Beiträge von Malte

    Vielleicht hilft dieses bei der Entscheidungsfindung: Ich würde an meinem Rad reinigen. Mit Badreiniger. Und einem weichen Schwammtuch.

    Danke für die ausführliche Erklärung. Du schriebst oben was von „zügig“ — das heißt, ich sollte mir damit nach Möglichkeit nicht noch ein paar Tage Zeit lassen?

    Ich war ein großér Fan der Scheinwerfer mit Anschluss zum Laden des Navigationsgerätes (oder Telefons). In meinem Fall immer die Busch und Müller Variante, die zwar weniger schön ist als Edelux, aber dafür erheblich billiger. Der Nachteil war in allen drei bisher getesteten Fällen die Feuchteresistenz. Beim ersten Versuch war das ein Luxos U mit USB Anschluss (finde ich auf der Seite nicht mehr) - dort war Wasser in den USB ANschluss eingedrungen, so dass mir nachts bei einer Abfahrt in den Alpen das Licht in regelmnäßigen Abständen an- und ausgegangen ist.

    Das deckt sich genau mit meinen Erfahrungen mit dem LUXOS U, von denen ich vier Stück verschlissen habe. Ich bin 2013 bei der Variante eingestiegen, die schon einen fest am Scheinwerfer befestigtes Kabel mit Taster und USB-Anschluss hatte, nachdem das abnehmbare Kabel offenbar ein Desaster sondergleichen hinsichtlich der Feuchtigkeit war. Dafür brach mir dann schon nach einem knappen halben Jahr der Taster, vermutlich unter der mechanischen Beanspruchung des Ein- und Aussteckens der USB-Kabel:

    Bei den drei weiteren Scheinwerfern gab es dann jeweils Probleme mit der Feuchtigkeit, exakt wie bei dir. Mir ist echt irgendwann der Kragen geplatzt, weil die Dinger mit 160 Euro (?) damals alles andere als günstig waren.

    All das ganze Gwaf soll eigentlich nur heißen: einfacher, nicht komplizierter ist meiner Erfahrung nach besser. Wenn die Akkukleistung eines Gerätes nicht ausreicht wäre mir derzeit eine Powerbank im Flaschenhalter lieber (vielleicht in einer Flasche - wäre dann sogar wassergeschützt).

    Natürlich ist das Aufladen von Geräten am Fahrraddynamo in den meisten Fällen eher Spielerei oder Liebhaberei. Aber eigentlich war für dieses Jahr der Plan, auch mal eine etwas längere Radtour über mehrere Tage zu unternehmen, ohne unbedingt auf eine Steckdose für das Smartphone beziehungsweise für die Powerbank angewiesen zu sein.

    Wenn es aber eh ein Stahlrahmen ist, nimm gleich den Badezimmerreiniger. Der löst Kalk und würde den Pollen auch mitnehmen. Danach deucht nachwischen und mit Küchenpapier (oder Klorolle, so trotz Pandemie verfügbar) trocknen sollte das Problem auch aus der Welt schaffen.

    Und ein Risiko für den Lack besteht da nicht? Mit meinem Talent richte ich da bestimmt größeren Schaden ein, der die Kalkflecken noch übertrifft — ich denke da an die Story mit der Sonnencremé.

    ist das Zeug aber mehr oder weniger Permanent

    Das hatte ich befürchtet :(

    Der Alurahmen leider auch

    Das dürfte bei den Falträdern ja kein Problem sein, die sind ja aus Stahl.

    Aber nachdem du auch die "saisonale Häufung" siehst: sicher, dass es nicht einfach eingetrocknete Pollen sind?

    Wie erkenne ich denn da den Unterschied? Die Räder stehen im Wohnzimmer neben dem Fenster, das hin und wieder mal geöffnet ist, da können natürlich auch einige Pollen unterwegs gewesen sein.

    Die Geschäftsgröße als Kriterium für die Öffnung ab morgen festzulegen, kann ich nicht ganz nachvollziehen und die Grenze bei 800m² ist natürlich beliebig: Warum nicht 150m² oder 500m² oder 1000m²? Wichtiger wäre doch, wie viele Personen sich auf einer bestimmten Fläche aufhalten. Wenn jetzt ein größerer Laden auf 800m² einen Sonderverkauf aufbaut und den Rest der Fläche dicht macht, dann drängen sich doch noch mehr Leute auf weniger Raum.

