Beiträge von Th(oma)s

    3,6 % mehr Fahrradunfälle bei 33 % mehr Radverkehrsaufkommen bedeutet: relativer Rückgang um 22,1 %.

    Da der Anstieg der bei Alleinunfällen Verletzten mit +250 größer ausfiel als der Anstieg aller verletzten Radfahrer mit +204, ist netto die absolute Zahl der Rad-vs-Gegner-Kollisionen mit Verletzten um 2% (-46) *gefallen*.

    • zweitens ist die STVO für alle, die nicht grade tief im Wald wohnen, von ziemlich lebensbestimmender Wichtigkeit. Das gehört nicht in die Hände von Hausmeistern.

    Welcher § der StVO erlaubt den Leuten denn derzeit die Gefährdung Dritter, insbesondere von Radfahrern, so dass man sich von einem korrigierenden Eingreifen des Parlaments überhaupt was versprechen könnte?


    Das Problem ist nicht das „Gesetz“ und erst recht nicht ein einzelner Verkehrsminister.

    Am Verfahren würde sich meistens kaum was ändern ...

    Wenn der Bundestag Interesse daran hätte, das Verfahren zu ändern, bräuchte er nur die Ermächtigungsgrundlage zum Erlass von Verordnungen im Straßenverkehrsgesetz per Gesetzesänderung zu kassieren.


    Im UK besteht der „Highwaycode“ zu wesentlichen Teilen aus Grundsätzen, die weder vom Parlament noch von der Regierung beschlossen wurden, sondern nur auf dem britischen Präzedenzfallrecht beruhen. Trotzdem gleichen die UK-Vorschriften unserer StVO so sehr, dass man jederzeit problemlos als Deutscher im UK als Verkehrsteilnehmer mitmachen kann (wenn man erstmal die Sache mit dem Linksverkehr kapiert hat).


    Will sagen: ich glaube nicht, dass eine Parlaments-StVO im Gesetzesrang großartig anders aussehen würde als die jetzige Ministerien-Verordnung

    Ich habe zwar "gefällt mir" geclickt, aber ich fürchte, die parlamentarische Mehrheit aus CDU und SPD wird nicht allzu 'progressiver' sein ... und damit den Willen der Gsamtbevölkerung widerspiegeln.

    Man darf sich da keine Illusionen machen: es gibt wenig politische Felder, auf denen die Zustimmung in der Bevölkerung auf ähnlich breite Zustiimmung stößt wie die Radfahrer-Regeln der StVO. Wenn man eine Volksabstimmung machen würde, dann wird als Erstes die Allgemeine Benutzungspflicht wieder eingeführt.

    Was immer man sich unter Verkehrswende vorstellt: das ist eher das Produkt der technischen Richtlinien für die Straßen*bau*behörden als der Vorschriften für Verkehrsteilnehmer und Straßen*verkehrs*behörden.

    Pflegt ihr eure Räder in dieser Zeit noch mit besonderen Tricks?

    Viele Jahre bin ich bei Frost(gefahr) mit meinem dauerhaft Nokian W106 vollbespikten Konfirmations-Hollandrad gefahren, ohne dass ich da mehr gemacht hätte als alle paar Winter die verrostete Kette zu wechseln. Leider war am Ende das Salz auch für den vollverzinkten Stahlrahmen zu viel und ich musste das Teil verschrotten. Seitdem nutze ich mein vor 6 Jahren zum Zweitrad herabgestuftes ehemaliges Alu-Allltagsrad unter Winterbedingungen und pflege es ein bisschen sorgfältiger, indem ich die Salzsuppe möglichst gleich nach der Fahrt abspüle. Leider ist gerade im Winter die Wasserpumpe im Garten abgestellt. Ich nehme daher für die schnelle Reinigung eine Gartenspritze für Unkrautvernichter als "Kärcher für Arme" :evil: . Danach grob mit einem alten Lappen trockenreiben und v.a. Kette nicht erst über nacht vor sich hin rosten lassen, sondern sofort neu ölen.

    Zum Fahren auf Schnee/Eis: an o.g. Rad habe ich nur vorne Spikes, weil hinten unter dem Schutzblech zu wenig Platz war (Schwalbe Winter active in 30-622). Der Wechsel zu den Sommerreifen geht dank Schnellspanner in Sekunden. Zu meiner Überraschung ist diese Variante weit mehr als nur eine Raureifversicherung. Am Sonntagmorgen bin ich damit bei -12 Gad problemlos über Schwarzeis, steinhart gefrorenen Matsch mit Fußstapfen und KFZ-Spurrillen und durch verharschten Tiefschnee gefahren. Bonus-Komplikation: Hund an der Sattelstütze festgeleint. :saint:

    Wäre sie auf der Fahrbahn geradelt, wäre sie vielleicht auch "übersehen" worden. Oder was auch immer zu dem Unfall führte.

    Hätte sie ein Mofa/S-PDLX/Moped/ihre Füße benutzt...

