Beiträge von Ullie

    Fridays for future-Kläger über das Karlsruher Urteil

    „Ich darf noch nicht einmal wählen und jetzt hab ich eine Klimaklage gewonnen“

    Der 17 Jahre alte Schüler Linus Steinmetz hat erfolgreich gegen das deutsche Klimaschutzgesetz geklagt.

    Es ist diese eigene Art, mit der man in den Sozialen Medien Emotionen ausdrückt: All Caps, nennt sich das. Übersetzt heißt das so viel wie: Alles in Großbuchstaben. Zu diesem Mittel greift am Donnerstagvormittag auch Luisa Neubauer, die Frontfrau von Fridays for Future in Deutschland. „WIR HABEN GEWONNEN!!!“, schreibt sie bei Twitter über das Urteil aus Karlsruhe, mit dem das deutsche Klimaschutzgesetz für teils verfassungswidrig erklärt wurde."

    Tagesspiegel vom 29.4.2021

    https://www.tagesspiegel.de/politik/friday…n/27143890.html

    Tatsächlich ist dieses Verfassungsgericht-Urteil ein wichtiges Urteil, dass das übliche Aufschieben von Regelungen für den Klimaschutz, anprangert. Aber eine gewonnene Schlacht ist noch kein gewonnener Krieg. Und die Nachbesserungen, die jetzt das Klimaschutzgesetz verfassungskonform machen sollen, werden vermutlich immer noch nicht ausreichen.

    FFF-Demoplakat 19.3.2021 Hannover

    Du setzt hier scheinbar "besser" mit "regelkonformer" gleich.

    Der ADAC ist ein Verein, der gerne die Legende aufrecht erhält, dass es beim Autofahren nicht so sehr darauf ankomme, ein regelkonformer Autofahrer zu sein, sondern andere Qualitäten wie Entschlossenheit oder Erfahrung viel entscheidender seien.

    Das ist einer der Gründe, warum, sich der ADAC so schwer damit tut, ein möglichst verbindliches Geschwindigkeits-Assistenzsystem (ISA = Intelligent Speed Adapter) für PKW zu empfehlen. "Der ADAC sieht das Sicherheitspotenzial von ISA, hält die Systeme zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch noch nicht für ausreichend erprobt und ausgereift. Er hatte sich deshalb gegen die Ausrüstungsvorschrift ausgesprochen."

    https://www.adac.de/rund-ums-fahrz…sassistent-isa/

    ISA ist in der Lage, die vom Fahrzeug fahrbare Geschwindigkeit durch Drosselung der Antriebskraft so zu begrenzen, dass die auf dem jeweils befahrenen Streckenabschnitt geltenden Tempolimits nicht überschritten werden können.

    Und wer sitzt in den führenden ADAC-Gremien?

    "Zwar sind bundesweit fast 40 Prozent der ADAC-Mitglieder Frauen – in den ADAC-Gremien allerdings sind sie eine Seltenheit. Der Vorstand des ADAC Südbayern mit seinen sechs Mitgliedern beispielsweise ist ein reiner Männerclub." Und für einen Männerclub ist Regelkonformität im Straßenverkehr offensichtlich nicht so wichtig.

    https://www.welt.de/wirtschaft/art…um-Chancen.html

    Du willst also möglichst regelkonforme Wissenschaftlys haben, denn gerade die wären "besser"?

    Was sind Wissenschaftlys? Vermutlich meinst du Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

    Dass Frauen im Autoverkehr sich stärker regelkonform verhalten als Männer, muss nicht bedeuten, dass sie als Frauen im Wissenschaftsbetrieb sich ebenfalls regelkonformer verhalten. Ich halte das allerdings durchaus für möglich, nämlich dann, wenn die vorgegebenen Regeln so beschaffen sind, dass sie dem Wohl der Menschen dienen.

    Tempolimits und deren Einhaltung sehe ich übrigens als eine Möglichkeit, den Verkehr sicherer zu gestalten. Du nicht?

    Ich erwarte, dass ein höherer Frauenanteil in der Wissenschaft dazu führt, dass eine bessere Wissenschaftsarbeit stattfindet.

    Fakt ist: "Nach einer Statistik der UNESCO – der Organisation der Vereinten Nationen (UN) für Bildung, Wissenschaft und Kultur – belegte Deutschland im Jahr 2019 mit einem Frauenteil unter Wissenschaftlern von 28 Prozent europaweit den 38. Rang."

    https://www.studis-online.de/Studieren/art-…issenschaft.php laut Deutschlandfunk ist die die Webseite „eines der informativsten Internetangebote rund ums Studium“.

    Gezielte Frauenförderung im Wissenschaftsbetrieb kann dazu beitragen, dass dieses nachteilige Verhältnis stärker ausgeglichen wird. Gezielte Frauenförderung im Wirtschafts- und Wissenschaftsbetrieb, aber auch in der Politik wird jedoch zum Beispiel von der FDP explizit abgelehnt. Einer der Gründe, warum ich diese Partei für keine gute Wahlentscheidung halte.

    Wenn also irgendwann das Hitly 2.0 an die Macht kommt und unmoralische Regeln aufstellt, sind die "besseren" Wissenschaftlys jene, die sich an diese Regeln halten.

