bundesstraße oder einer kurvenreichen Straße mit Lkw-Verkehr.

    Radwandern heißt nicht: zur Arbeit pendeln, Tempo bolzen, 150 km am Tag zurücklegen.

    Davon unabhängig bin ich natürlich auch dafür, Schikanen zu eliminieren.

    Das sind ja auch die Gründe, warum ich selbst gerne Radwanderwege benutze, auf denen kein Auto fährt. Man kann auch nicht ganz schnell von heut' auf morgen alle Autostraßen autofrei machen, so dass man dort ebenso bequem radfahren kann, wie auf bequemen und gut ausgebauten Radwanderstrecken. Aber man könnte eben deutlich mehr tun, um "umzusteuern". Und es ist dringend notwendig, den bisher eingeschlagenen Weg von Verkehrsplanung zu verlassen. Ein immer mehr immer schneller mit immer breiteren und schwereren und immer PS-stärkeren Autos auf immer breiteren Straßen führt in die Sackgasse.

    Leider haben viele resigniert und sehen keine Möglichkeit, an der großen Autodominanz was zu verändern, andere sehen nicht einmal die Notwendigkeit dazu. Und leider bezeichnen viele Verantwortungsträger in Politik und Verwaltung, aber auch in den Medien einen neu eingeweihten Radfernweg bereits als die absolute Spitze der verkehrspolitischen Errungenschaften mit der das Klima dann endgültig gerettet wird. Gleichzeitig werden immer mehr Landstraßen für Tempo 100 ausgebaut, anstatt sie auf Tempo 60 zu begrenzen.

    aha. Ich finde es eine Frechheit, diese "Alternative" in einen Radwanderweg einzubauen.
    Nach der Logik hätten wir dann ja ein super-duper Rad-Fernwege-Netz in Deutschland.

    Ja klar sind da einige Lücken - aber die Alternative ist doch Bahn. Oder Bus. Oder das eigene Auto...

    Rad-Wanderwege sehe ich sehr kritisch. Was mich am meisten stört: Wozu brauchen wir Radwanderwege, wenn es doch genug Straßen gibt, auf denen Radfahrer viel besser fahren können als auf den oft viel zu schmalen, mit zahlreichen Schikanen gespickten "Radwanderwegen". Sowohl an der Weser, als auch an der Donau, am Main und an der Elbe, das sind wohl die bekanntesten Radwanderwege in Deutschland, aber auch an der Mosel, der Saar, der Leine und an Lahn und ich bin da überall schon gefahren, gibt es zahlreiche Stellen, an denen ich darüber geflucht habe, dass es kritische bis sehr kritische Stellen gibt, an denen Radfahrer geradezu verar.... werden.

    Was der "typische" Radwanderer erwartet, ist ein möglichst breiter Radwanderweg, den er mit keinen anderen Verkehrsteilnehmern teilen muss. Dafür nimmt er, so mein Eindruck, die vielen "Verar... "- Stellen in Kauf. Hauptsache er hat seine Ruhe.

    Mir geht das dann manchmal ganz schön gegen den Strich, wenn mal wieder ein Abschnitt über eine Sandpiste, Schotterpiste oder Kopfsteinpflasterpiste führt, oder absurde Kraxeleinlagen erfolgen, um Radfahrer davon abzuhalten, ganz einfach auf der nahe gelegenen Landstraße solche Problemstellen zu umfahren.

    Dabei ist ein Super-duper-Radfernwegenetz in Deutschland, doch praktisch schon vorhanden. Es gibt zahlreiche gut ausgebaute Landstraßen, die jedoch von viel zu vielen Autos mit viel zu hohen Geschwindigkeiten befahren werden. Anstatt jedoch den Autoverkehr drastisch zu reduzieren und die Geschwindigkeiten deutlich zu verringern werden Radfahrer auf "Radwanderwege" abgedrängt, die an vielen Stellen einfach nur ein Zumutung sind.

    Gut viele "Radwanderer sehen das anders, die wollen "ihren" ganz eigenen Radwanderweg. Und zumindest auf kurze Sicht, ist das ja auch eine verständliche Erwartung. Aber die sollen sich dann bitteschön nicht dran stören, wenn auf bestimmten Abschnitten auf den Zug verwiesen wird.

    Oder sie sollen sich halt dafür stark machen, dass die Alternative zum Zug, die Fahrt über eine Bundesstraße, so gestaltet wird, dass dort die Autofahrer zu sehr viel Rücksichtnahme gegenüber dem Radverkehr gezwungen werden.

