Beiträge von Th(oma)s

    Zynisch, also menschenverachtend, ist es, Radwege als Sicherheitsgewinn zu vermarkten, denn sie sind das exakte Gegenteil.

    Die Frage ist, ob auf allen Ebenen (örtlicher ADFC-Vorsitzender, Lokalredakteur, Leser der Interviews und Pressemitteilingen) überhaupt klar ist, dass die Phrase „sichere Radwege“ gar kein naiver Pleonasmus ist, sondern dass sie im Gegenteil bedeuten soll: „Uns ist vollkommen klar, dass alles, was wir bis gestern gefordert haben, totaler Bockmist war. Aber wir glauben fest daran, dass es nur genug Geld und guten Willen braucht, dem abzuhelfen.“

    Selbst, wenn das so wäre, würde schon allein die gigantische Länge des schon existierenden Altbestandes dafür sorgen, dass das Töten ungebremst weitergeht. Leider sehe ich auch nicht, inwiefern Änderungen an Details Probleme heilen könnten, die ihre Ursache im Konzept selbst haben.

    Ich behaupte, dass den allermeisten nicht klar ist, dass sie da anhalten müssen.

    Ich behaupte, die Rechtslage ist ihnen einfach bloß gleichgültig. Die Möglichkeit, ungeahndet an roten Ampeln durchzurollen ist wie viele andere radlerische Regelverstöße (kein Licht, Rechtsüberholen auf Sonderwegen, Geisterradeln auf Sonderwegen, Wildparken auf Sonderwegen) eine der Belohnungen für die Benutzung der separierten Extrawurst. Und weil dem so ist, hat René dafür Verständnis[TM] (außer, es ist gerade Fahrrad-Kontrollwoche, und man will zu PR-Zwecken möglichst viele Strafzettel zusammenkriegen).

    Eine Fahrradinfra ist aber nicht altersspezifisch "sicher" oder nicht.

    In Deutschland hohes Alter der verkehrstoten Radfahrer. Deutsche Radwegeagitation so: „Mimimi, Deutschlandkannesnicht, Infrastruktuuuur!“

    In NL hohes Alter der radelnden Verkehrsopfer. Deutsche Radwegeagitation so: „Guck an. Die NL-Radinfra ist so inklusiv, da radeln ja sogar die Alten! Aber Deutschland kriegt mal wieder nix auf die Reihe.“

    Sie drehen es sich, wie sie es brauchen.

    und in Garmisch-PArtenkirchen ein Alleinunfall?

    Miese Infrastruktur! Von alleine stürzen Radfahrer ja nie, und für all ihre Kollisionen mit Gegner können sie natürlich auch nie was - es muss immer jemand anderes verantwortlich gewesen sein. </sarcasm>

    Diese Sichtweise sorgt zuverlässig dafür, dass Interessenten sich nicht selbst ermächtigen und einfach fröhlich losradeln, sondern dass sie immer schön ängstlich und unmündig bleiben und devot abwarten, bis ihnen einer von den Großen gnädig das "Go" gewährt.

    Wie oben schon erwähnt· fehlt für Evidenz simpel die Fallzahl. Wenn in 10 Jahren im Profisport unter 30 Leute tödlich verunfallen, davon dann über 2/3 wohl jenseits des Wirkbereichs einens Fahrradhelms, dann lässt sich daraus sowieso keine Aussage für irgendetwas stellen, weder dafür, noch dagegen.

    Wenn ein Personenkreis, der zusammen sicher mehrere hundert Millionen km im Jahr radelt, am Ende so wenige Opfer aufweist, dass mögliche Helmeffekte im Grundrauschen untergehen, dann kann man ruhigen Gewissens sagen, dass die betriebene Tätigkeit inhärent sicher ist, und darum auch keine besonderen Schutzmaßnahmen erfordert, die man bei anderen Alltagstätigkeiten gleich geringen Risikos zu recht für vollkommen absurd halten würde.

    Zumindest scheinen wir uns ja darin einig zu sein, dass beim Mountainbike-Rennsport die Helme einen gewissen Unfallschutz gewährleisten. Darüber hinaus sind beim Mountainbike-Rennsport allerlei Protektoren für Rücken, Brust, Ellbogen, Knie, Handgelenk usw. im Einsatz.

    Der MTB-Sport ist ein Kind des Fahrradhelms. Die vielen Opfer dabei sind folglich zu 100% Schuld des Helms. Musterbeispiel für Risikokompensation.

    Ärzte und Statistik😈

    [...]

    Dass es aber bereits an der für besondere Schutzmaßnahmen erforderlichen besonderen Gefährdung für Radfahrerköpfe mangelt, hatte ich oben ja schon gesagt.

