Das schreibt die Wirtschaftswoche am 1. April 2021 über den Tübinger Modellversuch:
"Lisa Federle wirkt nervös. Zum ersten Mal seit Tagen, wenn nicht seit Wochen. Grund, unruhig zu sein, hat die Notärztin allemal. Innerhalb einer Woche hat sich die Inzidenzzahl in ihrer Stadt verdoppelt. Dieses Schicksal teilt Tübingen zwar mit vielen anderen Orten in Deutschland, aber Tübingen war in jüngster Zeit nicht irgendeine Stadt, sondern so etwas wie ein deutscher Hoffnungsschimmer. Und Federle ist nicht irgendeine Medizinerin, sondern die Initiatorin des Tübinger Modellversuchs.
Hier wollten sie zeigen, dass ein wenig Normalität wieder möglich ist – auch trotz Corona, und zwar wenn viel und gründlich getestet wird. Denn hier dürfen Geschäfte, Restaurants und Theater derzeit öffnen. Und nun das. Plötzlich wird die Stadt ebenfalls zum Sorgenfall. Die Aussicht auf Normalität trieb zuletzt mehrere tausend Touristen nach Tübingen. Womöglich zu viele. „Wenn Tübingen es nicht schafft, die Infektionszahlen zu senken, wäre es mir lieber, wenn wir pausieren“, sagt Federle. Ihre Besorgnis hört man selbst durchs Telefon."
Am meisten Sorgen bereiten den Initiatoren des Tübinger Modellversuches dem Bericht zu Folge, die Touristen, die es in die Stadt zieht. Wobei nicht so ganz klar wird, ob es Touristen sind, die Tübingen um seiner selbst willen besuchen, oder solche, die das kleine Plus an Normalität erleben wollen, das der Modellversuch ermöglicht.
"Doch es sind eben nicht nur Touristen und Tagesgäste, die für steigende Inzidenzen sorgen.", heißt es in dem Artikel weiter, "Immer mehr Menschen versuchen die Regeln zu umgehen, berichtet Federle. Einige ignorierten die Maskenpflicht, andere versammeln sich „in Trauben auf der Treppe vor der Stiftskirche, ohne Abstand und ohne negativen Test“. Denn testen lassen muss sich nur, wer im Café Platz nimmt oder einen Laden betritt. Vielleicht ist auch das eine harte, aber wichtige Lehre: Wer öffnet, sendet das Signal, alles sei gut, alles vorbei."
Quelle:
CORONA-LOCKERUNGEN IN TÜBINGEN
Modellversuch in Tübingen wird zum Sorgenfall, 01. April 2021