Wie schon an anderer Stelle gesagt: Wenn ich hie und da Kritik am Elektro-Tretroller-Trend übe, dann geht es mir keineswegs darum, diese Mobilitätsform pauschal zu verteufeln.
Das besorgen andere: https://www.youtube.com/watch?v=z2-7cRimafE
In Minute 2:00 von 10:05 wird eine Studentin ins Spiel gebracht, die Fahrerin eines Cabrio.
Fast zwei Minuten lang wird die Cabrio-Fahrerin dann quasi als bedauernswertes "Opfer" eines Unfalles mit einem Elektro-Tretroller dargestellt.
Das Unfallereignis wird so geschildert:
An einer Kreuzung an der die Studentin mit ihrem Auto links abbiegen will, kommt von rechts entgegengesetzt der gebotenen Fahrtrichtung die Fahrerin eines Elektro-Tretrollers und fährt ihr in die Seite.
"Obwohl sie alles richtig macht", heißt es in dem Film, "hat sie keine Chance, das Schlimmste zu verhindern."
Da wäre ich mir allerdings nicht so sicher, ob diese Aussage, "Obwohl sie alles richtig macht", auch wirklich zutrifft. Aber lassen wir das mal bei Seite.
Geradezu agitatorisch wird der Filmbeitrag kurze Zeit später bei Minute 3:07 als Bilder von einer Unfallaufnahme gezeigt werden und die Sprecherin sagt: "Eine Helmpflicht hätte den Unfall wohl nicht verhindert, aber zumindest abgeschwächt."
Diese Aussage ist kompletter Quatsch, denn unabhängig von der Frage ob das Tragen eines Helms beim Fahrradfahren oder Elektrotretrollerfahren tatsächlich mögliche Unfallfolgen abschwächen kann, ist doch auch bei einer Helmtragepflicht noch längst nicht gewährleistet, dass dann tatsächlich auch Helme getragen werden. Vielmehr gibt es mit diesem Film einen weiteren Beleg dafür, dass es bei der Helmtragepflicht einzig und allein den Autofahrern darum geht, ihr schädliches Verkehrsverhalten schönzureden.
Besonders krass finde ich allerdings im Fall von diesem Agitationsfilm des Spiegels, dass er ausgerechnet eine Kabriofahrerin als vermeintliches "Opfer" eines Elektrotretrollerunfalles präsentiert wird, bei dem der Unfallgegner keinen Helm trägt.
Denn schließlich ist das Verdeck eines Kabrios keinesfalls vergleichbar mit dem relativ stabilen Blech eines Autodachs, so dass man also durchaus eine Helmtragepflicht für Kabrio-Fahrer*innen in Erwägung ziehen sollte. Schließlich spielen sich Unfälle mit solchem Fahrzeug häufig genug in einem deutlich höheren Tempo-Bereich ab.
Siehe zum Beispiel hier: "BMW rast in Cabrio: 48-Jähriger tot" https://www.youtube.com/watch?v=g57cq6g-zs8
Oder hier: "Schwangere Frau und Cabrio-Fahrer bei Frontalzusammenstoß verletzt" https://www.youtube.com/watch?v=h-b-IEl3qDk
Oder hier: "500er Mercedes SL Überschlag - Cabrio Fahrer schwer verletzt" https://www.youtube.com/watch?v=Go21aDtxWK8
In keinem einzigen der aufgezählten Unfälle mit Cabrio-Beteiligung wird auch nur angedeutet, dass die Fahrer*innen oder weitere Insassen der Cabrios durch einen Helm sich vor Verletzungen hätten sichern können.
Dass das offensichtlich ist, weiß jeder, der hin und wieder bei so was reinschaut:
"Formel 1 Helm-Technik erklärt" https://www.youtube.com/watch?v=SSnjV4t47EQ
Wenn jedoch ein Zweirad ins Spiel kommt, dass maximal 20 km/h schnell fahren kann, dann halten die Spiegel-Autoren Opfer-Bashing für angezeigt.
Die Autofahrer fühlen sich jedoch ziemlich sicher geschützt vor einer Helmplicht, zumindest glauben sie, sich da ein paar Späßchen erlauben zu können:
https://www.youtube.com/watch?v=1oqnDbbfomU
Wartet es nur ab Freunde der dröhnenden Motoren! Denn eines ist doch ganz klar:
DAS AUTO MUSS WEG!
Dann braucht es auch keine Helmpflicht für Autofahrer mehr.