    Hier mal ein Ausschnitt aus der amtlichen Todesursachenstatistik 2015 für Deutschland. Dass Radfahrerköpfe ganz besonders gefährdet sind, seht ihr doch auch alle, oder? ODER??

    Beachtet dazu die Anzahl an Kopf-Toten durch Unfallereignisse insgesamt außerhalb des Straßenverkehrs (wozu auch Stürze zu Fuß auf der Straße zählen, soweit Fußgänger stolpern/Treppen herunterfallen etc., ohne dass Fahrzeuge daran beteiligt sind; gelbe Umrandung).

    Es gibt genau 2 Motive, die verantwortlich dafür sind, dass Helme ausgerechnet beim Fahrrad empfohlen werden:

    1) Innerhalb der verschiedenen Verkehrsarten stellt der Radverkehr den höchsten Prozentsatz (nicht aber: die höchste Absolutzahl!) an Opfern, die isoliert an Kopfverletzungen sterben. Bei Fußgängern und KFZ-Nutzern spielt allerdings der Bereich "Polytrauma" eine wesentlich größere Rolle (wo dann neben dem in aller Regel geschädigten Kopf auch noch andere Regionen lebensbedrohlich verletzt werden). Beim Radverkehr ist im Ergebnis also gar nicht der Kopf in besonders großem Maße gefährdet, sondern die anderen Körperregionen sind nur in der Regeln viel weniger schlimm betroffen als bei anderen Verkehrsarten - ein Grund mehr, das Radfahren als besonders sichere Tätigkeit herauszustellen, anstatt mit unsinnigen Helmkampagnen den gegenteiligen Eindruck zu promoten. Von der viel weniger schädlichen externen Wirkung des Verkehrsmittels auf andere Verkehrsteilnehmer als bei KFZ-Nutzern mal ganz abgesehen.

    2) Fahrradhelme sind Bestandteil der ewigen psychologischen Kriegführung zwischen Autofahrern und Radlern. Ohne den Antrieb seitens der um ihre Haftung besorgten Kraftfahrerschaft und ohne das "Autos? Gefääährlich!!!"-Kesseltreiben der Verkehrswendeagitation wären Fahrradhelme unineressant bzw. bestenfalls Privatvergnügen ohne Erwägungen für eine gesetzliche Regelung.

    Selbstverständlich kann ein getragener Helm im Falle eines Unfalls Kopfverletzungen verhindern oder reduzieren, da haben die Unfallärzte natürlich Recht.

    Ärzte und Statistik😈

    Die Ärzte übersehen, dass die Helmquote ihrer Unfallopfer nicht groß anders ist als die Helmquote der exponierten Grundgesamtheit auf der Straße - was nicht sein darf, wenn der Helm tut was er angeblich soll. Ebenso ist den Ärzten entgangen, dass die Quote der Todesursache „Kopfverletzung“ an allen Todesursachen bei Radfahrern heute trotz 45% Helmquote noch exakt so ist wie zu Beginn der 90er Jahre, als noch niemand Helm trug. Auch das dürfte nicht sein, wenn man von einem Netto-Nutzen der Helme ausgeht.

    Dass es aber bereits an der für besondere Schutzmaßnahmen erforderlichen besonderen Gefährdung für Radfahrerköpfe mangelt, hatte ich oben ja schon gesagt.

    Bei deinem Beitrag bleibt unklar: Sprichst du dich für eine Helmtragepflicht für alle Fahrradfahrer*innen aus, oder forderst du die Rücknahme der Helmtragepflicht bei der Tour de France und anderen Fahrradrennen? Und möchtest du auch für Motorradfahrer*innen die Helmtragepflicht aufheben?

    Ich fordere in erster Linie den Ausstieg aus dem Angstkampaigning.

    Radfahren ist als aktive Tätigkeit viel zu gesund, als dass man Menschen mit dem zur Helmwerbung zwingend erforderlichen Grusel-Kopfkino-Theater vergraulen dürfte. Es ist außerdem als Tätigkeit für den Kopf (und nebenbei gesagt: auch für die restlichen Verkehrsteilnehmer!) viel zu ungefährlich, als dass man Radfahrern ein lästiges Utensil überhelfen sollte, das man bei anderen Alltagstätigkeiten gleichen Risikos auch nicht zu brauchen glaubt. Zumal dessen Nettowirkung nach Verrechnung von Schutzeffekt und Risikokompensation so dünne ist, dass am Ende auf der Bevölkerungsebene nicht mehr als ein Nulleffekt verbleibt.

