Ui, gut das die Wahl gerade vorbei ist. Da verprellen die Grünen ja nicht nur die Jungen, sondern gleich alle bis ~60 Jahre.
Das wird sicher viel Diskussionen geben, inzwischen gibts ja schon 1 Generation die mitten im Leben steht und keinen Dienst leisten musste, dazu nochmal eine, bei der die Männer schon recht großzügig ausgemustert wurden und nur wenige Frauen einen anrechenbaren Dienst. Und dann noch eine bei der die Frauen fast keine anrechenbare Dienste geleistet haben, aber wahrscheinlich schon fast Omas sind.
Naja, sehr viele ältere Frauen und auch einige Männer haben eine nicht unerhebliche Arbeitszeit sogenannte "Care-Arbeit" geleistet. Sollte tatsächlich das Modell der Grünen weiter in der Diskussion verfolgt werden, dann wird das ebenso zur Sprache kommen, wie fehlende Kita-Plätze und Ganztagsschulen, sowie Alten-Pflegeheime.
So gesehen ist das Modell geeignet, spannende, längst überfällige Diskussionen auszulösen, wie du es ja auch vermutest.
Du schreibst ja von "anrechenbaren Diensten"! Aber was genau "anrechenbar" bedeutet bei dem Grünen-Vorschlag, ist längst noch nicht ausgemacht. Eine Beschränkung auf Tätigkeiten bei der Feuerwehr oder beim Technischen Hilfswerk jedenfalls greift viel zu kurz.
Vergleichbar mit dem Equal Pay Day gibt es seit Jahren den Equal Care Day:
"Der Equal Care Day (englisch) ist ein Aktionstag, der auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Fürsorgearbeit aufmerksam macht. Die Festlegung auf den 29. Februar, der als Schalttag nur alle 4 Jahre stattfindet und in den Jahren dazwischen übergangen wird, weist darauf hin, dass Care-Arbeit als weitgehend „unsichtbare Arbeit“ gilt, die oft nicht wahrgenommen und nicht bezahlt wird. Der Tag symbolisiert außerdem das Verhältnis von 4:1 bei der Verteilung von Care-Arbeit und ruft in Erinnerung, dass Männer rechnerisch etwa vier Jahre bräuchten, um so viel private, berufliche und ehrenamtliche Fürsorgetätigkeiten zu erbringen wie Frauen in einem Jahr."
Da die Männer im Verhältnis nur ein Viertel der Care-Arbeit im Vergleich zu Frauen leisten, wäre es nur schwer vermittelbar, wenn Care-Arbeit für den "Freiheitsdienst" nicht angerechnet würde.
Gewissermaßen ist die Care-Arbeit im traditionellen Familiensystem ein Freiheitsdienst der Frauen für "ihre" Männer (Ehepartner, Brüder, Väter, Söhne). Und in unserer völlig unzureichend mit familienunterstützenden Institutionen ausgestatteten Gesellschaft ist es leider so wie in traditionellen Gesellschaften: die Care-Arbeit bleibt oft an den Frauen hängen.
Man könnte auch so sagen: Wenn die Politik es nicht hinbekommt, qualitativ hochwertige Ganztagskindergärten und Ganztagsschulen usw. für alle einzurichten und kostenfrei anzubieten, dann hat sie nicht das Recht, einen unfreiwilligen, verpflichtenden Wehrdienst, Freiheitsdienst oder wie auch immer man einen solche Zwangsverpflichtung schönreden will, von ihren Bürger*innen einzufordern.