Beiträge von Ullie

    Das schreibt die Wirtschaftswoche am 1. April 2021 über den Tübinger Modellversuch:

    "Lisa Federle wirkt nervös. Zum ersten Mal seit Tagen, wenn nicht seit Wochen. Grund, unruhig zu sein, hat die Notärztin allemal. Innerhalb einer Woche hat sich die Inzidenzzahl in ihrer Stadt verdoppelt. Dieses Schicksal teilt Tübingen zwar mit vielen anderen Orten in Deutschland, aber Tübingen war in jüngster Zeit nicht irgendeine Stadt, sondern so etwas wie ein deutscher Hoffnungsschimmer. Und Federle ist nicht irgendeine Medizinerin, sondern die Initiatorin des Tübinger Modellversuchs.

    Hier wollten sie zeigen, dass ein wenig Normalität wieder möglich ist – auch trotz Corona, und zwar wenn viel und gründlich getestet wird. Denn hier dürfen Geschäfte, Restaurants und Theater derzeit öffnen. Und nun das. Plötzlich wird die Stadt ebenfalls zum Sorgenfall. Die Aussicht auf Normalität trieb zuletzt mehrere tausend Touristen nach Tübingen. Womöglich zu viele. „Wenn Tübingen es nicht schafft, die Infektionszahlen zu senken, wäre es mir lieber, wenn wir pausieren“, sagt Federle. Ihre Besorgnis hört man selbst durchs Telefon."

    Am meisten Sorgen bereiten den Initiatoren des Tübinger Modellversuches dem Bericht zu Folge, die Touristen, die es in die Stadt zieht. Wobei nicht so ganz klar wird, ob es Touristen sind, die Tübingen um seiner selbst willen besuchen, oder solche, die das kleine Plus an Normalität erleben wollen, das der Modellversuch ermöglicht.

    "Doch es sind eben nicht nur Touristen und Tagesgäste, die für steigende Inzidenzen sorgen.", heißt es in dem Artikel weiter, "Immer mehr Menschen versuchen die Regeln zu umgehen, berichtet Federle. Einige ignorierten die Maskenpflicht, andere versammeln sich „in Trauben auf der Treppe vor der Stiftskirche, ohne Abstand und ohne negativen Test“. Denn testen lassen muss sich nur, wer im Café Platz nimmt oder einen Laden betritt. Vielleicht ist auch das eine harte, aber wichtige Lehre: Wer öffnet, sendet das Signal, alles sei gut, alles vorbei."

    Quelle:

    CORONA-LOCKERUNGEN IN TÜBINGEN

    Modellversuch in Tübingen wird zum Sorgenfall, 01. April 2021

    https://www.wiwo.de/politik/deutsc…l/27060262.html

    Alle, bis auf eine geheime Sekte von Radfahrern. Wenn sich alle einige sind, schrillen bei mir die Alarmglocken. Dass die Radfahrer die Politik der Automobillobby unterstützen, halte ich für einen weitern Erfolg der Autolobby wie beim Jaywalking. Dem bringe ich ernsthaft einen großen Respekt entgegen.

    Diese Ausflug in die Mobilitäts-Geschichte, der Zeit-Artikel zum "Jaywalking" https://www.zeit.de/auto/2013-06/a…komplettansicht , zeigt: Nicht nur der Fahrradverkehr gehört auf die Fahrbahn, auch der Fußverkehr gehört auf die Fahrbahn. So gesehen funktioniert das Argument nicht mehr richtig, dass gemeinsame Fuß- und Radwege nicht mehr als solche ausgeschildert werden dürfen. Die Begründung ist ja die, dass diese oft viel zu schmal sind, so dass eine Gefährdung des Fußverkehrs durch den Radverkehr befürchtet werden muss.

    Das ist natürlich Unfug, wenn der Fußverkehr so wie es früher immer schon gewesen ist, die Fahrbahn benutzt.

    Und das war früher so, das sieht man immer wieder auf alten Stadtansichten. Hier ein Beispiel aus Hannover um 1900.

    https://mar.prod.image.rndtech.de/var/storage/im…lery_detail.jpg

    Was man auch sehr gut sieht auf dem Foto:

    Die Menschen waren auch schon um 1900 mobil. Nämlich mit der Pferdebahn, die rapide abgelöst wurde von der Straßenbahn. Bereits um 1900 gab es in Hannover die ersten Straßenbahnstrecken. Teilweise wurden die Gleise einfach im Mischbetrieb genutzt.

