Diese Argumentation ist, mit Verlaub, Scheiße. Die ursprüngliche Frage war eine völlig berechtigte: Wie sieht es am Ende der Kette im Ländlichen Raum aus, wo lange Zeit kein Fahrgast unterwegs ist. Dagegen mit einem zugeparkten Großparkplatz zu argumentieren ist Mist.
Und das hier ist auch Mist. Auf dem Land gibt es grob drei Typen von Menschen die mobil unterwegs sind. Das sind erstens die, die auf dem Land leben und weiter weg pendeln um zu arbeiten/Schule zu gehen. Dann gibt es die, die dort arbeiten wo sie wohnen und nur zum Einkaufen weg müssen. Und schließlich gibt es die, die nur teilzeit dort leben und hin und her pendeln.
Wir reden zwar vom ländlichen Raum und da gibt es auch Misthaufen, aber darüber reden wir nicht, sondern über ÖPNV auf dem Land.
Versuchen Sie doch mal folgendes Gedankenspiel: Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Autos, also zumindest nicht in der heute weit verbreiteten Form von den sehr zahlreichen Privat-PKW's.
Wie sollte im ländlichen Raum dann Mobilität organisiert werden?
Ich habe den Eindruck, dass im Falle, dass dieses Thema angesprochen wird, viele versuchen technische Innovationen wie selbstfahrende Autos, die von allen genutzt werden, in den Vordergrund zu stellen.
Dabei spricht vieles dafür, dass das klassische System von Omnibussen und Schienen-gebundenen ÖPNV komplett unterschätzt wird.
Alleine schon die vielen stillgelegten Bahnstrecken, sprechen dafür, denn viele davon wurden zu einer Zeit, eingerichtet als es nur ganz wenige Menschen gab, die über ein eigens Auto verfügten. Mobilität war trotzdem möglich!
Zum Beispiel mit der Straßenbahn. Hier ein Bild von einer stillgelegten Schienenstrecke bei Rinteln, auf denen heute mit Draisinen gefahren werden kann, auf der früher aber auch Straßenbahnen verkehrten:
Die drei von Ihnen genannten Typen von Menschen im ländlichen Raum, ergänzen sich doch hervorragend. Auf jeden Fall die ersten beiden Typen. Die einen pendeln jeden Tag zur Schule und zur Arbeit und fahren in vollen Bussen, in denen nicht nur die Sitzplätze, sondern auch viele Stehplätze in Anspruch genommen werden.
Tagsüber sind Menschen unterwegs, die nicht unbedingt auf eine Verbindung in den Verkehrsspitzen angewiesen sind. Hier dürften auch Rentner*innen eine nennenswerte Gruppe sein.
Die freuen sich über die freien Sitzplätze, die außerhalb der Verkehrsspitzen zur Verfügung stehen.
Und ja, ganz sicher wird es auch Fahrten geben, bei denen nur wenige Plätze besetzt sind. Aber die Effizienz eines Omnibusses darf man nicht alleine an diesen Fahrten festmachen. Auf die durchschnittliche Auslastung über den ganzen Tag betrachtet kommt es doch an!
Und dann gibt es noch solche Innovationen, die übrigens keineswegs ganz neu sind, wie diesen Omnibus mit Anhänger, den ich in Marburg fotografiert habe:
Im Vergleich zu einem Gelenkbus besteht bei einem Omnibus mit Anhänger der Vorteil, dass der Anhänger außerhalb der Verkehrsspitzen abgekoppelt werden kann.
Hier ein Link zu einem Foto aus dem entsprechenden Wikipedia-Artikel. Das Foto zeigt einen Omnibus mit Anhänger von vor 110 Jahren!
https://de.wikipedia.org/wiki/Busanh%C3…A4nger_1910.jpg
Es gibt aber auch sehr viele moderne Varianten. Hier ein weiterer Link zu einem Bild aus dem Wikipedia-Artikel zum Thema Busanhänger: