Beiträge von Ullie

    Was hat der Kat mit Schwefel zu tun?

    Die Einführung des Katalysators steht nach meiner Erinnerung in direktem Zusammenhang mit der Diskussion über das Waldsterben Anfang der 90er-Jahre. Ich hatte dazu ja das Zitat vom Ex-Innenminister Zimmermann angeführt:
    "Der Patient Wald ist krank", sagte der damalige CSU-Innenminister Zimmermann, "wir müssen mit der Behandlung beginnen, ohne die Ursachen genau zu kennen." Obwohl es noch Forschung brauche, sei eine Ursache doch schon offensichtlich: Die Autoabgase verschmutzten die Luft.“ Quelle: t-online Aktuelles, 6.11.2013:

    Aber meine Erinnerung kann mich auch täuschen, oder aber andere haben das anders in Erinnerung, oder davon gar nichts mitbekommen, weil damals gar nicht an dem Thema interessiert, oder noch zu jung.
    Deshalb vielen Dank für den Hinweis! Aufgrund deines Hinweises bin ich noch mal der "Schwefel"-Frage nachgegangen.

    Bei einem Spiegel online Artikel vom 5.4.2000, "Tankstellen setzen auf schwefelfreies Benzin", hab' ich folgenden Hinweis gefunden: "Die Umrüstung für eine flächendeckende Versorgung mit schwefelarmen Benzin und Diesel sei bis Ende 2001 vorgesehen. Schwefelfreie Kraftstoffe sollen ab 2003 von allen Raffinerien geliefert werden.Ab 2005 müssen die Tankstellen europaweit schwefelarme Benzinsorten anbieten. Neben Aral hatten bereits Shell und BP die Einführung von schwefelfreiem Benzin angekündigt. Shell will ab Juni an 900 von 1600 Tankstellen schwefelfreies Super-Plus anbieten. BP hat einen internationalen Großversuch in 40 Städten angekündigt." Bis zur Jahrtausendwende waren Fahrzeugkraftstoffe also Schwefel-haltig. In der aktuellen Diskussion dagegen spielt das keine Rolle mehr, weil Diesel und Benzin ja inzwischen Schwefel-frei.

    Aber stimmt meine Erinnerung, dass Schwefelprodukte in den damaligen Abgasen von den damaligen Katalysatoren reduziert wurden, und damit der "Deutsche Wald gerettet" wurde? Der Sache bin ich noch mal nachgegangen. Tatsächlich hat der saure Regen als eine Ursache die Verbrennung von schwefelhaltigen Kraftstoffen. Die Schwefeldioxydabgase können aber nicht mit einem Fahrzeugkatalysator gereinigt werden.
    "Eine andere Ursache für sauren Regen sind die Stickoxyde. Die können durch den Fahrzeugkatalysatoren gereinigt werden.
    Wie entsteht dann saurer Regen? Da kommt wieder ein wenig Chemie ins Spiel.
    Ganz vereinfacht passiert Folgendes:
    Die Schwefeloxide bilden in Verbindung mit Wasser schweflige Säure (H2SO3).
    Die Stickstoffoxide reagieren mit Wasser zu Salpetersäure (HNO3)."

    Der Kat hat also nichts mit Schwefel zu tun! Vielen Dank für den Hinweis Gerhart! Aber der Katalysator leistet einen Beitrag zur Reduktion von Abgasprodukten, nämlich den Stickoxiden, die ebenfalls wie Schwefeloxide zu saurem Regen führen. Muss das gleich mal umformulieren.

    müsste es statt "Fahrbahnen" nicht "Fahrspuren" heißen? Oder Fahrstreifen? ?(

    Das habe ich mich auch schon gefragt. Wobei man wohl unterscheiden muss zwischen dem, was üblicherweise (Allgemeinverständlichkeit) unter dem Begriff Fahrbahnen verstanden wird und dem, was die Spezialisten (Fachsprache) darunter verstehen.
    In Hannover gibt es beispielsweise den Friedrichswall. Der soll um jeweils eine Fahrspur je Richtung reduziert werden. So heißt es z. B. in der Unfallberichterstattung bei der ein Motorradfahrer 2010 einen Fußgänger totfuhr: "Zudem könnte der Unfall Überlegungen befeuern, den Friedrichswall um zwei Fahrspuren zu verjüngen."

    Erschwerend kommt hinzu, dass in den allermeisten Kreuzungsbereichen die Anzahl der Fahrspuren deutlich zunimmt. Da kommen dann zu den Geradeaus-Spuren noch Abbiegespuren hinzu.

    Die Formulierung stammt original aus der Petition: "nur Straßen mit 2 Fahrbahnen dort, wo menschen wohnen - keine 4 oder noch mehr Fahrbahnen"
    Dann gibt es in Hannover noch Straßen, bei denen es mittig einen eigenen Gleiskörper für die Stadtbahn gibt. Wird das dann als eigene Fahrbahn gewertet und die Fahrspuren daneben sind dann jeweils weitere Fahrbahnen mit ein oder zwei Fahrspuren?
    Vermutlich ist die Formulierung nicht 100%ig fachgerecht gewählt worden. Was möglicherweise auch nicht ganz einfach ist und vielleicht die Verständlichkeit zusätzlich erschwert. Aber trotzdem wird die Formulierung, "nur Straßen mit 2 Fahrbahnen dort, wo menschen wohnen - keine 4 oder noch mehr Fahrbahnen", sinngemäß richtigverstanden.
    Vielen Dank für den Hinweis!
    Ich habe hier noch einen Plakatentwurf, magst du da auch mal draufsehen?
    Der Entwurf erstand nachdem ich in einem Geschäft nachfragte, ob die dort bereit wären eine Unterschriftenliste auszulegen. Dafür wünschten sie sich ein prägnantes Plakat.

    petition-plakatcverklv9xg9.jpg

    Kann jemand Verbesserungsvorschläge für den Plakatentwurf machen?

    Stickstoffdioxidbelastung in Hannover senken! Jetzt!

    Wie kommt es zu dieser Petition?