    Ich habe zwar keine Ahnung wo genau das ist, aber ich sehe im Hintergrund an diesem „Feldweg" Grundstückszufahrten, die mindestens den Graben überwinden. Für mich ist das damit kein Feldweg, sondern eine öffentliche Straße. Und ich sehe nicht, warum hier nicht derjenige, der das geländegängigere Fahrzeug hat, ausweichen könnte.

    Weißt Du noch wo genau das ist? Mathestraße von Hohnhorst nach Nenndorf?

    Am anderen Ende des Landkreises fahre ich üblicherweise nur auf Straßen, die ich kenne, nicht auf solchen abseitigen Wegen bie denen man nicht weiß, wo man rauskommt.

    Das erste Schild, mit der piktogrammartigen Darstellung steht hier: https://www.google.de/maps/@52.35434…m/data=!3m1!1e3

    Und zwar an der Straße, die von Osten nach Westen durch das Satellitenbild führt, in Höhe der Einmündung Am Anger.

    Das zweite Schild steht am selben Feldweg ca. 500 m weiter Richtung Westen, direkt an dem Knick in Richtung Süden, hinter dem Bahnübergang: https://www.google.de/maps/@52.35393…m/data=!3m1!1e3

    Wenn man den Weg Richtung Süden folgt, dann kommt man an einem Neubaugebiet am Rand von Bad Nenndorf vorbei und stößt auf die Bad Nenndorfer Straße in Höhe der von Süden kommenden Einmündung der Straße "In der Peser".

    Die Ausschilderung am Siegradweg, die "timte" hier dokumentiert, hat mich an eine Ausschilderung von Feldwegen im Landkreis Schaumburg erinnert. Ob die Kommune Bad Nenndorf oder der Landkreis das durchgeführt und genehmigt hat, weiß ich nicht. Aber es ist unverkennbar, dass man sich enorm viel Mühe gegeben hat bei der Gestaltung der Schilder. Zunächst wurden sie noch Verkehrsschilder-üblich mit abstrakten Darstellungen piktogramm-artig gestaltet.

    Dann hatte wohl wer den Gedanken, dass Radfahrende zu solch abstrakter Denkungsart nicht in der Lage seien und hat deshalb eine Umgestaltung vorgenommen, sodass jetzt Fotos zum Einsatz kommen, um klarzumachen, dass Fußgänger und Radfahrer nur im Straßengraben erwünscht sind:

           

    Gut finde ich auch den Hinweis rechts: " Kein Radweg/schmaler Streifen bei hohem Verkehrsaufkommen "

    Die warnen einen vor ihrer eigenen Infrastruktur.

    Also ich finde das ganz und gar nicht gut, aber du hast es ja wohl ironisch gemeint.

    Davon mal ab: Was kann denn in so einer Situation tatsächlich besser gemacht werden?

    Da ist ein schöner Radreiseweg an einem Fluss entlang und ich bin mir ziemlich sicher, dass ein hoher Prozentsatz von Nutzern dem von dir fotografierten Hinweisschild Folge leisten werden und statt der Bundesstraße die Bahn benutzen.

    Mal angenommen, dort fahren Züge, die problemlos eine Fahrradmitnahme ermöglichen, die Haltestellen sind so gestaltet, dass es problemlos möglich ist, diese Züge zu erreichen (also keine Treppenab- und aufgänge, über die das Fahrrad getragen werden muss) und das Tarifsystem ist sofort durchschaubar und es werden nicht exorbitant hohe Beträge für die Fahrradmitnahme berechnet, dann ist die angebotene Alternative gar nicht zu verachten. Allerdings hatte ich hier drei "Wenns" eingebaut, die nach meinen Erfahrungen noch längst nicht überall erfüllt sind.

    Für das Wahrscheinlichste halte ich, dass für die rund 12 km Fahrradmitnahme 5 Euro + X pro Rad und/oder 10 Euro + X pro Tandem (falls die Tandem-Mitnahme überhaupt zulässig) berechnet werden. Selbst wenn dann die anderen "Wenns" Aufzüge, Haltestellenkanten, die einen ebenen Einstieg ermöglichen, Tarifsystem und Bezahlmöglichkeiten sofort problemlos durchschaubar, genug Platz für Räder im Zug (ggf. auch für Kinderanhänger) hinhauen, dann werden viele Radler nur zähneknirschend die 5 Euro * X für die Radmitnahme hinblättern.

