Beiträge von Ullie

    Danke, Du warst 5 Minuten schneller als ich. Ich hätte es auch nicht gewusst, aber es stand heute auf Spiegel online.

    Es ist also schlichter Pragmatismus. Die haben Daten, ob die Läden größer oder kleiner als 800 sind, und können auf dieser Grundlage entscheiden. Ob ein Laden 697 oder 703 - oder aber 975 oder 1.023 hat, weiß keine Behörde ...

    Auf der Internetseite der nds. Landesregierung wurden die 800 m² so begründet: "

    Warum dürfen Geschäfte nur bis 800 qm genutzter Verkaufsfläche öffnen?

    Auch die 800 qm Grenze hat einen tieferen Grund: Die Rechtsprechung zu dem in § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 der Baunutzungsverordnung (BauNVO) genutzten Begriff „großflächige Einzelhandelsbetriebe“ sieht seit einem Grundsatzurteil des BVerwG vom 24.11.2005 Einzelhandelsbetriebe dann als großflächig an, wenn sie eine Verkaufsfläche von 800 qm überschreiten."

    https://www.niedersachsen.de/Coronavirus/an…faq-186686.html

    Es ist spannend zu beobachten, dass Gerichte im Falle von Corona-bedingten Einschränkungen den Betreibern großer Einkaufsmärkte zustimmen, die sich dadurch benachteiligt fühlen: "Auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hält die 800m²-Beschränkung für rechtswidrig. Dies hat der VGH heute (27.04.2020) entschieden. Die 800m²-Beschränkung stelle eine gleichheitswidrige Benachteiligung größerer Geschäfte gegenüber kleineren Geschäften dar, die verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigt sei. Das Gericht stellte die Unvereinbarkeit der Regelung mit den verfassungsrechtlichen Vorgaben fest, setzte die Vorschrift jedoch wegen der Pandemie-Notlage ausnahmsweise nicht außer Kraft." https://www.noerr.com/de/newsroom/ne…ndlungen-drohen

    Seit Beginn der Corona-Berichterstattung hat der Podcast mit Drosten sich großer Beliebtheit erfreut und bei vielen Zuhörern und Zuschauern Anklang gefunden. Zur Ladenöffnungsorgie sagt Drosten: "Top-Virologe Christian Drosten begleitet und erklärt Deutschland die aktuelle Lage. Umso alarmierender klingt es, was der Experte jetzt sagt: Deutschland ist dabei, das bisher Erreichte bei der Corona-Bekämpfung zu verspielen. Der Virologe kritisiert die Ladenöffnungen und sieht fatale Folgen, sollten Interpretationsspielräume der neuen Bestimmungen ausgenutzt werden." focus vom 25.4.2020 https://www.focus.de/gesundheit/new…d_11911783.html Es kann sein, dass Drosten sich täuscht und die Folgen, die er befürchtet nicht eintreten. In einem aber täusche ich mich ganz bestimmt nicht:

    Politik, Verwaltung und Gerichte lassen es durchgehen, dass um der Geschäftemacherei willen riskiert wird, die Corona-Infektionszahlen so weit nach oben zu treiben, dass ein Desaster droht. Gleichzeitig wird der Bevölkerung auferlegt, nur noch mit Schutzmasken einkaufen zu gehen und Bahn zu fahren. Diese Schutzmasken aber werden nicht in einer bewährten Qualität zur Verfügung gestellt, sondern jeder soll selber sehen, wie er irgendetwas schutzmaskenmäßiges sich organisiert oder zusammenbastelt. Und trotzdem es gar keine richtige Kriterien für eine funktionsfähige Schutzmaske gibt, sollen diejenigen, die keine tragen ab nächste Woche mit 150 Euro zur Kasse gebeten werden. "

    In Mecklenburg-Vorpommern sei bei Verstößen gegen die Maskenpflicht künftig ein Bußgeld in Höhe von 25 Euro möglich, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Das Bundesland Hessen, wo die Maskenpflicht ebenfalls am Montag in Kraft tritt, will wiederholte Verstöße mit einem Bußgeld von 50 Euro belegen, so die Staatskanzlei in Wiesbaden.

    In Bayern hingegen können Verstöße gegen die Mundschutzpflicht wesentlich teurer werden. Das gehe aus dem aktualisierten Bußgeldkatalog hervor, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. "Wenn es jemand nach zwei, drei Tagen immer noch nicht kapiert hat, muss er damit rechnen, mit 150 Euro Bußgeld belegt zu werden", so Innenminister Joachim Herrmann."

    Als ich am Freitag im Kundencenter des Nahverkehrsunternehmens meines Vertrauens (das gerade dabei ist schneller abzuschmelzen als Gletscher- und Pol-Eis) nach Schutzmasken fragte, damit ich auch Montag noch Bus und Bahn benutzen kann, wurde ich dort behandelt, als hätte ich da eine völlig maßlose und freche Forderung gestellt. "Eine Schutzmaske müssen sie sich selber besorgen, dafür sind wir nicht zuständig." Und das war die höfliche Zusammenfassung.

    Das Schlimme ist: Obwohl ganz offensichtlich völlige Willkür regiert, es existieren keine festgesetzten schlüssigen Kriterien für die Beschaffenheit des Mundschutzes, die Bußgeldunterschiede sind bis zu 800 % (25 Euro in Mecklenburg-Vorpommern, 150 Euro in Bayern) und obwohl die wissenschaftliche Evidenz für die Schutzfunktion fehlt oder zumindest sehr stark widersprüchlich ist, wird auf die am stärksten Benachteiligte, die am ehesten auf den ÖPNV angewiesen sind mit drakonischen Strafen "eingeprügelt", während Politik, Verwaltung und Gerichte die Geschäftsinhaber Reibach machen lassen, obwohl sie damit alle gefährden.

