Beiträge von Malte

    Nachdem die Polizei vor ein paar Wochen noch guter Dinge war, dass es mit den Rollern bislang keine ernsteren Vorfälle gegeben hätte, klingt das heute dann doch etwas anders: Alkohol am Lenker wird zum Problem

    Die leichte Verfügbarkeit dieser Fahrzeuge, für die man nur eine App herunterladen braucht, sorgt eben auch dafür, dass der eine oder andere nach einer ordentlichen Party betrunken mit dem Roller den Heimweg antreten möchte — und statt im Bett plötzlich im Krankenhaus landet. Tja, nun — hätte ja auch niemand mit rechnen können, dass bei dieser Gamification des Straßenverkehrs die Leute einen Roller nunmal nicht als Fahrzeug begreifen sondern eher als Spielzeug.

    Dann hat die Polizei noch drei Verstöße von Rollerfahrern auf dem Gehweg und vier Verstöße von Rollern mit zwei Personen geahndet.

    Um diese sieben Verstöße mit Rollerfahren auf dem Gehweg oder zwei Personen zu beobachten brauche ich nur einen Spaziergang durch die Stadt:

    Und das mit dem in der Gegend herumliegen ist auch so eine Sache. Zwar fahren tatsächlich mehrere (?) Mitarbeiter durch die Gegend und stellen den Kram wieder zurück auf den Gehweg, aber dann steht er erstens auf dem Gehweg herum und zweitens treffe ich auf meinem Weg durch die Stadt immer noch oft genug auf Roller, bei denen ich mich tatsächlich wundere, warum und aus welchem Grund die wohl so lustig abgestellt wurden:

    Ich behaupte mal frech, dass man diese Problematik durch die Windschutzscheibe des Streifenwagens nicht wahrnimmt und dieses ständige Fahren mit zwei Personen auf dem Gehweg quasi unter dem Radar stattfindet. Man muss sich wohl schon ziemlich anstrengen, um sich beim ordnungswidrigen Fahren von der Polizei erwischen zu lassen

    Das kann ich Dir genau sagen:

    Man muss vor dem Überqueren der Fahrbahn immer in beide Richtungen schauen, weil es immer sein kann, dass aus beiden Richtungen Fahrzeuge kommen, völlig egal, ob das erlaubt ist oder nicht.

    Gut, Punkt für dich: Klar muss man das. Aber trotzdem ist es ja hilfreich, wenn Straßenverkehrsinfrastruktur auf den ersten Blick verständlich ist.

    Es handelt sich übrigens um eine Fußgängerquerung.

    Das ist richtig. Leider steht an der linken Seite ein Wegweiser für Radfahrer, der nach meiner Kenntnis hier über die Straße weist. Natürlich ist es Radfahrern weiterhin unbenommen, abzusteigen und dem Pfeil schiebend zu folgen, aber davon kann ja bei der Stadt niemand ernsthaft ausgegangen sein.

    Mir fällt gerade in den letzten Tagen und Wochen wieder auf, dass die örtliche Lokalzeitung primär Berichterstattung pro Auto fährt — ganz so, als bestünde die Leserschaft primär aus Kraftfahrern und Menschen, die mit der Verkehrswende oder Fahrrädern oder Füßen so gar nichts anfangen können.

    Da wird zum Beispiel der tägliche Stau an der Kaistraße bemängelt. Und dann sind auch noch die Radfahrer schuld, weil nach Fertigstellung des Kleinen Kiel-Kanals die Buslinien neu geordnet wurden und eine provisorische Bushaltestelle, die den Radweg unterbrochen hatte, nun wieder abgebaut wird.

    Dass diese Arbeitsstelle seit einiger Zeit den Radweg an einer der Hauptverkehrsstrecken für den Kieler Radverkehr komplett unterbricht, wird im Artikel natürlich nicht erwähnt. Der Stau der vielen Kraftfahrzeuge auf der Fahrbahn ist interessanter.

