Beiträge von Ullie

    also beim "attraktiven ÖPNV" auf dem Lande muss man fragen, was die Mehrheit darunter versteht.

    Im Nahverkehrsplan der Stadt Hannover ist für die Region Hannover, die zahlreiche ländliche Gebiete einschließt, festgelegt:

    "Hannover-Standard-Regional:

    Alle Ortsteile der Region Hannover (ohne Landeshauptstadt Hannover) sollen mindestens alle zwei Stunden, zur Hauptverkehrszeit mindestens jede Stunde bei einer vertretbaren Reisezeit an ihr Gemeindezentrum und an das Zentrum der Landeshauptstadt Hannover angebunden sein. Der Bedienungszeitraum variiert dabei je nach Richtung und Tagesart."

    Quelle: NVP 2021

    file:///C:/Users/schor/Downloads/Nahverkehrsplan%202021_Internet_0622.pdf

    Zumindest kenne ich Bewohner von Nachbarlandkreisen, die die Bewohner der Region Hannover sehr darum beneiden, dass es diesen Standard gibt, der tatsächlich auch in vielen kleinen Orten in der Region Hannover verwirklicht ist.

    Und es geht auch gar nicht darum, dass niemand mehr Auto fährt, sondern dass wenigstens für diejenigen, die kein Auto fahren können oder wollen, eine Alternative besteht, die Mobilität überhaupt ermöglicht und dass sich ein Umstieg vom Auto auf das Fahrrad nicht immer und überall wie ein Abstieg anfühlt, weil man sich dann entweder mit der allerletzten Buckelpiste zufrieden geben soll oder ständig als Verkehrshindernis behandelt wird.

    An der Stelle möchte ich noch ergänzen, dass es für Benutzer des ÖPNV ebenfalls völlig unverständliche Behinderungen und gravierende Benachteiligungen gegenüber dem Autoverkehr gibt, die nicht sein müssten und deren Beseitigung keinen einzigen Euro kosten würden, aber sehr viel Geld einsparen könnten.

    Die Regelung, dass auf Landstraßen grundsätzlich Tempo 100 gefahren können werden soll, führt zu immensen Ausgaben für den Ausbau von Landstraßen, die es ermöglichen, dieses hohe Tempo gefahrlos zu fahren.

    Der Linienbusverkehr dagegen ist limitiert auf 60 km/h. Und nur wenn alle mitfahrenden Passagiere auf Sitzplätzen sitzen, darf der Busfahrer auch schneller, nämlich bis max. Tempo 80 km/h fahren.

    Außerdem sind Omnibushaltestellen immer noch so gestaltet, dass Autofahrer an dem an der Haltestelle wartenden Omnibus vorbeifahren können. Das ist ganz und gar nicht im Sinne einer Verkehrswende. Im Gegenteil: Dem ÖPNV-Fahrgast wird signalisiert: Du hast zurückzustehen gegenüber dem MIV. Genau wie Fahrradfahrer auf Radwegen an vielen Stellen, an denen der Radweg über eine Landstraßenausfahrt führt, wartepflichtig gemacht werden, durch ein Vorfahrt-Achten Zeichen.

    Tempo 60 auf Landstraßen kann nicht nur dazu beitragen, dass sich Radfahrer auf der Fahrbahn auch ohne Fahrradweg sicherer fühlen, sondern würde auch den Linienbusverkehr-Nutzern mehr Mobilitäts-Gerechtigkeit verschaffen. Und es können so erhebliche Kosten eingespart werden.

    Mit dem "persönlichen ökologischen Gewissen" gehe ich recht sparsam um, seitdem ich diese Sache mit dem CO2 Fußabdruck gelesen hatte. In diesem ARD-Artikel wird es noch einmal gut zusammengefasst: "CO2-Fußabdruck berechnen und reduzieren und alles ist gut? So einfach ist es leider nicht. Auch wenn Ölkonzerne das suggerieren. Denn nicht wir als Einzelpersonen sind für die meisten Treibhausgase verantwortlich: Weit mehr entstehen bei Energiewirtschaft und Industrie."

