Das ist aber genau der Satz, der den öffentlichen Nahverkehr besonders im ländlichen Raum so irrsinnig unökologisch macht. Das wird in der Stadt (ja, zwischen aufstehen und zu Bett gehen gibt es keine Unterschiede - das ist genau der Punkt den ich versuche zu verdeutlichen) nur deswegen nicht so schlimm, weil auch in den Nebenzeiten mehr Menschen konzentriert an einem Ort leben. Dies bestätigt übrigens Ihren Standpunkt, dass wir alle in 12m² Studentenbuden mit einer gemeinsamen Waschküche in Hanover leben sollten - dann kann der Rest Deutschlands von fliegenden Elektrodronen automatisiert beackert werden und Lebensmittel in die Megapole fliegen.
Ich verstehe. Sie vermuten, dass es in der Stadt mehr Menschen gibt, die zwischendurch, also außerhalb der morgendlichen und abendlichen Rush Hour den Bus benutzen, als das auf dem Land der Fall ist. Das verdient genauer untersucht zu werden. Es liegt meines Erachtens nicht auf der Hand, das es so ist.
Folgendes Erlebnis: Schwiegereltern wohnen auf dem Land. Es gibt kaum ÖPNV-Anbindungen. In den Ferienzeiten schon gar nicht. Aber es gibt einen ehrenamtlich betriebenen Bürgerbus. Den habe ich schon häufiger benutzt. War nicht so einfach, ich musste geltend machen, dass ich die Schwiegereltern besuche, sonst hätte ich keinen Anspruch darauf mitgenommen zu werden. Unkostenbeitrag 5 Euro pro Fahrt. (Taxi wäre teurer!)
Mitnahme nur nach Anmeldung mind. 1 Tag im voraus.
Bei der Fahrt berichtete der Busfahrer leicht angefressen davon, dass immer mehr Kinder sich anmelden, bzw. von ihren Eltern angemeldet werden für eine Fahrt ins Hallenbad im nächsten Mittelzentrum. Schließlich sei der Bus doch vor allem für die älteren Menschen da, die kein Auto mehr fahren könnten. Und die keine Verwandten haben, die sie fahren.
Ich gab zu bedenken, dass die Strecke mit dem Fahrrad für die Kinder bei schlechtem Wetter schon eine ganz schöne Zumutung sei. (ca. 20 km hin und rück) Und zudem mit einigen gefahrenpunkten für Radfahrer*innen!
"Das müssten halt die Mütter machen, die Kinder dahin fahren.", so der Fahrer.
Dieses traditionelle Familienmodell gibt es allerdings auch auf dem Land immer seltener. Letztlich gab der Busfahrer zu, dass er deswegen beim Landkreis (=finanzieller Unterstützer) nachgefragt habe. Und die befürworten auch den Transport der Kinder!
Freilich gibt es auch noch viele traditionelle Familienstrukturen auf dem Land. Da fährt dann das Mama-Taxi die Kinder. Und das Tochter-Taxi die Oma und den Opa mit dem privaten PKW, tagsüber außerhalb der Rush-Hour. Wenn man jedoch Scharffenbergs Vision "No Car" zugrunde legt, dann gäbe es nicht mehr das private Mama-Taxi / Tochter-Taxi. Und es gäbe auch tagsüber deutlich mehr Bedarf für den ÖPNV und eine entsprechend bessere gleichmäßigere Auslastung.
Ich glaube übrigens nicht wie die CSU-Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung, Dorothee Bär, daran, dass Drohnen jemals in einem nennenswerten Umfang Mobilität für breite Bevölkerungsschichten ermöglichen werden. Was Scharffenberg in "No Car" genau zum Thema Drohnen sagt, das müsste ich noch mal nachblättern. Er will jedenfalls nicht den Autoverkehr durch Drohnen-Verkehr ersetzen.