    Manchmal gibt es aber auch sinnvolle Artikel, deren Nutzen sich erst auf den zweiten Blick erschließt: Wie gut sind die Parkhäuser im Zentrum?

    Ja, ich dachte beim Lesen des Parkhaus-Tests erst, Puh, was für ein Theater nur für Reichweite und Klicks, aber so unrecht hat die Zeitung gar nicht mal: Wir reden ständig davon, dass die Leute doch einfach ins nächste Parkhaus fahren sollen anstatt fünf Runden im Parksuchverkehr um den Block zu treiben und dann ordnungswidrig auf dem Gehweg zu parken, aber tatsächlich ist das ja so ein Ding: Will man in einem Parkhaus parken, wo sich im Laufe des Abends seltsame Gestalten herumtreiben und trinken und pöbeln? Damals, als ich noch mit meinem grünen Polo unterwegs war, habe ich tatsächlich mehrere Male beispielsweise im Parkhaus an der Falkstraße geparkt und musste vor dem Bezahlen des Parkscheins erst einmal warten, bis einige Betrunkene ihre Meinungsverschiedenheit um eine Flasche Bier geklärt hatten. Einmal hat auch jemand in den Geldrückgabeschlitz des Automatens gepisst — zum Glück konnte man damals noch bargeldlos mit Geldkarte bezahlen.

    Will sagen: So ein Parkhaus-Test ist eigentlich gar keine so ganz schlechte Idee, wenn man den Leuten immer wieder das verkehrswendegerechte Parken dort empfehlen will. Auch wenn es natürlich nach wie vor nicht mein Problem ist, wo die Leute mit ihrer Karre abbleiben, wenn sie in die Stadt fahren und sich nicht ins Parkhaus trauen. Aber man sollte es im Auge behalten.

    Aber am schönsten, weil mutmaßlich am reichweitestärksten und empörungstreibensten ist das Dauerthema Parkplätze! Beziehungsweise die so genannte Parkplatzvernichtung. Und das treibt manchmal reichlich seltsame Blüten — etwa mit dieser Umfrage, die mit Fahrradbügel statt Parkplätze: Werden Autofahrer in Kiel benachteiligt? überschrieben wird. Standesgemäß wird als Gegenüberstellung ein Titelfoto gewählt, bei dem ein Fahrrad eine Menge leerer Fahrradstellplätze ziert und ein Foto, auf dem die Parkplatznot in engen, vollgeparkten Straßen dargestellt wird. Ich gehe davon aus, dass diese Auswahl der Fotos kein Zufall ist und in seiner Funktion als Vorschaubild in den gesellschaftlichen Netzwerken die Leute so richtig heiß machen soll.

    Erst beim Lesen des Artikels bekommt man raus, wie dramatisch es um die Parkplatzvernichtung in Kiel, der Landeshauptstadt im Klimanotstand wirklich bestellt ist: Es wurden 50 Parkplätze der Vernichtung zugeführt. Moment: 50 Parkplätze seit 2014, also ungefähr neun pro Jahr. Na, das nenne ich mal eine Benachteiligung, Donnerwetter.

    Leider haushalten die Kieler Nachrichten sehr streng mit ihren Informationen, denn die Zeitung legt in einem anderen Artikel hinter der Bezahlschranke ausführlich dar, wo Parkplätze in Fahrradstellplätze umgewandelt wurden und vor allem: Dass in diesen sechs Jahren ganze 2.000 zusätzliche Stellplätze für Kraftfahrzeuge geschaffen wurden: So viele Parkplätze mussten in Kiel für Fahrräder weichen

    Allein diese Wortwahl: Kraftfahrer werden „benachteiligt“, Parkplätze „geopfert“ oder „vernichtet“ oder „zerstört“, Radfahrer „blockieren“ die Straße, missachten die Verkehrsregeln und werden ohnehin grundsätzlich im negativen Kontext dargestellt oder erst gar nicht erwähnt.