    Hitler selbst hatte längst alle Regeln der Zivilisation und der Menschlichkeit gebrochen. Wer bei Hitler mitmischte, der befolgte schon deshalb keine Regeln, weil Hitlers nationalsozialistische Ideologie darauf aufbaute, die demokratischen Spielregeln und Regeln der Humanität zu brechen. Frauen sind nicht per se die besseren Menschen. Und auch in Hitlers Machtapparat hatten Frauen ihren festen Platz. Eine der sehr diabolischen weiblichen Figuren in Hitlers Umkreis ist Leni Riefenstahl.

    Wer blind darauf vertrauen wollte, dass eine Frau in einer Führungsposition die bessere Besetzung sei, der ist nicht gut beraten. Für die bevorstehende Bundestagswahl vertraue ich jedoch darauf, dass die Kanzlerkandidatin der Grünen eine gute Wahl ist, besser als die Herren von CDU/CSU und SPD.

    Entschuldige, aber Du kannst ja heute Abend warm essen ;)

    Aber als Ullie sich als Sexist geoutet hat, habe ich eine sarkastische Antwort als angebracht betrachtet. Und Fahrbahnradlers alternative Fakten konnte ich nach meinem Post, in dem es schließlich um Fakten ging, auch nicht stehen lassen.

    Wie jetzt, dass ein Forumsteilnehmer darauf hinweist, dass Frauen die besseren Autofahrer*innen sind, ist für dich Anlass, das als Sexismus zu bezeichnen? Humor ist wenn man trotzdem lacht? Sehr humorig ist das nicht.

    OK, hast gewonnen. Wir werden von keinem echten Wissenschaftler regiert. Ist ja nur ne Frau. Oder warum findest Du das Geschlecht so hervorhebungswert?

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Wissenschaftlerinnen die besseren Wissenschaftler*innen sind.

    Beim Autofahren ist das sogar bewiesen. Die besseren Autofahrer*innen sind die Autofahrerinnen.

    "Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) werden Autofahrer im Verkehr häufiger auffällig als Autofahrerinnen. „76 Prozent der in Flensburg registrierten Verkehrssünder sind Männer, 24 Prozent Frauen“, sagt KBA-Sprecher Stephan Immen. Die Antwort auf die Frage, wer besser Auto fährt, ist demnach eindeutig: Viele Daten – von der Unfallverursachung über die Schwere der Unfallfolgen bis hin zu Alkoholeinfluss am Steuer – belegen, dass Frauen statistisch gesehen sicherer unterwegs sind als Männer."

    https://www.runtervomgas.de/ratgeber-und-s…rt-besser-auto/

    Auch wenn das Zentrum der Gesundheit eine oft unseriöse Quelle ist, in diesem Fall, in dem es um die Vorzüge vegetarischer Ernährung geht, hat nicht das "Zentrum für Gesundheit" selbst gesprochen, sondern auf eine Studie der amerikanischen Academy of Nutrition and Dietetics verwiesen.

    Und auf diese Studie hat nicht nur das "Zentrum der Gesundheit" hingewiesen, sondern die wird auch in der

    ERNÄHRUNGS UMSCHAU (Fachzeitschrift für Fachkräfte im Bereich Ernährung und Diätetik. Thematik: Richtige, vollwertige Ernährung, Diätetik, Lebensmittelwissenschaft.) vorgestellt.

    https://www.ernaehrungs-umschau.de/print-news/12-…-alle-geeignet/

    "Die Academy kommt sogar zu dem Schluss, dass sowohl vegetarische als auch vegane Ernährung für alle Lebensabschnitte geeignet sein können, auch für Schwangere, Stillende, (Klein)Kinder und Jugendliche, Ältere und Sportler. Sie führt darüber hinaus auf, dass pflanzenbasierte Ernährungsformen ökologisch nachhaltiger sind als Ernährungsweisen mit einem hohen Anteil an tierischen Lebensmitteln, da weniger Ressourcen verbraucht werden und die Umwelt nicht so stark belastet wird."

    Es lohnt sich auf dieser Seite auch noch den Kommentar der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu lesen, in dem die Ergebnisse der amerikanischen Studie an einigen Stellen anders bewertet werden. Die DGE-Ernährungsempfehlung hatte ich bereits weiter oben zitiert. Die DGE rät zum Fleischkonsum, allerdings in deutlich geringeren Mengen als weithin üblich.

    Und genau darum ging es doch. Politiker können eben nicht ganz einfach Eins zu Eins wissenschaftliche Erkenntnisse in politische Entscheidungen übersetzen, weil es oft keine eindeutige wissenschaftliche Ausgangslage gibt. Auch nicht innerhalb einer bestimmten wissenschaftlichen Disziplin.

    Und selbstverständlich geht es bei den 19% Mehrwertsteuer auch um gesunde Ernährung.