    Seit in den 70er Jahren die schädlichen Auswirkungen der Autoverkehr-Abgase immer stärker in den Fokus rücken, wehren sich die Automobil-Industrie und die Autofahrer, sowie ihre Lobbyverbände dagegen, als Verursacher gebrandmarkt zu werden. Einen ersten Durchbruch, seitdem die Autoindustrie sich nicht mehr darauf beschränkt, die Umweltverschmutzung durch KFZ-Abgase einfach nur klein zu reden, gab es Anfang der 80er-Jahre:

    "Der Patient Wald ist krank", sagte der damalige CSU-Innenminister Zimmermann, "wir müssen mit der Behandlung beginnen, ohne die Ursachen genau zu kennen." Obwohl es noch Forschung brauche, sei eine Ursache doch schon offensichtlich: Die Autoabgase verschmutzten die Luft.“ Quelle: t-online Aktuelles, 6.11.2013: Vor 30 Jahres gab es erstmals "bleifrei"“

    Der „Deutsche Wald“ war in Gefahr und ihn zu schützen plötzlich nicht mehr nur ein Anliegen von „irgendwelchen Umweltschützern“ und sonstigen „notorischen Weltverbesserern“, sondern eine höchststaatliche Angelegenheit auch von konservativen Politikern. Hintergrund war der „saure Regen“, der durch schwefelhaltige Abgase, insbesondere Autoabgase entsteht. In der Folge wurde der Treibstoff von Blei befreit, um eine Nachbehandlung im Fahrzeug-Katalysator zu ermöglichen, der die Schwefel-haltigen und Stickoxyd-haltigen Abgasprodukte reduziert. „Die Bundesregierung beschloss im September 1984 die Einführung des Katalysators für alle Benziner“ Quelle: Auto, Motor, Sport, 14.6.2011, Die Geschichte des Kats,

    Seitdem hat sich im Prinzip nicht viel geändert. Die Auto-Abgasreinigungsanlagen sowie die gesetzlichen Vorgaben dafür wurden fortlaufend ein bisschen verbessert und die Autoindustrie ist zwar einerseits nach wie vor bemüht, „den Ball flach zu halten“, wenn es um das Thema schädliche Autoabgase geht, andererseits ist die Autoindustrie aber auch bereit, den einen oder anderen Beitrag zu leisten, um Autoabgase ein bisschen weniger schädlich zu machen.

    Nachdem jedoch ausgerechnet in den Vereinigten Staaten, die für viele nicht als vorbildhaft in Sachen Umweltschutz gelten, im Spätsommer 2015 der VW-Abgasskandal verdeutlicht hat, dass mit betrügerischen Machenschaften eine Abgasreinigung bei Diesel-PKW nur vorgetäuscht wurde, ist das kritische Bewusstsein gegenüber Autoabgasen in breiten Teilen der Bevölkerung wieder deutlich gewachsen.

    Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass in Deutschland in den 70er-Jahren, und wiedervereinigungsbedingt nochmal in den 90er Jahren), zwar jeweils ein Höhepunkt bei den Zuwachsraten für Autoneuzulassungen erreicht war. Aber die Zunahme des Autoverkehrs findet, wenn auch in einer flacheren Kurve, immer noch statt. Besonders in den Städten sind jedoch die Möglichkeiten zusätzliche Verkehrsflächen für den Autoverkehr auszuweisen längst erschöpft. Gleichzeitig steigen zusätzlich zu den Zahlen der Autoneuzulassungen auch die Zahlen der Verkehrsteilnehmer an, die umweltfreundlich und verkehrsflächenentlastend mit dem ÖPNV und/oder mit dem Fahrrad mobil sind.

    ÖPNV-Nutzer und Fahrradfahrer aber sind längst nicht mehr bereit sich einfach unter die Erde (U-Bahnen) oder an den Rand (handtuchschmale Hochbordradwege) verdrängen zu lassen. Und sie wollen als ÖPNV-Teilnehmer nicht im Autostau stecken bleiben, oder als Radfahrer von Autofahrern gefährdet werden. Die Automobilindustrie hat darauf nur zum Schein reagiert, etwa mit der Einführung des Smart, um die Jahrtausendwende. Der wurde stets als Kleinstwagen und damit als Alternative für den Stadtverkehr angepriesen. Tatsächlich jedoch wurde er vor allem als Zweitwagen angeschafft, ohne den Absatz hochpreisiger, immer schwererer und größerer PKW mit immer mehr PS je zu gefährden.

    In diesem Zusammenhang steht die aktuelle Initiative für die Petition „Stickstoffdioxidbelastung in Hannover senken! Jetzt!“ mit den folgenden Forderungen:

    • Einführung von Tempo 30 innerhalb des Cityrings und an den hochbelasteten Hauptverkehrsstraßen, sofort - durch Temporeduzierung den Giftausstoß senken
    • mit Fahrverboten für den Autoverkehr den Radverkehr fördern: weniger Autoverkehr in der City, mehr Fußgängerzonen und Fahrradstraßen
    • nur Straßen mit 2 Fahrbahnen dort, wo Menschen wohnen - keine 4 oder noch mehr Fahrbahnen

    Die Initiatoren, Gerd Reincke und Gregor Bischoff sind Radverkehr-Aktivisten aus Hannover, die mit der Petition erstens einen Beitrag zur Verbesserung des Radverkehrs leisten, und zweitens wichtige Voraussetzungen für eine Verbesserung des ÖPNVs schaffen.

    Dieser Beitrag stellt den Versuch dar, die Petition
    Stickstoffdioxidbelastung in Hannover senken! Jetzt!
    in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Der Text stellt auch den Versuch dar, die bisherigen Diskussionsbeiträge in diesem Thread zusammenzufassen. Kritik unbedingt erwünscht!

    @foobar, @Spkr
    Die Alternative liegt doch auf der Hand: Markierung der linken Verschwenkung 1,5 weiter links, d. h. am Rande bzw. ganz außerhalb der Dooring-Zone. Weiterführung oder Wiederholung neben den Parkflächen, damit auch der letzte Egal-was-Fahrer kapiert, dass Radfahrer ausreichenden Seitenabstand zu parkenden Fahrzeugen halten müssen.Das könnte dann so aussehen:

    CKk2RXNVAAA3LLu.jpg

    Quelle:

    Die Markierung gefällt mir und ich denke, das sie dazu beiträgt, den Radverkehr voranzubringen. Ich hab' mal versucht sie auf die Situation in der Fössestraße zu übetragen:
    Foto oben jetzige Markierung, Foto darunter alternative Markierung entsprechend deinem Beispiel.
    radverkehraufderfahrb2zppv.jpg

    radverkehraufderfahrbdsye2.jpg
    Die jetzt vorhandene Markierung in der Fössestraße muss schließlich nicht das Ende der Suche nach der richtigen Markierung darstellen.
    Weißt du mehr über das von dir gezeigte Beispiel?
    - Ist das eine Hauptverkehrsstraße mit viel Autoverkehr oder eher eine Nebenstraße?
    - Gilt dort ein Geschwindigkeitslimit, das auch eingehalten wird?
    - Ist der Bürgersteig für Radler freigegeben, die sich nicht auf die Straße trauen?
    Besonders der letzte Punkt ist nach meiner Erfahrung immer sehr heikel, wenn er in Hannover diskutiert wird. Leider versuchen einerseits die autoaffinen Politikvertreter das Radeln auf der Fahrbahn madig zu machen. Und leider gibt es auch wirkliche Radverkehrsaktivisten, denen das missfällt, wenn der Radverkehr auf der Straße stattfindet. Die argumentieren vor allem damit, dass man das subjektive Sicherheitsgefühl der Radfahrer*innen nicht vernachlässigen dürfe, wenn man den Radverkehr fördern möchte.
    Ich finde im vorliegenden Fall in der Fössestraße ist zumindest eine gute Zwischenlösung gefunden worden. Verbesserungsspielraum nach oben (gelbe Markierung als Beispiel) ist aber sicher gegeben.