    Es ist selbstverständlich außerordentlich wünschenswert, dass die jetzt erfolgten Ladenöffnungen nicht zu einem Desaster führen, aber es gibt keinen vernünftigen Grund, einen solchen Höllenritt zu veranstalten und dabei auch noch einmal mehr diejenigen zu schröpfen, die ohnehin schon benachteiligt sind.

    Das allermindeste wäre doch zum Beispiel, wenn die Nahverkehrsunternehmen anstatt Fahrkarten zu verkaufen, stattdessen Mund-Nasenschutze zum Selbstkostenpreis verkaufen, die dann als Fahrkarte gelten. So wie es jetzt geregelt ist, werden Bus- und Bahnfahrgäste doppelt zur Kasse gebeten, für den Mundschutz, und die sind derzeit nicht billig, und die Fahrkarten.

    Schätze dich glücklich DMHH, dass man euch Radfahrern in Jena nur so kleine Corona-bedingte Schwenker zumutet. In Hannover wurde eine auf den Vorplatz, Bürgersteig und Radweg vorgelagerte Notaufnahme an einem Krankenhaus eingerichtet und die Radfahrer*innen müssen jetzt die Straßenseite wechseln und auf dem ansonsten nur für eine Richtung freigegebenen Radweg in entgegengesetzter Richtung fahren.

    Es ist anscheinend, scheinbar oder was auch immer nicht so leicht hier beim Thema zu bleiben. Zur Nichtverbreitung von SARS-CoV-2 und Covid19 sollen jetzt ÖPNV-Fahrgäste mal so richtig zur Kasse gebeten werden. Siehe die Welt vom 26.4.2020: "Wo die Maskenpflicht auch für Kinder gilt - und wo sogar Bußgelder drohen" https://www.welt.de/print/die_welt…geld-droht.html

    "Demnach werden bei fehlendem Mund-Nase-Schutz in Bussen, Bahnen und Geschäften 150 Euro fällig.", heißt es in dem Welt-Artikel. Und das obwohl namhafte Mediziner nach wie vor davor warnen, eine Maskenpflicht einzuführen, wie sie ab Montag in Deutschland gelten soll.

    Immerhin: So wie es aussieht, scheinen Radfahrer*innen bislang zumindest weiter ohne Maske fahren zu dürfen.

    Allerdings müssen auch die Teilnehmer einer Autofahr-Gemeinschaft, auch dann, wenn die Teilnehmer nicht im selben Haus wohnen für die gemeinsame Fahrt im engen PKW keine Schutzmaske tragen. https://www.focus.de/auto/experten/…d_11923586.html

    Und das ist doch reichlich absurd, denn die Arbeitgeber dieser Fahrgemeinschaft müssen ihrerseits wieder zahlreiche Auflagen erfüllen, rund um Maskenpflicht und Abstand halten erfüllen. Aber was nutzt das, wenn die Belegschaft gemeinsam in einem engen Automobil anreist, anstatt sinnvollerweise aufs Rad umzusteigen, wo die viele viele bewegte Luft für Virenarmut sorgt.

    Es ist hochemotional wie das Thema Schutzmaskenpflicht derzeit diskutiert wird.

    Da lohnt es sich, einen Blick ins europäische Ausland zu werfen:

    "Masken-Rebellen müssen jetzt 25 Euro Strafe zahlen" titelt die österreichische Tageszeitung "heute" vom 10.4.2020.

    Wer sich also an die Empfehlungen der WHO hält und an das was zum Beispiel der Präsident des Weltärztebundes empfiehlt, der wird in Österreich zum "Masken-Rebellen" erklärt und zur Kasse gebeten. Der Präsident des Weltärztebundes auf tagesschau.de "Wer eine Maske trage, werde durch ein trügerisches Sicherheitsgefühl dazu verleitet, den "allein entscheidenden Mindestabstand" zu vergessen, sagte Montgomery ..."

    https://www.tagesschau.de/inland/corona-mundschutz-101.html

    Dagegen gilt in der Schweiz nach wie vor keine Maskenpflicht: "Eine allgemeine Maskentragpflicht hält der Bundesrat nach wie vor für den falschen Weg, weil Masken zur Missachtung der Hygieneregeln verleiten könnten. Wichtiger sei nach wie vor, die geltenden Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten.", berichtet das Schweizer Internet-Nachrichtenportal Bluewin vom 22.4.2020. https://www.bluewin.ch/de/news/intern…usa-383051.html Peter Jüni, klinischer Epidemiologe an der University of Toronto erläutert in einem interessanten Video seine Aussage zur Schutzmaskenpflicht im Schweizer Fernsehen in der Nachrichtensendung SRF News: "Masken in der Allgemeinbevölkerung sind ein Witz. Sie machen vielleicht sogar alles noch schlimmer." https://www.facebook.com/srfnews/videos/329949054629573/

    In dem Video, "Masken für die Allgemeinbevölkerung? Was ist die wissenschaftliche Evidenz?", vom 9.4.2020 erläutert Peter Jüni seine Aussage, dass das Maskentragen in der Allgemeinbevölkerung ein Witz sei, noch mal ausführlicher:

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    Andererseits erleben wir gerade, wie schnell sich gesellschaftliche Änderungen vollziehen können. Wer gestern noch aufgrund eines Stückes Tuches im Gesicht als vermummter Straftäter bei einer Demo galt oder als extremistische Muslimin verdächtigt wurde, kann sich heute glücklich schätzen.

    Wer jedoch ohne ein Stück Tuch im Gesicht herumläuft, das ja erst ab Montag und nur in Geschäften und in ÖPNV-Verkehrsmitteln vorgeschrieben ist, der wird schon seit ein paar Tagen im freien Raum auf Plätzen oder Bürgersteigen mit Vorwürfen konfrontiert, er verhalte sich leichtsinnig.