    "Regierungsberater für höhere Steuer auf Fleisch

    Wissenschaftlicher Beirat übergab ein Gutachten an Klöckner" nordbayern.de vom 21.08.2020

    "Hochwertiges Gratis-Essen in Kitas und Schulen, voller Mehrwertsteuersatz auf Fleisch und Wurst, Extra-Steuer auf Zucker-Getränke und ein verpflichtendes "Klimalabel" für alle Lebensmittel: Schritte wie diese sind aus Sicht von Regierungsberatern notwendig, um die Ernährung in Deutschland nachhaltig, gesund und sozial gerecht zu machen."

    https://www.nordbayern.de/wirtschaft/reg…isch-1.10369963

    Ja es geht auch noch um andere Themen, das ist ja eigentlich fast immer so, dass bei Entscheidungen, die getroffen werden immer gleich noch ganz viele andere Entscheidungen mit getroffen werden. Die Materie ist in der Regel hochkomplex. Gerade deshalb ist es sinnvoll, dass die Parteien dazu beitragen, diese Komplexität zu reduzieren.

    In der Ernährungsfrage hast du nun die Wahl zwischen den Grünen, die der vegetarischen Ernährung näher stehen als die CDU, die aber immerhin das Fleisch verteuern will.

    Das sagen die einen Wissenschaftler*innen:

    "Die vegetarische Ernährung ist die beste Ernährungsweise für Gesundheit und Umwelt, so die Ernährungsexperten der amerikanischen Academy of Nutrition and Dietetics. Die Fachleute haben in ihrer Stellungnahme die Vorteile der vegetarischen Ernährung betont und erklärt, dass die vegetarische und vegane Ernährung im Vergleich zu nichtvegetarischen Ernährungsformen u. a. Übergewicht reduziert sowie Herzkrankheiten, Diabetes und etliche Krebsformen verhindern hilft und daher am besten schon in der Kindheit umgesetzt werden sollte."

    https://www.zentrum-der-gesundheit.de/ernaehrung/ern…ndheit-16120472

    Und das sagen die anderen:

    "Über Fleischmengen lässt sich trefflich streiten, der eine sieht das Fleisch als Hauptbestandteil der Mahlzeit an, für den anderen ist es allenfalls eine feine Beilage.

    Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, Fleisch in Maßen zu essen, insgesamt nicht mehr als 300-600 Gramm (g) Fleisch und Wurst pro Woche für einen Erwachsenen."

    https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensm…htige-mass-5535

    Und was sagt die Politik?

    Die Grünen hatten im Bundestagswahlkampf 2013 einen Veggieday vorgeschlagen.

    Und die jetzige CDU-Agrarministerin Klöckner schlägt eine Erhöhung des Mehrwertsteuer von 7 auf 19 % für Fleisch vor.

    "Zur Finanzierung von mehr Tierwohl in deutschen Ställen schlagen Berater von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eine höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch als bisher vor. Der Normalsatz von 19 Prozent sei grundsätzlich machbar und wegen geringer Verwaltungskosten "vorzugswürdig" gegenüber anderen Finanzierungsmodellen, heißt es in einer Machbarkeitsstudie, die Klöckner am Dienstag vorstellte."

    Dabei geht es der Agrarministerin nicht nur um eine gesündere Ernährung, sondern auch um das Tierwohl. Denn mit der höheren Mehrwertssteuer kann der Staat lenkend eingreifen beim Tierschutz in den Zuchtbetrieben.

    Viel Fortune hatten die Grünen ja damals nicht mit ihrem Vorschlag zum Veggieday. Mal sehen wie es der CDU mit ihrer Forderung nach einer höheren Mehrwertssteuer für Fleischprodukte ergeht.

    Die Ernährungswissenschaft liefert oft keine eindeutigen Forschungsergebnisse. Und wie die beiden Beispiele zeigen, gibt es durchaus unterschiedliche Umgehensweisen der Politik mit den Erkenntnissen der Wissenschaft. Trotzdem kann beiden Vorgehensweisen der unterschiedlichen politischen Parteien nicht abgesprochen werden, dass sie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

    "Es geht im Grunde genommen um ein unwichtiges Bagatellverfahren um eine 25-Euro-Ordnungswidrigkeit, wie hundertfach jeden Monat am Amtsgericht verhandelt. Aber weshalb legt der Beschuldigte überhaupt Widerspruch ein, weshalb fühlt er sich so ungerecht behandelt, dass er die Mühen einer Gerichtsverhandlung auf sich nimmt? Er möchte als Radfahrer im Verkehrsgeschehen ernst genommen werden. Es ist ein bemerkenswerter Dialog, der sich dann zwischen Beschuldigtem und Richterin entspinnt, in dem die Richterin Verständnis für das Handeln des Radfahrers aufbringt. Gleichwohl entscheidet sie uneingeschränkt auf schuldig."

    Über diesen Fall wird im "linden#hannover blog gardemin am 10. Juli 2020 berichtet

    http://blog.gardemin.de/amtsgericht-ka…ahrer-schuldig/

    Hintergrund ist ein zugemüllter und zugeparkter viel zu schmaler benutzungspflichtiger Fahrradweg, den der Fahrradfahrer aus nachvollziehbaren Sicherheitsgründen nicht benutzte, sondern stattdessen auf der Fahrbahn gefahren ist. Ein Polizist erstattete deswegen eine Ordnungswidrigkeitenanzeige gegen den Radfahrer.