    Ein Bild aus den 60er Jahren zeigt, wie die Autos den Platz erobert haben. Das Bild ist aus annähernd derselben Perspektive aufgenommen:

    https://mar.prod.image.rndtech.de/var/storage/im…lery_detail.jpg

    Eine wichtige Voraussetzung für ein gedeihliches nebeneinander von ÖPNV, Radverkehr und Fußverkehr ist ein Mischbetrieb mit niedrigen Geschwindigkeiten. Und OHNE Autos. Autos mit niedrigen Geschwindigkeiten, dass zeigen die vehementen Proteste, Ablehnungstaktiken und Tricksereien, das funktioniert bei Autos nicht. Hat noch nie funktioniert. Auch in dem Zeitartikel wird darauf hingewiesen:

    "1923 begann die Industriemetropole Cincinnati darüber nachzudenken, die Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge technisch zu begrenzen." Aber "tempokastrierte Wagen" hätte keiner gekauft, heißt es in dem Artikel weiter. Obwohl heute durch GPS und Computertechnologie eine sehr viel feinere Technik zur Verfügung steht, wird diese nicht verbindlich eingeführt.

    Der verbindlich das Tempo vorgebende Intelligent Speed Assistant (ISA) wird bekämpft von der Autoindustrie. Und die hysterisch ablehnende Haltung mancher Autofahrer lässt sich wohl tatsächlich nur mit "Kastrationsängsten" erklären.

    Und weil das so ist, ist es an der Zeit, das Massenverkehrsmittel Auto endgültig ad acta zu legen. Grund: Innovationsfeindlichkeit!

    Obwohl die Technik zur Verfügung steht, den Autoverkehr für alle Verkehrsteilnehmer sicherer zu machen, werden entsprechende innovative Techniken von den Produzenten UND Nutzern rundheraus abgelehnt, sabotiert, boykottiert. Es ist höchste Zeit das Massenverkehrsmittel Auto endgültig zu überwinden! Nur noch für wenige Ausnahmefälle, wie zum Beispiel Rettungsdienste, findet das Auto Anwendung.

    Zwischen 21:00 und 22:00 Uhr wird doch in den Supermärkten ohnehin nur noch Bier verkauft. Ich kenne niemanden, der in dieser Zeit seinen normalen Wocheneinkauf erledigt.

    Ich habe nie verstanden, warum man die Ladenöffnungszeiten "liberalisiert" hat.

    Früher erledigte man seine Einkäufe bis 19:00 Uhr.

    Und hatte man was vergessen, dann gab es zahlreiche Kioske, da konnte man auch noch ein Brot, eine Tütensuppe, ein Stück Butter etc. bekommen.

    Und wer sich dort ein Bier kaufte, der musste halt etwas mehr bezahlen als tagsüber im Supermarkt, aber dafür etwas weniger als in einer Kneipe. Es ist nach meiner Beobachtung durch die langen Öffnungszeiten der Supermärkte Kiosk-Kultur verloren gegangen.

    Ein anderer Nachteil: Im Stadtteil hat sich das Geschehen stärker auf wenige Treffpunkte in unmittelbarer Supermarktnähe konzentriert. Früher fand eine gleichmäßigere Verteilung im ganzen Stadtteil statt.

    Drosten kann auch für alles mögliche plädieren, weil er die wirtschaftlichen Folgen nicht bedenken muss.

    Das ist genau diese Art Argumentation, die eine zielgerichtete Diskussion so schwierig macht.
    So eine Art "Ur-Vertrauen" auf die "Selbstheilungskräfte" der Wirtschaft.

    Die Wirtschaft darf unter keinen Umständen zu irgendwas verpflichtet werden. Und wenn ein Mediziner sagt, da gibt es Nachholbedarf, dann wird so getan, als stünde der Untergang unseres Wirtschaftssystemes bevor.

    Dabei haben doch gerade viele Betriebe klar versagt bei der Einführung von verbindlichen Tests für die Mitarbeiter.

    Es war reichlich blauäugig von Scholz anzunehmen:

    "Er gehe davon aus, dass sich die Wirtschaft »auch aus Eigeninteresse« daran halten werde. Sollte dies aber nicht geschehen, kündigte Scholz an, Arbeitgeber Anfang April per Verordnung zu den Tests für Mitarbeiter zu verpflichten."