    Als beispielsweise am Kieler Königsweg die Einfahrt aus der Ringstraße für den Kraftverkehr unterbunden und damit ein Unfallschwerpunkt entschärft wurde, bekamen die Gegner der Sperrung binnen drei Tagen vier Artikel platziert (1, 2, 3, 4), um ihre durchaus berechtigte Kritik darzulegen, aber in keinem einzigen dieser Artikel kommen die in der Regel zweiradfahrenden Befürworter der Sperrung zu Wort, die an dieser Kreuzung jetzt nicht mehr regelmäßig „übersehen“ werden. So bleibt beim Leser natürlich das Bild hängen, dass diese Sperrung tatsächlich ganz großer Unsinn wäre — schade.

    Und obwohl Radfahrer in dieser Lokalzeitung quasi nicht oder nur im negativen Kontext erscheinen, haben die Kieler Nachrichten offenbar am Mittwochmorgen die Stadt großflächig mit diesen albernen Sattelüberziehern ausgestattet:

    Anscheinend, so wurde mir zu getragen, liefen die Leute sogar in Innenhöfen herum, um die Werbeartikel zu platzieren. Die darauf abgedruckte Frage soll wohl lustig sein, ich hätte mich wohl auch gefragt, wer sich denn traut, mein Fahrrad anzufassen, aber ich hätte mich eher mittelmäßig um diesen Überzieher mutmaßlich minderer Qualität gefreut.

    Und vor allem ist echt die ganze Stadt voll damit:

    Sogar Kinderräder wurden nicht verschont, obwohl die lieben Kleinen vermutlich noch gar nicht lesen können. Aber wer weiß, vielleicht hat man im dem Alter noch keine Berührungsängste hinsichtlich des eigenen Drahtesels und freut sich sogar über dieses Geschenk:

    Zehntausende Leser gingen allerdings leer aus — Kraftfahrzeuge haben leider keine Geschenke bekommen. Obwohl man sicherlich auch diese albernen Handschuhe für die Außenspiegel hätte bedrucken können, die ja etwa in Schwarzrotgold besonders zu Fußball-Weltmeisterschaften beliebt sind, hat man sich wohl nicht so richtig getraut, das heilige Blech des Abonnenten zu berühren. Denn Kraftfahrer verärgern, das kann sich nunmal keine Lokalzeitung leisten:

    Und eigentlich sind diese Sattelmützen eine richtig gute Marketingaktion:

    1. Einige Radfahrer freuen sich darüber, nutzen diesen Überzieher eine Weile, machen damit kostenlose Werbung: Profit!
    2. Andere Radfahrer ärgern sich, posten Fotos davon auf Twitter und erhöhen dadurch die Reichweite: Profit!
    3. Wenn die Dinger nach ein paar Tagen als Müll durch die Gegend fliegen, kann man noch mal einen Artikel über Radfahrer verfassen, die ihren Müll überall herumliegen lassen und nicht den Weg zum Mülleimer finden. Das klickt gut, das bringt Reichweite: Profit!

    Am Dienstag, den 27. Oktober 2020, werden die Poller vermutlich auf der 332. Sitzung des Ortsbeirates Elmschenhagen/Kroog thematisiert. Ich werde versuchen, dorthin zu fahren, vielleicht mag sich noch jemand aus Kiel anschließen?

    Ich habe mir vor einiger Zeit die Unfallstelle angesehen. Der Zusammenstoß ereignete sich offenbar auf der mittleren Richtungsfahrbahn. Und da stelle ich mir schon die Frage, wer denn selbst als Ortskundiger hier genau sagen kann, in welche Richtung der Verkehr fließt, beziehungsweise in welche Richtung man vor dem Überqueren der Fahrbahnen schauen muss. Und es ist natürlich auch maximal ungünstig, dass hier eine beliebte Querungsmöglichkeit über insgesamt fünf Fahrstreifen komplett ohne jegliche Sicherung besteht. Die nächste ampelregelte Kreuzung befindet sich zwar nur 150 Meter weiter nördlich, wo man sich dann über zwei Bettelampeln hangeln darf, weil die direkte Querungsmöglichkeit nach Gaarden rein fehlt. Eine weitere Kreuzung ist nur über einen Umweg 700 Meter weit entfernt, dann gibt es natürlich noch die halb fertiggestellte und heruntergekommene Gaardener Brücke, die für viele Menschen aber als Angstraum eher nicht in Frage kommt.