    Besonders gravierend finde ich diese Aussage der Richterin, "Gleichwohl dürfe der Beschuldigte der Radwegebenutzungspflicht wegen nicht einfach auf die Straße fahren, er solle sich lieber mit der Gesetzeslage beschäftigen. Radwege sind zu nutzen, damit der Verkehrsfluss der Autos nicht behindert wird.". Gravierend deshalb, weil üblicherweise Gerichte und Behörden an der Stelle argumentieren, der Radweg sei ja dafür da, dass Radfahrende sicherer fahren können als es auf der Fahrbahn möglich sei. Diese Aussage der Richterin, die dem Bericht zufolge sehr viel Verständnis für die Handlungsweise der Radfahrers aufbringt, finde ich überraschend ehrlich. Die Richterin scheint sich sehr stark den Interessen der Autofahrenden an einem zügigen Vorankommen verpflichtet zu fühlen.

    Bei einigen der letzten Beiträge hatte ich den Eindruck gewonnen, dass sich diese Beiträge generell mit der Sinnhaftigkeit von autonomen Fahren beschäftigen.

    Der Thread heißt aber: "Warum wir dringend ISA verbindlich für alle Autos brauchen!"

    Jetzt ist es natürlich richtig, dass man ISA als einen "Baustein" für autonomes Fahren betrachten kann.

    Faktisch ist es bislang jedoch lediglich ein Assistenzsystem für mehr Verkehrssicherheit, das in vielen Situationen ein zu schnelles Fahren verhindern kann.

    Aus Sicht von Radfahrer*innen und Fußgänger*innen halte ich ein verbindliches ISA für erstrebenswert.

    Aber auch andere Assistenzsysteme können Sinn machen.

    Zumindest meint dass der ADAC in Bezug auf den Spurhalteassistenten:

    "Fazit

    Die Euro NCAP Tests zeigen, dass aktuell bereits ausgereifte Spurhalteassistenzsysteme auf dem Markt sind. Laut ADAC ist es aber entscheidend, dass die Systeme beim Fahrzeugstart automatisch aktiviert werden und nicht nach einer manuellen Deaktivierung des Fahrers ausgeschaltet bleiben."

    Quelle: ADAC-Internetseite vom 30.09.2020,

    Test: Wie gut sind moderne Spurhalteassistenten?

    https://www.adac.de/rund-ums-fahrz…nten-vergleich/

    Der genereller Einbau von ISA dagegen wird vom ADAC abgelehnt:

    "ISA-Systeme sollten jederzeit übersteuerbar sein und sich dauerhaft vom Fahrer abschalten lassen, auch weil die Qualität der örtlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen stark variiert.

    Eine Ausrüstungsvorschrift hält der ADAC aktuell für nicht erforderlich. Bedien- und Anzeigeelemente sollten für den Fahrer gut sichtbar und erreichbar sein."

    Quelle: ADAC-Internetseite vom 27.03.2018,

    ISA-Assistenten: Intelligente Bremser

    https://www.adac.de/rund-ums-fahrz…sassistent-isa/

    Die Aussage des ADAC, die Qualität der örtlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen variiere stark, macht hellhörig. Will der ADAC damit sagen, wie schnell jemand Auto fährt, das solle man besser der Autofahrerin oder dem Autofahrer überlassen, weil die am besten beurteilen können, wann man sich besser über die angeordneten Geschwindigkeitsbegrenzungen hinwegsetzt?

    Der Spurhalteassistent dagegen wird vom ADAC sehr euphorisch begrüßt. Da geht es ja auch nicht um ein Begrenzen der Geschwindigkeit.

    Ullie : Haben Sie wirklich gerade gefordert, dass die Politik sich über die Wissenschaft hinwegsetzen soll? Und dabei den eigenen Gedanken folgen? Welche automatisch aus irgendwelchen Gründen besser sind als die Wissenschaft?

    Da überinterpretieren Sie aber gewaltig, das was ich gesagt habe.

    Sie tun ja gerade so als hätte ich gesagt, dass Politiker sich grundsätzlich niemals mit dem beschäftigen sollten, was Wissenschaftler erforscht haben. Worauf ich allerdings hingewiesen habe: Politiker müssen oft Entscheidungen treffen obwohl ihnen manchmal sehr gegensätzliche Forschungsergebnisse vorliegen oder eben keine eindeutigen Ergebnisse vorliegen.

    Und als Beispiel habe ich die Entscheidung über ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen angeführt.

    "Der DVR plädiert demnach für ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern. Der neuen Positionierung des Vorstands war nach Auskunft einer Sprecherin zahlreiche Expertenanhörungen und eine lange, kontroverse Debatte vorausgegangen, die ein Jahr lang dauerte."

    Deutscher Verkehrssicherheitsrat, 12.5.2020

    Die Entscheidung, ob ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen gelten soll, kann trotz vorliegender Forschungsergebnisse nur das gewählte Parlament treffen und die von den Parlamenten gewählte Regierung umsetzen. Und wenn das geschehen ist, bleibt noch die Hürde, ob damit eine gerichtsfeste Entscheidung getroffen wurde.