    Spiegel vom 23.3.2021

    https://www.spiegel.de/wirtschaft/unt…1f-2d8055f7353a

    Und nicht vergessen werden dürfen die negativen wirtschaftlichen Folgen im Falle weiter steigender Fallzahlen. Ich traue Drosten durchaus genügend ökonomischen Sachverstand zu, dass er das nüchtern beurteilen kann.

    Hamburg, so wird gerade in den Nachrichten auf NDR-Info vermeldet, will den Schulbesuch nur noch zulassen wenn zweimal wöchentlich ein negatives Corona-Testergebnis nachgewiesen wird.

    Wie dieses Testergebnis zu Stande kommt und wie es zertifiziert wird, wurde leider nicht in der kurzen Meldung deutlich.

    Ich bin neugierig!

    Drosten plädiert für den „Holzhammer“ gegen die Pandemie, Der Tagesspiegel, 31.3.2021:

    „Es ist klar, es müssen die Kontakte reduziert werden.“ Dazu zählten der Privatbereich, der Erziehungs- und Bildungsbereich sowie die Arbeitsstätten. „Da gibt es viele wissenschaftliche Beiträge, die jetzt auch auf Deutschland bezogen sind.“

    https://www.tagesspiegel.de/politik/wird-n…e/27057260.html

    "sowie die Arbeitsstätten", heißt es in dem Zitat. Aber wie passen dann diese ständigen Forderungen nach Öffnungsmodellen für Modegeschäfte, Restaurants, Theater usw. und das auch bei hohen Inzidenzwerten dazu? Wenn Geschäfte wieder geöffnet werden, so glauben einige wohl, dann müsse das zu begeisterter Zustimmung bei der Beschränkung privater Kontakte und der Verhängung von Ausgangssperren führen.

    Der Bareis meinte wohl eher die Unternehmenssteuern, vermute ich.

    Da kannst du recht haben, auch wenn das alles nur noch schlimmer macht:

    "MAN baut 3.500 Stellen in Deutschland ab" Zeit vom 26.1.21 https://www.zeit.de/wirtschaft/unt…and-oesterreich

    Warum fallen Politiker wie Bareis immer nur die Autoproduzenten als Steuerzahler ein, während der Ausfall bei Produzenten von ÖPNV-Verkehrsmittel anscheinend Schulterzuckend hingenommen wird.

    Nein, Verkauf und Ausschank ist nicht das selbe.

    Na dann ist Palmers "ab sofort nach 20 Uhr keinen Alkoholausschank to go mehr" ja ein ;) "ganz scharfes Schwert" ;) , das der Oberbürgermeister da blank zieht, um die "Halbstarken von Auswärts" aus Tübingen zu vertreiben.

    Und was macht er mit den "Halbstarken", die nicht von auswärts kommen, oder glaubt er, in seinem Tübingen gäbe es diesen Personenkreis nicht?

    Hier noch mal ein Remake von "Halbstark", von den Toten Hosen:

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    Palmers "Halbstarken"-Rhethorik ist reichlich danebengegriffen, wenn man versucht die Menschen zu einem verantwortungsbewussten Handeln in Pandemiezeiten zu ermutigen.

    Zitat aus Pankowitz Quelle, in der der autoaffine CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß twittert: "Was wird diese Stadt wohl machen, wenn es keine Steuereinnahmen mehr aus Autobranche gibt?" Als ob es die jemals gegeben hätte. Die Ausgaben für Straßenbau, Erhaltung u.s.w. waren immer schon deutlich höher als die Einnahmen aus KFZ- und Mineralölsteuer. Aber mit der Steuerbefreiung beim Neuwagenkauf, selbst für Hybridmodelle, deren CO2-Ausstoß noch höher ist als der normaler Verbrenner, wird doch jedem deutlich, dass durchs Auto keine Steuereinnahmen erzielt werden, weder netto (nach Abzug der Infrastrukturkosten) noch brutto.

    Wie hoch sind denn die Mineralölsteuereinnahmen bei einem reinen E-Auto? So ein E-Fahrzeug macht ja nicht einmal mehr einen Ölwechsel alle Zehn-bis Zwanzigtausendtausend Kilometer.