    Was bleibt (mal wieder) hängen? ÖPNV ist zu teuer.

    Und auf dem Hinweisschild ist nichts von den von mir aufgezählten Punkten erwähnt, folgt man dem Hinweisschild, dann ist das so eine Art "Katze im Sack kaufen), mit großer Enttäuschungs-Gefahr.

    Und das wäre echt ärgerlich, denn eigentlich sind ÖPNV und Radverkehr zwei wichtige Säulen für eine ökologische Verkehrswende, die sich gut ergänzen sollten.

    Und jetzt zur Straße: Da wird mit der von dir dokumentierten Ausschilderung ganz unmissverständlich klargemacht: "Radler absolut unerwünscht." "Verpisst euch!"

    Dabei gäbe es auch hier Alternativen: Wie wäre es zum Beispiel mit folgendem Hinweis:

    Auf dem gesamten Bundesstraßenabschnitt, der hier als Umleitung empfohlen wird, gilt Tempo 50 und es wird am Anfang und am Ende des Bundesstraßenabschnitts darauf hingewiesen, dass mit verstärktem Radverkehr zu rechnen ist, und das vorgegebene Tempolimit streng überwacht wird.

    Geht doch. Oder besser: Würde doch gehen, wenn ... Ja, wenn das Thema Verkehrswende endlich ernst genommen würde.

    Und zu der bereits genannten Ausschilderung für den Autoverkehr könnte man ergänzen: "Wenn Ihnen Tempo 50 zu langsam ist, dann benutzen Sie doch einfach die Bahn, die fährt mit Tempo 90 km/h!" :saint:

    Jemand eine Idee, was eine "Autostraße" sein könnte...!? :/

    EOS_19-0812.jpg

    Vielleicht soll "Autostraße" ja Kraftfahrstraße (Zeichen 331.1 https://de.wikipedia.org/wiki/Bildtafel…,_StVO_2013.svg ) bedeuten?

    Wie geil wäre das denn? Da wollte ich schon immer mal drauf fahren!

    Im Ernst: Für viele Radler ist es ganz normal, dass für sie Radfahren nur dort richtig möglich ist, wo sie einen eigenen "Fahrrad-Weg" haben. Deshalb wird es auch nur wenige Radler geben, die den "Witz" an dem Schild nachvollziehen können.

    Und ja, viele Radfahrer sind nur Gelegenheitsradfahrer, die sich gewöhnlich mit dem Auto fortbewegen. Und als Autofahrer nehmen sie wie die meisten Autofahrer die Radfahrer vor allem als "Stör-Objekte" wahr. Für diese Gelegenheitsradfahrer ist so ein Schild der Hinweis auf ein Ärgernis, nämlich dass sie jetzt gezwungen sind, etwas zu tun, was sie eigentlich gar nicht gerne machen. Eigentlich wollten sie ja schön im Grünen radeln, ohne den Autoverkehr mit ihrer Anwesenheit auf der "Autostraße" zu belästigen.

    Ein sehr schön gestaltetes Hinweisschild auf eine Fahrradwerkstatt in Wörlitz. Der Ort liegt nahe an der Elbe und kann mit einer als Weltkulturerbe ausgezeichneten Gartenanlage glänzen. Wer an der Elbe eine Radtour macht, der sollte unbedingt wenigstens einen halben Tag dafür einplanen.

    Ein halber Tag ist natürlich nicht nötig, um das Schild "Zur Werkstatt" zu bewundern. Aber vom Gartenreich Wörlitz gibt es genug Fotos, z. B. bei Wikipedia:

    https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%B6rlitzer_Park

    Ein kurzer Überblick aus Mainz zum dortigen OB-Wahlkampf am 27.10.2019 und welche Rolle der Radverkehr dabei spielt.

    Der Titel des Themas ist so gewählt, das übergangslos auch nach der Wahl weitere Artikel zum Thema Radverkehr in Mainz dazu veröffentlicht werden können.