    Sowas ist eben leider kein "Fahrradunfall" (den man durch entsprechende Inframaßnahmen bekämpfen sollte/könnte), sondern ein *Auto*unfall (den man auch nur auf der Seiten der Autofahrer bekämpfen kann).

    Hier in Kempen wird der Radverkehr benutzungspflichtig entlang der Kerkener Str. (Landstraße) geführt. An der BAB Auffahrt Kempen, wird die sonst durchgehende Vorfahrt aufgehoben siehe:
    [...]

    Und hier die in Neukirchen Vluyn.

    https://www.mapillary.com/app/…TnAvjsCaao6aQ&focus=photo

    Da wird dann mit natürlich hoher Geschwindigkeit aufgefahren.

    Die Unfallstelle hat nur einen (wegen der an der Rechtsabbiegerspur unterbrochenen Markierung) offensichtlich zum Radeln vorgesehenen Seitenstreifen. Also weder Blauschild noch „Vorfahrt achten“. Mit hoher Geschwindigkeit gefahren wird sicher trotzdem, zumal nachts um halb zwei.

    Man fährt geradeaus auf einer Vorfahrtstraße und muss dann das Vorfahrtsrecht der autobahnauffahrenden beachten, dass führt dann zu solch tragischen Ereignissen.

    Die Radlerin dürfte ziemlich sicher den sehr breiten Seitenstreifen benutzt haben. Wie kommst du darauf, dass der Rechtsabbieger da Vorfahrt vor geradeausfahrenden Radlern hätte?Klassischer Radwegunfall.

    Interview mit Anni Sinnemäki, Helsinkis stellvertretende Bürgermeisterin für Stadtentwicklung

    JFTR: „die können Vision-zero!“-Helsinki liegt also in 2020 mit jetzt wieder 5 toten Radfahrern und Fußgängern (pro Einwohner gerechnet) auf dem Niveau von „Totalversagen auf ganzer Linie!“-Berlin im vergangenen „Seuchenjahr“. Und das, obwohl der Fahrrad-Modal Split in der finnischen Hauptstadt weit unter dem von Berlin liegt.

    Wobei: wenn wir in einer idealen Welt lebten, in der sich alle an die Verkehrsregeln halten: wofür genau braucht man dann Radwege? :/

    Aus den gleichen Gründen, aus denen sie auch in einer Welt "gebraucht" werden, in der sich beileibe nicht alle an die Verkehrsregeln halten: Bequemlichkeit, Komfort, Aushebeln der beiden zentralen Grundregeln im Straßenverkehr (1. "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" und 2. "Aufgestanden, Platz vergangen") zugunsten entweder der einen (bei Autostau...) oder der anderen (bei ansonsten freier Strecke...) Gruppe.


    Die Sache mit der angeblich mit der Radwegebenutzung einhergehenden besseren Verkehrssicherheit ist doch bloß der philosophische Überbau, der allen Parteien (rad- und autofahrende Verkehrsteilnehmer, Verwaltung, Finanzminister) den aufwändigen und teuren Umbau der Straßen schmackhaft machen soll. Dass das so ist, erkennt man daran, dass es schließlich hinterher keine Sau juckt, ob die Unfallzahl durch Radwege gleich bleibt, abnimmt oder gar steigt (wir erinnern uns: es halten sich nicht alle jederzeit an die Regeln - das gilt ja auch und gerade da, wo es zu allerlei Fehlern verführende Radwege gibt).

    Was du anstrebst ist eine komplette Veränderung der Denkgewohnheiten. Und genau das würde mit einer Radwegebenutzungs-Erlaubnis angestoßen werden.

    Du verwechselst da Ursache und Wirkung. Bevor wir (also Deutschland als Gemeinwesen) dazu fähig werden, die Radwegebenutzung vom Gesetz her grundsätzlich auf "optional" zu stellen, müsste die dadurch erhoffte Änderung der Denkgewohnheiten bei den Gliedern dieses Gemeinwesens schon längst eingetreten sein.


    Die Gründe dafür, warum es dazu wohl nie kommen wird, sind:

    • erstens müssten Kraftfahrer dazu auf liebgewordene Privilegien verzichten (nämlich auf die Entbindung von der Pflicht, hinter Radfahrern geduldig herzufahren, bis der Platz für ein ordentliches Überholmanöver ausreicht...),
    • zweitens müssten auch Radfahrer auf liebgewordene Privilegien verzichten (nämlich auf die Entbindung von der Hinten-Anstell-Pflicht bei Ampelschlangen und zugestauten Stadtstraßen...),
    • und drittens würde der Abschied von der Fiktion des gefährlichen Fahrbahnradelns auch bedeuten, dass es quasi unmöglich würde, die öffentliche Hand weiter dazu zu bewegen, den ganzen teuren Fahrradfirlefanz zu finanzieren. Die Dämonisierung der Fahrbahn als Schauplatz eines blutigen Konkurrenzkampfes zwischen "schwachen" Radfahrern und "starken" Kraftfahrern gehört ebenso unverzichtbar zum Geschäftsmodell der zahlreichen selbsternannten Pro-Radwege-NGOs wie auch zum Selbstverständnis der von geistigen Kraftfahrern dominierten Fahrradförderer in Politik und Verwaltung.