    Immerhin hat die Stadt diese Stelle nun entschärft und die autogerechte Stadt an dieser Stelle ein Stück zurückgedreht. Das Abbiegen nach Norden aus dem Gaardener Ring, der einst das pulsierende Zentrum des Ostufers werden sollte, ist nun nicht mehr möglich.

    Aufgrund der Konstruktion mit drei Richtungsfahrbahnen auf zwei Ebenen waren dafür eine ganze Menge Sperrungen notwendig.

    Blick von der Kreuzung Richtung Norden zur Unfallstelle:

    Und hier geht’s nur noch nach rechts:

    Ist halt die Frage, ob das Überqueren von insgesamt vier Fahrstreifen auf zwei Richtungsfahrbahnen nun so viel besser ist, aber immerhin ist jetzt klar, aus welcher Richtung der Kraftverkehr zu erwarten ist.

    Interessantes Detail: Marcel Schmidt, der Fraktionsvorsitzende der Kieler SSW-Ratsfraktion, ist offenbar Polizeihauptkommissar:

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    Natürlich ist es ihm auch in dieser Position unbenommen, die Poller und deren Auftreten zu kritisieren, aber da hätte ich doch eine gewisse Differenzierung hinsichtlich der Straßenverkehrs-Ordnung und der Gefährdung nichtmotorisierter Verkehrsteilnehmer erwartet.

    Würde ich in Kiel wohnen, würde ich denen schreiben, dass ich bei denen nicht mehr einkaufe, da sie anscheinend nur Falschparker als Kunden akzeptieren.

    Das kannst du ja mal dem Einzelhandel in der Holtenauer Straße schreiben, der ja offenkundig größere Ängste hat, dass Fahrräder auf der Holtenauer Straße oder den umliegenden Straßen zu sehen sind, weil Kraftfahrer mit der Situation überfordert wären und womöglich künftig zum Einkaufen auf die so genannte grüne Wiese führen.

    Jemand hier anwesend, der die Kieler Nachrichten oder die SHZ lesen kann? Beide Organe berichten heute über einen Prozess gegen eine Autofahrerin, die im Oktober 2019 in Bornhöved auf einem besseren Feldweg in einer Kurve zwei Pedelecfahrer im Gegenverkehr gerammt hatte. Damals war nur davon die Rede, dass der Ehemann gestorben sei, aber seine Frau „nur“ schwerverletzt ins Krankenhaus kam. Heute steht im Teaser, dass beide gestorben seien. Mich interessiert insbesondere, ob aus den Berichten über den Prozess hervorgeht, ob die Dame binnen 30 Tagen starb und somit als offizielle Verkehrstote zählt.

    Die Angeklagte legte offenbar Rechtsmittel ein, der Fall wurde am Mittwoch vor dem Landgericht Kiel ein weiteres Mal verhandelt. Die 80-jährige Angeklagte bekam neben 50 Tagessätze zu 30 Euro ihre Fahrerlaubnis quasi sofort wieder zurück und eine ganze Menge Verständnis vom Vorsitzenden:

    Der Vorsitzende Richter äußerte Verständnis. Und bekannte, als Autofahrer selbst schon mal in einem unachtsamen Moment beim Öffnen der Fahrertür einen Radler aus dem Sattel geschubst zu haben.

