Beiträge von Ullie

    Dafür wirst Du (gerade auch hier im Forum) wohl keine ungeteilte Zustimmung bekommen.

    Wie sieht das denn aus in Hamburg mit den Forderungen zur Verbesserung des Radverkehrs?
    Ich nenne mal ein konkretes Beispiel aus Hannover, das weitgehend unstrittig von allen Radverkehrsinteressierten gut geheißen wurde:
    Vor mehreren Jahren wurde in Hannover beim Neubau einer Brücke über die Ihme eine Engstelle für den Radverkehr geschaffen, die immer wieder kritisiert wurde. Die ganze Geschichte kann man in diesem Hannoverschen Allgemeine Zeitung Artikel nachlesen:

    Die Kurzform geht so: Ein stark in beide Richtungen frequentierter kombinierter Rad/Fußweg von gerade mal 2,60m Breite wurde verbreitert, so dass ein Zwei-Richtungen Radweg Hochbord und daneben ein Fußweg entstand. Dafür wurde eine von zwei Autofahrspuren zurückgebaut. Das Ganze natürlich begleitet von Protesten der Autolobby.

    Du schreibst, der Bau breiter, sichtbarer Radverkehrsanlagen sei in diesem Forum umstritten. Wo liegen denn die Konfliktlinien? In Hannover entzünden sich Diskussionen häufig an der Frage ob Hochbordradwege oder Radwege in Form von Radstreifen oder Fahrrad-Angebotsstreifen realisiert werden sollen. So oder so geht es dabei jedoch in der Regel um die Um-Verteilung der vorhandenen Verkehrsflächen. Weniger Autoverkehrsfläche mehr Verkehrsfläche für Fuß- und Radverkehr und ÖPNV. Ist man in dieser Frage in Hamburg ähnlich unterschiedlicher Meinungen, die von manchen sehr grundsätzlich gesehen werden? Denn du schreibst für breite sichtbare Radverkehrsanlagen gibt es keine ungeteilte Zustimmung. Warum eigentlich nicht?

    Ein anderes Thema in Hannover ist die Frage, wo Fahrradstraßen eingerichtet werden sollen, und dass dabei oft der Autoverkehr nicht genügend stark eingeschränkt wird.

    Wenn unabhängig vom Tempolimit 70 gefahren wird, stimmt die Aussage natürlich.

    Auf einer Straße mit Tempolimit 30 mit 70 geblitzt zu werden, dürfte jedoch deutlich teurer kommen, als wenn man auf einer Straße, auf der 50 gilt, mit 70 geblitzt wird!

    "In Berlin (Deutschland) wurde bei einer Hauptverkehrsstraße („Schildhornstraße“) mit der Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 ein Rückgang der Feinstaubbelastung von 6% erreicht; dies entspricht etwa 10 Tagen mit Überschreitungen der EU-Grenzwerte. Gleichzeitig sanken durch diese Maßnahme auch die Stickstoffdioxid (N02)-Konzentrationen um 10%.”" Weitere Argumente für Tempo 30 findet man hier:

    @Julius
    Du vergisst dabei, dass Tempo 30 zu einer Reduktion unnötiger Fahrten führt, da durch das Verlangsamen des KFZ-Verkehrs andere Optionen (Laufen, Radfahren, Bahnen und sogar Busse) attraktiver werden.
    Das führt dann neben deutlich weniger Lärm und Emmisionen auch noch dazu dass der restliche Verkehr flüssiger läuft: Nicht nur weil weniger Fahrzeuge unterwegs sind, sondern auch weil durch die reduzierte Anzahl an Fahrzeugen und das reduzierte Tempo Lichtsignalanlagen durch andere Verkehrsregelungen (z.B. Kreisel,..) ersetzt werden können.

    @Ullie
    Wie begründest du denn eine Reduktion der Spuren (bei ausreichendem Platz für alle Verkehrsteilnehmer) und womit soll der entstehende Platz gefüllt werden?


    In Hamburg gibt es ja gerade die Aktion des ADFC der Leute dabei unterstützt Tempo 30 "vor ihrer Haustüre" zu fordern, vieleicht wäre das auch was für Hannover?

    Tempo 30 reduziert nicht nur dadurch die Abgasbelastung, dass energieschonender gefahren wird und Beschleunigungs- und Bremsvorgänge reduziert werden, sondern auch wie von dir beschrieben, andere Optionen attraktiver werden. Vor allem psychologisch dürfte das eine Rolle spielen. "Wenn ich eh' nur höchstens 30km/h fahren darf ..."

