Technischer Fortschritt wurde bisher recht erfolgreich genutzt um die Anzahl der Unfälle und Verletzten zu senken. Glauben Sie wirklich, Bremsasssitenten, ABS und Gurt wurden entwickelt um ein völlig anderes Thema zu bearbeiten? Gewichtssenkung war es nicht. Vielleicht höhere Kurvengeschwindigkeit? Ernsthaft?
Das ist nicht ganz richtig, was Sie da schreiben. Denn die Zahl der Unfälle hat sich seit 1960 mehr als verdoppelt:
1960 waren es 990.127 Unfälle, und 2020 waren es 2.245.078 Unfälle.
Die Zahl der Verletzten hat sich allerdings etwas reduziert:
1960 waren es 454.960 Verletzte, und 2020 waren es 327.453.
Sehr viel deutlicher sank die Zahl der Todesopfer.
Im zurückliegenden Jahr, 2020 gab es so wenige Todesopfer im Autoverkehr zu beklagen wie noch nie seit 1950 (da beginnt die zitierte Statistik). Die meisten Todesopfer in einem Jahr gab es 1970 mit 19.193 Todesopfern im Autoverkehr.
Quelle: destatis.de https://www.destatis.de/DE/Themen/Gese…rsunfaelle.html
Allerdings spielte bei der Zahl für 2020 das aufgrund der Corona-Pandemie verringerte Verkehrsaufkommen eine Rolle. Und in Niedersachsen hat die Zahl der tödlichen Unfälle, bei dem mit dem Fahrzeug gegen einen Baum gefahren wurde, gegenüber 2019 zugenommen. Häufigste Unfallursache: Überhöhte Geschwindigkeit.
Der "technische Fortschritt" besteht also darin, dass die Unfallzahlen mehr als verdoppelt wurden?
Immerhin sind die Zahlen der Todesopfer deutlich zurückgegangen. Die wiederum steigen in vielen anderen Ländern der Welt immer noch deutlich an, weil dort die Verkehrsinfrastruktur deutlich unsicherer ist als in Deutschland.
Bremsasssitenten, ABS und Gurt wurden vor allem deswegen entwickelt, weil die hohen Unfallzahlen drohten, die Akzeptanz des Autoverkehrs in Frage zu stellen. Und um mit Erfolgsmeldungen bei der Sicherheitstechnik andere Sicherheitskonzepte, die deutlich schneller und stärker Wirkung gezeigt hätten, abzuwehren. Dazu gehören insbesondere Maßnahmen zur Eindämmung des Autoverkehrs, deutliche generelle Tempolimits, Straßenrückbau statt -ausbau und stattdessen eine Verbesserung des ÖPNV und eine Siedlungspolitik, die deutlich weniger zur Flächen-Versiegelung und Zersiedelung der Landschaft führt (Mobilität der kurzen Wege).
Auf der Internetseite smartrider, https://smartrider.ch/de/fahrerassis…peed-adaptation , steht diesere bemerkenswerte Aussage bezogen auf einen Vergleich zwischen einem unterstützend/warnenden ISA und einem eingreifend/dirigierenden ISA:
"unterstützend/warnend: 21 % weniger Unfälle mit Todesfolge, 14 % weniger Unfälle mit Schwerverletzten
eingreifend/dirigierend: 46 % weniger Unfälle mit Todesfolge, 34 % weniger Unfälle mit Schwerverletzten"
https://smartrider.ch/de/fahrerassis…peed-adaptation
Smartrider ist ein Projekt, das sich mit Fahrerassistenzsystemen beschäftigt. Es ist ein Projekt der Schweizer Stiftung BFU, Beratungsstelle für Unfallverhütung
https://smartrider.ch/de/aktuelles/bfu
Besonders hinsichtlich der hohen Zahl von Unfällen, bei denen aufgrund überhöhter Geschwindigkeit Fahrzeuge gegen Bäume gelenkt wurden, wäre es doch sehr naheliegend, ein verbindliches ISA für alle Fahrzeuge einzuführen und nicht nur ein unterstützend/warnendes System.