    Von den Einen bekommt man dann unter einem dicken Schal hervor zugenuschelt, man verhalte sich komplett leichtsinnig wenn man ohne Mund-Nasen-Tuch draußen rumläuft, weil die Gefahr doch viel zu groß sei, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Das sind dann in der Tonlage so ähnliche Kommentare wie man sie zu hören bekommt, wenn man ohne Helm Fahrrad fährt. Oft sehr viel schärfer sind die Kommentare, die in die Richtung gehen, dass man sich ohne Vermummung doch komplett "assozial" verhalte: "Du verhältst dich doch komplett assozial, weil du gar nicht wissen kannst, ob du gerade das Corona-Virus - ohne es zu wissen - weiterverbreitest, denn die Anzeichen deiner Erkrankung treten erst später auf." Den Ersten entgegne ich dann gerne mit Hinweis auf die Zweiten, dass ich die Gefahr für größer halte, gelyncht zu werden als am Coronavirus zu sterben, wenn ich weiter ohne Vermummung rumlaufe. Die Zweiten sind mir zu gefährlich, da sehe ich lieber zu, schnell Land zu gewinnen.;)

    Wer wissen will, wie es in der Schweiz weitergeht, der möge sich doch am Montag mal den "Point de presse" des Schweizer Bundesrates anhören.

    (Ein Bundesrat in der Schweiz ist vergleichbar mit einem Bundesminister in Deutschland. Alle Bundesrätinnen und Bundesräte zusammen nennen sich wiederum Bundesrat, vergleichbar mit dem Bundeskabinett in Deutschland.)

    Ich finde diese Pressekonferenzen recht entspannend und habe den Eindruck, dass die Schweizer weniger aufgeregt agieren. Man kann die Points de presse auf Youtube sehen. Hier der Link zur letzten am 24.4.2020:

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    Abgesehen von der (begrenzten) Schutzfunktion hat Drosten am Anfang mal gesagt, dass das Tragen einer Gesichtsmaske vor allem ein symbolischer Akt ist, mit dem man deutlich macht, dass man die Situation ernst nimmt und andere Menschen schützen mag. Ob sich diese mit dem freiwilligen Tragen der Maske verbundene Rücksicht verordnen lässt, wage ich zu bezweifeln. Es ist wohl eher zu befürchten, dass das bei einigen Mitmenschen auch zu mehr Sorglosigkeit führen wird. Sowohl was das Einhalten der Abstände angeht, als auch generell bei der Frage, wann es tatsächlich notwendig ist, die eigene Wohnung zu verlassen.

    Nicht nur Drosten warnt vor unliebsamen Nebenwirkungen: "Bei Experten sorgte die neue Regelung für Kritik. Weltärztepräsident Ulrich Montgomery sagte unserer Redaktion, eine gesetzliche Maskenpflicht könne es nur für echte Schutzmasken geben – eine Pflicht für Schals oder Tücher sei „lächerlich“. Zugleich verwies er darauf, dass man derzeit noch alle „echt wirksamen Masken“ für das medizinische Personal, für Pflegende und Gefährdete brauche."

    https://rp-online.de/nrw/panorama/c…ch_aid-50181889

    Gerade im Hinblick darauf, dass die "selbstgebastelten Pseudo-Schutzmasken" nicht nur nichts nutzen, sondern sogar gefährlich werden können, ist es meines Erachtens sehr wichtig, dass Geschäfte und ÖPNV-Betreiber sichere Einmal-Schutzmasken kostenlos der Kundschaft und den Fahrgästen zur Verfügung stellen. Die "Jena-Methode" jedenfalls halte ich für ungeeignet in Verbindung mit einer Maskenpflicht. In Jena wurde lediglich die Bevölkerung aufgefordert, sich selbst "Schutz-Masken" zu basteln. Das ist ungefähr so, als würde man es Motorradfahrern, für die ja eine Helmpflicht gilt, es selbst überlassen, ob sie sich einen sicheren und vorschriftsmäßig geprüften Helm oder einfach nur einen Kochtopf auf den Kopf setzen.

    Derweil wurden in Nürnberg zwischendrin die Kosten für das Parken in der Innenstadt aufgehoben (https://www.nordbayern.de/region/nuernbe…hren-1.10008568 ), damit mehr Menschen Auto und weniger ÖPN benutzen (wobei ich zugebe, dass dies inzwischen wieder aufgehoben ist). Und die Stadt versucht ein neues Autokino in Betrieb zu nehmen (https://www.br.de/nachrichten/ba…ernberg,Rwr8Lgv ). Das Alte wurde vor Jahren geschlossen, weil es kein Mensch braucht, inzwischen soll eine Neuauflage für Unterhaltung sorgen.

    Ich beobachte das auch schon seit länger, dass sich die Skepsis gegenüber der ÖPNV-Nutzung immer mehr steigert. Mal schauen wie sich da die Maskenpflicht auswirken wird. Entweder wird dadurch der ÖPNV noch unattraktiver oder es wird honoriert, dass eine Maskenpflicht nun gilt, weil es das Sicherheitsgefühl begünstigt. Bislang habe ich noch nichts darüber gelesen, wie sich das in Jena entwickelt hat. Die Stadt Jena hat ja schon länger eine Maskentragepflicht im ÖPNV.

    obelix Einfach machen, so wie du es da beschreibst, das kann auch gefährlich nach hinten losgehen. Das sieht man aktuell gerade an der Maskenpflichtdiskussion. Die wird ja längst nicht mehr darüber geführt, ob das Tragen einer Maske einen Schutz zusätzlich zur Abstands-Regel bietet.