    Der Ölkonzern BP, früher British Petroleum, machte das Konzept des CO2-Fußabdrucks (Englisch: Carbon Footprint) weltweit bekannt. Das Unternehmen brachte 2004 einen CO2-Rechner heraus, mit dem Menschen berechnen können, für wie viel CO2-Emissionen sie verantwortlich sind. BP lenkte mit dieser Werbekampagne geschickt die Aufmerksamkeit vom massiven CO2-Fußabdruck der Ölkonzerne auf Individuen um."

    ARD Alpha vom 27.10.21

    Treibhausgase: Wie der CO2-Fußabdruck die Klima-Realität verschleiert | BR.de
    CO2-Fußabdruck berechnen und reduzieren und alles ist gut? So einfach ist es leider nicht. Auch wenn Ölkonzerne das suggerieren. Denn nicht wir als…
    www.ardalpha.de

    Die Frage ist doch nicht, ob ich mich persönlich frage, ob ich einen Billigflug buche oder nicht. (Natürlich nicht, was soll der Quatsch?)

    Sondern es kommt darauf an, meinen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Einfluss dafür einzusetzen, dass so ein Quatsch unmöglich gemacht wird und ökologisch gangbare Alternativen angeboten werden.

    Leider braucht es dafür bisweilen sehr viel Geduld.

    Beispiel: Mit der Bahn habe ich schon Reisen ins Ausland unternommen. Aber der Fahrkartenverkauf gestaltet sich mitunter schwierig im Vergleich zum Ticketkauf zum Beispiel für einen Flug.

    Ich habe einfach mal bei der Seite International-bahn.de von der Deutschen Bahn die Daten für eine Zugreise nach Rom eingegeben.

    https://www.international-bahn.de/de/

    Bei der Preisermittlung tauchte dann diese Anzeige auf:

    "Es tut uns leid, wir können die von Ihnen gewählte Verbindung online nicht verkaufen.

    Weitere Informationen finden Sie unter Hilfe und Kontakt."

    Finde ich jetzt nicht so schlimm, weil ich ohnehin nicht gerne online etwas kaufe. Aber bei vielen Menschen ist das heute üblich, etwas online zu kaufen und viele davon sind doch an der Stelle dann schon weg.

    Allerdings war es nicht einmal möglich im Internet zu sehen, wieviel es denn kosten würde.

    Ein anderes Beispiel:

    Für einen Trip nach Großbritannien wollte ich die Fähre Calais-Dover als Fußgänger-Passagier nutzen. Das ist auch grundsätzlich möglich. Rabatte für bestimmte Uhrzeiten, auf die man sich festlegen kann, gibt es allerdings nur für Autofahrer. Und diese Rabatte sind dann deutlich billiger, als wenn man die Fähre als Fußgänger benutzt. Ich hatte dann nicht den Ehrgeiz herauszufinden, ob es möglich ist vorzutäuschen, dass man ein Autofahrer-Passagier ist, um in den Genuss einer vergünstigten Überfahrt zu kommen.

    In solchen Fällen beschwere ich mich natürlich bei den Anbietern in der Hoffnung, dass auch viele andere das tun. Aber wie schon gesagt. Es braucht viel Geduld.

    Es ist mehr als ärgerlich, wie in Anbetracht der Bayernwahl insbesondere die CSU, aber auch CDU und FDP versuchen Stimmung zu machen gegen ein angebliches Böllerverbot, das nach deren Lesart von den "Verbotsparteien" SPD und Grüne durchgesetzt werden soll.

    Mit dieser Polemik versuchen FDP und Union erneut der AfD den Wind aus den Segeln zu nehmen.

    "Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lehnt ein Böllerverbot ab und fordert harte Strafen für Menschen, die an Silvester randalieren. „Ein spürbarer Denkzettel und gegebenenfalls auch Freiheitsstrafen sind angebracht“, sagte Herrmann dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. „Ein generelles Feuerwerksverbot halte ich nicht für zielführend.“ Das würde auch diejenigen strafen, die umsichtig und verantwortungsvoll damit umgingen."

    aus: Welt vom 3.1.23

    Welt vom 3.1.23

    Und der CDU-Politiker Spahn stellt fest: "

    „Da geht es eher um ungeregelte Migration, gescheiterte Integration und fehlenden Respekt vor dem Staat statt um Feuerwerk“, zog der CDU-Politiker sein Fazit."