    Und solche Aussagen von der angeblich unabhängigen Justiz sind auch der Grund, warum ich als bereits mehrfach geschädigter Radfahrer absolut kein Vertrauen in Polizei und Justiz habe: Weil quasi ab dem Eintreffen der Polizei am Unfallort bis zur Urteilsbegründung im Berufsverfahren andauernd Verständnis für den Kraftfahrer signalisiert wird. Das geht los mit solchen komischen Fragen am Unfallort, ob man denn selbst im Besitz einer Fahrerlaubnis wäre und wüsste, wie schlecht die Sicht aus einem Auto ist, geht dann weiter bei der Vernehmung auf der Wache, ob man denn wirklich Anzeige erstatten möchte, weil der Kraftfahrer dadurch nicht nur den Führerschein, sondern auch seine Arbeitsstelle verlieren könnte, und endet dann vor Gericht, wo sich der Richter als Auch-Radfahrer zu erkennen gibt und fröhlich auf dem § 1 StVO herumflötet.

    Polizei und Justiz nehmen den Straßenverkehr auch im Jahr 2020 primär durch die Windschutzscheibe wahr und lassen sich dann zu solchen Einlassungen hinreißen. Aber gut: Zum Feierabend dann noch mal schnell einen Radler, sagt man nicht so? Dass hier ein Mensch gestorben ist, ein weiterer schwer verletzt wurde, fällt unter diesem vielen „Das kann doch mal passieren“ und „Jeder hat doch schon mal xyz“ gar nicht weiter auf.

    In Kiel-Elmschenhagen wurden am Bebelplatz Poller aufgestellt, um das Falschparken auf der dortigen Radweg und der daran anschließenden Nebenfläche zu unterbinden. Ich habe leider keine Fotos davon, bin dort aber mal zwei oder drei Mal vorbeigekommen und es wurde tatsächlich rege auf der Nebenfläche geparkt und mitunter auch direkt auf dem Radweg — natürlich „nur ganz kurz“.

    Die Stadt hat das Falschparken nun mit einer Ladung Poller unterbunden. Dann: Kaufleute kontra Poller: Aufstand auf dem Bebelplatz

    Ich kann durchaus nachvollziehen, dass das Parken, auch wenn ordnungswidrig, immerhin als Gewohnheitsrecht wahrgenommen wurde. Kunden fänden nun keine Parkplätze mehr (weil sie nicht mehr ordnungswidrig auf der Nebenfläche parken können), Lieferanten könnten nicht mehr anliefern (weil sie nicht mehr ordnungswidrig auf der Nebenfläche parken können), Anwohner könnten nach der Arbeit nicht mehr ordnungswidrig auf der Nebenfläche parken.

    Das Thema wird am 27. Oktober im Ortsbeirat aufgegriffen.

    Das Thema politisiert außerordentlich, beispielsweise hat sich Marcel Schmidt von der SSW-Ratsfraktion eingeschaltet: weder gut für die Verkehrswende noch für die Stadteilentwicklung

    Die Kommentare zeigen mal wieder auf, wie schwer das Fehlen der ordnungswidrigen Parkplätze die Menschen trifft. Einer klagt, er müsse jetzt 200 Meter weit zu einem freien Parkplatz laufen, ein anderer müsse in einer 300 Meter entfernten Straße parken. Das ist zum Ausladen von Einkäufen natürlich fatal, aber normalerweise freut man sich über einen Bahnhof oder eine Bushaltestelle in einer solch fußläufigen Nähe. Nun ja.

    Gestern am frühen Nachmittag: Verkehrsunfall mit schwer verletzter Fahrradfahrerin in Hamburg-Langenhorn

    Das war dann wohl hier, wobei der Kraftfahrer von links kam. In welcher Richtung die Radfahrerin querte geht aus der Meldung leider nicht hervor. Das, was die Polizei als „Fußgängerfurt“ bezeichnet und damit ungünstigerweise der Radfahrerin ein Fehlverhalten andichtet, halte ich für eine Querungsfurt fur Radfahrer und Fußgänger.