    Ich hatte es so verstanden, dass es auch um die Magnetwirkung großer Geschäfte geht. Wenn ab morgen in Kiel die kleinen süßen Boutiquen in der Holtenauer Straße wieder öffnen, dann kommen da am Tag vielleicht fünfzig (?) Kunden vorbei, die aber dem Inhaber womöglich das Überleben retten.

    Wenn hingegen morgen IKEA oder MediaMarkt oder Saturn oder Karstadt wieder geöffnet hätten, kämen da nicht nur deutlich mehr Kunden zusammen, sondern setzen auch noch einen erheblichen Anreiseverkehr in Gang, der einer Eindämmung des Virus nicht zuträglich wäre. Dann hast du nämlich auch den Effekt, den danach beschreibst: Es bilden sich lange Schlangen vor den Läden und das Virus bedankt sich für die schönen Verbreitungswege.

    Warum es nun 800 und nicht 400 oder 1.000 Quadratmeter geworden sind, weiß ich nicht. Ich würde gerne glauben, dass das jemand ausgerechnet und sinnvoll begründet hat, aber vielleicht wurde der Wert auch einfach aus dem Ärmel geschüttelt.

    Der gesunkene Anteil des Kraftverkehrs hat ja ganz interessante Auswirkungen auf den Kraftverkehr:

    Außerdem: Warum unsere Welt nach der Krise eine bessere sein könnte (€)

    Von SON gibt es ja mittlerweile Edelux-II-Scheinwerfer mit Koax-Ausgang. Ich habe jeweils einen am Faltrad und am großen Fahrrad und betreibe daran einen AppCon 3000, um während der Fahrt elektronische Geräte zu laden. Soweit, so gut.

    Da das Kabel vom Koax-Anschluss des Scheinwerfers bis zum AppCon 3000 in die Lenkertasche geführt und an einer Stelle dementsprechend häufig geknickt malträtiert wird, gibt es dort den ersten Wackelkontakt, der mir den Spaß verleidet.

    Meine nächste Idee wäre, mir irgendwann mal eine neue Ortlieb-Fahrradlenkertasche anzuschaffen, nämlich eine Ortlieb Ultimate 6 Pro E, die es momentan (?) nicht im Ortlieb-Katalog gibt. Dort lässt sich ein Stromkabel an den Trägerblock anschließen, der AppCon 3000 würde dann in der Fahrradtasche angeschlossen.

    Vom Koax-Anschluss des Scheinwerfers bis zum Anschluss des Trägerblocks bräuchte ich dieses Kabel, das mit 80 Zentimetern allerdings viel zu lang ist. Ich bräuchte grob geschätzt zehn Zentimeter.

    In diesen Koax-Kabeln scheint gar nicht viel drin zu sein, das Ende mit dem Koax-Stecker ist offenbar nur angelötet und mit einem Stück Schrumpfschlauch geschützt.

    Lange Rede, kurze Frage: Meint ihr, man könnte das Kabel relativ problemlos kürzen?

    Heute war Waschtag — wir haben die großen Räder in der benachbarten Waschanlage ein bisschen abgeduscht, den Wasserstrahl natürlich nur auf niedrigster Stufe abseits von Lagern und Naben mit großzügigem Abstand eingesetzt. Danach sind wir mit den feuchten Rädern in praller Sonne losgefahren und der Lack sieht einwandfrei aus, von Kalkflecken gar keine Spur.

    Die beiden Brommies, die seit fünf Wochen in der Ecke stehen und Staub ansetzen, bekamen das gleiche Schonprogramm in der Dusche zu Hause und trockneten im schattigen Wohnzimmer. Auf dem blauen Faltrad sind nun einige Kalkflecken zu sehen. Ich habe versucht, sie vorsichtig mit Ballistol und einem Mikrofasertuch zu entfernen, konnte aber den ganz hartnäckigen Flecken nicht beikommen. Das wundert mich ein bisschen, weil ich das Rad bestimmt schon ein dutzend Mal mit Wasser abgespült und an der Luft habe trocknen lassen, ohne dass mir die Kalkränder negativ aufgefallen sind.

