Wenn ich das richtig verstanden habe, dann fändest du es schön, wenn alle Fahrradfahrer*innen schneller fahren würden, weil dann keine "Langweiler" mehr überholt werden müssen?
Oder weil dann auch alle anderen Fahradfahrer*innen, insbesondere auch diejenigen, die aufgrund mangelhafter körperlicher Voraussetzungen in der Lage wären, ein hohes Tempo zu fahren und dabei entdecken, dass das ein schönes Erlebnis ist?
Oder weil dadurch das Verkehrsmittel Fahrrad an Bedeutung zunimmt für eine Klimafreudliche und Umweltfreundliche Mobilitäts-Wende?
Ich befürchte, das wird nicht funktionieren. Bereits beim Speed-Pedelec ist die Unterstützung beim Treten bis zu viermal so groß wie die eigene aufgewendete Tretkraft. Knoflacher ist es wichtig, dass die eigene Körperkraft Antrieb und Grenze ist für die Fortbewegung mit einem Individual-Verkehrsmittel.
Knoflacher will keinen Fahrradfahrer ausbremsen, er befürchtet jedoch, dass bereits ein Pedelec mit Tretunterstützung bis 25 km/h kein gelungener Beitrag für das von ihm entworfene Idealbild einer Mobilitätswende darstellt.
Ich finde das sehr konsequent gedacht. Und es ist keines wegs so, dass ich hier mir was ausdenke was nicht mit den Aussagen von Knoflacher zu belegen wäre. Zu den Pedelecs sagt Knoflacher: "Das sind im Wesentlichen individuell motorisierte Verkehrsteilnehmer. Sie sind okay, wenn man das Auto ersetzen will, und auch für ältere oder weniger sportliche Menschen, die Höhenunterschiede überwinden wollen. Als allgemeines Verkehrsmittel sind diese Räder aber nicht besser als alle anderen Verkehrsmittel, die durch zusätzliche Energie angetrieben werden. Alles, was unserer Bequemlichkeit dient im Verkehr, belastet meistens die Umwelt oder andere Menschen. Ich weiß, das wird die Pedelec- und E-Bike-Freunde nicht gerade begeistern." (Zitat aus dem bereits mehrfach erwähnten Interview mit Knoflacher im Mangermagazin)
Knoflacher sagt nicht, Pedelecs seien Teufelszeug und müssen alle in den großen Schmelzofen. Aber sein Idealbild von Mobilität sieht nicht vor, dass die Menschen vom Fahrrad auf das Pedelec umsteigen. Und schon gar nicht auf das Speed-Pedelec.
Ziemlich sicher sieht Knoflacher dagegen kein Problem darin, dass jemand, der es gewohnt ist, sehr schnell Fahrrad zu fahren zum Zweck der Wiedergesundung nach einem Unfall oder einer Erkrankung sozusagen aus therapeutischen Gründen ein Pedelec benutzt.
Eine niedrige Geschwindigkeit mit dem Fahrad zu fahren ist das, was allen oder fast allen Menschen möglich ist. Deshalb ist es wichtig eine Verkehrsinfrastruktur zu gestalten, die es allen ermöglicht zu Fuß und mit dem Fahrrad mobil zu sein. Für größere Distanzen sieht Knoflacher nicht vor, dass die mit dem Pedelec zurückgelegt werden, sondern mit dem ÖPNV.