    Deshalb ist es ein wenig "drollig", dass die Bundestagsfraktion der Grünen sich zu diesem Thema auf ihrer Internetseite so positioniert:

    "Es gibt keinen rationalen Grund für Deutschland, die Einführung von Sicherheitstempo 130 km/h auf allen Autobahnen weiter aufzuschieben."

    https://www.gruene-bundestag.de/themen/mobilit…llen-autobahnen

    Oder können Sie nachvollziehen, mit welcher "Wissenschaftlichkeit" die Grünen hier argumentieren? Sie argumentieren in jedem Fall "wisssenschaftlich": "Es gibt keinen rationalen Grund..." ist eine eindeutige Formulierung mit der Wissenschaftlichkeit signalisiert werden soll.

    Aber warum dann Tempo 130 km/h?

    "Als wegen der Ölkrise im Winter 1973/74 ein generelles Tempolimit von 100 km/h galt, halbierte sich die Zahl der Verunglückten laut Umweltbundesamt. Das hat sich in Hessen bestätigt, wo zwischen 1984 und 1987 auf einigen Autobahnen Tempo 100 galt und die Anzahl der Unfälle mit Toten oder Schwerverletzten im Verhältnis zum Verkehrsaufkommen je nach Strecke um etwa 25 bis 50 Prozent zurückging."

    Die Zeit vom 17.7.2020: "Tempolimit - Weniger CO2 und weniger Unfälle"

    https://www.zeit.de/mobilitaet/202…kehrssicherheit

    Nicht zuletzt aufgrund dieser wissenschaftlichen Untersuchungen auf den hessischen Autobahnen ist es sicher zulässig, wenn die Grünen verkündeten:

    "Es gibt keinen rationalen Grund für Deutschland, die Einführung von Sicherheitstempo 100 km/h auf allen Autobahnen weiter aufzuschieben."

    Oder sehen Sie, Nbgradler, doch einen rationalen, also einen naturwissenschaftlich fundierten Grund, der dem widerspricht, Tempo 100 als generell gültiges "Sicherheitstempo" anzustreben?

    Wäre es darüber hinaus nicht ehrlicher, wenn die Grüne sagten: Um die Zahl der Verkehrsunfälle und die Zahl der Verkehrstoten und Verletzten deutlich zu reduzieren, setzen wir uns dafür ein, dass die Einführung von Sicherheitstempo 100 km/h auf allen Autobahnen nicht weiter aufgeschoben wird?

    Ullie :

    Und dann im nächsten Satz einen überzeugten "eigene Gedanken" Politiker wie Hitler aufgeführt, ohne auf Ihren eigenen Widerspruch in der Argumentation zu stoßen?

    Da unterschätzen Sie Hitler aber gründlich, wenn sie ihn als "eigenen Gedanken-Politiker" bezeichnen. Hitlers Gefährlichkeit erwuchs nicht zuletzt daraus, dass er es geschickt verstanden hat, wissenschaftliche Erkenntnisse und technische Entwicklungen geschickt für seine Interessen einzusetzen und Wissenschaftler für seine Ideologie zu instrumentalisieren.

    Massenkundgebungen mit Lautsprecheranlagen.

    Übertragung und Weiterverbreitung mit Rundfunk und Film. (Später auch das Fernsehen!)

    1936 wurden die ersten Fernsehsendungen in Deutschland ausgestrahlt, mit Übertragungen von Sportwettkämpfen der Olympischen Spiele.

    Architektur-Projekte auf bautechnisch hohem Niveau. etc., etc.

    Und viele Wissenschaftler sind Hitler treu ergeben gewesen oder haben sich zumindest darauf eingelassen, seinen Machtapparat und seine Diktatur in Deutschland zu stärken. Das sind gute Gründe, wissenschaftlichen Erkenntnissen auch heute noch, genügend kritisch gegenüberzustehen.

    Glauben ist das Gegenteil von Wissen. Man kann sich sicherlich wissenschaftlich mit Religion und Glauben auseinandersetzen, aber das würde einen Standpunkt außerhalb der Dogmen und starren Regeln von Religionsgemeinschaften voraussetzen. Als Vorbereitung auf ein kirchliches Amt ist ein Theologiestudium aus meiner Sicht keine Wissenschaft sondern Wissenschaftsverweigerung.

    Träfe es zu, was du vermutest, dass sich Glaubensgemeinschaft ausschließlich an Dogmen und starren Regeln orientierten, wie erklärst du dir dann, dass es innerhalb der großen Glaubensgemeinschaften sehr unterschiedliche Strömungen gibt, mit sehr unterschiedlichen Traditionen und einem unterschiedlichen Glaubensverständnis?

    Und wie sollte denn deiner Meinung nach die Vorbereitung auf ein kirchliches Amt aussehen? Ich will dich wirklich nicht foppen mit meiner Entgegnung. In deiner Kritik steckt ja auch viel Richtiges. Aber in der Pauschalität, wie du deine Kritik vorträgst, ist sie unberechtigt. Die Jesuiten zum Beispiel sind ein katholischer Orden, die deiner Forderung nach einer nicht-theologisch-wissenschaftlichen Ausbildung sehr nahe kommen. "Zahlreiche Jesuiten haben außer dem Philosophie- und Theologiestudium noch ein Vollstudium in einem anderen Hauptfach absolviert, z. B. in einer sprach-, literatur- oder religionswissenschaftlichen Disziplin, in Medizin oder einer der Naturwissenschaften."

    https://de.wikipedia.org/wiki/Jesuiten

    Das ist eine feste Tradition bei den Jesuiten außer dem Theologiestudium ein weiteres Studium, oft im naturwissenschaftlichen Bereich zu absolvieren. Oder eine Berufsausbildung in einem nicht-theologischen und nicht-kirchlichen Bereich abzuschließen. Der gegenwärtige Papst Franziskus beispielsweise ist Jesuit und hat eine Ausbildung zum Chemietechniker absolviert.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Franziskus_(Papst)

    Beispiel?