    Vielmehr findet gerade gleichzeitig zur Öffnungsdiskussions-Orgie eine Maskenpflichtdiskussions-Orgie statt, bei der es nicht um eine Maßnahme zur Eindämmung der Corona-Ausbreitung geht. Stattdessen geht es in dieser Diskussion, die zum Teil mit ganz harten Bandagen geführt wird, so zu, dass jemand, der die Sinnhaftigkeit einer Maskenpflicht anzweifelt, zum Spielverderber erklärt wird, der die Geschäftsleute in den Ruin treiben will.

    Dabei gibt es gute Gründe von der Maskentragepflicht abzusehen. Aber eine Landesregierung nach der anderen kippte um vor der Meinungsmache der Masken-Befürworter. Die hatten es freilich leicht, weil immer wieder über die angeblich zögerliche Haltung der Politik geschimpft wird, die sich nicht traut auch mal unpopuläre Maßnahmen anzuordnen, um die Corona-Pandemie einzudämmen.

    Sollte die gegenwärtige Öffnungs-Strategie sich jedoch trotz Masken-Pflicht als großer Rückschlag entpuppen im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus, dann werden wir erleben, dass die Politik gezwungen ist, erneut Geschäfts-Schließungen anzuordnen. Dann werden möglicherweise einige Maskenträger von heute, die über die zögerliche Politik schimpfen ganz anders argumentieren und über eine Politik schimpfen, die sich traut erneute Geschäftsschließungen anzuordnen, um die Kontaktbeschränkungen zu gewährleisten.

    Warum also diese Ungeduld? Warum mit großzügigen Geschäftsöffnungen nicht noch ein paar weitere Wochen abwarten? Und auch mit der Maskenpflicht abwarten? Zumal immer noch Schutzmasken fehlen im Medizinbetrieb.

    Was anderes ist es, beim Fahrradfahren selbstbewusst seinen Platz auf der Fahrbahn zu beanspruchen, der einem ja auch gesetzlich zusteht. Da müsste allerdings auch sehr viel mehr Aufklärungsarbeit laufen, über die tatsächlich geltenden Regeln. Denn leider verhält es sich hier so, dass viele Autofahrer sich sagen. "Einfach selbst machen." Und das bedeutet dann aus Autofahrersicht: Wir hupen die Radfahrer an und fahren dicht an ihnen vorbei, wenn die sich erdreisten die Gesetzeslage so "auszunutzen", dass sie mein zügiges Fahren als Autofahrer behindern.

    Den Wanderstock als "sperrigen Gegenstand", zu interpretieren ist allerdings ein bisschen weit hergeholt. Dann könnte man sich ja auch gleich ein Gehzeug umhängen. https://pbs.twimg.com/media/DdygRKFV0AA3hNc.jpg * Das macht auch Sinn, aber sollte doch besser auf organisierte Protestaktionen stattfinden als im Alltag. Es gibt aber auch noch die Option Handwagen:

    Das verlinkte Bild ist von einer Gehzeug-Demo in Stuttgart. https://twitter.com/hashtag/gehzeug Möglicherweise ist das auch eine Form einer Corona-Schutzmaßnahmen-konformer Demonstration. Wenn Geschäftsöffnungen unter Auflagen tatsächlich wieder für möglich gehalten werden, dann gibt es aber auch keinen Grund Demonstrationen länger zu verbieten. Ich sehe allerdings beides kritisch. Genaueres werden wir jedoch erst in rund zwei Wochen wissen.

    In den nächsten Wochen soll die Schweizer Wirtschaft schrittweise wieder hochgefahren werden. Von einer allgemeinen Maskenpflicht sieht der Bundesrat – anders als etwa Österreich – vorerst ab.
    Darüber berichtet 20 Minuten am 19.4.2020. Und auch darüber, dass laut Befragungen eine Mehrheit der Schweizer die Maskenpflicht einfordern.

    https://www.20min.ch/schweiz/news/s…euscht-22881534

    In der heutigen Corona Pressekonferenz des Schweizer Bundesrates wurde von einer Journalistin danach gefragt warum die Schweizer keine selbstgenähten Masken tragen sollen.

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    Es fiel den Sprechern der Pressekonferenz nicht leicht das zu erklären. Letztlich lief es darauf hinaus, dass gesagt wurde, dass zuerst professionell angefertigte Mund-Nasen-Bedeckungen in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, bevor man damit beginnt, das Tragen zu empfehlen.

    Mein Eindruck ist:

    Das Tragen einer Maske wird schon seit einigen Tagen nicht mehr unter dem Aspekt diskutiert, dass damit ein zusätzlicher Schutz gegeben ist, der eine zu schnelle Ausbreitung des Corona-Virus verhindert. Vielmehr wird immer unverblümter das Tragen von Schutzmasken propagiert, um damit die "Öffnungsdiskussionsorgien" zu befeuern.

    "Wir haben doch jetzt genug Masken und wenn nicht, dann nähen wir uns halt selber welche, Hauptsache es werden jetzt endlich wieder alle Konsumtempel geöffnet. Lieber gehe ich mit Maske zum Einkaufsbummel als ohne Maske zu einem Spaziergang im Grünen.", scheint da bei vielen die Maxime zu sein.

    Ich halte trotzdem gegen, auch wenn es manche nicht so gerne hören.

    Das Wichtigste ist nach wie vor Kontaktbeschränkung und Abstand halten beim Einkaufen zum Beispiel.

    Und in vielen Supermärkten klappt das auch hervoragend, wenn eine strikte Einlassbeschränkung stattfindet.

    Normalzustand: Lange Warteschlangen an der Kasse. Jetzt, dank Corona-Schutzmaßnahme, bildet sich Schlange vor dem Supermarkt. Ist man erst mal drin, dann hat man mehr Platz als sonst und auch keine Schlangen an der Kasse und ist so schnell wieder draußen.

    Besonders hilfreich ist, wenn aufmunternde Lautsprecherdurchsagen und Plakate darauf hinweisen, zügig seine Einkäufe zu erledigen.