    Eine entscheidende Rolle spielt dabei m. E., dass auf der Fahrbahn, die von Radverkehr und Autoverkehr gemeinsam benutzt wird, die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h auf 30km/h reduziert gehört! Wie schätzt du das ein?

    Was schwebt dir denn als Alternative vor Spkr?
    Die Gefahr gegen eine unachtsam geöffnete Tür zu fahren besteht jedenfalls sowohl für die/den Radfahrer*in auf der Bürgersteigseute, als auch für die/den Radfahrer*in, der die Fahrbahn benutzt.
    Was mir eher Kopfzerbrechen bereitet, ist die Tatsache, dass das Radfahreraufkommen gesplittet wird. Die einen fahren links an den parkenden Autos vorbei, die anderen fahren rechts dran vorbei. Dabei wäre es wünschenswert, wenn möglichst viele Radfahrer die Straße benutzten, damit der Radverkehr stärker als Teil des Straßenverkehrs wahrgenommen werden.

    Warum Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen nicht nur wegen des geringeren Schadstoffausstoßes sondern auch für díe Förderung des Radverkehrs günstig ist, möcht' ich hier noch mal mit zwei Beispielen aus Hannover zeigen:

    radverkehraufderfahrb2zppv.jpg

    Das Bild zeigt die Fössestraße stadtauswärts. Bis zur gezeigten Stelle gibt es einen ausreichend breiten Hochbordradweg. Früher musste weiter Hochbordradweg gefahren werden. Inzwischen sind die Radwegschilder abgebaut. Der noch erkennbare Hochbordradweg gilt als Option, vor allem für die Radler, die sich nicht auf die Straße trauen. Die Fahrbahnmarkierungen zeigen deutlich, dass es darüberhinaus die Option gibt, die Fahrbahn zu benutzen.

    Und dann noch diese Stelle auf der Davenstedter Straße stadteinwärts: Zunächst macht ein großes Schild die Autofahrer (aber auch die Fahrradfahrer) drauf aufmerksam, dass Radverkehr auf der Fahrbahn zulässig ist. Dieses Schild ist übrigens ein "Wanderschild", d. h. es steht nur ein bis zwei Jahre an der selben Stelle und wird dann versetzt an eine andere Stelle, um dort ebenfalls Autofahrer (und Radfahrer) darauf aufmerksam zu machen, was möglich ist.

    radverkehraufderfahrboap3r.jpg


    Die Fotomontage in der rechten Bildhälfte soll zeigen, dass es mit Höchstgeschwindigkeit Tempo 30 auf der Hauptverkehrsstraße noch ruhiger zugehen könnte. Vielleicht würden sich dann auch mehr Radfahrer trauen, der im folgenden Bild gezeigten Bodenmarkierung nach links zu folgen? Diese Bodenmarkierung ist dort aufgebracht, wo der verpflichtende Hochbordradweg endet und der Radfahrer zwei Optionen hat. Entweder dem Angebotsradweg auf dem Bürgersteig folgen, oder auf der Fahrbahn weiterfahren.


    radverkehraufderfahrbdep4e.jpg


    Ich bin sicher mit Tempo 30 Höchstgeschwindigkeit auf den gezeigten Straßen würden mehr Radler die Fahrbahn benutzen!

    Der Vergleich auf Volumenbasis hinkt, da der Energiegehalt von Diesel höher ist, also selbst ein etwas höherer Preis von Diesel ggü. Benzin rechnerisch noch ein Vorteil beim Verbraucher sein könnte.

    Wo wir schon bei den Merkwürdigkeiten der Kraftstoffpreis-Gestaltung angelangt sind: Warum eigentlich ist Autogas (meines Wissens ist das Propangas bzw. Butangas, also in etwa das, was in einem Gasfeuerzeug oder Campingkocher drin ist, so viel günstiger als Benzin und auch deutlich günstiger als Diesel. (Autogas kostet so um die 50 Cent der Liter, siehe hier: )
    Und was mich auch schon immer wunderte, warum jammern Autofahrer eigentlich immer über zu hohe Benzinpreise, obwohl doch schon seit Jahren Autogas eine kostengünstige Alternative darstellt. Ich hab' zwar mal gehört, dass Autogas irgendwann auch mal höher besteuert werden soll, aber selbst wenn, das Zeug gibt's schon so lange, mindestens ein bis zwei "Auto-Leben" lang. Wer sich damals also ein entsprechendes Fahrzeug kaufte, hatte keinen Grund zu meckern über zu hohe Kraftstoffpreise.

    Um nicht missverstanden zu werden, ich weiß das ist ein Radforum, und eigentlich sind mir solche Diskussionen über Kraftstoffpreise keine "Herzensangelegenheiten". Aber das ein oder andere bei passender Gelegenheit in Gesprächen mit Autofahrern (und davon gibt's nun mal leider reichlich) einbringen zu können, führt bisweilen zu einem interessanten Gesprächsverlauf.

    Und um nochmal den Bezug zu den Stickstoff-Dioxid-Abgasen und den sonstigen Giftstoffen in Abgasen herzustellen: Welches ist eigentlich der "sauberste" Kraftstoff für PKW? Entstehen bei Autogas-Betankung genau so viele Schadstoffe wie bei Benzin oder gar Diesel?

    Seit einiger Zeit fällt mir auf, dass inzwischen so gut wie jeder Pkw irgend ein Schild mit dem Wortteil "blue" am Heck hat. Auch die tonnenschweren Panzer der einschlägigen Luxusmarken. Die verheerende Gesamteregiebilanz eines Autos ändert sich dadurch aber nicht! Bis ein Durchschnitts-Pkw im Laden steht, hat er bereits, je nach Modell, 20 bis 30 Tonnen Rohstoffe verbraucht. Bei der ganzen Diskussion um Stickoxide und CO2 wird das - natürlich - nicht erwähnt. Auch ist die höhere Besteuerung von älteren Fahrzeugen eine Farce: Die Gesamtenergiebilanz eines Autos ist insgesamt umso besser, je länger es gefahren (also nicht durch einen Neuwagen ersetzt) wird.

