Wobei allerdings am Defizit nicht das Nicht-Einzahlen der Rentnerbis 1990 schuld ist. Die Rentenversicherung zahlt ja keine Rücklagen aus, die während des langen Erwerbslebens gebildet wurden. Sie reicht einfach nur die monatlich eingehenden Beiträge 1:1 an die Schar der Anspruchsberechtigten weiter.
Das Problem der Rentenversicherung nach der Wiedervereinigung war, dass durch Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne, Frühverrentung und Abwanderung von jungen Leuten in den Westen im Osten auf zu viele Empfänger zu wenig aktive Einzahler kamen/kommen.
Das war nicht das entscheidende Problem. Vielmehr war es so, dass die Menschen in der ehemaligen DDR alle arbeiteten. Das traditionalistische Familien-Modell, Mann arbeitet, Frau bleibt zu hause, in der BRD lange Zeit die Regel, war in der DDR eher die Ausnahme. Das führt zu höheren Rentenansprüchen, als wenn nur ein Partner gearbeitet hat.
Und das war besonders in konservativen Kreisen vielen im Westen ein Grund zur Ärgernis.
Aus dieser traditionalistischen Familiensicht werden Mütter, die arbeiten, als "Rabenmütter" bezeichnet, die ihre Kinder vernachlässigen. Und jetzt sollen diese Familien mit einem so aus traditionalistischer Sicht "verwerflichen und verabscheuungswürdigen" Familienmodell auch noch einen höheren Rentenanspruch haben als die West-Rentner. Da hat es halt keiner gewagt auszusprechen, dass zum Begleichen der Rentenansprüche die Steuern angehoben werden müssten. Und zwar vor allem bei denen, die viel verdienen (und von denen viele als Selbstständige und Unternehmer nicht in die Rentenkasse einzahlen) und nicht bei denen, die ohnehin schon wenig verdienen aber regelmäßig ihre Rentenversicherungsbeiträge entrichten.