    Ich befürchte, dass "dank" Maskenpflicht bald wieder sehr viel mehr Kunden eingelassen werden und die Abstandsregel nicht mehr eingehalten werden kann. Schade.:(

    Aber vielleicht sind meine Befürchtrungen ja auch unbegründet? Wenn in vierzehn Tagen das Infektionsgeschehen weiter abgeflacht ist, trotz der vielen zusätzlichen Ladenöffnungen und sonstigen so genannten "Lockerungen", dann wäre das ein Hinweis, dass meine Befürchtungen möglicherweise unbegründet sind.

    Der Vorgang erinnert mich an die Diskussion über besonders große, schwere und PS starke Autos. Da wird dann auch gerne behauptet, dass das Fahrzeug doch weniger Benzin verbrauche als das Fahrzeug der Generation davor, weil es doch ein Elektrofahrzeug sei.

    Ich hatte heute auch Drostens Podcast gehört.

    Erst Merkels Vorwurf von der Öffnungsdiskussionsorgie, jetzt Drosten.

    Und ausgerechnet Österreich hat bereits die Wiedereröffnung von Gastronomiebetrieben in Aussicht gestellt.

    Nun also doch Krankschreibung per Telefon-Anamnese weiterhin möglich. Siehe FR-Update vom 20.02.2020, 16.26 Uhr: "Nachdem die Sonderregelung zur telefonischen Krankschreibung vergangene Woche nicht verlängert wurde, hat es viel Kritik gegeben. Nun gab es eine überraschende Wende. Wie der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses im Gesundheitswesen (G-BA), Josef Hecken, mitteilt werde die Sonderregelung in der Corona-Krise nun doch verlängert."

    Zu den Geschäftsgrößen hatte Merkel selbst gesagt: "Die (die Zahl 800) ist aber nicht wesentlich dadurch zustande gekommen, dass man sagt: Mit 1000 Quadratmetern kann einer kein Schutzkonzept erstellen. Sie ist vielmehr mit der Frage verbunden: Wie viele Läden sind das dann, und was bedeutet das auch mit Blick auf den öffentlichem Personennahverkehr und alles, was darum herum liegt?" (Das steht im 59. Absatz, in dem Teil, in dem die Journalisten Fragen stellen, das Dokument ist leider nicht irgendwie nummeriert.)

    Weil die Leute eben nicht von der "Magnetwirkung" der großen Geschäfte angelockt werden sollen, finde ich es auch unverantwortlich, dass die Betreiber größerer Geschäfte es durchsetzen konnten, dass auch sie öffnen dürfen, wenn sie ihre Verkaufsfläche auf unter 800 Quadratmeter reduzieren. Und das hat jetzt gar nichts damit zu tun, dass ich ein Fan von kleinen "inhabergeführten" Geschäften wäre. Aber es ist für mich eines von vielen Beispielen an denen deutlich wird, dass die hemmungslose Geschäftemacherei mal wieder über alles andere gestellt wird, was überlebenswichtig ist.

    Schließlich lesen die Leute in der Zeitung z. B.: Saturn macht auf. Und das ist für ganz viele Menschen das Signal sofort voll durchzustarten. Und die lesen nicht: Saturn macht auf, aber nur auf reduzierter Verkaufsfläche. Es ist mit sehr langen Schlangen am Eingang zu rechnen, bitte verschieben Sie ihre weniger wichtigen Einkäufe noch um ein paar Wochen. Falls das, was ich da in Rot geschrieben habe, überhaupt irgendwo angekündigt wird.

    Mal abwarten, wie's morgen läuft. Vielleicht sehe ich ja auch zu sehr schwarz und die allermeisten Leute sind tatsächlich so vernünftig, nicht in die Stadt zu stürzen als sei erster Adventssonntag und Winterschlussverkauf auf einmal.

    Diesen Absatz aus dem von dir verlinkten tagesspiegel-Artikel finde ich richtungsweisend für die weitere Diskussion: "So sind beispielsweise Bars, Cafes und Restaurants unter Auflagen geöffnet und werden gut besucht, wie die ersten warmen Frühlingstage zeigten. Auch shoppen und Frisörbesuche sind weiter möglich, Versammlungen sind bis zu 50 Personen erlaubt. Carlson sagt dazu: „Während andere Länder den so genannten Lockdown gewählt haben und nun einen Weg finden müssen, wie die Gesellschaft wieder geöffnet wird, hat Schweden ein Modell, das über eine lange Zeit funktionieren kann.“ Und weiter: „Wir können so bis 2022 leben, wenn wir müssen.“ (Hier noch mal der Link von yeti: https://www.tagesspiegel.de/wissen/kampf-g…g/25750526.html )

    Besonders der von mir in dem Zitat unterstrichene Satz scheint der "springenden Punkt" zu sein. Nach meiner Beobachtung gibt es inzwischen kaum noch jemand (zumindest in den westeuropäischen Staaten), der ernsthaft auf eine "Durchseuchung" setzt, schon gar nicht auf eine "schnelle Durchseuchung", wie es anfangs der britische Premier Boris Johnson getan hat.

    Stattdessen wird zunehmend lauter darüber nachgedacht, dass langfristige Einschränkungen nötig sein werden, um mit der Corona-Pandemie umzugehen. Einschränkungen, die bis zu zwei Jahren aufrecht erhalten werden können.

    Wenn es zutrifft, was die schwedische Außenministerin Ann Linde in dem tagesspiegel-Artikel sagt, "Und so sagt Außenministerin Ann Linde: „Es ist ein Mythos, dass das Leben in Schweden so weitergeht wie gewöhnlich.“ Viele Bereiche der schwedischen Gesellschaft seien eingeschränkt und viele Unternehmen würden unter der aktuellen Situation leiden.", dann hat Schweden möglicherweise ausreichend Vorsorge getroffen, bzw. hat noch den Spielraum auf eine besorgniserregende Verschlechterung der Lage mit zusätzlichen Verschärfungen zu reagieren.