    Es gibt so zahlreiche Widersprüche bei der ganzen Thematik Abgasreinigung. Aber diese Darstellung in dem Frontal 21 Beitrag läuft ja im Prinzip darauf hinaus, dass die Abgasreinigung zumindest der Stickoxyde mit der AdBlue-Technik einwandfrei funktioniert, was die Diesel-LKW, die bereits seit 10 Jahren mit der AdBlue-Technik ausgestattet sind, belegen.

    Die Diesel-PKW-Motoren wurden einzig und alleine deshalb manipuliert, weil VW nicht wollte, dass die Kunden selbst dieses AdBlue nachtanken müssen. Denn da könnte ja einer zu rechnen anfangen: Auf 100 l Diesel kommen 5-7 Liter AdBlue. AdBlue kostet zwar nur rund 50-60 Cent pro Liter, aber der günstigere Dieselpreis (Warum ist der eigentlich so günstig???) wäre damit wieder dahin, oder zumindest teilweise dahin.

    100 l Diesel für je 1,20 € = 120,- €
    6 l AdBlue für je -,50 € = 3,- €
    Zusammen: 103,- €

    100 l Benzin für je 1,40 € = 140,- €

    Rein vom Literpreis wäre der Diesel zusammen mit dem AdBlue also immer noch deutlich günstiger. Aber das würde ja bedeuten, dass VW seinen Kunden zutraut rechnen zu können.

    Und möge mir kein Diesel-PKW-Besitzer vormachen, er fahre Diesel, weil das mal als umweltfreundlich galt wegen der niedrigeren CO2-Werte. Die gängigste Ausrede, die ich derzeit zu hören kriege, wenn ich mal einen Diesel-PKW-Besitzer drauf anspreche: "Der ist geerbt! - Was hätte ich denn machen sollen damit?"

    Du benennst das Problem schon: Die Hersteller müssen AdBlue sparen.Ein LKW benötigt ca. 5-7% der verbrauchten Kraftstoffmenge an AdBlue, um gute Abgaswerte zu haben. Das müsste beim PKW ähnlich sein. Ein PKW müsste bei dieser Beimischung dann einen Tank von um die 70l AdBlue haben, um halbwegs zuverlässig ein Jahr ohne Nachfüllung zu überstehen. Tatsächlich wurden vor dem Abgasskandal eher Tanks mit 5-10l verbaut.

    *Pause*

    Ich habe jetzt noch ein bisschen in anderen Foren über Erfahrungswerte zum Verbrauch von AdBlue bei aktuelleren Autos gelesen: die Teilnehmer berichten recht übereinstimmend von ca. 1,5% Verbrauch von AdBlue. Ist also immer noch recht knapp bemessen.

    *Noch eine Pause*

    Habe mal meine eigenen Angaben von oben nochmal mit dem Video abgeglichen. Ein Fehler ist mir unterlaufen, auf den ich noch hinweisen möchte: Der LKW war nur ein 18-Tonner.

    Am Ende des Film-Beitrages sagt der LKW-Fahrer, dass es ihn überrascht, dass ein Vierzig-Tonner-LKW weniger giftige Stickstoff-Dioxide ausstößt als ein PKW, wie zum Beispiel dieser PKW mit AdBlue-Technik: siehe Foto
    Der "Trick" des Bundeswirtschaftsministers, der versucht, dem ÖPNV mit Omnibussen die Schuld an den zu hohen Stickstoffdioxid-Abgaswerten in die Schuhe zu schieben, ist doch gelinde gesagt ein "ganz fauler Trick".

    bluemotionpkwhannoverunkay.jpg

    Vielen Dank für den Link zum Film!

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    Das geht so aber zum Glück nicht.

    Also erstens: Die Reihenfolge ist falsch rum. Wenn erst gegen Autos der dort schon wohnenden Personen vorgegangen wird (also immer und sofort Strafzettel bei Falschparken), dann erst irgendwann ein Parkhaus gebaut wird, dann ist das ein Situation die nicht gut geht. Niemals. Die Autos lösen sich nicht in Luft auf, egal wie sehr ich mir das manchmal wünschen würde.

    Zweitens: Wenn ein Privatbetreiber ein Parkhaus baut und danach Falschparken sanktioniert, dann würde ich sehr frühzeitig Protest anmelden, dass hier mit öffentlichen Mitteln einem Unternehmer Publikum zugeschanzt wird. Das kann und darf so nicht sein.

    In einem solchen Fall muss die Stadt/Gemeinde/wasimmer mal selbst Hand anlegen, Geld in die Hand nehmen und Parkplätze bauen. In Form eines bewirtschafteten Parkhauses etwa. Und dann wird _immer_ noch nicht gegen "zu viele Autos" vorgegangen, sondern nur eine Situation geschaffen, in der es etwas kostet zu Parken.

    Erstens: Ein schärferes Sanktionieren von Falschparkern würde dazu führen, dass diese Autofahrer einen längeren Weg zu "ihrem" Stellplatz zurücklegen müssten. Eine Bekannte in diesem Stadtteil, die macht sich diese Mühe, weil sie eben nicht Gehwege, Radwege und Bordsteinabsenkungen zuparken möchte. Wenn man bereit ist auch etwas abgelegener zu parken und einen längeren Weg in Kauf zu nehmen, dann gibt's dafür i. d. R. auch eine Möglichkeit! Meine autofahrende Bekannte ist übrigens sauer über die mangelhaften Falschparker-Kontrollen, denn die kommt sich zunehmend veräppelt vor, wenn sie sieht, wie Autofahrer-Rambos rücksichtslos Gehwege usw. zuparken.

    Zweitens: Es ist nicht der Privatbetreiber, der das Falschparken sanktionieren soll, er könnte es ja auch gar nicht. Er könnte maximal regelmäßig Leute rumgehen lassen, die Parkverstöße an die Stadt melden. Aber die Bußgelder dafür sind so lächerlich gering, dass wirklich nur ein Abschleppen (so was ist teuerer) helfen würde. Und genau da schöpft die Stadt ihren Ermessensspielraum nicht aus zum Leid und Wehe der Menschen, die z. B. auf einen abgesenkten Bürgersteig angewiesen sind.

