Willst du Gehwege auch gleich mit abschaffen? Alles verkehrsberuhigter Bereich mit einer durchgehenden Fläche für alle? Damit es auch keinen Gehweg mehr gibt, den man fälschlicherweise für eine "Radverkehrsanlage" halten könnte, auf den man dann lautstark und mit Einsatz der Hupe verwiesen wird?
Du hast aber sicherlich recht: Wo es viele Radwege gibt, wird auch mehr erwartet, dass sie benutzt werden, egal ob da blaue Schilder stehen oder nicht. Mir hat hier ein leitender Fuzzi der Stadtverwaltung mal gesagt: "In Stade gilt das Paradigma, dass Radwege, die vorhanden sind, auch benutzt werden sollen." Der hat nicht mal im Ansatz begriffen, warum die allgemeine Radwegebenutzungspflicht 1997 abgeschafft wurde und ich habe den auch schon auf dem Fahrrad auf der falschen Straßenseite auf dem Gehweg fahren sehen. Zum Glück hat er mit der Verkehrsbehörde nichts zu tun, aber er ist verantwortlich für den Fachbereich Bauen und Stadtentwicklung.
Das ist dann ein Teufelskreis: Wo Autofahrer erwarten, dass "die Straße" ihnen gehört, verhalten sie sich auch aggressiver gegenüber Radfahrern und wo Radfahrer sich deswegen noch unsicherer fühlen, fahren sie im Zweifel lieber falsch herum auf dem Gehweg als auf der Fahrbahn. Die Verwaltung sieht darin die Bestätigung, dass die Leute Radwege wollen.
In der Nachbargemeinde Horneburg wurde im Frühjahr der Radverkehr komplett und konsequent auf die Fahrbahn gebracht. Es gibt im ganzen Ort keinen einzigen Radweg mehr und keinen einzigen für Radfahrer freigegebenen Gehweg. Ich bin zuversichtlich, dass es sich trotz anfänglichem, massivem Widerstand aus der Bevölkerung bewähren wird und dass sich spätestens in 10 Jahren niemand mehr vorstellen kann, dass man dort mal auf den Buckelwegen Fahrrad fahren musste. Allerdings hat die am stärksten befahrene Hauptstraße dort eine max. Verkehrsbelastung von 600 Kfz in der Spitzenstunde und nicht 2000.
Umgekehrt ist mir auch schon aufgefallen, dass man als Radfahrer besser akzeptiert wird, wo die Kommunen sich erkennbar an die Regeln halten und wo (insbesondere benutzungspflichtige) Radwege die Ausnahme sind. Es mag für die meisten, die in diesem Forum aktiv sind, kein Problem darstellen, einfach ohne weiteres auf der Fahrbahn zu fahren, mache ich ja auch. Aber das ist nicht repräsentativ. Dreht mir jetzt bitte nicht wieder das Wort im Mund um und behauptet nicht, ich würde "mehr Radwege" fordern. Aber auch die Integration der Radfahrer ( =Abkehr von der Separation) kostet Geld.