    "Zu Nino Haases (CDU) Agenda gehört denn auch die Bewahrung der Mainzer Plätze, mehr Grün in der Stadt, die Aufwertung des Mainzer Rheinufers sowie ein umfassendes Radwegenetz für die Landeshauptstadt, das auch mit dem Umland verzahnt wird." Das schreibt die Internetzeitung "Mainz &" am 16.7.2019 über den CDU-Kandidaten für das Mainzer OB-Amt über das die Mainzer BürgerInnen am 27. Oktober 2019 entscheiden.

    https://www.mainzund.de/kandidatenchec…mit-nino-haase/

    Über die Kandidatin der Grünen, Tabea Rößner (Grüne), wird an selber Stelle berichtet, dass zu ihren Themen "Mainz als Fahrradstadt und Smart Green City,..." gehört.

    Und der dritte aussichtsreiche Kandidat, Michael Ebling (SPD), der zugleich der Amtsinhaber ist, scheint aus dem Amt heraus den OB-Wahlkampf rund um das Theme Radverkehr zu betreiben:

    "... ein richtiges Radverkehrskonzept, wie andere Städte in der Region, hat Mainz bislang noch nicht. Allerdings gibt es jetzt Pläne, ein Programm zur Förderung des Radverkehrs in der Landeshauptstadt ins Leben zu rufen, berichtet die "Allgemeine Zeitung". Dabei wolle man sich am 20-Punkte-Programm der Stadt Karlsruhe orientieren, das unter anderem eine Steigerung des Radverkehrs und weniger Radunfälle vorsieht. Das Mainzer Verfahren soll laut Bericht "Mainzer Rad-Konsens" heißen und mit einer Bürgerversammlung am 16. Oktober starten. Dort solle laut Verkehrsdezernentin Katrin Eder jeder die Möglichkeit haben, sich mit seinen Vorschlägen einzubringen. Der Stadtrat solle das Programm dann bis zur nächsten Sommerpause verabschieden."

    t-online, Mainz will Situation für Radfahrer verbessern, 1.10.2019.

    https://www.t-online.de/region/mainz/n…verbessern.html

    Da kann man sich natürlich auch fragen, warum der Mainzer OB, der ja bereits das achte Jahr im Amt ist, sich nicht schon früher und stärker um den Radverkehr verdient gemacht hat?

    Auf jeden Fall ist das Thema Radverkehr ein wichtiges Thema im Mainzer OB-Wahlkampf, genau wie in Hannover.

    Und in beiden Landeshauptstädten könnte es am 27. Oktober zu einem Vorentscheid darüber kommen, ob jeweils eine grüne Kandidatin (Tabea Rößner in Mainz), bzw. ein grüner Kandidat (Belit Onay in Hannover) die Geschicke der jeweiligen Landeshauptstadt lenken wird. Voraussichtlich wird bei beiden Wahlen die endgültige Entscheidung erst zwei Wochen später am 10. November 2019 in der Stichwahl fallen.

    Herausforderer Nino Haase, auf einem Wahlplakat: https://pbs.twimg.com/media/EECJesWX4AE4whY.jpg

    Von der Grünen-Kandidatin Tabea Rößner ein Plakat-Bild auf Antenne Mainz.de: https://www.antenne-mainz.de/binrepository/…90919064946.jpg

    Amtsinhaber Michael Ebling auf dem Wahlplakat in einem Bericht von Mainz&: https://www.mainzund.de/wp-content/upl…ner-696x966.jpg

    Was mir nicht so ganz klar geworden ist in Bezug auf den im Referentenentwurf vorgeschlagene Zusatz: "Fahrräder sind außerhalb von Seitenstreifen und Fahrbahnen abzustellen."

    https://www.umkehr-fuss-online-shop.de/kostenlose-dow…stand-27-9-2019

    Bedeutet abstellen nun "Halten" oder "Parken"?

    Wenn ich mir ein solches Fahrzeug (Foto) als Pakete-Auslieferungsfahrzeug vorstelle, wo soll der Fajhrer dann damit fahren? Auf dem Gehweg oder auf der Fahrbahn?

    Wenn er auf dem Gehweg fährt, ist das Mist, denn nicht jedes Haus in einer Straße bekommt ein Paket, so dass längere Strecken auf dem Gehweg zurückgelegt werden würden, obwohl da niemand zu beliefern ist.

    Wenn er auf der Fahrbahn fährt, dann muss der Paketauslieferer mit einem großen Paketauslieferungsfahrzeug auch auf der Fahrbahn halten können. In dem Gesetz-Änderungsentwurf steht aber, Fahrräder dürften nicht abgestellt werden. Ist "Abstellen" und Halten dasselbe? Oder ist "Abstellen" dasselbe wie Parken?