    Drittens: Mag ja sein, dass sich das lohnen würde, wenn die Stadt das Parkhaus selbst baute. Aber das wird dann eben auch ein reines Zuschussgeschäft, finanziert durch den Steuerzahler. Denn entweder müsste die Stadt die Parkplätze deutlich unter Preis anbieten, oder aber sie müsste deutlich stringenter gegen Falschparker vorgehen. Tut sie aber nicht: "Die gute Nachricht für Autofahrer: Mehr Politessen wird die Stadt vorerst nicht einstellen. Einen Antrag des Bezirksrates Mitte auf mehr Personal, um auch in Abend- und Nachtstunden vor allem an Wochenenden zu kontrollieren, hat die Stadt mit Verweis auf die zu hohen Personalkosten abgelehnt." aus Neue Presse Hannover vom 16.12.2016, "Hannover: Da klingelt die Stadtkasse". Bezeichnend übrigens, dass die Überschrift den Eindruck vermittelt, die Stadt kassiere bei den Falschparkern ab. In dem Artikel stellt sich jedoch heraus, dass die Falschparkerkontrollen zu hohe Kosten verursachen. Aber wir leben ja im "postfaktischen" Zeitalter, da glaubt ohnehin jeder nur, was ihm gefällt.

    Wie wird denn bei euch in Nürnberg diese Diskussion geführt? Werden dort die Falschparker ebenfalls mit Samthandschuhen angefasst? Und wird dort auch die Arbeit des Verkehrsaußendienstes als Abzocke bei den Autofahrern verunglimpft?

    Übrigens nützt es auch rein gar nichts, wenn man Umsonst-Parkplätze auf der Straße umwandelt in Dumpingpreis-Parkplätze im Parkhaus. Ohne zusätzlichen Kontrollen und ein stringentes Vorgehen gegen Falschparker würden einfach nur neue Parkplätze geschaffen verbunden mit dem Signal an alle potenziellen Auto-Mobilisten: Schaut her, Parkplatz ist kein Problem. Man könnte vielleicht noch auf den Gedanken kommen, dass erhöhte Einnahmen aus den Falschparker-Kontrollen benutzt würden, um das Parkhaus zu subventionieren. Aber wie du in dem Zeitungsartikel lesen kannst. Die Bußgelderlöse decken ja nicht einmal den damit verbundenen Personalbedarf!

    Wenn man den beklagten Mangel an Parkplätzen mal als

    betrachtet, fällt auf:die Marktwirtschaft, die sonst immer die Patentlösung für alle Alltagsprobleme sein soll, weist hier tatsächlich mal den Weg.
    Logische Folge bei hoher Nachfrage (viele KFZ, viele Parkplatzsuchende) und niedrigem Angebot (nicht genug freie Parkplätze im öffentlichen Raum) wäre, dass sich das Produkt/die Leistung verteuert. In diesem Fall müsste man damit anfangen, dass es erstmal überhaupt einen Preis für den Empfänger der Leistung (Stellplatznutzer) hat.

    "Im Herbst schien alles noch auf dem besten Weg zu sein: Die schottische Firma Skypark bekräftigte erneut ihre Absicht, in der Velberstraße in Linden-Nord ein mechanisches Parkhaus in Hochregaltechnik errichten und betreiben zu wollen. Doch aus dem Bauvorhaben wird wieder nichts. Skypark wolle die Pläne nicht weiter verfolgen, teilte Stadtsprecher Dennis Dix auf Nachfrage des Stadt-Anzeigers mit. Die Gründe dafür habe das Unternehmen trotz wiederholter Nachfrage nicht genannt." aus HAZ, 11.2.2009, Pläne für Parkhaus lösen sich in Luft auf. Mein Eindruck: Im Stadtteil Linden Nord gibt es sehr "drängende Quartiersprobleme" (um mal dieses für mich neue Wort zu üben). Aber es gibt ganz wenig Bereitschaft, energisch gegen Falschparker vorzugehen. Würden die regelmäßig auf den Haken genommen werden, und es gäbe dafür durchaus einen Ermessensspielraum, der bei weitem nicht ausgeschöpft wird, dann gäbe es auch bald ein kostenpflichtiges mechanisches Parkhaus.

    Alternative: "drängende Quartiersbelange"
    Aber wenn man nicht nur Witze für Insider machen, sondern auch noch neue User erreichen will, finde ich "Parkplatzproblem" durchaus angemessen. Jeder vernünftige Mensch weiß, dass dieses Angebot-Nachfrage-Problem nicht nur über die Angebotsseite zu regeln ist.

    "Drängende Quartiersbelange" - das ist zweifelsfrei ein "gelungener" Euphemismus, dass muss ich leider anerkennen! Trotzdem lehne ich den Begriff "Parkplatzproblem" ab. ("Quartiersbelange" natürlich auch, zumindest wenn es so gemeint ist, dass es zu wenige Parkplätze in einem Quartier gäbe.) Das Wort "Parkplatzprobleme" wird nach meiner Beobachtung benutzt, um die Diskussion in die falsche Richtung zu lenken. Gibt's wirklich nichts Besseres? "Jeder vernünftige Mensch weiß, ...", schreibst du. Die Menschen sind aber nicht unbedingt vernünftig, siehe "postfaktisch": "auf Gefühlen, nicht auf Tatsachen beruhend"


    Wie wärs mit "Autoüberhang" statt "Parkplatznot"?

    Auf jeden Fall werde ich versuchen, bei passender Gelegenheit die Hamburger "Quartiersbelange" mal in ein Gespräch einfließen zu lassen. In Hannover ist mir der Begriff bislang noch nicht untergekommen. Das Gespräch könnte ja den Verlauf nehmen, dass man sich über die wirklichen "Quartiersbelange" austauscht.

    Wird das Wort "Quartiersbelange" eigentlich noch ernsthaft benutzt? Oder hat es bereits den Charakter, dass zumindest "Eingeweihte", das ausnahmslos ironisch verstehen? Oder mal so, mal so?

    Lebensmittel werden sogar bereits mit (relativ) schadstoffarmen Fahrzeugen ausgeliefert. Habe gerade gestern zufällig wieder die Reportage (Frontal21) dazu gesehen.Die haben den NOX-Ausstoß von einem 40-Tonner von Daimler mit dem einer C-Klasse verglichen. Jeweils im Alltagsbetrieb und in absoluten Zahlen:
    - 40-Tonner: 250mg/km
    - C-Klasse: 750mg/km

    Der 40-Tonner ist übrigens nur so sauber, weil es bei LKWs vor 10-15 Jahren genau den gleichen Abgasskandal gab, den wir heute bei PKWs erleben.