    Palmers vorläufiges Fazit zum Tübinger Modell: „Es läuft gut, bis auf ein paar Halbstarke von auswärts, die meinen, sie könnten Party machen.“ Deshalb werde es in der Innenstadt ab sofort nach 20 Uhr keinen Alkoholausschank to go mehr geben."

    Quelle: Stuttgarter Nachrichten vom 29.3.2021

    Wer sind denn diese Halbstarken???

    Ach so, die:

    Halbstark, oh Baby Baby halbstark,

    oh Baby Baby halbstark,

    halbstark nennt man sie,

    yeah, yeah, yeah, yeah! (2x)

    Sie rasen durch die Straßen

    und die Gassen,

    sie sind menschenleer.

    Blonde Bienen mit Bändern in den Haaren,

    und in schwarzen Leder, das sie tragen.

    Halbstark, oh Baby Baby halbstark,

    oh Baby Baby halbstark,

    halbstark nennt man sie,

    yeah, yeah, yeah, yeah! (2x)

    Und die Maschinen sind alles was sie haben,

    heiße Melodien, sie heulen durch die Nacht.

    Sie rasen durch die Straßen,

    und die Gassen,

    sie sind menschenleer.

    Halbstark, oh Baby Baby halbstark,

    oh Baby Baby halbstark,

    halbstark nennt man sie,

    yeah, yeah, yeah, yeah! (2x)

    Quelle: The Yankees, Halbstark Songtext 1965 Hier auf Youtube:

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    Kontrolliert mit Armbändchen im Biergarten sich die Birne zudröhnen ist okay.

    Aber nach 20:00 Uhr keinen Alkoholausschank to go mehr? Und was ist mit den Supermärkten und Kiosken? Oder fällt Bier und Wein in Flaschen nicht unter die Kategorie Alkoholausschank to go?

    Ein S-Pedelec ist ein (Dienst-)KFZ. Da muss man keine Extrawürste erfinden.

    Ich würde ja gerne mal sehen, dass Autos mit einer Schnellfahrsperre ausgestattet werden, die innerorts bei 30 km/h abriegelt, auf Landstraßen bei 60 km/h und auf Autobahnen bei 80km/h. Und die Polizei verfügt über Fahrzeuge, bei denen im Einsatzfall diese Schnellfahrsperren abgeschaltet werden können, genau so wie Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet werden können.

    "Inzidenz in Tübingen explodiert: Stadt zieht erste Konsequenzen

    Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisiert das Tübinger Modell* scharf. „Auch Tübingen schafft es nicht“, twitterte der Experte und Berater der Bundesregierung kürzlich. (...)

    Oberbürgermeister Boris Palmer will trotz rasant steigender Inzidenzwerte in Tübingen am Modellprojekt festhalten.

    Um genau solche Ausgangssperren in Tübingen zu verhindern, reagiert die Stadt mit zwei Maßnahmen. Das Verbot des Alkoholausschanks nach 20 Uhr ist gesetzt. „Ich hätte gar nichts dagegen zu sagen: Ab 20 Uhr ist wirklich Ruhe“, sagte Palmer am Sonntagabend in einer Online-Gesprächsrunde der „Bild“-Zeitung. Eine weitere Maßnahme im Kampf gegen die hohe Inzidenz in Tübingen ist die Begrenzung der Corona-Schnelltests für Menschen von außerhalb."

    "Kaufen statt saufen!"

    UND:

    "Du kommst hier nicht rein!"

    Mit diesen beiden "Leitsätzen" versucht Palmer jetzt das Tübinger Modell zu retten.

    Vielleicht ist das Problem, dass das Modell an seinem Erfolg zugrunde geht.

    Wer nach Tübingen fährt, um eines der in ihrer Anzahl begrenzten Tagesstickets zu erhalten, der bleibt auch dann da, wenn er keines abkriegt. Es ist ja nicht verboten, in Tübingen durch die Stadt zu flanieren. Das Tagesticket gilt als Berechtigungsschein für den Eintritt zum Beispiel in Bekleidungsgeschäfte. Nicht als Berechtigungsschein für den Aufenthalt in Tübingen. Das geht auch ohne Tagesticket.

