Beiträge von hvhasel


    Ehrlich gesagt, habe ich noch vor wenigen Monaten fest daran geglaubt, dass die Parkregelung in Fahrradstraßen analog [Zeichen 325.1] geregelt wäre. Totaler Irrglaube, ja. So wie es ist und wie Du es ja treffend beschreibst, ist es eine absolute Nullnummer, sobald auch nur "Anlieger frei" gilt.


    Dazu kommt hier in Berlin die Praxis, die Fahrradstraße sowieso vor jeder einzelnen Kreuzung enden und nach der Kreuzung neu beginnen zu lassen. Ändert zwar nix an der Vorfahrtsregelung, erweckt aber bei unbedarften Verkehrsteilnehmern den Eindruck, dass die "Sonderrechte" an dieser Stelle enden. Im schlimmsten Fall wird dann Rechts-vor-Links missachtet.


    Da auch für Radfahrer ein Tempolimit von 30 km/h gilt, sind die Vorteile gegenüber einer 30er Zone m.E. gleich null. Nebeneinander fahren kann man schließlich überall, wo es die Verkehrslage erlaubt.

    Man beachte, daß gelegentlich auch rückwärts gezählt wird, wenn KFZ den Radler überholen. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, daß überholte Parker mitgezählt werden. Aber da täusche ich mich wahrscheinlich. Wie auch immer, es ist amüsant:

    Das müsste Melbourne sein, wenn ich richtig geschaut habe. Erschreckend eigentlich, wie wenig Radfahrer dort unterwegs sind in einer nach Bevölkerung ähnlich, wenn auch flächenmäßig fast doppelt so großen Stadt wie Berlin. Trotz dieser Verkehrsdichte hat der Protagonist kaum mehr als ein Dutzend Radfahrer überholt bzw. ist ihnen hinterher gefahren oder wurde von anderen überholt. Das schaffe ich in der Rushhour am Großen Stern in 30 Sekunden. Ketzerisch gefragt: Ob das an der Helmpflicht liegt?

    Das ist in einer Stadt mit 1,8 Millionen Einwohnern, in der die U-Bahn sonntags alle 4 bis 5 Minuten fährt, in der Busse in den Randbezirken sonntags alle 10 Minuten fahren, in denen Straßenbahnen beinahe flächendeckend verkehren und der ÖPNV seinen Bürgern ein beinahe unschlagbares Angebot macht: 1 Euro pro Tag für das Jahresabo.


    Man merkt an allem: Es ist nicht Hamburg. ;)



    Dazu kommt noch ein ziemlich gutes Leihradsystem und mit der Mariahilfer Straße das best umgesetzte Gesamtkonzept einer Einkaufsstraße, das ich bis dato gesehen habe!

    Wobei ich die 13 Monate plus anderthalb Jahre Führerscheinentzug für den Porsche-Möchtegern-Luden eigentlich ziemlich gut finde. Ich bezweifle auch, dass das in Berlin so geahndet würde. Ich sage nur getöteter Radfahrer auf der Müllerstraße im Februar 2014. Bei dem anderen, aktuellen Fall dürfte es ähnlich sein.

    Dieser heutige, tragisch verlaufene Unfall lässt mich maximal ratlos und auch traurig zurück:


    Die Pressemitteilung der Polizei gibt zugegebenermaßen nicht viel her und vielleicht war alles ganz anders als gedacht. Viel Spekulation, aber es sieht zumindest so aus, als hätte die Frau eigentlich alles richtig gemacht und nicht den grottenschlechten Radweg genommen, sondern die Fahrbahn. Und trotzdem konnte sie von dem LKW-Fahrer überfahren werden. Die Polizei Berlin verzichtet wenigstens auf das unsägliche "übersehen". Denn das wäre in gleicher Richtung eh kaum möglich gewesen. Klingt eher nach Abstandsvergehen mit grober Fahrlässigkeit, wenn es nicht so tragisch wäre!

    Ich mache nun von der großzügigen Upload-Regelung mal Gebrauch. Fall doch ein externer Hoster gewünscht ist, bitte Bescheid geben, dann lade ich dort hoch und verlinke die Bilder dorthin.



    Taipeh und Vororte


    1. "Radstreifen", beidseitig benutzbar


    2. Typische YouBike-Station


    3. Beschilderung der Geh-/Radwege beideitig...


    4. ...und als Detailansicht


    5. Kreuzung mit "All-Seiten-Grün", auch für Radfahrer


    6. Größere YouBike-Station in der Innenstadt


    7.Fußgängerzone mit Radstreifen...


    8. ...der nicht sonderlich ernst genommen wird.