    Das bedeutet also, ein 40-Tonner Diesel-LKW stößt nur ein Drittel der Schadstoffmenge aus, die ein Diesel-PKW ausstößt? Oder andersrum: Ein Diesel-PKW stößt dreimal soviel Schadstoffe aus wie ein LKW oder ein Omnibus?
    Das hätte ich jetzt nicht unbedingt erwartet, dass Diesel-PKW so krass dreckiger sind als Diesel-LKW oder Omnibusse. Kannst du einen Link zu der Frontal21 Sendung veröffentlichen? Und welche Begründung wurde darin genannt? Ich habe es bisher so verstanden, dass die hohen Stickstoffdioxydwerte bei Diesel-PKW dadurch entstehen, dass diese Fahrzeuge einen viel zu kleinen AdBlue-Tank haben, bzw, dass der viel zu selten nachgefüllt wird, weil die Autoproduzenten das ihren Diesel-PKW-Kunden nicht zumuten wollten. Aber ist das wirklich so oder am Ende auch nur "postfaktisch"? Wurde dazu was in der Sendung erläutert?
    "Geizen Hersteller mit AdBlue - wegen Kosten für die Autofahrer?
    Hinzu kommt laut Michael Niedermeier vom ADAC noch ein anderer Faktor, der den Schadstoffausstoß moderner Diesel bei uns beeinträchtigt:

    • Über die SCR-Systeme müsste AdBlue dem aktuellen Fahrzustand entsprechend zugemischt werden – also etwa beim Beschleunigen oder bei hohem Tempo deutlich mehr.
    • „Die Hersteller möchten aber größere Wartungsintervalle, und sie möchten, dass die Tanks für AdBlue dazwischen nicht vom Autofahrer selbst nachgefüllt werden müssen.“
    • Auch wenn es niemand offen sagt, kann das also dazu führen, dass der Einsatz von AdBlue auch in Situationen auf Sparflamme gefahren wird, in denen eigentlich das Gegenteil erforderlich wäre."

    Quelle: Focus-online, 5.8.15, "Wird zu wenig AdBlue eingesetzt?",

    Diese Darstellung, dass ein Diesel-PKW dreimal so viel Schadstoffe ausstößt wie ein Diesel-LKW oder Diesel-Omnibus, ist in jedem Fall ein Argument, das gehört wird und Aufmerksamkeit erregt. Aber wird es auch angenommen? Zumindest kann es einen überzeugten "Auto-Jünger" gehörig ins Wanken bringen! Eigentlich bin ich ja kein so technikversessener Auto-Freak, aber seit ich feststelle, dass man die Autofahrerschaft gehörig verunsichern kann, wenn man im Gespräch anfängt zu fachsimpeln und dann auf überraschende Fakten hinweist, ...

    Hast du übrigens auch einen Link zu diesem LKW-Diesel-Skandal, den du erwähnt hast?

    Abgesehen vom Fehlverhalten des Radfahrers und abgesehen davon, dass man als Fahrzeugführer auch auf der falschen Straßenseite Vorfahrt hat, möchte ich als Laie zunächst einmal darauf tippen, dass die Kraftfahrerin etwas sehr ambitioniert nach rechts abgebogen ist. Die Ueckerstraße, die hier rechts im Bild beginnt, ist die Zufahrt zu einem stark verdichteten Wohngebiet mit einigen Hochhäusern und einem massiven Parkplatzproblem: Ich bin da nach dem Besuch an der Unfallstelle durchgefahren und es wird dort alles zugeparkt, was nicht abgepollert ist. Der ganze Kraftverkehr muss aber entweder durch diese Einmündung oder eine weitere Zufahrt 400 Meter weiter südöstlich abgewickelt werden.

    Ich finde das super, wie ambitioniert du der Sache nachgehst! Mir gehen die vielen "Ungereimtheiten" bei der Berichterstattung über Unfälle mit Radfahrerbeteiligung auch oft auf die Nerven. In einem Punkt aber erlaube ich mir einen kritischen Hinweis zu deinem Beitrag, in der Hoffnung eine bessere Möglichkeit der Darstellung zu finden, die auch mich immer wieder vor Probleme stellt. Du schreibst, in dem Wohngebiet gäbe es ein massives "Parkplatzproblem". Mich ärgert es regelmäßig, wenn darüber geschrieben wird, es gäbe irgendwo ein massives "Parkplatzproblem", denn es ist kein "Parkplatzproblem", sondern vielmehr das Problem, dass "Hinz und Kunz" glauben, immer und überall mit dem Auto hinfahren zu müssen und dann auch noch erwarten, dass man es kostenfrei möglichst direkt am Zielort abstellen könne.
    Wenn ich mit anderen Menschen darüber ins Gespräch komme, dann betone ich gerne es gibt kein "Parkplatzproblem", sondern das Problem, dass es zu viele Autos gibt. Dann sind die Fronten zwar schnell geklärt, aber vielleicht gibt's ja noch eine elegantere Methode, die Denke in eine andere Richtung zu lenken? Denn macht man das so abrupt wie gerade beschrieben, dann sind die Fronten zwar schnell geklärt, aber eben auch schnell verfestigt und leider geht es dann oft nur noch drum, diese Fronten weiter zu verfestigen!

    Ein Beispiel aus Hannover zum Thema "Zu viele Autos", obwohl hier könnte man es eigentlich auch so nennen: "Zu viele Autofahrer, die den Weg zum Parkhaus nicht finden.":
    "Etliche Beschwerden über zugeparkte Gehwege und besetzte Anwohnerparkplätze sind bei der Stadt und dem Bezirksrat eingegangen. (...) Besonders in den Abendstunden zur besten Kinozeit spitzt sich laut Beschwerden die Situation zu. Gleichzeitig ist das Parkhaus neben dem Kino nicht ausgelastet." aus HAZ, 17.3.2015,

    Da kann man eigentlich (!) nur noch drüber lachen! Aber wir leben im postfaktischen (Wort des Jahres 2016) Zeitalter. Und da wird einiges für bare Münze genommen, was bei näherem Nachdenken klar als Humbug entlarvt werden könnte.
    Ich fürchte es gibt keine andere Möglichkeit die Schein-Gegenargumente gegen eine Verkehrswende durch echte Argumente zu entkräften, und dabei darauf zu achten, nicht ebenfalls ins "postfaktische" abzugleiten, und trotzdem "cool" rüberzukommen!

    - "Erstmal sollte ÖPNV besonders schadstoffarm werden!" - Der ÖPNV ist bereits vergleichsweise schadstoffarm!

    - "Und was machen dann die ganzen Gebrechlichen?" - Die überwiegende Mehrzahl der Gebrechlichen fahren Bus und Bahn und haben gar kein eigenes Auto!

    - "Schön! Dann gibt es in der Stadt eben keine Lebensmittel mehr!" - Lebensmittel können auch mit schadstoffarmen Fahrzeugen ausgeliefert werden!
    - "Handwerker fahren dann mit dem Lastenfahrrad herum oder wie?" - Das machen bereits jetzt einige Handwerker und die Post stellt gerade auf E-Fahrzeuge um: "Deutsche Post setzt auf E-Autos" BR, 24.8.16,

    usw., usw. ... Mühsames Geschäft, aber unvermeidbar!