    Nun findet man im Internet bekanntlich alles, wenn man mit den richtigen Stichworten sucht, das klappt nicht nur bei Verschwörungstheorien oder Krankheiten, sondern auch bei Kalkflecken im Lack. Insbesondere Kraftfahrer scheinen noch größere Sorgen zu haben als ich, es gibt im Netz seitenlange Threads über die Fahrzeugwäsche und das anschließende Trocknen des Autos in der prallen Sonne, beziehungsweise das Parken unter Bäumen, von den eventuell Wasser tropft — oder Läuse scheißen.

    Wenn ich einige Berichte lese, dann müsste mir spätestens morgen der Lack vom Faltrad in Eurocent-großen Stücken vom Rahmen platzen. Das halte ich für ein bisschen übertrieben, andererseits habe ich mir ja schon die Hälfte des Unterrohres mit einer Kombination aus Schweiß und Sonnencremé ruiniert, insofern bin ich momentan nicht so ganz empfänglich für Experimente.

    Insofern: Lasse ich die Kalkflecken einfach dran, weil sie spätestens nach der nächsten Fahrt im Matsch — sofern denn die Maßnahmen zur Eindämmung von SARS-CoV-2 irgendwann einmal aufgehoben werden und es wieder regnet — nicht mehr zu sehen sind oder entferne ich sie jetzt sorgfältiger, weil der Lack davon Schaden nehmen könnte?

    Die Sperrung zugunsten Radfahrern und Fußgängern wurde bis zum Sonntag, den 19. April verlängert — man darf aber wie immer nicht die Drunterkommentare lesen:

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    Ich muss bei Gelegenheit mal hinfahren und gucken, ob man an der Absperrung tatsächlich etwas verbessert hat:

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    Gerade eben wurde auch das Volksradfahren in Munster abgesagt:

    werden Zusammentreffen größerer Gruppen vermieden werden müssen

    Das ist sicherlich richtig und insofern auch nachvollziehbar, dass Konferenzen und Festivals abgesagt werden. Nun fehlt mir natürlich die fachliche Expertise, um solche Aspekte zu beurteilen, aber ich hätte gedacht, dass beispielsweise beim Volksradfahren relativ problemlos ein großzügiger Abstand eingehalten werden kann. Dort sind zwar insgesamt auch mehrere tausend Menschen mit ihrem Rad unterwegs, aber auf zwei riesige Truppenübungsplätze verteilt. Nach meinem Verständnis wäre da das Infektionsrisiko nicht sonderlich größer als in der Bahn oder beim Einkaufen, wobei man beim Einkaufen natürlich nur eine Viertelstunde im Supermarkt unterwegs ist und keine sechs Stunden auf dem Rad.

    Mal sehen, wie mit dem Ersatztermin für die Hamburger Fahrradsternfahrt am vorletzten Tag im August verfahren wird:

    Der wurde nun auch abgesagt, obwohl der Termin nur einen Tag vor Ende des Veranstaltungsverbotes liegt. Ich hatte gedacht, bei einer Sternfahrt, bei der man ja durchaus noch ein bisschen Abstand halten kann, so ganz kurz vor Schluss hätte man noch etwas regeln können, aber vielleicht ist auch einfach das Risiko zu groß, dass das Veranstaltungsverbot noch weiter ausgedehnt wird: https://www.fahrradsternfahrt.info/

    Immer wieder lustig: Ein so genannter „anderer Radweg“ mit [Zeichen 239]. Das [Zusatzzeichen 1022-10] wurde nach hinten gedreht — absichtlich? Vandalismus? Tja.

    Und selbst wenn dort „Fahrrad frei“ angeordnet wäre: Was soll das bedeuten? Schrittgeschwindigkeit auf dem Gehweg, normale Geschwindigkeit auf dem Radweg? Oder Schrittgeschwindigkeit auf dem Radweg, der nämlich heimlich zu einem freigegebenen Gehweg geworden ist, während der eigentliche Gehweg tabu ist?