    9. Weiteres Beispiel für einen Fahrradweg in umittelbarer Nähe des Taipei 101


    10. Typische Kreuzung mit Aufstellflächen für Motorroller und Verkehrszeichen mit Gebot des indirekten Abbiegens


    11. Dieselbe Kreuzung aus einem anderen Blickwinkel


    12. Typische Nebenstraße in New Taipei City, hier mit täglichem Markt


    13.-22. Beispiel für flußbegleitende Radwege, hier beidseitig des Tamsui River, die die Vororte zugleich mit der Innenstadt von Taipeh verbinden. Wie auf den Bildern zu sehen, werktags nur sehr wenig genutzt. An Wochenenden und Feiertagen soll es ganz anders aussehen. Die Wege sind ausschließlich für Fahrradfahrer und Fußgänger vorgesehen, dennoch "verirren" sich hin und wieder Rollerfahrer. Es gibt aber so etwas wie Streckenposten und eine besondere Form von Drängelgattern, siehe hier.



    Kaohsiung


    1.-10. Verkehrsalltag in der zweitgrößten Stadt Taiwans. Exemplarisch für Fahrradfahrer auf der Fahrbahn trotz freigegebener Gehwege und Kreuzungssituationen. Die Klappräder sind als Werbemaßnahme eine Hotels angebracht. Die Brücke auf dem letzten Bild ist eine Fahrradbrücke, bei der besonderer Wert auf die Archtiktur gelegt wurde. Darunter fährt zukünftig eine Straßenbahn ohne Oberleitung.




    Hualien


    1.-3. Mittelgroße Stadt an der Ostküste Taiwans. Aber auch dort, abseits der urbanen Zentren Taiwans, widmet man sich dem Radverkehr. Erstes Bild: umgewidmete Fahrbahnspur für Fahrräder und Motorroller. Zweites Bild: Aufstellfläche für Fahrräder und Motorroller. Letzteres Bild zeigt eine überdeckelte Straße, die darüber einem Radweg umgestaltet wurde.

    Da mir das Lesen der Berichte in dieser Kategorie selbst gut gefällt und Beispiele aus anderen Städten/Ländern auch meiner Meinung nicht verkehrt sind, um auf das eigene Umfeld zu schließen, möchte ich heute auch mal meinen Senf dazu geben.


    Nach ein paar Tagen Asien, möchte ich hier meine subjektiven Eindrücke aus Taiwan schildern. Ich war zwar lediglich eine gute Woche dort, aber einige Besonderheiten dort machen das Land zu einem speziellen Beispiel für Radverkehrspolitik im eigentlichen Sinne des Begriffes.


    Denn verbunden mit den Asien-typischen Besonderheiten wie u.a.
    - Bedeutung des Radverkehrs in der Vergangenheit noch höher als in Europa,
    - starker Rückgang in den vergangenen Jahrzehnten ("Arme-Leute-Verkehrsmittel") mit langsamen Mentalitätswechsel,
    - Betrachtung öffentlichen Raumes in Städten als Begnungsbereiche viel ausgeprägter als in Europa,
    gibt es auch ein paar Besonderheiten Taiwans, die das Land für die Radverkehrsdiskussion ganz spannend machen.


    1. So ist die Republik China (also Taiwan) in den vergangenen Jahrzehnten ähnlich autozentriert infrastrukturell entwickelt worden, wie westliche Länder. Die Autobahnen gerade um Taipei sind meist nicht nur mehrspuriger als in deutschen Ballungsräumen, sondern oft auch mehrstöckig gebaut. Im Übrigen habe ich bisher kaum ein Land mit einem derart hohen Anteil hochpreisiger deutscher Automobile außerhalb des deutschsprachigen Raums gesehen. Der ÖPNV ist fast so gut ausgebaut wie in Deutschland, das Netzwerk ist etwas dünner (und neuer), die Benutzerzahlen pro Kilometer würde ich etwas höher einschätzen.


    2. In Taiwan scheint die Politik der tatsächlichen Nutzung des Fahrrads als Alltagsverkehrsmittel weit voraus zu sein. Das Fahrrad wurde - nach meiner kurzen Beobachtung - vor allem als Freizeit-/Sportgerät genutzt. Als Alltagsverkehrsmittel habe ich fast nur Menschen >60 Jahre gesehen. Überall in Taipeh wird so stolz auf das vom European Cyclists' Forum veranstaltenten Velo City 2016 Global Ende Februar hingewiesen. Auffällig sind das deutliche Bekenntnis zum Fahrrad durch die Politik beim Leihfahrradsystem YouBike und bei den besonderen Infrastrukturmaßnahmen (s.u. bei den Fotos).


