Seit wenigen Tagen machen auch diese großen Plakate (mit ganz kleiner Schrift) auf die Veranstaltung aufmerksam.
Macht irgendwie alles den Eindruck man möchte da eigentlich keinen haben.
Der Saal war trotzdem voll.
Das erste, was ich nach Ankunft machen durfte, war eine Anzeige am Stand der Polizei aufgeben - gegen einen Mini-Fahrer, der es nicht aushalten konnte, mit 25 km/h hinter mir zu bleiben, sondern mit aufheulendem Motor und 30 cm Abstand an mir vorbeischoss.
Bei der Veranstaltung präsentierte die Behörde dann Fakten.
Nach Einrichtung der Fahrradstraße wurden die Geschwindigkeiten gemessen. 85 % aller Autofahrer überschritten die zulässige Höchstgeschwindigkeit. An jedem Tag der Messungen waren Fahrer dabei, die schneller als 75 km/h fuhren, Spitzenwert waren 91 km/h. Nochmal in Worten: fünfundsiebzig bis einundneunzig Kilometer pro Stunde.
Seitdem stehen da »30«-Schilder. Für regelmäßige Messungen hat die Stadt leider keine Zeit und kein Personal ...
Dann wurde begründet, warum auf dem Uferweg keine Radfahrer erlaubt sind: es war zu Behinderungen und Gefährdungen von Fußgängern gekommen. Das heißt: Weil ein paar Rüpel auf Rädern unterwegs waren, wurde allen Radfahrern der Stecker gezogen. Wenn aber in der Fahrradstraße 85 % der Gäste auf vier Rädern Rüpel sind - dann wird denen nicht der Stecker gezogen. Seltsam, oder?
Die Behörde begründete das damit, dass doch jeder Hamburger seiner Verwandtschaft mal das Alsterufer zeigen wolle. Im Auto.
Nun, ich würde meine Verwandtschaft auch gerne mit dem Auto durch die Mönckebergstraße, über den Rathausmarkt und durch die Herbertstraße kutschieren. Das darf ich auch nicht. Das akzeptieren alle.
Die neue Fahrradbeauftragte des Senats, bisher beim ADFC tätig, sprach in ihrer Präsentation übrigens wie selbstverständlich und ganz beiläufig davon, dass in einer Fahrradstraße Autos unterwegs seien. Wie bitte?
Und dann wurden die Ideen für die Zukunft vorgestellt. Für die Zeit nach Abzug der Besatzer des Südteils (sprich: Aufhebung des Festungscharakters am US-Konsulat) hat die Behörde noch keinen Plan, wie die Autos eingedämmt werden sollen. Aber sie wissen schon, dass in diesem Bereich nicht mehr auf dem Hochbord geradelt werden soll, das heißt, dass der jetzt bestehende Radweg in einen
ohne Zusatzschild umgewandelt werden soll. Am anderen Ende, bei der Krugkoppelbrücke, möchte man die dort auf dem Hochbord der linken Seite gen Süden fahrenden Radler gerne auf ![Zeichen 239 [Zeichen 239]](https://radverkehrsforum.de/images/smilies/zeichen-239.png)
umstellen. Dort, wo der alte Radweg eine eigenständige Piste wird, will man eine Umlaufsperre aufstellen (im spätere Verlauf nochmal zwei davon) und zwei Ableitungen auf die Fahrbahn bauen. Man will die schnellen Radfahrer auf der Fahrbahn haben und gleichzeitig den langsamen und unsicheren Radfahrern weiterhin dir Möglichkeit bieten, auf einem anderthalb Meter breiten und teilweise durch Bäume zweigeteilten Radweg im Gegenverkehr unterwegs zu sein. Die Umlaufsperre soll aber keineswegs so weit angelegt sein, dass da Fahrräder mit (Kinder-)Anhänger oder Fahrräder mit Kinderdoppelsitz vor dem Lenker durchkommen - Nein, so der Behördenvertreter, die will man auf dem alten Radweg nicht mehr haben, die sollen auf die Fahrradstraße. Logisch und nachvollziehbar, oder? Man geht davon aus, dass die auf dem ![Zeichen 239 [Zeichen 239]](https://radverkehrsforum.de/images/smilies/zeichen-239.png)
dann an der Bordsteinkante anhalten, um die auf der Fahrradstraße gen Norden fahrenden Radler passieren zu lassen. Gewiss doch.
Und alles nur, weil weiterhin Autoverkehr, sogar Durchgangsverkehr, in dieser Fahrradstraße erlaubt sein soll.