Beiträge von Th(oma)s

    Man kann sich ja wirklich nur noch die Haare raufen, mit welcher Hartnäckigkeit in unserer Gesellschaft versucht wird, in Unkenntnis des eigentlichen Unfallherganges unbedingt und auf jeden Preis selbst bei einer Mahnwache einem 15-Jährigen die Schuld an seinem Tod in die Schuhe zu schieben.

    Das „typisch deutsche“ daran ist unser Verkehrsunfallstatistikgesetz, das die Polizei dazu verpflichtet, ad hoc die Unfallschuld festzustellen und die sich daraus ergebende weltweit einzigartige Möglichkeit, noch in der heißen Phase der Empörung gleich nach solchen Tragödien in der Presse und am Stammtisch über den Ablauf des Unfalles sowie darauf aufbauend über Schuld und Sühne zu debattieren. Im Ausland geht das einfach nicht. Was die Leute dort denken und sagen würden, wenn sie die selben Informationen bekämen, wissen wir nicht (aber ich ahne es….).

    ... wäre man über den Teppich gestolpert und mit den Kopf auf 'ne Kante...

    Das Traumaregister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, wo quasi flächendeckend sämtliche deutsche Schwerstverletzte registriert werden, nennt gut 28.000 Patienten im letzten Jahr, wovon ca. 12.500 Verkehrsopfer waren.

    Es gab 4.400 schwerstverletzte Autofahrer, 3.200 Radfahrer, 3.100 Motorradfahrer und 1.100 Fußgänger. Schwerste Stürze aus geringen Höhen bis 3m, worunter neben Teppichkantenstürzen insbesondere auch die unzähligen Fußgängerstürze auf der Straße ohne Fahrzeugbeteiligung fallen, gab es dagegen knapp 8.000. Soviel zum Thema "Ich kenne eine Intensivschwester und die sagt dass da nur Radfahrer liegen, die keinen Helm getragen haben".

    Da die verbindenden Risikofaktoren bei Schwerstverletzten aber offensichtlich nicht die Verkehrsmittel, sondern Alter und Alkoholisierungsgrad sind, brauchen wir keine Fahrradhelme, sondern in Wahrheit Säufer- und Seniorenhelme.

    Na ja, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wäre es nicht zu "in der falschen Sekunde am falschen Ort" gekommen.

    Vielleicht ist der LKW-Fahrer ja auch an der Ampelkreuzung vorher besonders aufmerksam und langsam abgebogen, wodurch er nur deshalb leider genau zur Unzeit am Ort des Geschehens eintreffen konnte.

    Will sagen: so aus der Retrospektive heraus funktioniert Sicherheitstechnik nicht.

    Das macht man am besten in der MPU. Bei jedem, der hier reflexhaft auf den 15-Jährigen oder auf alle Radfahrer eindrischt, nachdem ein verbotenerweise abbiegender Lkw-Fahrer einen Jungen umgebracht hat, bezweifle ich die Eignung für die Teilnahme am Straßenverkehr als Kraftfahrer.

    Die MPU ist keine Wiederholung der Theorieprüfung. Abgesehen davon ist das niederträchtige Gekeife am Stammtisch auch nicht identisch mit dem tatsächlichen Verhalten der Leute. Wäre das anders, gäbe es hunderttausende Verkehrsopfer im Jahr.

    Das "Einfahrt für LKW verboten" ist auch auf dem Unfallbild des NDR zu erkennen

    Der LKW hatte ja noch einen Hänger hinten dran. IMO fährt man mit so einem Gespann nicht einfach mal so leichtfertig auf den Supermarktparkplatz, bloß um sich ein Brötchen und eine Bockwurst zu holen, denn wie käme man da jemals vom Parkplatz wieder herunter, solange da andere Fahrzeuge herumstehen? Kann es sein, dass der LKW die Eisentreppe auf der Ladefläche anliefern sollte?

    D sagt: "Wenn Dein Lkw tote Winkel hat, darfst Du ihn nicht bewegen."

    Wer sagt, dass F das nicht sagt? Hast du zufällig die französische StVO zur Hand?

    Dieser Tote-Winkel-Aufkleber ist nicht grundsätzlich falsch. Aber er kann falsch interpretiert werden, nämlich in dem Sinne, dass nach einem Unfall das Opfer dafür verantwortlich gemacht wird, dass der Unfall passiert ist.

    Dass das Opfer verantwortlich gemacht wird, ist doch heute schon der Fall. Siehe Stammtisch, siehe obligatorische Urteilsschelte nach Rechtsabbiegerprozessen mit vermeintlich stets viel zu milden Strafen für die Täter.

    Ich befürchte, die "Totwinkel-Aufkleber" bewirken nicht so sehr, wie es wünschenswert wäre, dass LKW-Fahrer wie vorgeschrieben maximal mit Schrittgeschwindigkeit abbiegen, oder den Abbiegeassistenten einschalten und verstärkt den Fuß- und Radverkehr beachten, oder besonders sorgfältig die drei für das Rechtsabbiegen relevanten Spiegel oder neuerdings ja zum Teil auch Kameras kontrollieren.