    Dazu trägt wohl die nicht unwichtige Industrielobby bei: So muss der ziemlich umtriebige Senior CEO von Giant, der sehr populär im Land ist, seine Finger häufig mit im Spiel haben. Mit der deutschen Automobilindustrie dürfte das aber dennoch nicht mal annähernd vergleichbar sein.


    3. Innerstädtisch ist nach wie vor der Motorroller das individuelle Verkehrsmittel No. 1, wie in sehr vielen Ländern der Region. Das bringt die typischen Probleme mit sich (Abgase, Lärmemissionen etc.) aber auch ein paar lustige Parallelen mit der deutschen Diskussion über den Radverkehr (Stichwort "Kampfradler"). So gibt es für Motorroller auch eigene Parkplätze (sogar eigene Parkhäuser), eigene Spuren auf mehrspurigen Straßen und neben dem Rechtsfahrgebot wird auch meist nur indirekt abgebogen. Zudem wird auch in Fußgängerzonen und auf Gehwegen weitergefahren, ohne dass sich jemand beschwert.


    Ampeln werden beim Rechtsabbiegen grundsätzlich ignoriert, beim Linksabbiegen wird gerne auf der gegenseitigen Fahrbahn gefahren. Im stehenden Verkehr wird immer die Lücke zwischen den Autos zum "Vorbeidrängeln" gesucht, Aufstellflächen vor den Autos begünstigen dies. Wiederum darf sich kein Autofahrer beim Rechtsabbiegen auf freie Fahrt verlassen, ich habe mehrfach das nach geradeaus rechts vorbei schlängeln der Scooter trotz Abbiegeabsicht (durch Blinker) der Autofahrer erlebt. Der Autofahrer scheint hier im Zweifel Schuld zu haben. Das hat zur Folge, dass Busse und (manche) LKW beim Abbiegen immer einen akustischen Signalton von sich geben und das Abbiegen eigentlich immer mit Halt und in Schrittgeschwindigkeit stattfindet. Spezielle Einweiser (mit Leuchstab) ermöglichen PKW-Lenkern das Ausfahren aus Grundstücksausfahrten (wie Einkaufszentren etc.) in den Fließverkehr.


    4. Zum Radverkehr selbst: Wie bei den Motorrollern scheint zu gelten: Anything goes! Da es außer gesonderten, sehr gut ausgebauten Radwegen entlang der Flüße und Ufer in den taiwanischen Großsstädten nur sehr selten und erst neuerdings eigene, straßenbegleitende Radwege gibt, sind Fahrradfahrer auf der Fahrbahn selbstverständlich. Dazu muss man sagen, dass die meisten kleineren Nebenstraßen nicht mal vernünftige Bürgersteige haben und somit auch Fußgänger auf der Fahrbahn dazu gehören! Die Geschwindigkeit in den recht engen Nebenstraßen reguliert sich so von selbst und liegt meist deutlich unter unserer 30 km/h++. Somit sind die motorisierten Zweiräder auch eher ein Ärgernis für Radfahrer (durch Emissionen und nahes Überholen), als PKW/LKW. Von Sicherheitsabständen hält man eh nicht viel, das ist in ganz Asien aber so. Dafür wird eigentlich immer das Tempo deutlich verringert.


    Die großen, mehrspurigen Straßen in den Städten mit breiteren Bürgersteigen haben in der Regel so eine Art Vz 240 mit dem Zusatz "Pedestrians have right of way". Damit ist aber mehr oder weniger unser Zz 1022-10 gemeint, denn meist fuhren doch die meisten Radfahrer auf der Fahrbahn. Es gibt das ganze noch mit Neongelb hinterlegt (siehe Beispiel). Kann sein, dass damit eine Art Benutzungspflicht einher geht. Diese sind immer beidseitig ausgewiesen, wie auch die wenigen dezidierten Fahrradspuren neben/auf den Gehwegen. Geisterfahren ist also generell erlaubt und wird auch so ohne Schilder praktiziert.