    in gesellschaftlichen Netzwerke

    Vielleicht einfach mal so zur Nachtlektüre, wie manch ein Berufskraftfahrer über das Totfahren anderer Verkehrsteilnehmer denkt: https://www.facebook.com/LkwFahrerUndTr…191829100925927

    Von „der Radfahrer ist selbst schuld“ bis hin zu „endlich kriegt der Radfahrer mal einen drauf“ ist alles dabei. Und das sind dann auch jene Verkehrsteilnehmer, die nach einer Gerichtsverhandlung nach einem tödlichen Unfall mit stolz geschwellter Brust aus dem Saal marschieren, gleich wieder auf den Bock steigen und ihr Fahrverhalten nicht ändern.

    Radfahren an der nördlichen Holtenauer Straße vom Belvedere stadtauswärts:

    Dieser so genannte „Radweg“ ist allerdings schon zu normalen Zeiten eine Zumutung. Er ist zwar einigermaßen breit, wird aber ständig „nur ganz kurz“ von Anwohnern oder Lieferdiensten zum Parken genutzt, mal aufgeschultert, mal mit kompletter Blockade. Die Parkweise quer zur Fahrbahn ist natürlich im wahrsten Sinne des Wortes tödlich: Wenn dort irgendwo der Rückfahrscheinwerfer aufleuchtet, sollte man nach Möglichkeit anhalten und auf die angeblich eingebaute Vorfahrt verzichten. Bis der Kraftfahrer rückwärts weit genug auf dem Radweg ausgefahren ist, um durchs Beifahrerfenster eventuell bevorrechtigte Radfahrer sehen zu können, blockiert er ja den kompletten Radweg:

    Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Das Malerfahrzeug gehört übrigens nicht den Baumaßnahmen an, der steht hier nur, weil er ja sonst nirgendwo stehen kann. Ist aber auch egal, denn der Radweg ist im folgenden ohnehin durch Baumaschinen oder deren Einzelteile gesperrt. Ist ja logisch: Hier wird gebaut, dazu braucht man Platz, dann sind eben die heiligen Parkplätze als auch der bestens ausgebaute und breite Radweg nicht nutzbar. Aber dann sollte man ihn nicht mit Zeichen 240 ausweisen:

    Und schon gar nicht Zeichen 240 in beide Richtungen aufstellen. Das ist bestimmt nett gemeint, vielleicht nur ein Versehen, vielleicht nur ein Hinweis für Fußgänger, dass auf diesem schmalen Streifen mit radfahrendem Gegenverkehr zu rechnen ist, aber nein danke!

    Ebenso nett gemeint war sicherlich, mich hier noch schnell unter dem Kran durchfahren zu lassen. Nein, danke! Hier gehört ebenfalls eine Absicherung hin, denn unter schwebenden Lasten hält man sich nicht auf, weder mit Fahrrad noch ohne. Und ja, wer die Stützen des Krans „übersieht“, sollte vielleicht lieber nicht mit dem Rad fahren, andererseits schmiegen sich die Stützen grau in den grauen Hintergrund ein und wenn dann von rechts plötzlich eine schwebende Last hinter dem Glascontainer auftaucht, reißt man bei der Bergabfahrt womöglich doch noch den Lenker nach links. Alles nicht so optimal.

    Und ja, mir ist klar, dass es müßig ist und lustig klingt, zum Verladen einer Baustellenabsicherung noch eine zusätzliche Baustellenabsicherung aufzustellen, und ja, man sollte als verständiger Verkehrsteilnehmer nicht freiwillig unter einem Kran hindurchfahren. Aber andererseits denke ich mir: Im Bereich der Fahrbahn würde man so wahrscheinlich nicht arbeiten, weil die Leute genau wissen, dass ihnen das nächstbeste Auto gegen die Stützen knallt, wenn dort keine Absicherung steht.

