In Turin sind die Radfahrer auf den Barrikaden, weil ein Kind angeblich von einem Autofahrer "ermordet" wurde. Die Kernforderung lautet, dass es in dem Viertel, wo der Unfall passierte, wegen der vielen Schulen und Bildungseinrichtungen dort künftig mehr Infrastruktur und mehr Tempo 30 geben müsse. Die Organisatoren der Demo drücken mächtig auf die Tränendrüse und verbreiten auch den Hoax*, wonach in den 1970-Jahren erst die "Stop de Kindermoord"-Proteste in Amsterdam zum Einlenken der Politik geführt und so im Alleingang die vermeintlich vorbildliche Verkehrssicherheit der Niederlande bewirkt hätten. Tote Kinder als Chlorhühnchen der Verkehrswende.
Die Unfallstelle hat jedoch bereits Tempo 30, ist sogar eigens per Verkehrszeichen als "geteilte Straße für KFZ und Fahrrad" gewidmet, und sie verfügt über einen sehr breiten markierten Schutzstreifen incl. ordentlichem Sicherheitsstreifen zu Längsparkern. Ahja.
Das 7-jährige Kind war in Begleitung des Vaters unterwegs, dessen Fahrradgeschäft nur ca. 50 m vor der Unfallstelle liegt (die sich ungefähr da befindet, wo im Streetview-Bild der Geisterradler im Schutzstreifen eiert). Informationen über den genauen Hergang der Tragödie habe ich bisher noch keine gefunden, aber "Mord" kann es wohl kaum gewesen sein.
*) Overlay der Entwicklung für Verkehrstote in NL. Wie aufgrund der absolut parallelen Verläufe in vielen anderen Paarungen nicht anders zu erwarten, war auch in Italien nach dem Maximum 1971 ein rasch einsetzender Rückgang zu verzeichnen. Aber klar, das haben die Italiener sicher auch alles nur der Randale auf "de Pijp" zu verdanken./s
(Italien grüne Linie, NL farbige Balken)