    Beispiel?

    Ist es nicht so, dass es bei zahlreichen politischen Entscheidungen wissenschaftlich einwandfrei und exakt erstellte Orientierungshilfen für Politiker gibt? Selbst bei einfachsten Fragen? Die aber widersprechen sich oft gegenseitig. Trotzdem muss die Politik, müssen die Abgeordnete in den Parlamenten Gesetzestexte verabschieden. Trotzdem muss eine Regierung auf bestimmte Situationen reagieren. (Muss ja nicht immer gleich eine Pandemie sein.)

    Nimm mal zum Beispiel die Frage des Tempolimits auf Autobahnen.

    Die Grünen haben ja anscheinend gerade für dieses Thema den Begriff "Sicherheitstempo 130" entwickelt.

    "Es gibt keinen rationalen Grund für Deutschland, die Einführung von Sicherheitstempo 130 km/h auf allen Autobahnen weiter aufzuschieben."

    gruene-bundestag.de: Sicherheitstempo 130 auf allen Autobahnen, 18.9.2020

    https://www.gruene-bundestag.de/themen/mobilit…llen-autobahnen

    Sehr geschickt, weil der Begriff suggeriert, es sei zweifelsfrei wissenschaftlich erwiesen, dass Tempo 130 ein Maximum an Verkehrssicherheit gewährleistet.

    Aber auch sehr gefährlich, weil hier eine Sicherheit suggeriert wird, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt und die einen kompletten Ausstieg aus der "Autogesellschaft" behindert.

    Duden: "wissenschaftliche Lehre von einer als wahr vorausgesetzten [christlichen] Religion, ihrer Offenbarung, Überlieferung und Geschichte; Glaubenslehre"

    Darin ist schon der logische Widerspruch enthalten: "... als wahr vorausgesetzten ... Religion". Diese Lehre setzt also Glauben voraus; sie schließt Hinterfragen aus - also den Dreh- und Angelpunkt jeder Wissenschaft.

    Der größte Teil theologischer Forschung beschäftigt sich damit, sogenannte "Glaubenswahrheiten" gründlich zu hinterfragen. Fundamentalistische religiöse Gruppierungen neigen dazu, "alternative" Wahrheiten absolut zu setzen. Seriöse Theologen dagegen sind auf der Suche nach Glaubenswahrheiten, anstatt sie als fertige Lehrsätze zu verkünden. Seriöse Naturwissenschaftler ihrerseits erheben keinesfalls irgendwelche alternativen Wahrheitsansprüche. Das bedeutet natürlich ganz klar, dass sie die Erkenntnisse theologischer Forschung nicht als "unwahr" bezeichnen können. Denn dann würden ja Nichttheologen genau das tun, was sie den Theologen vorwerfen würden mit der Behauptung, sie (die Theologen) setzten etwas als "wahr" voraus.

    Man kann ja gerne den katholischen oder evangelischen oder spaghettimonsterischen Glauben studieren - so wie man in der Ethnologie auch die Vorstellungswelt anderer Völker studiert, aber mal Butter bei die Fische: in welchem Seminar, in welchem Semester befasst man sich denn im Theologiestudium damit, dass die ganze Götterei nur entstanden ist, weil die Menschen sich Blitz und Donner und Überschwemmungen nicht erklären konnten, und dass irgendwann aus der Wahr- und Vorhersagerei ein lukrativer Geschäftszweig entstanden ist, dessen größte Leistung die Selbsterhaltung der eigenen Organisation ist? Gibt es dafür einen Schein, gibt es Credits - oder wird man dann exmatrikuliert?

    Im Theologiestudium befasst man sich damit in einem der ersten Semester. Die meisten Theologiestudenten haben sich vermutlich bereits auf dem Weg zum Abitur mit dieser Problematik gründlich beschäftigt.

    Was du da vorträgst ist so eine Art vulgärmarxistische Form von Glaubenskritik.

    Dabei sind viele Atheisten da längst viel weiter:

    "Der Linken-Politiker Gregor Gysi hält Religion trotz seines eigenen Atheismus auch für moderne Gesellschaften für wichtig. "Ich glaube zwar nicht an Gott, aber ich möchte auch keine gottlose Gesellschaft", sagte Gysi dem Berliner "Tagesspiegel" (Sonntag): "Ich fürchte sie sogar." In einer Gesellschaft müsse es eine allgemein verbindliche Moral als "Maßstab im Kopf" geben. Der Kapitalismus könne dies nicht, die Kirche hingegen schon."

    "Gregor Gysi fürchtet sich vor gottloser Gesellschaft" evangelisch.de vom 21.4.2019

    https://www.evangelisch.de/inhalte/155979…er-gesellschaft

    Das ist ja merkwürdig, dass meine Bemerkung über die Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis hier so viel Aufmerksamkeit erregt.