    Beim Hamburger Autoblatt gibt es einen deutlich ausführlicheren Bericht: Radfahrer beim Abbiegen von Lkw getötet

    Da steht dann auch, dass der Angeklagte bei Weitem kein unbeschriebenes Blatt ist, die Sachlage sich allerdings anders darstellt als ich erst dachte. Es handelte sich beim ersten Todesopfer nicht um einen Radfahrer:

    • 1999 verursachte er einen Unfall, bei dem sein Beifahrer ums Leben kommt
    • drei Jahre später verletzt er beim Rechtsabbiegen eine Radfahrerin
    • es folgt eine Verurteilung wegen Fahrens ohne Führerschein
    • am 19. März 2019 tötet er mit einem Lkw beim Rechtsabbiegen einen Radfahrer

    Ich finde, das sieht jetzt nicht gerade nach einer steilen Lernkurve aus, beziehungsweise nach einer dem Straßenverkehr angepassten Verhalten im Straßenverkehr. Umso unverständlicher, dass der Mann direkt weiterfahren durfte und es am Ende „nur“ zehn Monate auf Bewährung und 3.000 Euro gab.

    Wer von uns ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein.

    Ich mag dem Vergleich nur bedingt zustimmen.

    Auf das Glück am Lenkrad, beziehungsweise das Glück gegenwärtiger anderer Verkehrsteilnehmer hat man ja noch einen gewissen Einfluss. Irgendwo hatte ich gestern gelesen, dass der Lkw mit 18 km/h abgebogen wäre — das ist ja nun weit über der Schrittgeschwindigkeit, die damals noch nicht vorgeschrieben war, aber auch weit über dem, was ich als „vorsichtiges Abbiegen“ verstünde. Wenn ich jede Kurve derart locker nehme, dann überfahre ich eben irgendwann mal einen Radfahrer. Und wenn ich’s nach dem ersten Unfall nicht lerne, dann fahre ich weiter mit 18 km/h um die Kurve und fahre irgendwann noch mal jemanden tot.

    Und ich habe mittlerweile bei Gerichtsverhandlungen, bei denen ich als Zeuge oder Zuschauer dabei war, in den einschlägigen Gruppen in gesellschaftlichen Netzwerken und draußen auf der Straße genügend Kraftfahrer erlebt, die einen anderen Menschen verletzt oder sogar getötet haben und das emotional gut genug weggesteckt haben, um vor Gericht mit stolz geschwellter Brust aufzutreten von wegen der Radfahrer wäre doch selbst schuld und ihnen könne keiner was. Die gehen dann mit der Bewährung an der Hand aus dem Gericht und machen auf mich nicht den Eindruck, als hätten sie irgendwas gelernt, beziehungsweise wären gewillt, ihr Fahrverhalten künftig zu ändern.

    Und irgendwo in diesem Gebiet sehe ich auch eine gewisse Schuld bei dieser autofreundlichen Berichterstattung mitsamt der dazugehörigen Drunterkommentare, die den verurteilten Kraftfahrer quasi von jeder Schuld freisprechen. Das halte ich für eine Art selbst verstärkende Dynamik, mit der sich die Leute gegenseitig versichern, dass das alles gar nicht so wild wäre.

    Aber vielleicht geht ja jemand anderes hin und berichtet hier hinterher

    Der NDR war da: Bewährungsstrafe für Lkw-Fahrer

    Was ich ja hinreichend tragisch finde, ist die Tatsache, dass der Lkw-Fahrer schon einmal einen Menschen überfahren hat und der Unfall an der Großen Bahnstraße sein zweiter tödlicher Unfall war.

    Da schüttelt’s mich ja geradezu: Ich geriet damals bei der Mahnwache mit einem Passanten aneinander, der sich beschwerte, dass wir nicht für den Lkw-Fahrer, sondern für den Radfahrer eine Mahnwache veranstalteten, weil der Radfahrer doch selbst schuld wäre und der Lkw-Fahrer seines Lebens nicht mehr froh würde. „Blödsinn“, entgegnete ich unsachlich zurück, „der sitzt längst wieder auf dem Bock, als wäre nichts geschehen.“ Und ich sitze hier gerade recht verdattert und überlege, ob der Fahrer wohl schon wieder unterwegs ist — und ob die zehn Monate auf Bewährung wohl dazu führen, dass er denn wenigstens ab jetzt die notwendige Vorsicht beim Abbiegen walten lässt, ja, womöglich sogar die vorgeschriebene Schrittgeschwindigkeit beim Abbiegen einhält.

