Woche 07 vom 09. bis 15.02.2026

  • Theorieunterricht in der Fahrschule - also mit Lehrkraft, Diskussion, Nachfrage, Erläuterung? Kann weg!

    (S+) Führerschein: So will Verkehrsminister Schnieder die Fahrausbildung abspecken
    Junge Menschen sollen sich den Führerschein besser leisten können, verspricht Verkehrsminister Patrick Schnieder. Sein neuer Reformplan würde radikal an der…
    www.spiegel.de

    https://archive.ph/IpIDE

    Zitat

    Digitaler Unterricht: Bereits angekündigt war, dass die Pflicht zum Präsenzunterricht im Theorieteil abgeschafft werden solle. Damit soll es Fahrschulen nicht nur möglich sein, den Theorieunterricht digital anzubieten, heißt es nun – sie sollen gar nicht mehr dazu verpflichtet sein, überhaupt Theorieunterricht zu geben. »Das Format des Wissenserwerbs wird in die Entscheidungsfreiheit der Fahrschülerinnen und Fahrschüler gelegt und nicht mehr gesetzlich vorgegeben«, heißt es im Papier. Führerscheinanwärter sollen also völlig selbstständig lernen und sich direkt zur Theorieprüfung anmelden können.

  • In Niedersachsen gab es kürzlich eine heftige Diskussion über den Sinn, das schriftliche Addieren in der Grundschule zu erlernen und zu trainieren.

    Ich will da jetzt gar nicht näher drauf eingehen. Wer sich dafür interessiert, der möge hier lesen, worum es dabei im Detail geht:

    "Grundschule ohne schriftliche Division
    Niedersachsen und Bremen unteilbar
    In Niedersachsen und Bremen lernen Grundschüler kein schriftliches Dividieren mehr. Man setze damit auf Verständnis statt aufs Anwenden eines Programms." taz vom 12.1.26:

    Grundschule ohne schriftliche Division: Niedersachsen und Bremen unteilbar
    In Niedersachsen und Bremen lernen Grundschüler kein schriftliches Dividieren mehr. Man setze damit auf Verständnis statt aufs Anwenden eines Programms.
    taz.de

    Aber unabhängig von diesen Details ist es interessant, dass in der Frage des schriftlichen Dividierens die CDU ein besonders lautes Kriegsgeheule anstimmte von wegen "Bildungsabbau, Verflachung der bewährten Standards usw."

    Siehe auch diese Stimme eines CDU-Politikers: "Niedersachsens CDU-Chef Sebastian Lechner (45) zu BILD: „Das geht gar nicht. Aber es entspricht leider der Linie, die Frau Hamburg (=nds. Kultusministerin) fährt. An allen Stellen werden die Ansprüche und Anforderungen gesenkt. Damit schadet sie der Zukunft unserer Kinder!“

    Experten vermuten Absenken der Standards:
    Niedersachsen schafft schriftliches Dividieren ab aus dem "deutschen Bildungsblatt" vom 12.1.26:

    Experten vermuten Absenken der Standards: Niedersachsen schafft schriftliches Dividieren ab
    Wird bei dieser Rechnung die Zukunft der Schüler aufs Spiel gesetzt? Julia Willie Hamburg (39, Grüne) schafft schriftliches Dividieren in Grundschulen ab.
    www.bild.de

    Beim Führerschein dagegen kann es dem CDU-Chef im Verkehrsministerium nicht schnell genug und radikal genug zugehen, wenn angeblicher Ballast aus den Fahrschulen und den Führerscheinprüfungen abgeworfen werden soll.

    Nimmt man andererseits die vielen großspurigen Ankündigungen ernst in Bezug auf das automatisierte Fahren, dann macht es doch gar keinen Sinn, über zu teure Führerscheine zu klagen. Die braucht doch bald eh kein Mensch mehr, wenn die Autos wirklich Autos sind, also Fahrzeuge, die sich selbst bewegen, nicht nur ohne Pferde oder andere Zugtiere, sondern auch ohne dass jemand die Lenkarbeit übernehmen müsste.

    An der Stelle wiederum war das Pferdegespann meines Großvaters bereits in den 40er und 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts weiter. Wenn er einschlief fand das Pferd samt Wagen auch so seinen Weg nach hause. Zumindest, wenn das nicht geflunkert war, was er mir darüber oft erzählt hatte.

    Einmal editiert, zuletzt von Ullie (12. Februar 2026 um 22:46) aus folgendem Grund: Link ergänzt

  • Theorieunterricht in der Fahrschule - also mit Lehrkraft, Diskussion, Nachfrage, Erläuterung? Kann weg!

    Jo, kann komplett weg und gestrichen werden. Ist sowieso für viele Betroffene eine Höllentour:

    Sexuelle Belästigung in der Fahrschule:

    "Frauenberatung spricht von hoher Dunkelziffer
    Der Bundesverband für Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe sagte dem SWR, dass derartige Fälle ab und zu vorkommen. Junge Frauen seien während der Fahrstunde in einem Abhängigkeitsverhältnis. Sie benötigten den Führerschein und hätten dafür schon viel Geld investiert. "Die Dunkelziffer ist sehr hoch, da die meisten der Fahrschülerinnen keine Anzeige erstatten und die Übergriffe stillschweigend hinnehmen," so eine Sprecherin des Verbands in Berlin.

    Manche Mädchen fühlen sich nicht mehr sicher, haben teilweise Angst vor der Fahrstunde."

    Sexuelle Belästigung im Fahrschulauto - Einzelfall oder größeres Problem?

    Sexuelle Belästigung im Fahrschulauto - Einzelfall oder größeres Problem?
    In Schwäbisch Gmünd ist ein Fall sexueller Belästigung im Fahrschulauto bekannt geworden. Ein Einzelfall? Was Fahrschulverband, Frauenberatungsstellen und…
    www.swr.de

    Das Kuriose: Um nicht in Bus und Bahn sexuell belästigt zu werden, setzen manche auf den Führerschein und das eigene Auto und kommen damit vom Regen in die Traufe.

    Gäbe es ausreichend gute ÖPNV-Angebote, einen schienengebunden Warentransportverkehr und eine Siedlungsentwicklung hin zu kurzen Wegen, die zu Fuß und/oder mit dem Rad machbar sind, dann bräuchten von wenigen Ausnahmen abgesehen die meisten Menschen keinen Führerschein machen. Und die einen bräuchten, zum Beispiel Feuerwehr-Einsatzfahrzeug-Fahrer, würden ihn vom Arbeitgeber bezahlt bekommen. Und diese Ausbildung sollte solide aufgebaut sein, kein Kreuzchen-Test-Bulimie-Lernen!

    Bedauerlich: Auch in Bus und Bahn gibt es sexuelle Belästigung, besonders gegenüber Frauen. Aber es gibt auch Möglichkeiten, dagegen etwas zu tun:

    Siehe z. B. dieser taz-Artikel vom 15.7.22:

    "Sexualisierte Gewalt im ÖPNV
    Der Zu-Nah-Verkehr
    Wer sexualisierte Gewalt im öffentlichen Nahverkehr erlebt, sucht oft vergeblich nach Hilfe. BVG und S-Bahn könnten etwa von London lernen."

    Sexualisierte Gewalt im ÖPNV: Der Zu-Nah-Verkehr
    Wer sexualisierte Gewalt im öffentlichen Nahverkehr erlebt, sucht oft vergeblich nach Hilfe. BVG und S-Bahn könnten etwa von London lernen.
    taz.de

    Stattdessen wird das eigene Auto oft als die einzige wirksame Schutzmaßnahme gegen sexuelle Belästigung propagiert. :(