    Es ist übrigens eindeutig erwiesen, dass -seit Motorradfahrer Helmpflicht haben- die tödlichen Fahrradunfälle deutlich zurückgegangen sind. Vorsicht mit Korrelation und Kausalität.:evil:

    Schließlich fahren die 30 bis 40 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit zum Teil über mehrere Stunden. Und bei Abfahrten werden Spitzengeschwindigkeiten nahe an die 100 km/h erreicht.

    Für den Impact auf den Kopf ist die horizontale Komponente des Kräfteparallelogramms unerheblich. Der Effekt auf den Kopf resultiert aus der vertikalen Komponente, die wiederum bei langsamer Fahrt nicht anders ist als bei Rennradtempo oder bei einem MotoGP-Rennmotorrad. Wenn überhaupt, haben Rennradfahrer aufgrund ihrer gebückten Position bessere Karten beim Sturz, weil die Erdbeschleunigung auch nur entsprechend kürzer auf den Körper einwirken kann.

    hier ist von Rechtsabbieger die Rede:

    Hier die Unfallstelle, beide Kontrahenten kamen aus der Blickrichtung heraus auf die Kreuzung zugefahren. Sowohl die Industriestraße als auch der Arm gegenüber sind kurz hinter der Kreuzung jeweils mit einer Ortseingangstafel gekennzeichnet (Ergolding bzw Landshut). Die B299 selbst scheint demnach außerorts zu liegen, da zudem bis ins Freiland im Straßenverlauf keine Ortsausgangstafel (bzw Eingangstafel in der Gegenrichtung) mehr steht.

    Preisfrage: bestand hier nach StVO für den LKW-Führer Pflicht zum Abbiegen mit Schrittgeschwindigkeit?:/ (Disclaimer: ja, ich weiß, das ist in der Praxis irrelevant).

    Eine glatte Lüge.

    Es ist nicht unwahrscheinlich, dass auch bei etablierten Zeitungen keine Redakteure mehr sowas verfassen.

    Auf FB häufen sich in letzter Zeit KI-generierte Beiträge, die sich dem Accountnamen nach („eilmeldung heute“) als Online-Zeitung ausgeben, aber sehr offensichtlich ohne menschliches Zutun geschaffen wurden. So auch in Bild und Text zum Unfall in Varel („Xreisverkeln“😈).

    💔😭 Radfahrerin (†22) stirbt nach... - Eilmeldung Heute
    💔😭 Radfahrerin (†22) stirbt nach Zusammenstoß mit Lkw - Tiefe Trauer im Friesland! 💔😭 ‏‏‎ ‎ Ein tragischer Verkehrsunfall hat am Donnerstagmorgen in...
    www.facebook.com

    In einem weiteren Fall (Quelle „was geht in NRW“) wird durch die KI aus der Polizeimeldung („Radfahrer wurde schwer verletzt“) ein „Radfahrer wurde gelb verletzt“. Die rot-gelb-grün Klassifizierung für Berichte über Notarzteinsätze ist in D unbekannt, aber zB in Italien üblich…

    Anscheinend kein Wegelchen beteiligt.

    Jein. Die Straße, von der die beiden Liegeradler womöglich kamen, ist mit Z.260 für den KFZ-Verkehr gesperrt. Falls nicht, hat darüber hinaus die gekreuzte Straße bis zur Unfallstelle von Osten kommend einen begleitenden Radweg. Die Einmündungen der beiden querenden Straßen/Wirtschaftswege sind außerdem mit grünweißen Radrouten-Schildern ausgestattet.

    Kölner Str.
    Kölner Str., 04435 Schkeuditz
    maps.app.goo.gl

    In Punkt 7 geht es um den Anteil von Radverkehr. Das ist nur ein Indikator von 13.

    Punkt 6 und 8 würde ich ebenfalls als Aspekte von "Anteil" werten.

    (Indikator 10 z. B. dürfte vermutlich sehr schwer eindeutig zu bewerten sein: "Wie ist das politische Klima."

    Das ist, ebenso wie die Punkte 1,2,3,5,9,11,12 und 13, alles bloß Teilaspekt von "Image" (und als solches im Wechselspiel durch die veröffentlichte Meinung extrem beeinflussbar). Da Abwesenheit von "Infrastruktur" vom um mehr davon kämpfenden Fahrrad-Kampaigning zwingend als ultimative Gefährdung geframt werden muss, obwohl Fahrradunfälle tatsächlich auch im Mischverkehr gar nicht aus Überholen mit KFZ resultieren, gehört diese für mich ebenfalls eindeutig in die Rubrik "Image". Damit kommt auch noch der Punkt 4 dazu.

