Jeder sechste Unfall vom Typ "Einbiegen-/Kreuzen-Unfall" ereignete sich in den letzten Jahren an einem der 11 Kreisverkehre im Stadtgebiet mit umlaufenden "Radwegen".
Komisch, dabei sollen Kreisverkehre doch angeblich so "sicher" sein: "Wer bei Stade die Autobahn A 26 verlässt, um in die Altstadt zu gelangen, merkt schnell, dass die Verkehrsplaner der Hansestadt ein Faible für Kreisverkehre haben. Allein im vergangenen halben Jahr wurden im erweiterten Stadtgebiet drei neue Kreisel gebaut. Für den Ersten Stadtrat Dirk Kraska liegen die Vorteile auf der Hand: Kreisel seien sicherer und sorgten für einen besseren Verkehrsfluss, das sei an allen umgebauten Kreuzungen feststellbar."
Quelle: SZ vom 9.12.14, "Der Kreisel ist die bessere Kreuzung" https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ver…141205-99-03087
Solche Artikel sind vermutlich der Grund dafür, dass Verkehrsplaner in Städten wie Stade auf Gedeih und Verderb den Verkehrsraum in eine Kreisellandschaft verwandeln. Dabei stimmt diese Aussage mit den wenigen Unfällen gar nicht, wie Yeti in seinem Beitrag gezeigt hat.
Aber auch in dem verlinkten SZ-Artikel ist eine Passage enthalten, die hellhörig macht:
"Kreisel gelten als wesentlich sicherer. Schwachpunkt sind die Autofahrer, die mitunter mit dem richtigen Blinken Schwierigkeiten haben." (ebenda) Wie bitte? Der Kreisel ist das Non plus Ultra "ever" sicherer Verkehrsplanung, wenn nur die blöden Autofahrerinnen und Autofahrer nicht da wären?"
Und auf dieser Basis wird in Stade (und andernorts) Verkehrsplanung betrieben? So frei nach dem Motto: "Unsere Straßen sind sicher. Wer zum Unfallverursacher und/oder Unfallopfer wird, der ist halt einfach zu blöd, um am Straßenverkehr teilzunehmen."
Das erinnert an den Begriff "Jay-Walking" aus den 20er-Jahren in den USA, als viele Fußgänger von Autos totgefahren wurden. Nbgradler hatte kürzlich in einem seiner Beiträge darauf hingewiesen. "Jay bedeutet „unerfahren“, wurde aber auch generell mit der einfachen Landbevölkerung in Verbindung gebracht. Nach der Lesart von Motordom waren zwar auch die Fahrer an Unfällen schuld, hauptsächlich und vor allem jedoch unerfahrene „Landeier“, die gedankenlos vor das Auto liefen." https://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fverkehr
Noch ein interessanter Hinweis in dem SZ-Artikel lässt aufhorchen:
"Ganz billig sind Kreisverkehre für die Städte und Gemeinden nicht."
Warum regt sich in Stade so wenig Widerstand gegen den kostspieligen und dabei unsinnigen Bau von Kreiseln, die dann zu Unfallschwerpunkten werden? Soll es dann irgendwann in Abwandlung der Sitting Bull zugeschriebenen berühmten Rede heißen: "Wenn die letzte Fahrradfahrerin und der letzte Fußgänger im Kreisel totgefahren sind, dann werdet ihr merken, das Kreisel auch nicht sicherer sind als Kreuzungen." (Und dann werdet ihr vielleicht endlich MIV-freie Mobilität für Alle organisieren!)