    Eigentlich müsste in Anbetracht der Größe moderner Fahrrad-Auslieferungsfahrzeuge, die ja in der Regel als Pedelec, also mit Unterstützer E-Motoren ausgestattet sind, ganz klar geregelt sein, dass diese auf der Fahrbahn halten dürfen. Trotzdem muss er erlaubt sein, damit auch zum Vereinfachen des Auslieferns auf den Gehweg zu fahren, wenn da genug Platz ist.

     

     

    Fuß e.V. kritisiert zu Recht den geplanten Zusatz zu §12, Abs. 4, der neu in die StVO aufgenommen werden soll: "In Absatz 4 wird nach Satz 2 folgender Satz eingefügt: „Fahrräder sind außerhalb von Seitenstreifen und Fahrbahnen abzustellen.“ " https://www.umkehr-fuss-online-shop.de/kostenlose-dow…stand-27-9-2019

    Stattdessen schlägt Fuß e.V. vor, diesen Zusatz aufzunehmen: "Statt der vorgesehenen Formulierung sollte in § 12 Absatz 4 a) ein neuer Satz 2 eingefügt werden: „Fahrrädern und Fahrrad-Gespanne mit mehr als zwei Metern Länge und mehr als 75 cm größter Breite dürfen auf Gehwegen nur auf dafür ausgewiesenen Flächen abgestellt werden.“ Die Abstell-möglichkeit am Straßenrand verbleibt ihnen damit." Das geht aber auch nicht gut, befürchte ich.

    https://www.umkehr-fuss-online-shop.de/kostenlose-dow…stand-27-9-2019

    Fuß e.V. will verhindern, dass große Fahrräder die Radwege versperren. Das ist einerseits verständlich, andererseits aber kurzsichtig gedacht. Denn die Zunahme von großen Fahrrädern bedeutet ja auch ein zusätzliches Argument dafür in die Hand zu bekommen, Gehwege deutlich breiter zu gestalten als heute.

    Dafür gäbe es auch noch weitere Gründe: So findet nach meiner Beobachtung der Briefträger-Verkehr vorwiegend auf dem Gehweg statt. Und alles andere wäre ja auch völlig unrealistisch, denn ein Briefträger, der von haus zu haus unterwegs ist kann oftmals rein technisch gar nicht jedesmal den Fußweg verlassen, ein Stück Fahrbahn fahren und dann gleich wieder auf den Fußweg drauf. Dazu parken auch in vielen Straßen die Autos viel zu dicht. Und selbst wenn der Briefträger zu Fuß unterwegs ist, dann hat er mindestens einen Schiebewagen dabei. Einen Briefträger nur mit Umhängetasche kenne ich eigentlich real nur von sehr viel früher.

    Fuß e.V. ist meines Erachtens besser beraten, weitere Gründe zu suchen, die ein Verbreitern der Gehwege nahelegen, anstatt sich degegen zu wehren, dass große Fahrräder auf den Gehwegen parken.

    Trotzdem hat Fuß e.V,. natürlich vollkommen Recht damit, den Zusatz "Fahrräder sind außerhalb von Seitenstreifen und Fahrbahnen abzustellen." abzulehnen. Dieser Zusatz darf nicht kommen. Das widerspräche dem Anliegen einer Verkehrsende herbeizuführen so drastisch, dass man diesen Zusatz eigentlich nur in einem Sinne gutheißen könnte: Der Zusatz entlarvt die Verkehrsplaner, die in keiner Weise an einer Verkehrswende interessiert sind und das mit so einem Zusatz fett unterstreichen wollen.

    Liebe Hamburger, entschuldigt bitte und vielen Dank für die Info "erster Bürgermeister". Aber in Hannover ist grad OB-Wahl angesagt (am 27.10.2019), da muss es mir durchgerutscht sein, dass Hamburg ja ein eigenes Bundesland ist und die Begrifflichkeiten andere. Der Erste Bürgermeister in Hamburg ist dann also vergleichbar mit einem Ministerpräsident? Und er wird nicht direkt gewählt, sondern vom Parlament? In Hamburg heißt das glaub ich "Bürgerschaft". Richtig?

    Fahrbahnradler, was schlägst du denn vor, um eine "bittere Medizin schmackhaft" zu machen, wie du es formulierst?