    Ist halt auch wieder so eine Sache, bei der sich der Radverkehr dann irgendwie seinen Weg suchen wird, wie man ja so schön sagt.

    Joa. Solide Sache:

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    Der Sprachgebrauch dieses Tweets kling aber sehr nach Trump.

    Man muss eben die eigene Klientel bedienen. Und die besteht bei der Unfallforschung der Versicherer eher aus Fahrrad- und Fußgängerskeptikern, beziehungsweise Radweg- und Fahrradhelmfans.

    Es gibt ja verschiedene Bestrebungen, durch Verzicht auf gefährlichere Tätigkeiten die Belastung der Krankenhäuser zu verringern. Ein gewisser Automatismus steckt schon dahinter, weil durch Kontakt- und Tourismusverbote so etwas wie Windsurfen am Meer nicht stattfindet und auch der Skiurlaub in Tirol momentan nicht so ganz angesagt ist, habe ich gehört.

    Ein Mittel zur Senkung der Belastung von Krankenhäusern und Einsatzkräften kommt leider mit einem Beigeschmack daher, der so manchen Verkehrsteilnehmer in Rage bringen wird: Tempolimit senkt Unfallzahlen drastisch

    Die Unfallforschung der Versicherer hat dazu auch eine relativ eindeutig formulierte Meinung:

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    Das finde ich interessant: Die Bevölkerung bettelt momentan geradezu darum, die Einschränkungen im Alltag so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, ja, bitte noch zu verschärfen und mit drakonischen Strafen spielende Kinder aus dem Innenhof zu jagen, aber Tempolimit, nee, da verstehen wir keinen Spaß.

    Manchmal wundere ich mich schon.

    Naja — unter der heute verkündeten Maßgabe, bis Ende August keine Großveranstaltungen zuzulassen, hat sich die Fahrradsternfahrt Berlin Anfang Juni wohl schon erledigt. Das gilt wohl auch für eine Reihe anderer Sternfahrten und Fahrradveranstaltungen wie die Hamburger Cyclassics.

    Mal sehen, wie mit dem Ersatztermin für die Hamburger Fahrradsternfahrt am vorletzten Tag im August verfahren wird:

    Aber Scheibenbremsen? Ich habe vor drei Tagen das erste Mal meine entlüftet - dank gutem YT-Tutorial kein Hexenwerk.

    Naja, aber auch zum Entlüften braucht man erstmal das richtige Werkzeug, das sich ja offenbar von Hersteller zu Hersteller unterscheidet. Und wenn man damit nicht so viel Erfahrung hat, weil man vielleicht eher etwas günstigere Räder mit „normalen Felgenbremsen“ repariert, will man dem Kunden gegenüber vielleicht nicht noch in Gewährleistung für diese Reparaturen treten müssen.

    Ist halt eine Abwägung: Ist man auf den Kunden angewiesen, so dass der zufrieden wiederkommt und auch künftig seinen Kram dort kauft?

    Ich habe ja in Zeiten wie diesen das große Glück, einen Fahrradhändler quasi direkt vor der Tür zu haben, der vom Faltrad bis zum Lastenrad genau das richtige Sortiment führt und auch Fremdräder zur Reparatur annimmt. Momentan bestelle ich meinen Kram per Mail und hole ihn ein paar Stunden oder Tage später ab.

    Als ich vor ein paar Tagen in der Schlange vor dem Laden auf meine Bestellung wartete, unterhielten sich hinter mir zwei andere Kunden über Erfahrungen mit anderen Fahrradhändlern, die mir ganz vertraut vorkamen. Als ich vor anderthalb Jahren von Hamburg nach Kiel zog, fand ich hier teilweise alle paar hundert Meter einen Fahrradladen vor und die Dichte an Fahrradläden wuchs mit der Nähe zur Universität, aber ich musste lange suchen, bis jemand das kaputte Lenkerband an meinem alten Rad austauschen wollte. Drei Mal nacheinander hörte ich mir an, dass ich das Rad ja nicht beim jeweiligen Händler gekauft hätte und ich es doch bitte woanders versuchen möge.