    In Hannover ist jetzt auch ein Modellkommunenversuch nach Tübinger Vorbild im Gespräch. Der soll sogar bei hohen Inzidenzwerten gestartet werden können: "Modellkommune trotz Notbremse: Hannover will am 12. April öffnen

    Die Region Hannover will trotz hoher Inzidenz und Ausgangssperre weiterhin am Modellkommune-Projekt des Landes teilnehmen. Erhält die Landeshauptstadt den Zuschlag, sollen ab dem 12. April Geschäfte und Lokale in bestimmten Zonen öffnen." X/

    NP vom 30.3.2021

    https://www.neuepresse.de/Hannover/Meine….-April-oeffnen

    In Hannover, das hatte ich weiter oben schon berichtet, gibt's jetzt neu, eine Fahrradstaffel. Die fährt aber nicht mit Speed-Pedelecs sondern mit normalen Pedelecs: "Mit ihren Pedelecs sind die Beamtinnen und Beamten der Staffel flexibel und schnell auch bei starkem Verkehr unterwegs - gleichzeitig wird die Polizei in der Landeshauptstadt noch sichtbarer und ansprechbarer für die Menschen."

    auf der hannver.de Seite vom 23.3.21

    https://www.hannover.de/Service/Presse…ommt-ins-Rollen

    Selbst gesehen habe ich die Fahrradstaffel noch nicht, aber ich werde bei Gelegenheit drauf achten, ob es tatsächlich normale Pedelecs sind oder Speed-Pedelecs.

    Wobei die amerikanische Originalversion des von mir verlinkten Clips genau diesen Punkt thematisierte, der den deutschen Übersetzer aber wohl in der wortwörtlichen Übersetzung unangemessen schien ;)

    Das ist schon ziemlich harter Tobak, der da in der amerikanischen Originalversion deutlich wird. Aber neben Ford's Antisemitismus ist es auch die extreme Gewerkschaftsfeindlichkeit, die Hitler an Ford schätzte.

    Aber nicht nur das. Hitler ging es um Ford als Autobauer. Hitlers Autobahnbau-Propaganda war genau wie seine Autobegeisterung fester Bestandteil der Nazi-Ideologie.

    "Das Automobil galt noch in der Weimarer Republik weithin als Luxusgegenstand und fand lediglich in den oberen sozialen Schichten Verbreitung. Entsprechend schwach ausgeprägt war das politische Interesse am Kraftfahrzeug. Demgegenüber markierte Hitlers Rede auf der Internationalen Automobilausstellung 1933 in Berlin den Auftakt einer bis dahin beispiellosen politischen Instrumentalisierung des Autos im Rahmen der von den Nationalsozialisten geplanten „Volksmotorisierung“. Der rasch in Angriff genommene Bau der Autobahnen und die Propagierung des Volkswagen-Projekts rückten das Automobil nun in den Bedürfnishorizont großer Teile der Bevölkerung."

    Quelle: Gregor M. Rinn, Das Automobil als nationales Identifikationssymbol, Berlin 2008

    https://edoc.hu-berlin.de/bitstream/hand….pdf?sequence=1

    Ich versuche das mal so zusammenzufassen: Die Nazi-Ideologie verwandelte das Auto von einem Merkmal der Angehörigen der "Herrenklasse" zu einem Merkmal eines jeden Mitgliedes der "Volksgemeinschaft". Und so wurde diese "Volksgemeinschaft" der Deutschen zur neuen Herrenklasse über diejenigen Völker und Menschen, die in der Nazi-Ideologie als rassisch minderwertig bezeichnet wurden oder als Untermenschen.

    ;) So gesehen könnte man diesen Spruch, "Ich bin nichts, ich kann nichts, gebt mir eine Uniform", dahingehend abwandeln: "Ich bin nichts, ich kann nichts, gebt mir einen Autoschlüssel." ;)

    Die hypothetische Gleichstellung von Führer- und Waffenschein ist so albern. Als wenn das Automobil vorrangig zum Töten und Verletzten anderer erfunden worden wäre :rolleyes:

    Wobei, wenn man nur das richtige "Bildungsfernsehen" heraussucht, "muss" wohl was Wahres dran sein:

    Die wahre Geschichte über Henry Ford

    Das mit dem "Führer"-Schein hat mich an was erinnert: "In Hitlers Büro der NSDAP-Parteizentrale in München hing ein großes Porträt von Ford. Auf die Frage der Detroit News, was der amerikanische Industrielle für ihn bedeute, sagte Hitler 1931: „Ich betrachte Henry Ford als meine Inspiration.“" Die wahre Geschichte über Henry Ford, wie sie in dem von dir verlinkten Video erzählt wird, ist vielleicht gar nicht so weit hergeholt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Henry_Ford

    Im Ernst: Wie so oft, wird in dem von dir verlinkten kurzen Zeichentrick-Film mit satirischen Mitteln thematisiert, dass die großen Helden der Geschichte und der Industrieentwicklung oft mit einer gewaltigen Schattenseite belastet sind.