    Ein LINT darf aber nicht nach Straßenbahn-Betriebsordnung fahren, was für die Übergänge einen großen Unterschied macht. Und Heiner Monheim hat darauf hingewiesen, dass Fahrzeuge und Fahrweg-Herrichtung jeweils nur 1/10 im Vergleich zum Betrieb mit Eisenbahnfahrzeugen kosten.

    Okay, mit der EBO und BOStrab hast du recht, klar.

    Und Lütjenburg? Die haben doch nichtmal mehr einen Bahnhof oder wenigstens an sinnvoller Stelle eine Fläche für einen Haltepunkt...

    Tja, der damals umfangreiche Bahnhof mit verschiedenen Gleisanlagen ist ja leider zwei Supermärkten und einer Brachfläche gewichen. Ein Stück vom Gleisvorfeld ist noch vorhanden und würde meines Erachtens genügend Platz für einen kleinen Bahnhof mit Ausweichgleisen bieten. Früher gab es ja sogar eine Bahn von Kirchbarkau über Preetz nach Lütjenburg, da lag der Bahnhof aber auch nicht näher am Zentrum, aber einigermaßen sinnvoll scheint mir die Lage schon zu sein.

    Am Freitag bin ich endlich mal Nachtzug gefahren: Von Mannheim nach Potsdam mit dem NJ 490. Dazu aber bei zeitlicher Gelegenheit mehr.

    In Wannsee, wo früher die Autoverladung stattfand, sieht es entsprechend traurig aus:

    Dort ist noch ein letzter Zug nach München angeschlagen und das wundert mich in heutigen Zeiten doch sehr:

    Vom Bahnhof Wannsee zum Bahnhof München-Ost brauche ich mit dem Auto — wenn alles gut geht — ungefähr 5,25 Stunden. Da muss ich aber schon ein ganz arger Bahnliebhaber sein, um diese Strecke mit einem verhältnismäßig teuren Autozug in Angriff zu nehmen — oder sehe ich das falsch? Klar, man spart sich einen guten halben Tag im Auto, man kommt ausgeschlafen am nächsten Morgen in München an, aber irgendwie scheint mir eine solche innerdeutsche Verbindung jetzt nicht unbedingt der Hit zu sein. Selbst der so genannte Nacht-ICE 699 ist immerhin zehn Stunden von Berlin nach München unterwegs.

    Attraktiver fände ich solche Verbindungen ja tatsächlich zu Destinationen im Ausland, etwa wie früher Narbonne oder Lörrach oder Bozen, wo man gegenüber der Autobahn wirklich eine ganze Menge Zeit spart.

    Noch mehr Pläne für eine Reaktivierung: Malente-Lütjenburg

    Wobei ich irritiert über dieses Konzept bin. Das fühlt sich für mich nach sehr viel smart komponierter Zukunftsmusik an mit (für mich als Laien) sehr viel offenen Fragen hinsichtlich der Akzeptanz und der technischen Umsetzung. Eigentlich denke ich mir, zwei LINT 41 täten es ja auch, aber da kommen eben noch eine Menge Personalkosten und so weiter oben drauf.

    Hast du ihn damals denn angezeigt und falls ja, wie ging es aus? Durch seinen beruflichen Hintergrund ist ja davon auszugehen, dass er bestens informiert ist und die Tat nicht in Unkenntnis der Rechtslage begangen hat.

    Ich muss diese Geschichte wohl noch einmal aufbereiten: Er hat dafür 60 Tagessätze zu 40 Euro bekommen.