    Nun wundere ich mich noch immer über den Grund für diese Ablehnungen, die man sich ja eigentlich erst einmal leisten können muss: Geht es den Leuten darum, die Kapazität ihrer Werkstatt für die eigenen Kunden freizuhalten, um denen einen besseren Service bieten zu können? Das ist ja zunächst ein ehrenwertes Ziel, aber für den Kunden nur so lange toll, bis der umzieht.

    Oder ist es die Sorge, dass bei Rädern, die nicht aus dem eigenen Sortiment stammen, die fachliche Expertise zur Reparatur fehlt? Irgendwann hatte ich da ja auch mal jemanden, der meinen Scheinwerfer (?) nicht reparieren wollte, weil er keine Erfahrung mit Scheibenbremsen hätte. Das klingt erstmal lächerlich, wird aber schon ein bisschen plausibler, wenn er vielleicht an den Nabendynamo ran muss, dazu das Vorderrad ausbauen und sich mit der Bremse auseinandersetzen muss. Und natürlich kann auch nicht jeder das Händchen zum Wickeln des Lenkerbandes.

    Denn falls es der Antrieb sein sollte, dass ich ja das nächste Mal das Rad beim jeweiligen Händler kaufen möge, ist der Versuch ja erstmal schiefgegangen. Mit einer solchen Begrüßung, beziehungsweise Verabschiedung, versuche ich mein Glück beim nächsten Mal woanders. Und im ungünstigsten Fall lande ich dann bei irgendeiner bundesweiten agierenden, seelenlosen Fahrradhändlerkette.

    Nun ist also der nördliche Teil der Kielline über das Osterwochenende für den Kraftverkehr gesperrt worden. Das ist, gar keine Frage, eine tolle Sache und umso wichtiger in Zeiten wie diesen, in denen Menschen zu Hause bleiben sollen und Spielplätze und Sportstätten gesperrt sind, weil auf den engen Gehwegen in unseren Städten überhaupt kein Platz ist, um sich aus dem Weg zu gehen, um wenigstens die geforderten anderthalb Meter Sicherheitsabstand zueinander einzuhalten.

    Was aber dieser tollen Idee fehlte, war eine entsprechende Beschilderung für Fußgänger und Radfahrer, dass ihnen für ein verlängertes Wochenende diese Straße gehörte. Das bekam man in meiner Filterblase nur über die Lokalzeitungen und die Social-Media-Angebote der Stadt Kiel mit:

    Ein Paradies für Sportler und Fußgänger

    Bewege ich mich aber als, naja, ich sage mal, uninformierter Verkehrsteilnehmer entlang der Kiellinie, dann bekomme ich davon gar nichts mit: Es gibt zwar mehrere Straßensperrungen, aber als uninformierter Verkehrsteilnehmer nehme ich die vielleicht gar nicht so richtig wahr, beziehungsweise schließe daraus nicht, dass ich mich jetzt tatsächlich auch im Interesse meiner anderthalb Meter Sicherheitsabstand auf der Fahrbahn bewegen soll.

    Und so sah es dann entlang der autofreien Kiellinie auch aus: Die meisten Fußgänger und Radfahrer drängelten sich auf der schmalen Nebenfläche, die vier Meter für den Gehweg und 2,5 Meter für den Zweirichtungsradweg vorsieht, lediglich ein kleiner Teil der Besucher, hauptsächlich Radfahrer, nutzen die gesperrte Fahrbahn:

    Die Sperrungen entlang des autofreien Bereichs sind, naja, so eine Sache. Ich will mich gar nicht an den fünf roten Lämpchen aufhalten, die eigentlich über die gesamte Breite der Vollsperrung verteilt sein sollen, die aber auch gar keine Vollsperrung ist, weil Radfahrer ja passieren dürfen, was dieses Mal dankenswerterweise sogar mit Zusatzzeichen 1022-10 unterhalb des Zeichen 250 angezeigt wird. Links und rechts kommt man mit dem Rad auch noch vorbei, wenngleich die Sache ein bisschen eng ist. Aber insgesamt ist eine Freigabe für den Radverkehr gegeben, insofern ist die Sache nur halb so doof wie von mir befürchtet.

