Kreisverkehre sind eine Form von Verkehrsinfrastruktur, die einzig und allein dem imaginären Verkehrsfluss der Autofahrenden geschuldet sind. Bei den Fahrradfahrenden finden sie deshalb nur geringe Akzeptanz.
Die orangen Pfeile zeigen, wie rund 80 bis 90 % der Fahrradfahrenden von dem engeren Teil der Küchengartenstraße unter Auslassung des Kreisels direkt in die Haasemannstraße fahren. Gilt genau so auch für die darauf folgende Einfahrt in die Gartenallee.
Die grünen Pfeile zeigen den 7x längeren, rund 140 m langen aber korrekten Fahrweg. Vereinzelt steigen Fahrradfahrende auch ab und schieben das orange eingezeichnete Stück, womit sie sich rechtssicher verhalten und trotzdem schneller sind, als wenn sie dem grünen Pfad fahrend folgten.
Die orange eingezeichnete Wegstrecke beträgt ca. 20 m, der korrekte grüne Weg hat ca. 140 m.
In dem verlinkten Kartenausschnitt kommt der schmalere Teil der Küchengartenstraße, dort startet der orange Pfeil, von oben ins Bild. Die Haasemannstraße gehen nach oben rechts, die Gartenallee nach rechts ab. https://www.google.com/maps/place/Fra…811!4d9.7125063
Von Nordwesten der Hellmut-Ernst-Mierecke-Weg (Schulweg zum Vincent-Lübeck-Gymnasium, zur BBS und Hauptweg für Fußgänger und Radfahrer zur Stadthalle), nach Südwesten der Synold-Klein-Weg und nach Süden/Südosten der Georg-Christoph-Lichtenberg-Weg, der die Verlängerung von Stades erster Fahrradstraße darstellt. Ein Kreisverkehr ist daher für Radfahrer an dieser Stelle keine geeignete Lösung, weil man dann nordwärts entweder dreiviertel des Kreises umfahren muss (was niemand machen wird), oder den direkten Weg verkehrt herum wählt (was in der Planung sogar so vorgesehen ist).
Es ist gut, dass es in der Planung für den neuen Kreisel in Stade vorgesehen ist, dass Fahrradfahrer*innen den direkten Weg verkehrt herum wählen können, um sich Kreiselumfahrungen zu ersparen. Weniger gut ist die Kreiselplanung selbst. Solche Planungen finden in der Regel erst mal viel Zustimmung bei den Autofahrenden, weil die den Märchen glauben, dass damit der Verkehrsfluss verbessert werde, die Kapazität eines Kreuzungspunktes erweitert wird und andere "Verkehrsfluss-Ammenmärchen".
Zum Beispiel: "Nie mehr vor der Roten Ampel warten müssen." Da werden Märchen war, denkt sich da manche Autofahrerin und mancher Autofahrer. Bis sie dann je nach Verkehrszunahme eines Tages erneut vor einem dann beampelten Kreisel an der gehassten roten Ampel warten müssen. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich auszumalen, dass genau das auch bei Stades neuem Kreisel der Fall sein wird. Viele Millionen Euro wurden verpulvert um eine Schimäre zu bauen, die den Verkehrsinfarkt verhindern sollte, ihn aber tatsächlich verstärkt hat.
Immerhin bleibt es den Radfahrenden an diesem Kreisel in Stade erspart wegen dieses Autowahns täglich zum Absteigen und Schieben zu greifen, ordnungswidrig verbotene Wege zu fahren oder Umwege in Kauf zu nehmen. Dafür verstärkt die Kreisel-Konstruktion einmal mehr das Lamento der Autofahrerschaft über angebliche Radfahr-Rowdies, die sich angeblich illegal verhalten und die sich wohl alles erlauben könnten, ohne dass die Ordnungsmacht eingreift.
Leider habe ich auf dem verlinkten googlemaps-Ausschnitt aus Stade nicht alle angegebenen Wege wiedergefunden. Sind da welche nicht hinterlegt bei google-maps?
Es handelt sich aber doch um diese Baustelle: tageblatt.de vom 15.10.2021?