    OT, aber trotzdem. Für den Durchnittsbürger/in ist die Bewilligung eines Waffenscheins in DE nahezu ausgeschlossen. Die Vergabe erfolgt restriktiv und an den Nachweis "mehr als die Allgemeinheit gefährdet" werden hohe Ansprüche gestellt.

    "Die Zahl der Kleinen Waffenscheine ist in Deutschland laut einem Bericht abermals gestiegen. Im vergangenen Jahr sei im Vergleich zu 2019 eine Zunahme um rund 40.000 beziehungsweise sechs Prozent auf gut 704.000 verzeichnet worden, berichtet die „Rheinische Post“ (Samstagsausgabe) unter Berufung auf eine Umfrage unter den Innenministerien der Länder."

    FAZ vom 13.3.21 https://www.faz.net/aktuell/gesell…cheiden%20seien.

    OK selbst der kleine Waffenschein (berechtigt das Führen von Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen) ist in Deutschland längst nicht so weit verbreitet wie der Führerschein. Trotzdem finde ich es bedenklich, dass die Zahl der kleinen Waffenscheine abermals gestiegen ist.

    So oder so wäre es erfreulich, wenn ein Konsens darüber zustande kommt, dass die Vergabe eines Führerscheins sehr viel stärker an Bedingungen geknüpft ist, wie ja auch für den sog. "großen Waffenschein" ebenfalls strenge Vergabe-Regeln gelten:

    "Die Erlaubnis wird für höchstens drei Jahre erteilt, danach ist sie zu verlängern. Die Verlängerung alle drei Jahre ist immer mit einer Zuverlässigkeitsüberprüfung verbunden. Zuständig sind Kreisverwaltungsbehörden wie die Landratsämter oder in kreisfreien Städten die Ordnungsämter. Voraussetzung für die Erteilung sind Volljährigkeit, persönliche Zuverlässigkeit, eine Sachkundeprüfung, eine Haftpflichtversicherung und vor allem ein Bedürfnis." Quelle: Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Waffenschein

    Immerhin das mit der Haftpflichtversicherung ist über die Benutzung des Autos geregelt. Jedes Auto braucht eine KFZ-Haftpflichtversicherung.

    Neue Zahlen aus Tübingen:

    "Zum Tübinger Modell sagte Palmer zugleich, es gebe derzeit einen Anstieg der Fallzahlen. Den Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung sagte Palmer, die Sieben-Tage-Inzidenz in Tübingen sei bis Sonntag auf 66,7 gestiegen. Am vergangenen Donnerstag hatte der Wert nach Angaben der Stadt noch bei 35 gelegen und hätte sich damit innerhalb weniger Tage fast verdoppelt. Ihm mache das keine Sorgen, sagte Palmer den Zeitungen. Der Anstieg gehe eher nicht aufs Einkaufen oder den Theaterbesuch zurück. Problematisch seien jene, die abends in der Stadt Party machten. Es sei aber jederzeit möglich die Reißleine zu ziehen. „Das ist ein Experiment mit offenem Ausgang“, so Palmer." Unterstreichung von mir.

    Zeit-online vom 29.3.2021

    https://www.zeit.de/news/2021-03/2…ingen-gestiegen

    Stuttgarter Nachrichten vom 29.3.2021

    https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.modellp…7f1ed1875a.html

    Nun, die einen machen kontrolliert Party im Theater, die anderen unkontrolliert davor.

    Was mich ärgert: Ist es denn Herr Palmer persönlich, der auf diesen Inzidenz-Werten sitzt und nur hin und wieder mal welche durchdringen lässt, wenn es ihm opportun erscheint? Müsste es nicht zu einem Modellprojekt Öffnungen in der Pandemie dazu gehören, dabei möglichst mit transparenten Parametern zu arbeiten, die jeder jederzeit einsehen kann?