    Wollt ihr denn alle von Wissenschaftlern regiert werden?

    Und wenn ja von welchen?

    "Wir haben seit 1926 schon daran gearbeitet, die Straßen dem Auto anzupassen - aber wie. Die Straßen wurden breiter gemacht, Kurven wurden abgeflacht [...], um dann [...] zu sehen, daß es schon wieder zu wenig gewesen ist für den fortgeschrittenen Autoverkehr. So ging es weiter. […] Da kam Adolf Hitler. Mit seinem weit ausschauenden Blick sagte er: Wir haben nicht eine Straße zu bauen, die dem jetzigen Verkehr genügt. […] Was wir bauen, muß für eine Generation geschaffen sein. Die Straße muß in 20 Jahren noch den Wert besitzen, den sie jetzt andeutungsweise haben kann."

    Fritz Todt in einer Pressekonferenz am 25. Juli 1933 (Fritz Todt war ein deutscher Bauingenieur. Während der Zeit des Nationalsozialismus war er zunächst Generalinspektor für das Straßenwesen. Er leitete unter anderem den Bau der Reichsautobahnen.)

    Hat die Nazipolitik nicht in hervorragender Weise der Verkehrs-Wissenschaft gefolgt und einen großartigen Straßenausbau geleistet?

    https://www.schule-bw.de/faecher-und-sc…anda-mythos-rab

    Da gibt es ja heute noch leider nicht wenige Menschen, die von "Hitlers Autobahnbau" schwärmen.

    Und ganz sicher war es zum Zeitpunkt der Machtergreifung Hitlers für viele Menschen sehr beruhigend, dass Hitler Männer der Wissenschaft, wie den deutschen Bauingenieur Fritz Todt, in wichtige Regierungsämter gebracht hat.

    Gut, dass du das "erkaufen" in Anführungsstriche gesetzt hast. Denn natürlich ist das Wahlhelferamt ein Ehrenamt.

    Deshalb gibt es da auch nichts zu verdienen, sondern es wird lediglich eine Aufwandsentschädigung gezahlt.

    Die höhere Impfpriorität ist richtig. Es soll ja niemand von den Wahlhelfer*innen einen Schaden davon tragen, dass sie das Ehrenamt ausgeübt haben.

    Aber ich bin schon neugierig, ob die Impfpriorität für Wahlhelfer*innen dazu führen wird, dass sich bei der bevorstehenden Bundestagswahl deutlich mehr Menschen für dieses Ehrenamt frühzeitig melden werden, als das sonst bei Wahlen der Fall ist.

    Ich wähle jemanden damit er oder sie 60 Stunden die Woche im Sinne der Bürger arbeitet und das auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und mit einem fähigen Team dahinter.

    Da darf man einfach gar keine Zeit mehr für Nebeneinkünfte haben. Und wenn man viel Geld für sehr wenig Arbeitszeit bekommt, dann ist das für mich Bestechung.

    Die Gewerkschaften haben zunächst den 8-Stunden-Tag und dann die 5-Tage-Woche hart erstritten.

    Und auch für noch kürzere Arbeitszeiten wurde in vielen Branchen erfolgreich gekämpft.

    Und das ist gut so!

    Ich erwarte nicht, dass Abgeordnete mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten.

    Aber ich stimme dir natürlich darin zu, dass sie ihre wohlverdiente Freizeit nicht darauf verwenden, einer anderen Berufstätigkeit nachzugehen als ihrer Abgeordnetentätigkeit.

    Und die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu kennen und zu berücksichtigen ist richtig und wichtig. Aber Abgeordnete zeichnet es aus, dass sie unterschiedliche wissenschaftliche Erkenntnisse, die sich bisweilen eklatant widersprechen, berücksichtigen müssen in ihrer Tätigkeit. Und bisweilen ist es wichtig, dass sie sich bei ihrer Entscheidungsfindung mutig über wissenschaftliche Erkenntnisse hinwegsetzen. Und es ist gut, dass sie diese Entscheidungsfreiheit haben. Ich möchte nicht unter einer Herrschaft der Sachverständigen und Technokraten leben!

    Demokratie ist keine Technokratie!

    Von so etwas wie der Ausgangssperre oder den Kontaktbeschränkungen (und ich wette mal: künftig auch von der Maskenpflicht) kann man sich aber nur mit einer Impfung „freikaufen“. Einzelne Bundesländer sehen auch schon einige exklusive Vorteile vor, so dürfen etwa vollständig Geimpfte in Mecklenburg-Vorpommern ihre Zweitwohnung besuchen oder Tagesausflüge unternehmen.

    Und alles wäre für mich auch ganz okay, wenn ich denn zeitnah irgendeine Möglichkeit auf eine Impfung hätte. Stattdessen werden aber die Impfzentren erstmal geschlossen und ich soll mich beim Hausarzt hinten anstellen.

    WHO: Bis zu 70 Prozent Corona-Impfrate für Herdenimmunität nötig

    Veröffentlicht in Ärztezeitung vom: 29.11.2020

    "Genf. Eine Durchimpfungsrate von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung ist nach Ansicht von Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für eine wirkungsvolle Bekämpfung der Corona-Pandemie nötig. Es gebe einige Studien, die zeigten, dass diese Anzahl notwendig sei, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, sagte die oberste Impf-Expertin der WHO, Katherine O’Brien. „So wären viele Menschen immun und würden andere schützen“, so O’Brien am Freitagabend in Genf. Erst bei einer solchen Durchimpfungsrate könne sich das Virus nicht mehr gut verbreiten."

    https://www.aerztezeitung.de/Nachrichten/WH…tig-415123.html

    Das hörte sich damals noch einigermaßen beruhigend an.