    Ich denke ja, dass es sich beim notwendigen Umstieg auf den ÖPNV und das Rad keinesfalls um eine "bittere Medizin" handelt, denn im Grunde genommen ist es ja eine unglaublich entspannende Angelegenheit, sowohl das Bus- und Bahnfahren als auch das Radeln. Aber um es nicht nur im Grunde genommen, sondern wirklich zu einer entspannenden Angelegenheit zu machen, ist es halt notwendig, die Verkehrsflächen vom Autoverkehr zu "entlasten", um mal einen anderen Begriff als "plafonieren" ins Spiel zu bringen.

    Super, dass du da warst und diesen tollen Bericht hier veröffentlichst! :thumbup:

    Besonders gefällt mir deine Schilderung von Monheims Eingreifen an der Stelle, an der der Moderator mal wieder verklausuliert zum Ausdruck bringen will, ohne Autoverkehr ginge es halt nun mal nicht und im ländlichen Raum schon gar nicht! :thumbup:

    Hast du vielleicht noch ein paar Fotos von Plakaten, die bei der Demo gezeigt wurden?

    Hier noch welche von der Demo ebenfalls am 20.9.2019 aus Hannover, die ich noch nicht gezeigt hatte:

       

    Nochmal zu dem von Malte verlinkten Film: "Klima-Streit in Hamburg: Luisa Neubauer diskutiert mit Bürgermeister Peter Tschentscher" https://www.youtube.com/watch?v=Prok1ylVkb4

    In dem Film wird auch ein Referat vom Bereichsleiter Verkehrsplanung der Stadt Zürich gezeigt.

    Ab 1:42:38 sagt Dominik Brühwiler, Bereichsleiter Verkehrsplanung in Zürich: "Ich glaub, man darf nie vergessen, natürlich gibt's Preis, es gibt Komfort, (...), das Netz muss gut sein, man kann die Preise noch so senken, gratis öffentlichen Verkehr machen, das Netz muss gut sein, dass es benutzt wird."

    Als Beispiele zählt Brühwiler auf: "Haltestellendichte, Anmarschweg, merkbarer Takt, dichter Takt, kurze Wartezeiten, Zuverlässigkeit - wenn's nicht klappt, hört man auf, steigt auf's Auto um - zuverlässige Reisekette; Anschlusssicherung, wir sprechen auch von Taktfamilien ..."

    Brühwilers Vortrag zeigt: Der ÖPNV-Fahrgast steigt auf's Auto um, wenn es nicht klappt mit der Zuverlässigkeit des ÖPNV! Und da ist es dem ÖPNV-Fahrgast egal, dass er als Autonutzer dazu beiträgt, die Straßen zu verstopfen, anderen Verkehrsteilnehmern (Fußgängern, Radfahrern, ÖPNV-Nutzern im Weg zu stehen und das Leben schwer zu machen), wenn der ÖPNV-Fahrgast feststellt, dass die Zuverlässigkeit nicht gegeben ist, dann wird er zum Autofahrer, denn er sitzt lieber von seinen "heimischen vier Blechwänden" umgeben im Stau, als dass er sich im Bus gezwungen sieht auszuharren, bis der Autoverkehrsstau sich aufgelöst hat.

    Da liegt der "Hase im Pfeffer", was Leute wie Hamburgs Oberbürgermeister Tschetschner dazu drängt, die U-Bahn als geeignetes Verkehrsmittel für den ÖPNV-Ausbau anzupreisen. Die Zuverlässigkeit der U-Bahn ist gewährleistet. Sie fährt auf eigenen Fahrwegen, getrennt vom extrem störanfälligen MIV.

    Den Autoverkehr jedoch möchte der Hamburger Oberbürgermeister unangetastet lassen. Zwar fordern seine Fachleute für den ÖPNV eigene Busspuren, aber die will der OB, den Autofahrern nicht abknapsen. Das ist ihm die Mühe nicht Wert an dieser Stelle Überzuegungsarbeit zu leisten. Da flüchtet sich der Hamburger Oberbürgermeister lieber in nebulöse U-Bahn-Zukunftsvisionen und entschuldigt damit auch noch das MIV-Unwesen nach dem Motto: "Ich habe ja vollstes Verständnis für diese Autofahrer, denn ich habe für sie bislang noch nicht ausreichend U-Bahn-Strecken geschaffen."