    Aber es wird Fahrradfahrer*innen vielleicht noch vorsichtiger machen als ohnehin schon.

    Was wäre so falsch daran? Meine eigene Beobachtung von anderen Radfahrern auf der Straße zeigt mir allerdings, dass Wachsamkeit/Misstrauen gegenüber parallel auf der Fahrbahn fahrenden KFZ beim Geradeaus-Passieren einer Radwegfurt unverändert niedrig ist (nämlich gleich null... Schulterblick, das unbekannte Wesen).

    Deine pessimistische Befürchtung ist ebenso wenig belegt, wie meine Vermutung, dass das Bewusstsein der LKW-Führer geschärft worden sein könnte.

    Womöglich ist der Trend aber auf andere Confounder zurückzuführen. Die Zahl der tödlichen Unfälle mit KFZ sinkt innerorts schließlich auch für alle anderen Hergänge stetig.

    Diese Totwinkelaufkleber sind in Frankreich auch für ausländische Fahrzeuge Pflicht.

    ...weswegen auch in D mittlerweile die meisten der hier zugelassenen LKW die Aufkleber schon haben. Ich denke, dass es einen starken Einfluss auf die LKW-Führer hat, wenn sie mehrfach pro Schicht an den (auch an Fahrer- und Beifahrer-Türen anzubringenden) Aufklebern an eigenen oder fremden Fahrzeugen vorbeilaufen müssen.

    Klimawandel-Leugner und Fossil-Lobbyist Bareiß will eine Helmpflicht für Radfahrer. Besser wird's heute nicht mehr.

    Die AfD ist auf seiner Seite, na klar! Umgekehrt gilt das vermutlich in vielen Fragen ebenfalls.

    Thomas Bareiß – Wikipedia

    Das von der Verkehrswende-Agitation (die oft und gerne mit skandalisierend präsentierten Unfallzahlen operiert) angepisste kraftfahrende Establishment schlägt zurück.

    Nicht der einzige Fall von "von der Strecke abgekommen und ins Wasser gefallen" am Wochenende:

    POL-OS: Wallenhorst: Nach Fahrradsturz - 72-Jähriger tot in Wassergraben aufgefunden
    Wallenhorst (ots) - Am Samstagmorgen machte ein Hundehalter in der Straße In der Stroth einen traurigen Fund. Gegen 9.40 Uhr stellte der Spaziergänger in…
    www.presseportal.de

    ... aber per "G", "R" oder "G+R" durchaus eine Widmung meiner dunklen Erinnerung nach, auf die sich m.d.E.n. auch schon Gerichte berufen haben ... Habe aber gerade keine Muße, da groß nach zu suchen ...

    Der Widmungstext lautet "dem öffentlichen Gemeingebrauch gewidmet wird die xyz-Straße inclusive aller Nebenanlagen und Gehwege". Womit nicht gemeint ist, dass damit der Gehweg konkret als Gehweg und die Fahrbahn konkret als Fahrbahn gewidmet würden, sondern dass auch die Gehwegfläche nebst der Fahrbahn dem Gemeingebrauch gewidmet werden. Die spezifische Zweckbestimmung der Verkehrsflächen ergibt sich unabhängig aus der baulichen Gestaltung entsprechend der allgemeinen Anschauung sowie ergänzend ggf. aus beschränkenden/lenkenden Beschilderungen. Da muss aber wegen der sehr allgemein gehaltenen Widmung weder bei baulichen Änderungen noch bei Austausch von Verkehrszeichen irgendwas teileingezogen und neu gewidmet werden.

    Interessant ist hierbei übrigens ein Blick in die Niederlande: Dort haben die Schutzstreifen eine ganz andere Funktion. Diese sollen gar nicht von den Radfahrern befahren werden, weshalb sie auch kein Fahrrad-Piktogramm haben und teils extrem schmal sind. Vielmehr dienen sie der visuellen Verengung der Fahrbahn und dem Hinweis "hier sind Radfahrer auf der Fahrbahn".

    Das halte ich für ein Gerücht; für die Schlussfolgerung, dass da irgendwelche Vorgaben in der Richtung existieren würden, sind die Bilder, die man mit Schutzstreifen aus NL findet, viel zu heterogen. Das Einzige, was wohl wirklich in NL Vorschrift zu sein scheint: wenn Schutzstreifen, dann nur mit Haltverbot.

    Zur Frage, wie sicher die NL-Schutzstreifen sind, habe ich mal für Twitter diese Tableaus mit Zeitungsberichten von tödlichen Fietsunfällen auf Schutzstreifen angefertigt.

                                         

    Aber bei Frau Antje, hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen dem Siebengebirge, da ist ja alles trotzdem immer tausendmal schöner als hier, Frau Königin. Der Mythos der holländischen Radwege ist im Gegensatz zu holländischen Radfahrern unsterblich.