    Und seine Erklärung, die gestiegenen Inzidenzwerte hätten ja gar nichts mit dem Tübinger Öffnungsmodell zu tun und Schuld seien nicht die, die mit Armband in den Fachgeschäften einkaufen gehen und Theatervorstellungen besuchen, sondern gingen auf diejenigen zurück, die abends in der Stadt unkontrollierte Partys feiern, hört sich etwas hilflos (und außerdem sehr bieder) an.

    Um nicht missverstanden zu werden: Irgendwie so wie jetzt in Tübingen wird es ein Stück Rückkehr zur Normalität geben. Hoffentlich bald. Aber bei einem solchen Modell muss zuvor politisch abgesichert werden, wie weit man dabei gehen will. Und das muss offen kommuniziert werden. Und es muss geklärt sein, dass die Akteuere nicht ins Kreuzfeuer der Kritik gestellt werden dürfen, wenn es nicht hinhaut.

    Umgekehrt dürfen die Akteure aber auch nicht den Rest der Republik als übervorsichtig diskreditieren. "Boris Palmer nennt Maßnahme „mittelalterliche Methode“ unter dieser Überschrift berichtet die Stuttgarter Zeitung vom 26.11.2020: "Wir nutzen die mittelalterliche Methode, Menschen zu meiden wie die Pest“, sagte Palmer der „Fuldaer Zeitung“ (Donnerstag). Das werde immer weiter verschärft." Solche vollmundige Ansagen führen dann zu dem Effekt, dass bei manchen Schadenfreude aufkommt, wenn dann trotz der Teststrategie die Zahlen steigen. Was eigentlich kein Grund zur Freude ist.

    https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.tuebing…32037271bd.html

    https://www.berliner-zeitung.de/news/per-geset…-sein-li.148929

    Bin mal gespannt, ob man die Verordnungen da jetzt anpasst, oder weiter auf der Inzidenz als einzigem Indikator rumreitet (und dann wieder auf die Gerichte schimpft, wenn diese die Verordnungen kassieren).

    Na dann wurde Adsches Vorstellungen entsprechend nun nachgebessert.

    Ich bin nach wie vor überzeugt davon, dass das Einführen zusätzlicher Werte, zusätzlich zum Inzidenzwert keine Verbesserung bedeutet.

    Aber wer weiß? Neugierig darf man sein, ob dieser Beschluss des Bundestages nun dazu führt, dass Werte herangezogen werden, die den Inzidenzwert flankieren werden und ihn so in seiner Zuverlässigkeit verbessern. (Das fände ich in Ordnung.)

    Oder ob andere Werte herangezogen werden, um die einen ungünstigen Inzidenzwert zu relativieren.

    Das könnte bös' nach hinten losgehen.

    Zum Beispiel: Wir haben zwar einen hohen Inzidenzwert, aber wir haben auch noch zahlreiche freie Intensivbetten. Also können wir neben den Blumenmärkten auch noch die dazugehörigen Baumärkte öffnen und die Klamottengeschäfte und, und , und ...

    Die Gefahr, dass dadurch die Situation dramatisch verschlechtert wird, steigt dann an.

    Die Querstraße ist die Fahrradstraße.

    Bin mal noch eine Querstraße weiter gelaufen.

    Die verstehen das wohl als Warnschild: Achtung Fahrradstraße!

    Wenn die Querstraße eine Fahrradstraße ist, warum ist dann dort ein Schutzstreifen markiert. Da ist doch ein Schutzstreifen markiert, oder sehe ich das falsch auf dem Foto? Ein Schutzstreifen ist m. E. in einer Fahrradstraße deplatziert

    Noch ein Hinweis:

    Hier geht es zu der Vorlesung, von der der Spiegel berichtet hat und die heute (29.3.2021) Abend um 18:00 (Eintritt) stattfinden wird. Beginn ist um 18:15 Uhr. (Quelle: https://weltethos-institut.org/news/ringvorle…0Corona%2DKrise. )

    STADTGESPRÄCH WELTETHOS: WAS LERNEN WIR IN TÜBINGEN AUS DER CORONA-KRISE?

    Die Veranstaltung findet als Zoom-Webinar jeden Montag Abend ab 18.15 Uhr statt. Registrieren Sie sich jetzt auf dieser Anmeldeseite.

    Das ist der Link zur Anmeldeseite.