„Derzeit sind etwa 90 Prozent aller Verkehrsunfälle durch menschliches Fehlverhalten bestimmt, nur 10 Prozent durch technische Fehler“, sagt Allianz-Vorstand Alexander Vollert. Je stärker der Fahrer aber am Steuer von Assistenzsystemen unterstützt wird, desto geringer wird seine Bedeutung bei einem möglichen Unfall. „Das Risiko verlagert sich vom menschlichen Fehler seitens des Fahrers oder Verkehrsteilnehmers zum menschlichen Fehler des Entwicklers.“
Die Welt vom 23.3.2015 https://www.welt.de/motor/article1…erursacher.html
Das heißt, die Unfallberichterstattung wie sie heute stattfindet, in der immer wieder solche Floskeln auftauchen wie sie zum Beispiel Malte ganz am Anfang des Threads beschrieben hat, ...
Manchmal wundere ich mich ein wenig, wie in den Polizei- oder Medienberichten zu Unfallursachen immer wieder bewusst oder unbewusst versucht wird, die Schuld oder Verantwortung von unfallverursachenden Kraftfahrern zu verniedlichen. Zum Beispiel: 80-Jährige in dichtem Nebel von Auto erfasst und tödlich verletzt
... diese Berichterstattung nähert sich der hier beschriebenen Wirklichkeit: "Ein selbstfahrendes Auto tötet eine Fußgängerin, die ein Fahrrad über die Straße schiebt - obwohl sogar ein menschlicher Fahrer als Absicherung hinter dem Steuer saß." SZ vom 6.11.2019
Noch ist es aber längst nicht überall so weit wie in dem Beispiel aus der USA, das die SZ beschrieben hat. Sehr richtig stellt Schlau Meier fest:
(...) Bisher hat der Fahrer immer noch die Verantwortung, egal wie tolle Assistenten es gibt. Und solange gibt es keine Ausreden für den Fahrer.
Und genau an der Stelle ist eine Unfallberichterstattung unvollständig und zu Gunsten des Autofahrers geschönt, wenn nicht darauf hingewiesen wird, ob entsprechende Fahr-Sicherheits-Assistenten eingebaut sind (Viele sind bereits heute eingebaut und bald sind sie Pflicht beim Neuwagenverkauf.) Und ob sie aktiviert waren, so dass Unfälle möglicherweise hätte verhindert werden können, wenn die entsprechenden Assistenten aktiviert gewesen wären. Oder ob sie nicht aktiviert waren.
Bei einem der größten Schiffsunglücke in den zurückliegenden Jahren wurde da ganz anders berichtet. Da wurde sehr ausführlich dargestellt, dass ein Schiff von der Größe der Costa Concordia mit zahlreichen Sicherheits-Systemen ausgestattet ist.
In einem Bericht auf RiskNet.de vom 31.12.2024 heißt es:
Der vierte Fehler betrifft die direkte Führung und Steuerung des Schiffes. Es war der entscheidende Fehler in der Kette der Ereignisse. Die nach den begangenen Fehlern noch vorhandenen Barrieren (INS-Navigationssystem) wurden teils außer Kraft gesetzt."
https://www.risknet.de/themen/risknew…osta-concordia/
Das INS (=Inertiales Navigations-System) ist nur einer von vielen Assistenten, die eine sichere Fahrt des Schiffes gewährleisten sollen.
Neben all den anderen auch das INS ausgeschaltet zu haben, wird in dem verlinkten Bericht als "entscheidender Fehler" bezeichnet. Und letztlich wird der Kapitän der Costa Concordia ja auch zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.
Immerhin wird inzwischen vereinzelt bereits über den Abbiegeassistent berichtet, wenn es um Autoverkehr-Abbiegeunfälle geht:
"Diskussion über Abbiegeassistenten nach tödlichem Unfall am Brill
Bei einem schweren Unfall an der Brill-Kreuzung in Bremen ist am Mittwoch eine Radfahrerin gestorben. Der Vorfall hat in der Stadt die Debatte über Abbiegeassistenten in Gang gesetzt."
Weser Kurier vom 4.4.2018 https://www.weser-kurier.de/bremen/diskuss…id,1716776.html