    In der Begründung heißt es in der Petition: "Seit Jahren belastet der stetig wachsende motorisierte Verkehr die hannoversche Innenstadt: statt den Ausbau des öffentlichen Nahverkehr zu intensivieren und den Bau breiter, sichtbarer Radverkehrsanlagen massiv zu fördern, wird am System „Auto“ festgehalten und immer mehr Verkehr in die City gezogen." Das heißt, durch die Reduktion von Fahrspuren entsteht Platz für breitere Radwege.

    Hab' mit grade die Hamburger ADFC-Aktion angesehen. Eine gute Idee! Werde mal im Hannoverschen Radfahrer-Forum darüber berichten! Es gab jedenfalls schon Aufrufe an Kita- und Schulelternvertretungen Tempo 30 einzufordern. Zum Teil ist das auch schon erfolgreich umgesetzt worden.

    Ich habe mir mal Gedanken darüber gemacht, welche Möglichkeiten es gibt den Radverkehr ohne lange andauernde Bautätigkeiten zu helfen. Was mir da Einfällt betrifft ironischer Weise meist den motorisierten Verkehr.

    Hallo Tillsten, gute Ideen, die ich hier nicht noch mal alle wiederholen möchte. Aber um einen Punkt ergänzen, der ein bisschen heikel ist:
    In Hannover gibt es neuerdings an einigen Ampeln gelbe Griffe, die man zum Festhalten benutzen kann, während man auf Grün wartet. Ferner wurden Haltegestelle an geeigneten Stellen aufgestellt, auf denen man auch sehr bequem einen Fuß abstellen kann.
    Heikel finde ich das deshalb, weil hier womöglich dem Radler das Warten schmackhaft gemacht werden soll.
    Ansonsten aber sind diese Einrichtungen ohne großartige Bautätigkeit schnell und bequem umsetzbar.

    Schädliche Auswirkungen des Autoverkehrs reduzieren - durch Tempolimit und Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer-freundliche Infrastruktur

    So etwa könnte die Zusammenfassung lauten für eine Petition, die von Hannoveraner Fahrrad-Aktivisten gestartet wurde.

    Stickstoffdioxidbelastung in Hannover senken! Jetzt!

    I. Einführung von Tempo 30 innerhalb des Cityrings und an den hochbelasteten Hauptverkehrsstraßen, sofort - durch Temporeduzierung den Giftausstoß senken

    II. mit Fahrverboten für den Autoverkehr den Radverkehr fördern: weniger Autoverkehr in der City, mehr Fußgängerzonen und Fahrradstraßen

    III. nur Straßen mit 2 Fahrbahnen dort, wo menschen wohnen - keine 4 oder noch mehr Fahrbahnen

    Was für Erfahrungen gibt es in Hamburg dazu? Wurde dort schon mal eine ähnliche Petition gestartet? Mögt ihr die Petition aus Hannover unterstützen?

    Hier geht's zur Petition mit ausführlicher Begründung:

    Gestern Abend habe ich mir mal (von der Festplatte) erstens "Das Märchen vom sauberen Auto" und anschließend "Autoland ist abgebrannt" angesehen. Ergebnis: Sowohl in Berlin, als auch in Brüssel richtet man sich nach den Vorgaben der Autolobbyisten. Nach allem, was in der erstgenannten Sendung über Dieselautos gesagt wurde, ist es in meinen Augen ein Verbrechen, dass diese Dreckschleudern überhaupt noch verkauft werden dürfen!

    Vor allem aber müssten die Verantwortlichen Politiker persönlich für die Massenvergiftungen durch Stickoxide, die sie verursachen, in den Knast wandern! Hier wurden und werden ganz bewusst die Bürger vergiftet! (Herr Dobrindt wollte sich dazu nicht äußern...).

    Was wurde in der Sendung denn zu Diesel-Omnibussen gesagt? Mein Eindruck: Bei modernen LKW und Omnibussen funktioniert die Abgasreinigung, weil regelmäßig add-blue (Harnstoff) nachgetankt wird. Bei Diesel-PKW funktioniert das nicht, weil zu wenig Harnstoff nachgetankt wird (nur bei der Inspektion alle paar 10.000 km).