    aus: Münchner Merkur vom 4.1.2023

    Münchner Merkur vom 4.1.23

    Solche Stellungnahmen sind kaum noch zu unterscheiden von denen der AfD:

    "Die Berliner AfD stellt sich klar gegen ein Böllerverbot. Ein Sprecher betitelte das Verbot auf t-online-Anfrage als "Herumdoktern an den Symptomen der verfehlten Einwanderungspolitik der letzten Jahrzehnte bei gleichzeitiger Bestrafung rechtstreuer Bürger"."

    t-online vom 3.1.23

    t-online vom 3.1.23

    Fakt ist: Wir haben bereits ein allgemeines Verkaufsverbot und ein allgemeines Verbot von gefährlicher Pyrotechnik. Und es ist nicht erlaubt, ohne nachgewiesener professioneller Ausbildung und einem Befähigungsschein mit gefährlicher Pyrotechnik zu hantieren. Das ist im Sprengstoffgesetz und der dazugehörigen Verordnung so festgelegt.

    SprengG - nichtamtliches Inhaltsverzeichnis

    1. SprengV - nichtamtliches Inhaltsverzeichnis

    Diese Beschränkungen für den Umgang mit gefährlicher Pyrotechnik gilt an 362 Tagen im Jahr. Nur an den letzten drei Tagen des Jahres dürfen aufgrund einer Ausnahmegenehmigung gefährliche Feuerwerksartikel frei verkauft werden und an Silvester von jedem abgebrannt werden.

    Diese Ausnahmegenehmigung muss fallen, denn sie erlaubt Privatpersonen ohne professionelle Ausbildung und Befähigungsschein das Hantieren mit Sprengstoff. Eine ganzjährige Geltung des Sprengstoffgesetzes löst freilich noch keine sozialen Probleme. Dazu bräuchte es unter anderem mehr Krippen und Kindergartenplätze für alle Kinder und echte Ganztagsschulen, sowie weitere Maßnahmen zur besseren Integration nicht nur von Migranten, sondern von allen Heranwachsenden in unsere Gesellschaft.

    Die Polemik der rechten Parteien, Silvester-Randale und Feuerwerk-Unfälle sei ein durch Migranten hervorgerufenes Großstadtproblem, wird freilich absurdum geführt durch die vielen Vorfälle in kleinen Städten und Ortschaften. Hier drei Beispiele:

    "Ein 42-Jähriger wurde in Friemar bei Gotha beim Hantieren mit online bestellten Böllern so schwer verletzt, dass ihm beide Unterarme amputiert werden müssen, wie die Polizei sagte."

    Quelle: rnd vom 1.1.23

    rnd vom 1.1.23

    Der Ort Friemar im thüringischen Landkreis Gotha hat rund 1000 Einwohner*innen.

    "Beim Anzünden von Feuerwerkskörpern auf der Straße wurde ein Fußgänger in Sachsen-Anhalt von einem Auto erfasst und tödlich verletzt. Der 42-Jährige wurde durch die Wucht des Aufpralls am frühen Sonntagmorgen mehrere Meter weit über die Fahrbahn geschleudert, wie die Polizei mitteilte. Er starb noch am Unfallort in Schönebeck (Elbe). Der 61 Jahre alte Autofahrer beging nach dem Unfall Fahrerflucht."

    Quelle: ebenda

    Schönebeck ist eine Kleinstadt mit rund 30.000 Einwohner*innen.

    "Feuerwehrleute wurden mit Böllern angegriffen, im ehemaligen Hallenbad wurde ein Brand gelegt, in der Tulla-Realschule randaliert – die Stadt Kehl spricht von Ausschreitungen im bisher nicht gekannten Ausmaß in der Silvesternacht.

    Die Feuerwehr war im Dauereinsatz."

    Quelle: HITRADIO OHR vom 2.1.23

    HITRADIO OHR vom 2.1.23

    Kehl ist eine Stadt in Baden-Württemberg mit rund 40.000 Einwohner*innen.

    Mir geht es schon seit Jahren immens auf die Nerven, dass in der Silvesternacht von manchen Menschen so hemmungslos mit Feuerwerk um sich geschossen wird, dass ich mich mittlerweile nicht mehr auf die Straße wage.

