"Das Auto muss weg!" ist eine Wahlkampfforderung. Damit lässt sich absolut nichts erreichen. Nichts! Wenn nicht vorher Alternativen gefunden werden.
Dennoch: Herzlichen Glückwunsch. So, wie über Ihre Beiträge ärgere ich mich selten.
Vielen Dank für Ihre Glückwünsche, aber seien Sie versichert, es liegt nicht in meiner Absicht, Sie zu ärgern.
Die Forderung "Das Auto muss weg!" ist auch keine Wahlkampfaufforderung. Ich glaube nicht, dass es eine Partei gibt, die damit Wahlkampf macht.
"Das Auto muss weg!", ist eine Forderung, die zunächst mal aus dem Bereich der außerparlamentarischen Opposition kommen muss. Es verhält sich möglicherweise ähnlich wie mit der Atomkraftnutzung. Auch da hieß es lange Zeit:
Mit der Forderung nach Abschaffung der Atomkraft, "Damit lässt sich absolut nichts erreichen. Nichts! Wenn nicht vorher Alternativen gefunden werden."
Dabei waren die Alternativen längst da und die Angst-Propaganda der Atomkraftbefürworter, "Atomkraftgegner überwintern bei Kerzenlicht mit kaltem Hintern.", hat letztlich nicht gefruchtet.
Allerdings stimme ich Ihnen zu, dass die Alternativen aufzuzeigen sind und auch sukzessive umzusetzen sind, gleichzeitig mit einem Rückbau der MIV-Infrastruktur.
1966 forderte der damalige Bundesverkehrsminister Georg Leber, „Kein Deutscher soll mehr als 20 Kilometer von einer Autobahnauffahrt entfernt leben.“
Dieses Ziel, das der sozialdemokratische Verkehrsminister Georg Leber im Jahr 1966 ausgab, ist schon fast erreicht. Die FAZ, aus der ich zitiert habe, nennt 2013 die Zahl, 94% der Bevölkerung leben nicht weiter als 30 Minuten vom nächsten Autobahnanschluss. https://www.faz.net/aktuell/wirtsc…rue#pageIndex_0
Es hat aber nicht zu einer nachhaligen Mobilitätsentwicklung beigetragen, dass so viele Menschen so dicht an Autobahnen wohnen, sondern im Gegenteil, zahlreiche Probleme erst verursacht.
Unter anderem deshalb, weil gleichzeitig das Schienen-Netz massiv zurückgebaut wurde, sowohl für den Güterverkehr als auch für den Personenverkehr.
Missverstehen Sie die Forderung das "Das Auto muss weg" nicht als eine einseitige nur auf "Ausmerzen" bedachte Forderung. Sondern als eine Aufforderung in andere Bahnen zu denken als "Autobahnen", dann hoffe ich sehr, können auch Sie sich der Forderung anschließen.
Tempo 60 für Landstraßen wird nicht dazu führen, dass sich ihre Reisezeit verdoppelt. Das würde ja bedeuten, dass sie derzeit Tempo 120 auf Landstraßen fahren, obwohl dort von Ausnahmen abgesehen ein generelles Tempolimit von Tempo 100 gilt. Und es ist auf vielen Landstraßen so, dass an gefährlichen Stellen immer wieder kürzere und längere Abschnitte mit max. Tempo 70 ausgeschildert sind. Das ist gar nicht so weit weg von Tempo 100!
Wenn Sie ferner die positiven Auswirkungen auf den Verkehrsfluss berücksichtigen, wird sich ihre Reisezeit nur unwesentlich verlängern.
Und es geht mit dabei auch gar nicht nur um die bereits gebauten Landstraßen und Bundesstraßen, sondern vor allem auch um die noch nicht gebauten, für die bereits die Pläne in der Schublade liegen durch Brückenbauwerke und Abbiegespuren an Kreuzungen, sowie durch Begradigungen langsame Landstraßen zu Tempo 100-gängige Landstraßen auszubauen oder ganz neue Straßen von vornherein Tempo-100-gängig zu bauen. Und Sie werden mir sicher zustimmen, dass eine Reduktion des Landstraßentempos erhebliche Einsparungen mit sich bringt, Geld das sinnvoll in den Ausbau des Schienennetzes investiert werden kann. Es bestehen große Kosten-Unterschiede bei Herstellung und Erhaltung von Straßen abhängig von dem Tempo, das darauf gefahren werden soll.
Die Alternativen können übrigens nicht "vorher" gefunden werden. Es ist nicht möglich, erst das Schienenetz auszubauen und erst dann, wenn eine perfekte Doppelstruktur geschaffen wurde, mal zu sehen, für was sich die Leute so entscheiden. Es muss eine klare nachhaltige und zukunftsfähige Linie verfolgt werden. Und die kann nicht heißen, noch mehr Autobahnen bauen, bis jeder Bundesbürger den Autobahnanschluss direkt vor seiner Haustür hat, sondern vielmehr: "Das Auto muss weg!"
Frankreich hat übrigens vor einigen Monaten eine Reduktion des Landstraßen-Tempos von generell max. 90 auf max. 80 beschlossen! Trotz erheblicher Proteste von Seiten der Autolobby. Geht doch!