    Währenddessen wird an diesem Wochenende in Deutschland hauptsächlich darüber diskutiert noch mehr Öffnungen z. B. auch von großen Möbelgeschäften zuzulassen. Die Maßgabe, dass nur Geschäfte bis 800 Quadratmeter öffnen dürfen, wurde bereits unterlaufen, indem größere Geschäfte ganz einfach ankündigen, ihre Verkaufsfläche entsprechend zu reduzieren. Riesige Einkaufsgalerien, wie die Ernst-August-Galerie in Hannover mit deutlich mehr als 800 Quadratmeter Fläche dürfen öffnen, weil in einer solchen Einkaufsgalerie viele kleine Geschäfte angesiedelt sind, die jeweils für sich betrachtet weniger als 800 Quadratmeter Fläche haben. Das ist eine juristische Haarspalterei. Aber leider: Was große Möbelgeschäfte, oder große Elektronikmärkte oder auch die Ernst-August-Galerie da betreiben, die Kaufrausch-Riesen haben Erfolg mit ihren Widersprüchen, möglicherweise auch deshalb, weil kein Landesparlament, keine Behörde und kein Gericht als "Spaßverderber" da stehen möchte. Und auch das Wiedereröffnen der Friseurbetriebe, die in Schweden gar nicht erst geschlossen wurden, wird bereits in vielen Bundesländern in Aussicht gestellt.

    Gleichzeitig appellieren viele Medien geradezu an die potenziellen Kunden, sich nun bloß nicht zum großen Kaufrausch hinreißen zu lassen, weil es dann mit dem Einkaufsspaß ganz schnell wieder vorbei sein könnte.

    Das Hin- und Her, dass sich da andeutet bei der Frage, wie weit die Kontaktbeschränkungen greifen sollen, wird vermutlich nicht dazu beitragen, die Durchsetzbarkeit von Corona-Schutzmaßnahmen zu erleichtern. Sind die Schweden da vielleicht tatsächlich auf einem besseren Weg, wie es der Titel der Tagesspiegel-Berichterstattung andeutet: Liegt Schweden am Ende doch richtig?

    Die vergleichenden Diagrammkurven, die du da in deinem Beitrag eingebaut hast, die können jedenfalls in wenigen Wochen schon wieder ganz anders aussehen.

    Es wird ja aktuell engagiert darüber diskutiert, ob weiter mit noch schärferen Maßnahmen auf die Pandemiekurve "eingehämmert" werden soll, oder ob der "Tanz auf dem Drahtseil" ganz vorsichtig beginnen kann. Die Bundesregierung und die Ministerpräsident*innen der Länder haben sich anscheinend für den Tanz ausgesprochen.

    Dabei sind längst nicht alle scharfen Maßnahmen zur Nichtverbreitung der Corona-Viren für die Betroffenen tatsächlich scharfe Maßnahmen. Das ausgerechnet eine Maßnahme zurückgefahren wird, die für viele Menschen die Auswirkungen der Corona-Krise zumindest etwas erträglicher machte, wirft ein schlechtes Licht auf die Entscheider: "Corona-Ausnahmeregelung beendet: Ärzte dürfen nicht mehr telefonisch krankschreiben" FR vom 17.4.2020 Das bedeutet, dass Arbeitnehmer mit Erkältungsanzeichen eine Krankschreibung nicht mehr per Ferndiagnose am Telefon von ihrem Hausarzt erhalten, sondern, dass sie persönlich die Arztpraxis aufsuchen müssen. https://www.fr.de/wissen/corona-…n-13591631.html

    Das ist ganz gewiss keine Entlastung für die Betroffenen. Vielmehr werden die Bedingungen für den Umgang mit der Corona-Krise für die Betroffenen erheblich verschärft, denn sie werden gezwungen sich ohne Not dorthin zu begeben, wo die Ansteckungsgefahr hoch ist. Selbst wenn die reale Gefahr gering sein sollte, der seelische Stress ist allemal gegeben. Da kann man also ganz und gar nicht von einer Lockerung der strengen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sprechen.

    Spannend wird auch sein, wie die Eltern reagieren, wenn die Schulen wieder öffnen. Ich nehme da mal eine RND-Meldung vom 24.1.2020:

    "Schulbusse “bis zum Anschlag vollgestopft”: Forderung nach Anschnallpflicht

    Schulbusse würden “bis zum Anschlag vollgestopft”, kritisieren bayerische Elternverbände nach zwei schweren Unfällen.

    Das Gremium fordert eine generelle Sitz- und Anschnallpflicht in Schulbussen.

    Aktuell dürfen Schüler in Linienbussen auch stehend und ungesichert transportiert werden."

    https://www.rnd.de/panorama/schul…PCTYKPFAHQ.html

    Bis zu der von Corona erzwungenen Schulpause war es Alltag, dass die Schulbusse bis zum Anschlag voll gestopft waren. Und an der Stelle ist der Hinweis wichtig, dass ein im Schülertransport-Verkehr üblicher Gelenkomnibus etwa 50 Sitzplätze und 100 Stehplätze aufweist. Das würde bedeuten, die Anzahl der Omnibusse müsste mindestens verdreifacht werden, um zumindest für jedes Kind einen Sitzplatz zu ermöglichen.

    Das werden viele Kommunen nicht leisten können oder auch nicht wollen. Jedenfalls hat trotz gravierender Missstände auch bisher keine Verbesserung des Schülertransports stattgefunden. Wie sich das jetzt entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Werden die Eltern aus Furcht vor Ansteckung ihre Kinder gar nicht erst in die Schule schicken? Oder werden die "Elterntaxi"-Fahrten massiv zunehmen, so dass mit verstärkter Unfallgefahr zu rechnen ist? jedenfalls wäre es ein Hohn hier von einer Entlastung der Bevölkerung von den strengen Corona-Regeln zu sprechen. Vielmehr ist zu befürchten, dass Politik und Verwaltung einen schlanken Fuß machen und das von der Bundeskanzlerin geforderte Schulbuskonzept wird ein "frommer Wunsch" bleiben.