    Witzigerweise nutzen gerade die vermeintlich "schwächsten" Fahrradfahrer eher die Fahrbahn, also Alte und Kinder, während die "Normalaltrigen", meist auf Leihrädern, sich auf den Hauptstraßen eher auf den Gehwegen fortbewegen. Die Geschwindigkeit des Radverkehrs ist weit unter unseren Gepflogenheiten. 15 km/h scheint das höchste der Gefühle zu sein, selbst Rennradfahrer habe ich in den Städten nahezu schleichen sehen (vielleicht um die 20 km/h). Die Taiwanesen bevorzugen auch eher kleinere Räder, so sind sehr viel mit 20-Zoll-Klapprädern unterwegs. Selbst nur ein Teil von den Rennradfahrern hat einen Helm auf, für Alltagsradler scheint ein Helm undenkbar. Ich habe keinen einzigen "Alltagsradler" mit Helm gesehen, auch Kinder nicht. Ebenso wie meistens jegliche Beleuchtung fehlt, wenn doch, dann muss es eine einzelne Blinkleuchte vorne (rot oder weiß) tun. Jetzt verstehe ich auch, warum das Licht des Leifahrrads YouBike so beworben wird.


    5. YouBike: ist ein wirklich sehr engmaschiges und einfach zu nutzendes System in der ganzen Stadt und in den Vororten von Taipeh. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wird das System massiv beworben (von der kommunalen Regierung und von Giant) und mittlerweile sehr gut angenommen. Ich habe mir selbst ein Rad geliehen, was ohne vorherige Anmeldung mit der Kreditkarte funktioniert hat. Rund vier Stunden haben so umgerechnet 1,70 Euro gekostet. Die erste halbe Stunde in New Taipei City wird noch von der Kommune übernommen, in der Innenstadt kostet sie bereits so viel, wie jede darauffolgende halbe Stunde (jeweils ca. 28 Cent in den ersten vier Stunden, danach doppelt so teuer). Da die ÖPNV-Tickets über eine NFC-Bezahlkarte laufen und YouBike auch so als Mitglied genutzt werden kann, ist es für die Einheimischen noch entsprechend einfacher, sich ein Rad auszuleihen. Wirklich das beste Leihsystem, das ich bis dato gesehen habe. Zugegebenermaßen gibt es in D ja auch nicht so viel Auswahl.


    Im nächsten Post versuche ich mich mal an den Bildern.

    Zum Beispiel von Epaminaidos möchte ich noch hinzufügen, dass bei Neugestaltungen in Berlin sogar die Markierungen dazu führen, eine "Wartepflicht für Fußgänger" oder Vergleichbares zu suggerieren.


    Man kann lange darüber diskutieren und ich selbst halte vorausschauendes Fahren am Sinnvollsten. Aber was soll der Laie denken in einem solchen Fall:

    Aber ich bin mir nicht sicher, ob die Vorschrift auch für Wohngebäude gilt:

    Nach dem Text tendiere ich zu "nein", nach einigen weiteren Sätzen in den Ausführungsvorschriften (Punkt 2.3 und Anlage 2) eher zu "ja".


    Meines Wissens müsste das auch für Wohngebäude gelten. Sieht aber nach Opt-out-Regelung aus:


    Die aktuelle Novelle zur Berliner Bauordnung hat die Möglichkeiten für die Vermieter ausgeweitet. In der Praxis hatte die Pflicht, Fahrrad-Stellplätze auf dem Baugrundstück einzurichten, oft zu unbefriedigenden Lösungen geführt hat. Radstellplätze wurden oft schlecht zugänglich, zum Teil sogar in Tiefgaragen angelegt. Die Neufassung der Bauordnung sieht daher vor, alternativ Stellplätze auf öffentlichem Straßenland vor dem Baugrundstück anzulegen oder durch Zahlung eines Geldbetrages vor Baubeginn abzulösen. Diese Mittel werden dann zweckgebunden für den Bau von Abstellmöglichkeiten in der Stadt verwendet.

    Ist aber auch schlecht recherchiert. Google hat eines der größten privaten Leihfahrradsysteme. Kostenlos und über das Firmengelände hinaus. Problem dürfte eher die amerikanische Zersiedlung und die damit verbundenen Wege und die mangelnde Infrastruktur über weitere Strecken sein.


    Das soll sich aber auch ändern:

    Klickstrecke in der Süddeutschen mit Fahrradzubehör. Über die Sinnhaftigkeit kann man streiten, aber wenn ich mir sowas wie die Revolights (seitliche Leuchten) oder Helios Bars (Rückleuchten am Lenker, die sogar blinken können) anschaue: Ist sowas bei uns überhaupt zulässig?

    Wahrscheinlich nicht, die StVZO ist ja knallhart veraltet. Aber meine Erfahrung mit der Beleuchtung aus der Praxis besagt: Anything goes! Hier sind alle froh, wenn die Radfahrer überhaupt eine Beleuchtung haben.


    Aber, um direkt an die Frage anzuschließen: Sind solche Beleuchtungen nicht als Zusatz zu einr vorschriftsmäßigen Lichtanlage erlaubt? Wie auch das dänische Reelight, welches ich ziemlich genial (einfach) finde.