    Zwischendurch kommt man zu Fuß oder mit dem Rad noch an diesem Kunstwerk vorbei, das eindrucksvoll aufzeigt, wie das in Kiel und anderen Städten mutmaßlich mit den anderthalb Metern Sicherheitsabstand überall in Arbeitsstellen gehandhabt wird: Gar nicht. Und wie immer gilt auch hier: Wer zu Fuß oder mit dem Rad den blauen Container oder das rote Klo übersieht, der wird sowieso nicht sicher im Straßenverkehr unterwegs sein, doch fehlen hier trotzdem reflektierende Elemente am Baustellenzaun.

    Ein paar hundert Meter weiter im Süden wird die Fahrbahn hingegen schon stärker von nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern in Anspruch genommen. Man sieht hier auch den Gehweg auf der wasserabgewandten Seite, der hier als Parkplatz Verwendung finden. Um sich auf der Bank zu setzen, muss man normalerweise durch die Fahrradständer kraxeln. Interessanterweise ist das Gehwegparken bei Zeichen 315 nur für Kraftfahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von maximal 2,8 Tonnen erlaubt ist, so dass das Zusatzzeichen „Pkw“ nur noch dafür sorgt, dass dort keine leichten Wohnmobile oder Wohnwagen oder sowas parken. Naja.

    Nun zum komplizierten Teil der Sache. Die südliche Grenze des autofreien Bereiches sieht „von innen“ so aus. Links zunächst Zeichen 239, das dort immer steht und kennzeichnen soll, dass die linke Fläche nur ein Gehweg ist. Dazu gesellt sich jetzt Zeichen 254 — als Radfahrer darf man sich jetzt wieder wundern, was die Straßenverkehrsbehörde mit dem Schild wohl erreichen möchte. Grundsätzlich ist die Sache relativ klar, man möchte wohl den Radverkehr weiterhin auf der Fahrbahn wissen, während der eigentliche Gehweg in diesem Bereich zusätzlich für Fußgänger vorgesehen sein soll, damit man sich hier weiterhin mit anderthalb Metern Abstand aus dem Weg gehen kann.

    Leider hat man ganz schön viele Zeichen 254 auftreiben können und in diesem Bereich überall aufgestellt:

    Das Problem ist aber: Die Fahrbahn, auf der Radfahrer ja offenkundig weiterhin kurbeln sollen, ist gesperrt — und zwar gar nicht zu knapp. Ja, Radfahrer sind von Zeichen 250 ausgenommen, immerhin, dafür wird’s hier aber schon echt eng, irgendwie mit dem Rad vorbeizukommen — und das wird umso absurder, weil ja der Radweg nebenan mit diversen Zeichen 254 verziert ist. Man muss also hier irgendwie durch und kann sich dabei schön noch an der Verkehrshalbinsel aufs Maul hauen. Ich finde schon, dass hier mit etwas gutem Willen eine bessere Schleuse möglich gewesen wäre, die den Kraftverkehr abhält, aber auch älteren Radfahrern oder Fahrrädern mit Anhänger die Durchfahrt ermöglicht. Es hätte womöglich schon gereicht, das rechte Absperrgitter einen Meter nach hinten zu versetzen.

    Ochso: Die roten Lämpchen, nä? Und da ja auch Verkehr aus der anderen Seite zu erwarten ist, wären dort auch reflektierende Elemente angesagt. Aber das ist vielleicht schon ein bisschen viel verlangt.

    Weiter geht’s an allen erdenklichen Stellen mit dem Verbot von Fahrrädern, was nicht immer besonders gut gelungen ist…

    … und auch nicht besonders sinnvoll scheint: In dem autofreien Bereich durfte der Radweg benutzt werden, obwohl die Fahrbahn frei von störenden Kraftfahrzeugen war, aber im südlichen Bereich, in dem Kraftfahrzeuge, darunter Busse und Poserkarren unterwegs sind, ist der Radweg tabu. Das dürfte ja insbesondere Familien mit Kindern die An- oder Abreise erschweren, wenn man sich plötzlich mit dem teilweise nicht unerheblichen Parksuchverkehr herumschlagen muss.

    Tja. Zugegeben: Viel ist momentan nicht los.


    Die südliche Grenze markiert dann diese wunderbare Verkehrsführung in Form eines einzelnen Zeichen 254. Wer hält das für eine gute Idee?