    Die Minister könnten auch bei sich selbst anfangen und anstelle der sauteuren und sauschweren spritschluckenden Dienstwagen mal den ÖPNV benutzen, bevor sie wieder über Dinge reden, mit denen sie sich nicht auskennen.

    Im Prinzip ein guter Vorschlag, brächte aber genau so wenig oder sogar noch deutlich weniger ein, als wenn man alle Dieselbusse durch Batteriebusse ersetzte. Außerdem wäre der Minister vermutlich auf eine schwere, gut gepanzerte Limousine angewiesen, wenn er denn tatsächlich einen substanziellen Beitrag lieferte, um die "Automania" einzudämmen. Er hat zwar mal eine sanfte Seifenblase in diese Richtung steigen lassen: "In diesen Sommerferien freuen sich die Autofahrer über die niedrigen Preise an den Zapfsäulen. Gerade in der Urlaubszeit ist dies eine Ausnahme. Die Urlaubskasse wird damit nicht zusätzlich belastet. Seit Wochen sind die Spritpreise im Keller..." Doch wenn es nach Wirtschaftsminister Gabriel ginge, soll bald Schluss mit den Dauertiefpreisen sein. Im Klartext: Es soll eine "Flexi-Steuer" her. Sinkt der Benzinpreis, dann soll sich automatisch die Spritsteuer erhöhen. Der Verbraucher hätte somit nichts von günstigen oder sinkenden Spritpreisen." n-tv, 5.8.2016, Gabriel will eine flexible Spritsteuer,

    Aber vermutlich sind ihm darauf hin dermaßen die Blöd-book-Einträge um die Ohren geflogen, dass er auf weitere Vorstöße in diese Richtung verzichtete. Zumal ohnehin völlig unklar ist, ob es ihm dabei tatsächlich darum ging, den Sprit teurer zu machen. Vielleicht ging es ihm ja nur darum, im Falle steigender Rohölpreise den Sprit durch Verzicht auf Besteuerung günstig zu halten.

    Würde der Minister allerdings wirklich die Spritpreise erhöhen oder sonstwie wirksam den ausufernden MIV eindämmen, und gleichzeitig vorbildhaft nur noch Bus und Bahn benutzen, dann könnte das glatt Autofahrer dazu verleiten das ebenfalls zu tun. Jedoch nicht um dem guten Vorbild zu folgen, sondern um dort Gabriel aufzulauern und ihn zu belatschern, die Spritpreiserhöhung rückgängig zu machen. Schließlich ist so ein ÖPNV-Verkehrsmittel ein bisschen ein öffentlicher Raum, zumindest ein bisschen öffentlicher als eine Dienst-Limousine.

    Hin und wieder aber hat auch Gabriel schon die Bahn benutzt. Hat ihm dann letztlich aber auch geschadet: "Glaubwürdigkeit sieht anders aus. Doch „Reden und Handeln lagen bei Gabriel schon immer meilenweit auseinander“, ... Der räumte früher schon ein, dass sein Dienstwagen bisweilen neben dem ICE herfährt, um den Minister am Ankunftsort zu empfangen und ihn zu den Terminen zu chauffieren. Schließlich liege nicht jede Stadt an einem ICE-Bahnhof, rechtfertigte Gabriel sich ärgerlich." aus focus online, 15.3.2008,


    Kurz und knapp, ich halte es für Unfug, bei solchen Themen auf die Vorbildfunktion derjenigen zu setzen, die die Beschlüsse zu fassen haben, die zu einer wirklichen Verkehrswende beitragen. Wichtig ist doch, dass die Beschlüsse gefasst werden! Und ob das nun Politiker tun, die einen schweren Dienstwagen fahren oder ob die ständig mit der Bahn unterwegs sind (da werden sie dann wohl vermutlich Erste Klasse reisen - ist das dann auch verwerflich?) ist doch völlig "wumpe"! Letztlich geht es auch bei focus-online nur darum, die massenhafte "Automania" mit immer größeren und PS-stärkeren PKW zu rechtfertigen. Guck mal, wenn der Umweltminister das darf (damals war Gabriel noch Umweltminister), dann darfst du als einfacher Bürger das auch!


    Trotzdem finde ich es natürlich sympathisch, wenn auch gewählte Volksvertreter Bus und Bahn oder das Rad benutzen. Auch wenn das bisweilen sehr in Szene gesetzt wirkt: "Im Sattel wirbt Aygül Özkan für „Mit dem Rad zur Arbeit“." in HAZ, 8.5.2010 , Sozialministerin Özkan im Terminstress,

    Umweltministerin Hendricks (SPD) forderte diese Woche ein Fahrverbot für Diesel-PKW die besonders giftige Abgase ausstoßen. Ihr Parteikollege im Wirtschaftsressort fällt ihr jedoch prombt in den Rücken: "Hendricks bekommt aber auch Gegenwind aus der eigenen Partei: Wirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel äußerte sich zurückhaltend zu ihren Plänen und sagte, man solle doch erst mal damit beginnen, den öffentlichen Nahverkehr auf schadstoffarme Motoren und Elektroantrieb umzustellen. "Das wäre mein Vorschlag, damit mal direkt anzufangen.""

    Wenn so offensichtlich die Tatsachen verdreht werden und diejenigen die umweltfreundlich mit dem ÖPNV unterwegs sind und unter den giftigen Abgasen leiden, dann auch noch vom Opfer zum Täter gemacht werden, dann darf man sich schon fragen, wie weit noch die Tatsachen verdreht werden und dann die Radfahrer zu den eigentlich Schuldigen an der ganzen Abgas-Misere erklärt werden?
    Warten wir's ab? Oder tun wir was:

    Wie kommst du denn jetzt darauf? Wo bitte steht das etwas verhindert worden IST??Das Gegenteil findet doch seit Jahren massiv statt! Vor unser aller Augen! Und jene bescheuerte Kampagne war ein nicht ganz ungewichtiger Teil davon. Es wird hart, sehr hart daran gearbeitet um, vermutlich in möglichst naher Zukunft, eine Helmpflicht einführen zu können.

    Bis jetzt sind jedenfalls die Helm-Pflicht-Befürworter noch nicht in der Form zum Zuge gekommen, dass die Helmpflicht eingeführt wurde. Und das ist gut so!

    Ja, Danke für genau diese Frage. Sie ging mir selber bereits durch den Kopf, vermutlich beim Duschen. :) Du hast es wieder nicht verstanden was ich meine.

    Solltest Du mit deiner Petition also Erfolg haben, weißt du nun wo du allerbestenfalls damit landen wirst.
    Viel Spaß.