    Anscheinend gibt es keine klaren Eckdaten dazu, was die Fahrradfreundlichkeit einer Stadt ausmacht.

    Ja. Und genau deshalb darf/muss man skeptisch sein, wenn irgendwo die nächste heiße Fahrradstadt gehypt wird. Helsinki, mit weniger Radverkehrsanteil als Stuttgart (!) ist auch so ein Fall.

    Wo hast du gelesen, dass Paris zu den Top 5 der fahrradfreundlichsten Städte weltweit gehört?

    Na, bei Copenhagenize, wovon reden wir denn die ganze Zeit?

    Was meinst du? Ist Anne Hidalgo Bürgermeisterin von Paris geworden, weil das "Designbüro Copenhagenize" von Kopenhagen nach Paris umgezogen ist?

    Wenn Paris mit immer noch nur dem halben Radverkehrsanteil von Berlin oder etlichen anderen deutschen Großstädten urplötzlich unter den angeblichen Top5 der weltweiten Fahrradstädte auftaucht, während deutsche Städte im Ranking ganz hinten landen oder gleich ganz ignoriert werden, dann hat das mit den Realitäten auf den Straßen nichts und mit proaktivem Marketing in den Medien alles zu tun.

    Wir leben im 21. Jahrhundert, da wird der Begriff anders verwendet:

    "Der Copenhagenize Index wird von der dänischen Copenhagenize Design Company durchgeführt und vergibt Noten an Städte für ihre Bemühungen, das Fahrrad als Verkehrsform zu etablieren."

    Die Marke copenhagenize gehört einer vom Kanadier Mikael Colville-Andersen ursprünglich in Kopenhagen gegründeten kommerziellen Verkehrsplanungsagentur. Seit kurzem hat sie ihren Sitz von dort nach Paris verlegt. Rate, welche Stadt daraufhin einen Riesensprung nach oben im intransparenten Städteranking dieser Consultantfirma getan hat.😈

    Ein verbreitetes Vorbild, das dafür gerne angeführt wird, sind Städte mit einer guten Radverkehrsinfrastruktur, wie zum Beispiel Kopenhagen oder Brügge.

    Brügge? Wie kommst du ausgerechnet auf diese belgische Stadt als internationales Vorbild?

    Dänemark wurde und wird deshalb gerne als Beispiel für vorbildhafte Fahrradverkehrsinfrastruktur genannt. Allerdings heißt der Spruch "Copenhagenize it", nicht "Dänemarknize it"!

    Du weißt aber schon, was "to copenhagenize" ursprünglich bedeutet, oder? :cursing:

    Siehe auch dieser Film von Ingwar Perowanowitsch:

    Und dort in den Städten findet auch nach wie vor sehr viel Fahrradverkehr statt, worauf der Artikel ausdrücklich hinweist. "Dänemark ist mehr als nur Kopenhagen. Und außerhalb der Hauptstadt sowie großen Städten wie Aarhus, Odense oder Aalborg verliert das Fahrrad in Dänemark an Bedeutung." Zitat aus dem verlinkten Artikel.

    Vermutlich ist diese Entwicklung auch in anderen Ländern zu beobachten, dass außerhalb großer Städte die Fahrradnutzung zurückgeht. Und die Gründe dafür sind wesentlich in einer Zunahme an Wohlstand zunehmender Zersiedelung der Landschaft und Verfügbarkeit von Autos, aber auch durch Verbesserungen des ÖPNV zu sehen.

    In Deutschland haben wir beides, Wachstum innerorts und gleichzeitig durch den Pedelecboom auch ein starkes Plus beim Überland-Radverkehr (Radferntourismus, Ausflügler). Als Alltagsverkehrsmittel zwischen den Dörfern spielt und spielte das Rad noch nie eine bedeutende Rolle, weder in Deutschland noch irgendwo im Ausland.

    Die deutschen Großstädte, die an den separat von "Mobilität in Deutschland" (2017 & 2023, INFAS) durchgeführten Erhebungen des SrV teilgenommen haben, hat sich der Radverkehr von 2018 nach 2023 im Mittel um 10% erhöht (18 auf 20% im Modal Split). Das ist um so eindrucksvoller, als hier der extrem günstige "Jahrhundertsommer" 2018, mit fahrradfreundlicher Dürre von März bis November, als Bezugspunkt dient. Die beiden einzigen Städte mit Rückgängen sind Paderborn und Dresden.

    ADFC-Pressemeldung von März 2025:

    Bei dieser Quelle gehört das kompromisslose Miesmachen des deutschen Radverkehrs als (psychologisch äußerst fragwürdige) Kampaigning-Strategie ja bekanntermaßen zur DNA des Vereins.