Andererseits ist so eine Verhandlungslösung (die meiner Meinung nach anzustreben ist) nur möglich, wenn die Ukraine noch verteidigungsfähig ist. Denn wenn die Ukraine sich ohnehin nicht mehr verteidigen kann, gibt es für Russland keinen Grund zu verhandeln, da dann ja ohnehin mit minimalen Kriegskosten eine Eroberung der Ukraine möglich ist.
Ein Land zu erobern ist eine Sache, es dauerhaft so zu kontrollieren, dass es dort einigermaßen ruhig zugeht eine andere. Leider ist trotz ausländischer Waffenhilfe für die Ukraine nicht auszuschließen, dass Russland zumindest Teilgebiete der Ukraine erobert, bzw. weitere erobert, zusätzlich zu denen, die bereits jetzt vom russischen Militär besetzt sind.
Die Krim wird von Russland relativ "erfolgreich" beherrscht. Allerdings ist davon auszugehen, dass das durch eine Russland-affine Bevölkerung begünstigt wird, deutlich mehr als das in anderen Landesteilen der Ukraine der Fall wäre.
Die sogenannten Autonomiegebiete im Donbass waren schon seit Jahren nicht mehr unter ukrainischer Kontrolle. Derzeit erobert Russland dort Gebiete, die über die sogenannten "Autonomiegebiete" hinausgehen.
Wann soll dann aber der Zeitpunkt gekommen sein, um zumindest mit Waffenstillstandsverhandlungen zu beginnen?
Freilich ist die Frage damit nicht beantwortet, welche Lösungen für diese Gebiete gefunden werden sollen, sollte es der Ukraine nicht gelingen, diese zurückzuerobern, oder sollte die Ukraine (oder Russland, oder beide) zu der Einsicht gelangen, dass es ein unverhältnismäßig schlimmes Blutvergießen und Zerstörungswerk bedeuten würde, immer weiter darum zu kämpfen.
Auch eine militärisch unterlegenen Ukraine ist nicht in der Position, gar keine Angebote in einer Verhandlungssituation unterbreiten zu können. Umgekehrt stellt sich die Frage, wie stark die Ukraine aufgerüstet werden sollte, und welche besonderen Gefahren sich daraus ergäben, um eine militärische Überlegenheit der Ukraine gegenüber Russland zu erreichen.