    Es wäre wirklich schön, wenn meine diesbezügliche Befürchtung sich nicht bewahrheitet.

    Merkel im O-Ton bei der Pressekonferenz am Mittwoch, 15. April nach der Ministerpräsident*innen-Konferenz: "Denn wir können nach dem 4. Mai nur schrittweise langsam wieder die einzelnen Schuldinge machen. Es muss in reduzierten Gruppen sein. Es muss ein Schulbuskonzept da sein. Es muss ein Pausenkonzept da sein. Es wird also ein hoher logistischer Aufwand zu betreiben sein." https://www.bundeskanzlerin.de/bkin-de/aktuel…laender-1744310

    Im Video bei Minute 7: https://www.bundesregierung.de/breg-de/mediat…-dem-kanzleramt

    Auch die Benutzung der ÖPNV-Transportmittel wird zumindest im Freistaat Sachsen nicht vereinfacht. Obwohl die Notwendigkeit gegeben ist, die Abstandsregel einzuhalten (auch mit Maske, wie immer wieder in den vergangenen Wochen betont wurde) werden sich die Benutzer von Bussen und Bahnen mit der "Maskenlösung" arrangieren müssen und mit "Maske" mehr oder wenig gut geschützt sich wieder in die chronisch verstopften Busse und Bahnen drängeln müssen. Hinweis: Man rechnet im ÖPNV mit vier Personen auf einem Quadratmeter Stehplatzfläche und mit zwei Personen auf einen Quadratmeter Sitzplatzfläche.

    Dass gleichzeitig die Autohäuser wieder öffnen dürfen, ist der reine Hohn: "Vom Vorhaben, Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmeter wieder öffnen zu dürfen, sind Kfz-Betriebe ausgenommen, sie sollen unabhängig von der Größe wieder zugänglich sein." :cursing:

    Da weiß man wo der "Hammer" hängt, beziehungsweise "dengelt". Da wird nicht mit scharfen Maßnahmen auf die Pandemiekurve eingehämmert, sondern stattdessen werden mit Ausnahmeregeln mögliche Einbrüche in der Umsatzkurve der Autoproduzenten von unten massiv nach oben ausgedengelt, wie eine Beule aus dem Blech der Karosserie ausgedengelt wird. Und das alles auf dem Hintergrund, auf den cubernaut so treffend hinweist: "Luftverschmutzung erhöht das Sterberisiko bei einer Sars-CoV-2-Ansteckung" und das steht nicht in einem fridays for future Flugblatt, sondern in der FAZ vom 17.4.2020: https://www.faz.net/aktuell/wissen…6728901-p2.html

    "Reste"?

    Bereits die Grundlage ist die Autorität in Reinform: ein 2.000 Jahre altes Buch und die unbedingte Voraussetzung, an ein übernatürliches Wesen zu glauben.

    Ich kann solche Ausführungen nicht ernst nehmen. Sie fallen für mich in die gleiche Schublade wie Verschwörungstheorien: es wird eine Wahrheit eher postuliert als hergeleitet. Und einige Leser glaube es gerne, weil sie sich nach der Lektüre dem gemeinen Volk überlegen fühlen können.

    Die Bibel ist nicht einfach ein 2000 Jahre altes Buch. Die ältesten Geschichten der Bibel wurden zunächst mündlich weitergegeben, bevor sich etwa 1000 Jahre vor Christus die ersten Autoren daran machten, die Geschichten aufzuschreiben. Und erst ca. 1000 Jahre nach Christus gibt es einen einigermaßen verbindlichen Kanon, also eine Festlegung, was denn nun dazu gehört und was nicht. Und dabei gibt es bis heute Unterschiede bei den Religionsgemeinschaften.

    Ich wage mal folgenden Vergleich: Es gibt sehr ähnliche aber auch unterschiedliche Maßnahmen mit denen einzelne Menschen, Kommunen, Städte, Länder auf Corona reagieren. Zum Beispiel halte ich das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für eher ungünstig, weil dadurch die Abstandsregel gefährdet wird. Andere wiederum benutzen einen Mund-Nasen-Schutz, um andere vor einer ungewollten Ansteckung zu schützen. Bei anderen wiederum steht dabei der Selbstschutz im Vordergrund. In einzelnen Ländern oder Bundesländern ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes Pflicht (Österreich, ab heute Sachsen) in anderen Ländern ist es eine Empfehlung. Darüber hinaus gibt es dazu noch weitere Positionen.

    Möbelhäuser dürfen in Niedersachsen nicht öffnen, es sei denn sie reduzieren ihre Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter. In NRW dürfen Möbelhäuser auch dann öffnen, wenn sie deutlich mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche aufweisen.

    Und bei alledem geht es "nur" um Schutzmaßnahmen, um einer Pandemie vorzubeugen. Bei den biblischen Geschichten geht es oft um Begegnungen des Menschen mit Gott. Es ist keine einfache Aufgabe der Pandemie-Forschung während des Pandemie-Verlaufs oder zumindest hinterher eine Auswertung vorzunehmen, was die Maßnahmen gebracht haben. Die Pandemie-Forschung wertet Statistiken aus und untersucht den Gesundheitszustand von Menschen.