    Kein Wunder, dass die Friydays for Future Vertreterin auf dem Podium, in hohem Maß ihre Unzufriedenheit äußert, denn das, was dem Züricher Bereichsleiter Verkehrsplanung, Dominik Brühwiler, am Ende seines Referats so leicht über die Lippen geht, dass wird vom Hamburger Oberbürgermeister strikt abgelehnt: Brühwiller betont als ein zentrales Element der erfolgreichen Verkehrsplanung für mehr ÖPNV und weniger Autoverkehr die "Plafonierung des Autoverkehrs": "Der Straßenverkehr bzw. die Parkplätze sind plafoniert." Minute 1:54:28

    Möglicherweise taugt dieses Schweizer Wort "Plafonierung", benutzt im Sinne von "Plafonierung des Autoverkehrs" dazu, eine echte Verkehrswende anzuschieben! Laut Duden bedeutet plafonieren: "nach oben hin begrenzen, beschränken".

    Da nur wenige Entscheidungsträger und solche, die es werden wollen, bereit sind, im Zusammenhang mit Autoverkehr Wörter wie "begrenzen" und "beschränken" auszusprechen, könnte "plafonieren" eine geeignetere Wortwahl sein, um dasselbe zum Ausdruck zu bringen.

    Also ich bin schon mal sehr dafür, dass der Autoverkehr plafoniert wird.

    Ja, U-Bahn ist teuer und es dauert deutlich länger, sie zu bauen. Aber langfristig (d.h. sobald sie befahren wird), lohnt sie sich.

    In dem Moment, in dem die U-Bahn fertig gestellt ist, lohnt sie sich noch lange nicht, denn die enormen Baukosten müssen ja erst mal wieder eingefahren werden. Erst wenn die Investitionen für den Bau wieder eingespielt sind (und so was dauert Jahrzehnte), dann kann man mal schauen, ob denn die ebenfalls enormen Betriebskosten und Instandhaltungskosten durch die Einnahmen gedeckt werden können.

    Das ist alles schon schlimm genug. Richtig schlimm wird es aber dadurch, dass der U-Bahnbau (und Betrieb) staatlich subventioniert wird, und diese Subventionen als ÖPNV-Subventionen bezeichnet werden, obwohl der U-Bahnbau vor allem deshalb durchgeführt wird, um oberirdische Verkehrsflächen für den MIV zu generieren. Es handelt sich also bei den Subventionen für den U-Bahnbau tatsächlich um Subventionen für den MIV!

    Vielen Dank Gerhart für den genauen Hinweis auf die Aussage zu den Busspuren.

    Übrigens hasse ich nicht die U-Bahnen. Ich bin selbst schon oft U-Bahn gefahren und meine Interesse an Nahverkehrsthemen entspringt nicht zuletzt der Beschäftigung mit U-Bahnen.

    Es wäre ganz sicher ein größeres Ding, darüber zu diskutieren, unter welchen Umständen möglicherweise der U-Bahnbau tatsächlich Sinn macht. Und man müsste dann mit berücksichtigen, dass in sehr großen Städten schon sehr früh U-Bahn-Linien gebaut wurden, so dass die jüngere Ursache für den U-Bahnbau, nämlich Platz schaffen für den Autoverkehr vermutlich noch nicht den heutigen Stellenwert hatte.

    Aber bezogen auf das Interview ist es doch nun wirklich nicht zu übersehen, bzw. zu überhören, wie der Ausbau der U-Bahn als Allheilmittel für die Steigerung der Transportkapazitäten und der Zuverlässigkeit des ÖPNV angepriesen wird. Und gleichzeitig bleibt völlig offen, wie denn nun die notwendigen Busspuren eingerichtet werden sollen, die tatsächlichsofort die Lage für den ÖPNV verbessern könnten. Es wird lediglich von Herrn Eigner (Sprecher der Geschäftsführung des Hamburger Verkehrsverbundes) in Minute 49:50 der Hinweis gegeben, dass der Unterschied zwischen einer Stadtbahn und einen Busbetrieb auf eigener Busspur gar nicht so groß sei. An dieser Stelle schweigt sich Herr Eigner darüber aus, woran es denn liegt, dass diese Busspuren nicht eingerichtet werden. Und auch die Behauptung der Unterschied zwischen Stadtbahn und Bus sei gar nicht so groß, hinkt doch sehr. Die Stadtbahnzüge, die in Hannover als Drei-Wagen-Züge zum Einsatz kommen, können 450 bis 500 Fahrgäste transportieren. Die neuesten Metro-Busse in Hamburg vom Typ Capacity-L bieten Platz für 125 Fahrgäste.