Warum bist du gegen Kontrollen? Was sind für dich andere Möglichkeiten, die nicht bauliche Maßnahmen sind? Und vor allem: Welche Möglichkeiten (auch bauliche Maßnahmen) siehst du, um zu enges Überholen zu unterbinden, wenn es keine getrennte Verkehrsführung gibt?
Ein Schutzstreifen, deren Funktion nicht dadurch beeinträchtigt wird, dass er zu dicht an Autotüren vorbeigeführt wird, trägt dazu bei, dass Radler nicht zu dicht überholt werden. Im Beispiel Königstraße ist doch das Problem, dass der Schutzstreifen zu einer Gefährdung der Radfahrer führt, weil diese durch den Schutzstreifen dazu bewegt werden, zu dicht an den parkenden Autos lang zu fahren. Deshalb: Parken dort keine Autos, dann ist der Schutzstreifen sinnvoll.
Ich bin übrigens nicht gegen Kontrollen. Aber es macht keinen Sinn Verkehrsprobleme durch Kontrollen lösen zu wollen, die auch anders zu lösen sind. Und da gibt's bauliche Maßnahmen, aber auch eine grundlegend geänderte gesellschaftliche Haltung zum Autofahren. Das sind freilich dicke Bretter zu bohren.
Auch juristisch gibt's da noch einiges zu verbessern, ohne dass ich Kontrollen damit meine. Passiert ein Unfall, dann kommen Autofahrer in der Regel sehr glimpflich davon, auch wenn er bei dem Unfall jemanden totgefahren hat. Das Auto ist gesellschaftlich so stark positiv aufgeladen, dass man gegenüber jemanden, der mit einem Auto jemanden tot fährt, in der Regel Milde walten lässt. Gefährliches und vor allem gefährdendes Fahrverhalten wird damit Vorschub geleistet. Dabei würde m. E. bereits der verpflichtende Einbau von Fahrtenschreibern, wie sie zum Beispiel bei Omnibusbetrieben üblich sind, eine Menge Gutes bewirken. So ein Fahrtenschreiber dokumentiert z. B. die gefahrenen Geschwindigkeiten, Betätigung des Fahrtrichtungsanzeigers und viele andere technische Vorgänge, die mit dem Fahren in Verbindung stehen. Bei Bedarf können sie von der Polizei ausgelesen werden. Und die vorhandenen Strafen würden vermutlich häufiger verhängt bzw. die Abschreckungswirkung vergrößert werden.
Speziell aufs zu dichte Überholen bezogen, könnte die Funktion solcher Fahrtenschreiber auch noch ausgeweitet werden auf Abstände beim Überholvorgang. Sollte doch heutzutage technisch möglich sein! Kommt es dann zu einem Unfall, dann kann sich keiner drauf raus reden, "ich schätzte den Abstand für ausreichend ein".
Gut da könnte man jetzt einwenden, dass sei auch eine Art Kontrolle. Aber eben nicht in der Form, dass es zum Volkssport gemacht wird, z. B. Tempoblitzer zu überlisten, in dem man rechtzeitig davor abbremst, um dann wieder Gas zu geben. Oder es zum Unterhaltungselement von Radiosendern mit Autofahrerpublikum macht. ("Flitzer-Blitzer, hier erfährst du, wo heute geblitzt wird.")