Ja, genau wie alt sein und insbesondere die Kombination alt sein + Rollator erhöht das Risiko überfahren zu werden. Ich finde es schrecklich, dass ausweichen scheinbar zum Straßenverkehr gehört. Und wer es nicht kann, ist dann eben tot. Insbesondere, da die Gefahr, die von einer alten Person mit Rollator ausgeht, nahezu gegen Null tendiert.
Unser Rechtssystem sieht bei drohender Schädigung grundsätzlich eine Mitwirkungspflicht auch des potentiell Geschädigten bei der Abwendung/Minimierung eines Schadens vor. Außerhalb der StVO-Regeln wäre da zB § 254 BGB einschlägig (was ja von der Rechtsprechung gerne als Hebel genutzt wird, die vermeintlich sozial erwünschte informelle Helmpflicht für Radfahrer durchzusetzen). Innerhalb der StVO greift § 1, denn das Schädigungsverbot gilt unabhängig vom konkreten Regelverletzer pauschal für Jedermann. Ich halte diese Praxis gerade aus sicherheitstechnischem Blickwinkel für sehr sinnvoll, denn die dadurch bewirkte Redundanz beim Aufpassen und Handeln schafft enorme Sicherheitsreserven. Ich denke daher auch, dass die Interpretation der PM-Formulierung "Person B ist nicht ausgewichen" im Sinne von "die Polizei wäscht die Weste von A weiß und schiebt stattdessen B die Schuld in die Schuhe" Unsinn ist. Das ist kein Victim Blaming, sondern viel eher Ausdruck der kopfschüttelnden Ratlosigkeit über das Nicht-Reagieren des Opfers ("Also, *ich* wäre ja zur Seite gegangen als A den Fehler gemacht hat. Weiß der Geier, warum B das nicht gemacht hat.")