    Ich hab deinen langen Text mal gekürzt. Und will nur auf eine Sache, die du erwähnt hast eingehen. Diese "Helm-Kampagne". Der Titel dieses Threads lautat ja "Kurzfristig erreichbare Verbesserungen für den Radverkehr". Ich weiß nun auch nicht en Detail, wer genau alles dran gearbeitet hat, und mit welchen Mitteln, dass es in Deutschland Gott sei Dank verhindert werden konnte, eine Helmpflicht für Radfahrer einzuführen. Aber ich bin allen, die dazu beigetragen haben, eine Helmpflicht für Radfahrer zu verhindern, sehr dankbar!
    Leider gibt es viel zu viele Menschen, die aus einem falsch verstandenen Sicherheitsempfinden heraus es für nötig halten, alles mögliche anzustrengen, und die, quasi im vorauseilenden Gehorsam, eine Art Ersatzhelmpflicht in der Form einführen, dass sie Schulkindern, die in der Schule am Fahrradtraining teilnehmen, nötigen, dabei einen Helm zu tragen.
    Würden diese besorgten Lehrer, Schulleiter, Elternvertreter usw. sich doch ganz einfach darüber nicht den "Kopf zerbrechen". Dann wäre das was, wo man sagen könnte, man hat kurzfristig eine deutliche Verbesserung des Radverkehrs erreicht, und dabei nicht nur erheblichen zusätzlichen Aufwand eingespart, sondern auch noch jede Menge potenzielle Energie gewonnen, einen echten Beitrag zur Förderung der Fahrradkultur zu leisten.

    In dem Artikel, auf den du hinweist, , wird am Ende die Frage gestellt: "Die Frage, die man sich bei der Fahrradhelm – Kampagne als geneigter Betrachter eigentlich stellen muss: Ist Darth Vader die geeignete Person, um für den Fahrradhelm Werbung zu machen? Ein Mann, der offensichtlich nicht oft Fahrrad fährt und zudem an extremer Kurzatmigkeit leidet, ist denkbar schlecht geeignet, um den Aspekt der Fahrradsicherheit zu vertreten, oder wie siehst Du das?"


    Und daran kannst du sehen, dass manchmal sogar völlig nutzlose, sinnfreie und bescheuerte Kampagnen sogar noch eine Sinn erfüllen können. Denn die eigentliche Frage, die hätte gestellt werden müssen, lautet doch: "Die Frage, die man sich bei der Fahrradhelm – Kampagne als geneigter Betrachter eigentlich stellen muss: Ist das Tragen eines Fahrradhelms tatsächlich das, was das Fahrradfahren attraktiver und sicherer macht? Ein Mann, der offensichtlich nicht oft Fahrrad fährt und zudem sogar beim Zu-Fuß-Gehen einen Helm trägt, ist denkbar schlecht geeignet, um diesen Aspekt der Fahrradsicherheit zu diskutieren, oder wie siehst Du das?"


    Aber leider leider, trotz der lächerlichen Kampagne kommt der Autor gar nicht auf die Idee, das Propagieren des Fahrradhelms an sich in Frage zu stellen.


    Pech für den Radverkehr - Glück für die Initiatoren dieser nur auf den ersten Blick scheinbar nutzlosen Kampagne. Manchmal spielt das leben so, ein andermal aber auch wieder andersrum. Drum mach doch einfach mit bei der Petition. Kann schon sein, dass deine Befürchtungen bezüglich der Petition zutreffen. Das müssen vermutlich eines Tages andere mitentscheiden und das hab' ich nur begrenzt im Griff. Übrigens, die Petition wurde nicht von mir gestartet. Ich hatte davon vielmehr in der Zeitung (Hannoversche Allgemeine, Druckausgabe) gelesen. Der HAZ-Autor ist dem Anliegen ganz offensichtlich wenig geneigt. Er schrieb, die Autoren hätten den "bequemen Weg einer Online-Petition" gewählt. Das hat mich dann erst recht fuchsig gemacht. Und deshalb lasse ich keine Gelegenheit aus, für diese Petition zu werben, übrigens nur zum Teil im Internet. Vielmehr vor allem auf der Straße, beim Radfahren, an der Ampel oder in der Bahn etc... Das ergibt 'ne Menge spannende Gespräche. Hier hab' ich ja auch schon einige interessante Anregungen erhalten.


    @Spkr: Du schreibst, dass du die Aufwand-Nutzen-Relation einer solchen Petition für ungünstig hältst. Du musst sie ja nicht in der Form unterstützen, dass du jetzt alle Hebel in Bewegung setzt, um weitere Unterstützer zu finden. Unterschreib doch einfach, "open petition" ist m. E. eine solide arbeitende Organisation, die Online-Petitionen ermöglicht. Und dann lehn dich entspannt zurück und warte einfach ab ... Dabei hast du alle Energien frei für alle möglichen Projekte!

    Ullie, ich meinte mehr die Einrichtung dieser Petitionsgeschichte dient vornehmlich dem Ablenken der Energie von Leuten die wirklich etwas Verändern und Bewegen wollen, damit sich eben nichts ändert. Die die von der jetztigen Lage profitieren, haben leider kein Interesse an Veränderung.

    Hallo Jochen,

    ich hab' grad auf deiner Vorstellungsseite gelesen, du kommst aus Hamm (Westfalen) ich dachte zunächst aus Hamburg (mein Fehler). Deiner Feststellung, "Die die von der jetztigen Lage profitieren, haben leider kein Interesse an Veränderung.", stimme ich zu.
    Aber warum meinst du, dass die Petition bei denjenigen Energie ablenkt, die was verändern wollen? Eine Petition ist natürlich arbeitsintensiv, aber sie kann auch zu einem Zeichen werden, das zeigt, dass es viele Menschen gibt, denen es wichtig ist, dass eine Veränderung der Verkehrssituation weg vom Auto, hin zu mehr Rad- und Fußverkehr, stattfindet. Deshalb sehe ich die Petition eher als einen "Energie-Müsliriegel" für diejenigen, die sich für konkrete Verbesseruengen vor Ort einsetzen, und denen dabei immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, u. a. von Verbänden wie dem ADAC, der bundesweit organisiert ist und kein Problem damit hat, sich bei jeder Gelegenheit aufzuspielen als der bürgernahe Fürsprecher in Verkehrsfragen vor Ort. Die Petition wird natürlich vor allem vor Ort unterstützt, von bislang noch nicht ganz 200 Unterstützern sind gerade mal knapp über 5% Auswärtige. Aber eine Unterstützung auch aus anderen Städten und Kommunen schadet der Petition nicht, im Gegenteil. Die Unterschriften sind übrigens je nach Herkunft deutlich zu unterscheiden. Auswärtige werden extra gezählt! Die aus Hannover sind dunkelblau gefärbt.