    Vielleicht wäre es sinnvoll, statt einer Benutzungspflicht eine Benutzungserlaubnis durchzusetzen?

    Sinnlos. Radwege werden nicht wegen der gesetzlichen, sondern wegen der sozialen Benutzungspflicht benutzt. Wer als Radler das Angebot ausschlägt, sich von der Fahrbahn zu verziehen, macht sich für >99% aller Verkehrsteilnehmer (also auch der Radfahrerschaft underst recht der autofahrenden Polizei und autofahrenden Justiz) zum Stiesel und Außenseiter, dem es nur recht geschieht, wenn er von den genervten Autofahrern nicht mehr mit Samthandschuhen angefasst wird.


    Wäre das anders, wäre erstens die Polizei vollkommen damit überfordert, die Radwegebenutzung per Kontrolle und Knöllchen durchzusetzen. Und zweitens gäbe es mit einer gutmütigen Toleranz von Fahrbahnradlern (mit Ausnahme einer Handvoll notorisch zugestauter Straßen in den Innenstädten) praktisch auch keine Nachfrage für den Bockmist mehr.

    Aber eben auch Regeln die Leute falsch kennen, weil die sich vor kurzem erst geändert haben (z.B. neue Regeln oder Fragen zur Benutzungspflicht von Radwegen, die gerade mal zwei Jahrzehnte alt sind) könnte man damit wunderbar einfach mit abfragen. Dann würde das Problem der Regelunkenntnis geringer, denn die Leute müssten sich ja aktiv über die aktuellen Regeln informieren um die Prüfung zu schaffen.

    Ein Gemeinwesen, das die Kraft aufbrächte, das Kampf-Auteln gegen Fahrbahnradler wirksam zu bekämpfen, bräuchte eigentlich zugleich weder Radwege noch Benutzungspflichten. Paradox.

    Meistens war die Ursache eine Unachtsamkeit, aber darunter waren auch vorsätzliche Gefährdungen, bei denen Autofahrer mindestens billigend in Kauf genommen haben, mich schwer zu verletzen.

    Jetzt sitzt du im Geiste wieder auf dem Rad. Es geht aber gerade um in Reihe hintereinanderfahrende Autos.

    Ich fahre gerne 40, wo 50 erlaubt sind, und habe schon da keine Probleme mit anderen Autofahrern. Wenn ich das Limit ausschöpfe, gibts erst recht kein negatives Feedback. Deswegen halte ich Sprüche wie „Wenn du nicht mindestens Limit plus MWSt fährst, wirs du doch sofort von der Fahrbahn geschoben“ für eine Urban Legend, die in erster Linie dazu dienen soll, die eigene Eile zu rechtfertigen.

    Ich hab mich selbst oft dabei ertappt, dass ich schneller fahre, als ich es eigentlich für richtig halte. Mit 50 km/h an parkenden Autos entlang, zwischen denen jederzeit ein Kind rauslaufen kann, z.B. Weil mir der Hintermann schon länger an der Stoßstange klebt und mir zu verstehen gibt, dass ich mich "verpissen" soll. "Hier is 50, du Idiot!"

    Ich glaube, auch dieses „der Hintermann klebt mir im Kofferraum, der scheint mir damit drohen zu wollen, das muss ein Aggressor[tm] sein“ ist Teil der Fehleinschätzung.


    Wahrscheinlich ist auch der Hintermann bloß ein Getriebener seiner eigenen Fehlinterpretation bezüglich seines Hintermannes.😈

    Also mir persönlich ist das zu "TÜV-mäßig". Es berücksichtigt das Verhalten im Straßenverkehr überhaupt nicht. M.M.n ist Agressivität - "Road Rage" - ein völlig unterbewertetes Kriterium in der gesamten Verkehrsdiskussion.

    Ich halte Aggressivität für maßlos überbewertet, jedenfalls was das Unfallrisiko anbetrifft.


    Unfälle entstehen in der Masse durch schlichte Selbstüberschätzung gepaart mit Augenblicksversagen. Das passiert uns aber allen von Zeit zu Zeit mal, ohne dass wir es mangels Folgen selbst bewusst mitkriegen würden. Infolgedessen halten wir uns selbst für unfehlbare Supermänner und meinen irrtümlich, es wären immer die anderen, insbesondere die aggressiven Drängler, denen sowas aufgrund einer persönlichen Prädestination passieren würde.


    Manchmal aber unterläuft zum unpassenden Zeitpunkt nicht nur uns, sondern auch einem Zweiten so ein Fehler: Bumms.