Zunächst mal die Hinfahrt zur Diskussionsveranstaltung: Da ist man doch sofort entsprechend "geladen", wenn man an dieser Baustellenabsicherung in der Zeppelinstraße vorbeifährt. Vorbei deshalb, weil da kann man einfach nicht ernsthaft den Versuch wagen, da reinzufahren:
Wurde von mir schon vor Monaten angemahnt bei der Stadt, aber keine Reaktion.
Hier ein paar Eindrücke von der Diskussionsveranstaltung:
Eckard Scholz, der Kandidat der CDU, der sich aber auf den Wahlplakaten sehr dezidiert als parteiunabhängiger Kandidat darstellt, war sehr bemüht, nicht den ehemaligen Automanager raushängen zu lassen, der er ist. Sein Schwerpunkt: Radverkehr-Ausbau kostet viel Geld und nur er sei wirklich in der Lage, das zu organisieren, dass diese Gelder bereit gestellt und auch ausgegeben werden. Er benutzte die Veranstaltung, um sich über Misserfolge der hannoverschen Bauverwaltung lustig zu machen. Kam damit aber nicht besonders gut an.
Iyabo Kaczmarek, sie ist wirklich eine parteiunabhängige Kandidatin, betonte die Notwendigkeit, dass die Bürger in den Dialog treten müssten und präsentierte sich selbst als die Oberbürgermeisterkandidatin, die dazu in der Lage ist, das zu organisieren. Konkret forderte sie, Stadtteile nur noch für dort Wohnende zum Parken frei zu geben (Anwohnerparkzonen) als einen ersten Schritt, um die Autoflut zu dämmen unbd Platz für den Radverkehr zu schaffen.
Ecki Scholz (CDU) und Iyabo Kaczmarek (perteiunabhängig).
Jessica Kaußen von den Linken gefiel mir am besten, weil sie im Kampf gegen das Auto an die Fridays for Future Bewegung als Bündnispartner erinnerte. Niemand von den anderen Kandidaten hielt es auch nur für nötig, FFF zu erwähnen. Außerdem führten ihre Aussagen dazu, dass die Moderatorin ihr eine "autofeindliche Haltung" attestierte, leider wimmelte Jessica Kaußen an dieser Stelle ab. Wenn sie gesagt hätte: "Ja ich bin autofeindlich und das ist gut so", hätte sie meine Stimme bei der Wahl ganz sicher gehabt!
Jessica Kaußen (Die Linke).
Belit Onay ging zweifelsfrei am weitesten mit konkreten Forderungen um den Autoverkehr einzudämmen, so dass der Radverkehr zum Zuge kommen kann. Er forderte erneut die autofreie Innenstadt und in der Fahrradstraße Lange Laube sollen nur noch Lieferfahrzeuge Stellplätze haben. Dort gibt es sehr viel Parksuchverkehr, so dass von einer Fahrradstraße nicht wirklich die Rede sein kann. Er erhielt von allen Kandidat*innen den meisten Beifall.
Marc Hansmann plädierte am deutlichsten für sichere Hochbordradwege, er hat ja auch diese Familie mit Fahrradhelmen auf dem Kopf auf seinen Plakaten. Er nutzte die Gelegenheit auch noch auf ein ÖPNV-Ausbau-Projekt hinzuweisen, das ihm wichtig ist: Die Verlängerung der Linie 10 in die Sallstraße hinein bis zum Bismarckbahnhof. Und er profilierte sich als der SPD-Politiker, der zum ökologischen Teil der Partei zähle und der der Partei entsprechende Zusagen abgerungen habe als Voraussetzung für seine Kandidatur. Das hat ihm jedoch niemand im Publikum abgenommen und wenn man die Einlassungen des niedersächsischen Ministerpräsidenten Weil von der SPD hört, dann kann man das auch nicht ernsthaft glauben. Weil hatte vor wenigen Tagen vor allzu drastischen Maßnahmen zum Klimaschutz gewarnt, wie etwa ein Verbot von Verbrennungsmotoren, weil sonst Gelbwestenproteste auch in Deutschland drohten.
Belit Onay (Grüne) und Marc Hansmann (SPD).
Auf dem Nachhauseweg der nächste Frust über hannoversche Fahrradverkehrsinfrastruktur. Der Schutzstreifen in der Münzstraße ist zwar ausreichend breit, wird aber trotz eindeutiger Rotmarkierung und Piktogramme immer wieder zum Halten und Parken missbraucht:

Es gibt einen Live-Blog von der Podiumsdiskussion auf dieser Internetseite: https://www.adfc-hannover-forum.de/