    Ist doch klar, dass das so nicht funktioniert:

    Es gibt keine Absperrgitter, keine Arbeitsstelle, es gibt überhaupt nichts — und damit auch erfahrungsgemäß keinen Grund, warum man als Radfahrer dieses Zeichen ernst nehmen sollte. Die Erfahrung zeigt ja schließlich, dass im Verkehrsraum so einiges an Verkehrszeichen herumsteht, das vergessen oder entgegen der Anordnung aufgestellt wurde und insofern im Sinne von „man sieht ja, was gemeint ist“ zu ignorieren ist.

    Mir ist klar, dass man für diese vier Tage keine aufwändige Verkehrsführung installieren möchte, aber, Pardon, dann darf man sich über so genannte Kampfradler nicht beschweren. Den ganzen Kram kapiert halt kein normaler Mensch.

    Meines Erachtens fehlen hier ein zwei wesentliche Dinge:

    • Ein Schild, dass die autofreie Kiellinie erklärt. Ist aber aufwändig, lohnt sich mutmaßlich nicht für vier Tage, hätte aber den positiven Effekt, dass es ein größerer Teil der Verkehrsteilnehmer versteht.
    • Eine Aufleitung auf die Fahrbahn mit gelben Markierungen in Höhe des Zeichens 254 zusamen mit einer Sperrung des Radweges — einfach nur so, damit man merkt, dass die Sache ernst gemeint ist. Dazu gehört natürlich in diesem Fall auch eine Fahrbahnverengung vor der Aufleitung, so dass der Wechsel auf die Fahrbahn möglichst einfach und gefahrlos ist.

    Insofern: Die autofreie Kiellinie ist eine tolle Sache — sofern man denn davon weiß. Und wenn wir mit solchen Maßnahmen auf einen Abstand von anderthalb Metern hinarbeiten wollen, dann müssen wir eben auch dafür sorgen, dass die Leute solche Sperrungen verstehen und auch vernünftig anwenden können. Und das wird mit Vollsperrungen und wie mit der Gießkanne verteilten Zeichen 254 eher nicht erreicht.

    Die Osnabrücker Polizei hat ihre Verkehrsunfallstatistik für das letzte Jahr veröffentlicht. Tenor: „mehr Unfälle, weniger Verletzte - steigende Zahlen bei Unfällen mit Fahrrädern/Pedelecs“

    Zur gestiegenen Zahl der Unfälle mit Fahrradbeteiligung stellt die Polizei noch zwei O-Töne bereit. Einer davon endet mit klugen Ratschlägen an radfahrende Verkehrsteilnehmer:

    Zitat

    Bedauerlicherweise gibt es in Deutschland noch keine Helmpflicht für Radfahrer. Denn gerade Verletzungen im Kopfbereich sind bei Stürzen vom Fahrrad nicht selten und ziehen meist schwere Folgen nach sich. Bitte nutzen Sie Sturzhelme als einfachen und effektiven Schutz gegen schwere Kopfverletzungen. Damit es erst gar nicht zum Unfall kommt, tragen Sie gut erkennbare Kleidung und rechnen Sie immer mit dem Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer. Fahren Sie in besonderem Maße vorausschauend, denn Sie haben mit dem Zweirad keine Knautschzone.

    Sicherlich ist daran grundsätzlich nichts verkehrt, aber auch eben nicht alles richtig: Auch in Osnabrück scheint es an vernünftiger Infrastruktur zu mangeln, so dass man sich allzu häufig auf untermaßigen, aber blau beschilderten Radwegen dem rechts abbiegenden Fahrbahnverkehr ausgesetzt sieht.

    Anstatt immerzu nur an die Unfallopfer zu appellieren, bitte einen Sturzhelm und gut sichtbare Kleidung zu tragen, vermisse ich wie immer einen Ratschlag an Kraftfahrer, doch bitte auch mal an andere Verkehrsteilnehmer zu denken und beim Rechtsabbiegen Bitteschön den Schulterblick zu praktizieren.

    Aber solche Ratschläge sucht man wohl vergebens, sowohl in Osnabrück als auch in anderen Städten.