    Die Theologie ist die Wissenschaft, die sich unter anderem damit beschäftigt, biblische Geschichten auszuwerten. Einzelne Sprecher von Religionsgemeinschaften behaupten Corona sei eine Strafe Gottes und wer nur fleißig betet und ein frommes Leben führt, der sei dagegen immun. Das ist freilich Quatsch, aber noch lange kein Grund, all das was mit Religion zu tun hat, für Mumpitz zu halten oder in die gleiche Schublade wie Verschwörungstheorien zu stecken. Die biblische Theologie untersucht die Entstehung der biblischen Erzählungen und ihre verschiedene Auslegungen im Verlauf der Geschichte und in unterschiedlichen Regionen, sowie ihre mögliche Bedeutung oder Bedeutungen für heute.

    Erich Fromms Buch "Haben oder Sein" beschreibt, "...wie sehr unsere Gesellschaft vom Haben und Habenwollen bestimmt ist – der Mensch ist der Diener des Wirtschaftssystems, und er will immer mehr haben, weil das System es so vorsieht. Der Einzelne, entfremdet von sich selbst, wird dabei krank und unglücklich, und zwischen Gesellschaftsklassen und Völkern entstehen Neid und Krieg." https://www.getabstract.com/de/zusammenfas…oder-sein/20355

    Ich stelle mal als These hier in den Raum, dass eine vergleichbare Situation wie die jetzige, in der die Pandemie-Vorsorge-Maßnahmen im erheblichen Umfang unsere Aufmerksamkeit beanspruchen und uns daran hindern, dem gewohnten Tagesablauf nachzugehen, zuletzt gegeben war, als in der Zeit der Ölkrise 1973 autofreie Sonntage angeordnet wurden. Erich Fromms Buch jedenfalls erschien 1976!

    Siehe hier: "So sah es aus auf den Autobahnen im Spätherbst 1973 ..."

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    Und ein Loriot-Sketch:

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    In diesem Zusammenhang ist es sehr erhellend, diese tagesschau vom 29.11.1973 zu sehen. Wenn man das in dieser tagesschau benutzte Wort Energiekrise ersetzt mit Coronakrise, dann hört es sich schon fast wieder aktuell an. Beispiel: Regierung (damals Willy Brandt) und Opposition (damals Franz-Josef Strauß) bekunden ihre Bereitschaft zur Bewältigung der Energiekrise unpopuläre Maßnahmen zu verhängen, bzw. zu unterstützen.

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    Globaler Klimastreik in Berlin - Fridays for Future streikt digital

    Darüber berichtet focus online am 16.04.2020:

    "Die Aktivisten der Klimaschutzbewegung Fridays for Future wollen trotz der Corona-Krise am Tag des globalen Klimastreiks am 24. April demonstrieren."

    Allerdings sollen alle Corona-Schutzmaßnahmen beachtet werden. Deshalb werden Protestaktion vorwiegend digital im Netz stattfinden.

    Geplant ist aber auch die f0lgende Aktion: "Zusätzlich sei in verschiedenen deutschen Großstädten eine Kunstaktion geplant - unter anderem in Berlin. Gemalte Schilder könnten bis zum 20. April an 30 Abgabestationen in den Berliner Bezirken hinterlassen werden. „Danach werden die Boxen mitsamt der Schilder für 72 Stunden versiegelt, um Infektionen auszuschließen“, teilte die Bewegung mit. Am Tag des globalen Klimastreiks sollen alle Plakate dann an einem zentralen symbolträchtigen Ort als einmalige Kunstaktion ausgestellt werden. Die Aktion soll ebenfalls live gestreamt werden."

    https://www.focus.de/finanzen/boers…d_11888341.html

    Eine Weste als Infektionsschutz, darüber berichtet der Weserkurier vom 23.03.2020: "Das Werbewerk Schierloh in Delmenhorst hat auf die Corona-Krise reagiert und ein besonderes Produkt entwickelt: Das Unternehmen hat eine Weste mit dem Aufdruck „Abstand halten“ entworfen."

    Link zum Artikel: https://www.weser-kurier.de/region/delmenh…id,1904397.html

    Link zum Bild: https://www.weser-kurier.de/cms_media/modu…um_DSCF9225.jpg

    In Hannover sind die Westen auch schon angekommen. Zumindest bei diesem Radfahrer auf einem Zwei-Richtungs-Hochbord-Radweg

    an der Ecke Humboldtstraße/Benno-Ohnesorg-Brücke:

    Weil man sich an der "Autorität" Massenkonsum stört, schließt man sich einer noch viel autoritäreren Bewegung an.

    Muss ich nicht verstehen, oder?

    Ich versuche es mal anders zu formulieren: Wenn man versucht, der gegenwärtigen Corona-Krise und ihren Auswirkungen im Alltag etwas Positives abzugewinnen, dann ist es vielleicht eine nicht mehr so stark und einseitig an einem maximalen Konsum ausgerichtete Alltagsleben-Gestaltung.

    Ich schreibe vielleicht, weil natürlich ungeheuer viel über digitale Endgeräte konsumiert wird. Und die sind ja heutzutage technisch raffinierter und ausgereifter als je zuvor. Die "unheimliche" Begeisterung für sogenannte "Corona-Apps" ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass der erzwungene Ausbruch aus dem Konsum-Alltag möglichst schnell wieder "repariert" werden soll. "Ich konsumiere also bin ich", aber das geht momentan grade nicht so reibungslos wie gewohnt. "Der Konsumismus besitzt, so Barber im Gefolge von Theodor W. Adorno., »totalistische« Dimensionen.", so beschrieben im gleichnamigen Buch: "Ich konsumiere also bin ich", vorgestellt 2008 in Zeitonline. https://www.zeit.de/2008/16/ST-Kapitalismus

    Klar haben die Kirchen Reste von autoritären Strukturen, das wird von den Gläubigen aber nicht einfach widerspruchslos hingenommen, sondern daran wird gearbeitet. Interessant in Bezug auf die Katholische Kirche ist in diesem Zusammenhang das Zweite Vatikanische Konzil. Die totalistische Dimension des Konsumismus wird jedoch von vielen nicht gesehen.