    Es tut also gar nicht not, dass jeder geimpft wird.

    Aber aktuell geht es gefühlt deutlich hektischer zu. Zu Recht?

    Wenn jedoch die 70 % Impfquote noch aktuell ist, dann stellt sich die Frage: Ab wann kann dann auf die Vorlage eines Impfausweises verzichtet werden, um alles das machen zu können, was man vor Corona auch gemacht hat? Wenn die 70%-Impfquote erreicht ist? Aber im Spätherbst 2020 war die englische Mutante noch kein Thema, bzw. fing gerade erst an, Thema zu werden.

    Und was genau hat jetzt Ihrer Meinung nach die "Künstler-Initiative" mit den nahezu schon militant-vorsätzlichen Regelbrechern aus dem Dunstkreis der Protestbewegung zu tun?

    "Schauspieler Volker Bruch will offenbar in die Corona-Protest-Partei „Die Basis“ eintreten. Das berichtet "netzpolitik.org". Der Star aus „Babylon-Berlin“ gilt als einer der Initiatoren der Video-Aktion „#allesdichtmachen“, Diese hatte in den vergangenen Wochen für viel Kritik gesorgt, weil sich darin rund 50 Schauspieler:innen gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen gestellt hatten."

    aus: Der Tagesspiegel vom 4.5.2021

    https://www.tagesspiegel.de/politik/allesd…t/27156094.html

    "Initiiert hat das Projekt, „#allesdichtmachen“, der Filmproduzent Bernd K. Wunder aus München, der insbesondere zu Beginn der Corona-Pandemie mit vielen verharmlosenden Aussagen auffiel. Sein Begriff „Coronazi“ wird in der „Querdenker“-Szene gern genutzt. Mittlerweile hat sich Wunder davon distanziert.

    Frankfurter Neue Presse vom 4.5.2021

    https://www.fnp.de/kino-tv/maybri…v-90483254.html

    Was ich so richtig schlimm an der "Künstlerinitiative" finde, ist diese Vortäuschen von Naivität. Das sind alles sehr professionelle Leute, die sich damit auskennen, wer in der Medienbranche wie tickt. Und die haben Berater, die sie warnen können. Warum lassen die sich von diesem Bernd K. Wunder anheuern? Wussten die nichts von dessen Eskapaden mit Begriffen wie "Coronazi". Das kann ich mir nicht vorstellen. Wenn sie's aber wussten, dann kann es ja nur so sein, dass sie das Aufwerten der rechten politischen Kräfte bewusst in Kauf genommen haben, oder noch schlimmer: sogar mit dieser Absicht ihre Aktion gestartet haben.

    Rein vom Prinzip her können Nebeneinkünfte aber in Ordnung sein. Wenn jemand ein Unternehmen aufgebaut hat, das inzwischen (fast) alleine läuft und gute Gewinne abwirft, dann ist doch ein Bundestagsmandat nebenher in Ordnung. Oder soll man Unternehmern verbieten, politisch tätig zu werden?

    Es ist gut hin und wieder daran zu erinnern, dass bestimmte gesellschaftliche Gruppen, es leichter haben, Parteiarbeit zu leisten und zu finanzieren als andere Gruppen. Berufsgruppen mit hohem Einkommen organisieren sich in ihren Parteien, vor allem in der FDP. Diese Parteien der Begüterten haben großen Einfluss auf die Politik. Und ihre Wähler sind emotional nicht so leicht beeinflussbar, wie die Wähler so genannter Volksparteien. Da gibt es keine wirklichen Zukunftsängste bei den Wählern der FDP. Deren Wähler haben vorgesorgt.

    Großen Teile der Bevölkerung, die nur über ein mittleres oder geringes Einkommen verfügen, haben gar keine andere Chance sich politisch Gehör zu verschaffen, als dadurch, dass sie sich möglichst zahlreich in möglichst einer Partei zusammenschließen. Vielleicht auch noch in einer zweiten aber dann droht schnell die "Verzettelung".

    Viele kleine Mitgliedsbeiträge ergeben zusammengerechnet auch eine ganz ansehnliche politische Durchsetzungsfähigkeit.

    Leider wird gegen den solidarischen Zusammenschluss der Menschen in Parteien gerne von bürgerlichen politischen Kräften polemisiert. Und rechte Parteien wie die AfD agitieren außerordentlich demagogisch gegen die "Systemparteien". Leider immer wieder auch recht erfolgreich.

    Die Grünen als Bionaden-FDP zu titulieren trifft einen wunden Punkt. Leider gibt es Vertreter der Grünen, die gegenüber Menschen mit geringem Einkommen und niedrigen Bildungsabschlüssen sich sehr weit erhaben fühlen. Das wiederum macht es Vertretern konkurrierender Parteien leicht die Floskel vom Wasser predigen und Wein trinken zu streuen.