    Und die Böllerei beginnt immer früher. Zumindest ist mein Eindruck, dass in Hannover in diesem Jahr schon Anfang Dezember immer wieder Böller gezündet wurden, während das Geböllere in den vergangenen Jahren (vor Corona) immerhin auf die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr beschränkt war. Damit einhergehend ballt sich der Unrat auf den Fahrbahnen, den Fahrradwegen und Fußwegen und überall liegen Flaschenscherben herum.

    Es sei keine Aktion von Fridays For Future, aber selbstverständlich weiß man in Tümpel-Town, dass die Fridays For Future Aktivitäten politisch in dieselbe Richtung gehen und um das Unterstützer-Potenzial bei Friday For Future für das Baumbesetzer-Dorf.

    Ziel der Tümpel-Town-Bewoher*innen ist es, den Ausbau des Südschnellweges zu verhindern und stattdessen einen Umbau auf eine Fahrspur für den Autoverkehr und eine für den ÖPNV zu verwirklichen. Bei einer deutlich niedrigeren Höchstgeschwindigkeit als mit Tempo 100 oder 120 ist das möglich und dabei würde auch noch jede Menge Geld gespart werden, dass sinnvoller in den ÖPNV-Ausbau investiert werden kann.

    Der Name Tümpel-Town weist auf den Ort nahe am Wasser hin. Im Hintergrund hinter dem Baumdorf sind die schnurgeraden Leitplanken des Südschnellweges zu erkennen.

    Das OVG Bremen hat wohl schneller entschieden als erwartet.

    https://www.weser-kurier.de/bremen/politik…smexbk61rlp4gak

    Aufgrund der Paywall habe ich nur die ersten Sätze lesen können.

    "Die Stadt Bremen darf aufgesetztes Parken auf Gehwegen nicht weiter ignorieren. Das hat das Oberverwaltungsgericht entschieden. Wenn sich Anwohner darüber beschweren, müssen die Behörden darauf reagieren. In welcher Form ist allerdings jetzt noch unklar."

    aus buten und binnen vom 22.12.22 (ohne paywall)

    https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/au…20noch%20unklar.

    Weiter heißt es:

    "Wie weitreichend die Maßnahmen sein müssen und welcher Handlungsspielraum dem zuständigen Mobilitäts- und dem Innenressort bleibt, ergibt sich nicht aus dem sogenannten Tenor des Gerichts. Ein Tenor im juristischen Sinne umschreibt den wesentlichen Kern einer gerichtlichen oder behördlichen Entscheidung. Eine genaue Begründung der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts folgt im kommenden Jahr."

    Nach meiner Beobachtung in Hannover gibt es keine konsequente Parkraumüberwachung, kein abgestimmtes Vorgehen der drei verschiedenen dafür zuständigen Behörden und keinen Kontakt in dieser Frage mit der für die Ausschilderung zuständigen Stelle.

    Es sollte mich wundern, wenn das in Bremen stringenter organisiert ist. Deshalb wird es schwer werden, eine Verbesserung der Situation zu erreichen. Die Bereitschaft in Politik und Behörden darüber hinwegzusehen, dass es längst schon viel zu viele Autos gibt in den Städten (und auf dem Land) ist sehr ausgeprägt.

    Aktuelle Bilder von gestern.


    Ein Verkehrskreisel ist für mich in fast allen Fällen eine von vornherein Fahrradfahrerfeindliche Form von Verkehrsinfrastruktur. Die im Foto gezeigten Holper-Bordsteine sind da nur das böse Tüpfelchen auf dem ohnehin schon schlimmen "i". Das Signal ist klar. Wenn dir dein Leben lieb ist, dann fahr langsam mit dem Fahrrad und bleib gefälligst stehen, wenn ein Auto kommt. "Der Klügere gibt nach.", heißt es dann.

    Komisch, dass dieselben Autofahrer, die gerne Fahrradfahrer als dumm und ungehobelt diffamieren, mit der Erwartung auf sie an Engstellen oder an Kreuzungen zufahren, der Klügere werde schon nachgeben.

    Meiner Meinung nach bisher durch nichts übertroffen: :)

    Otto Wiesheu, seines Zeichens Generalsekretär der CSU, verursachte 1983 stockbesoffen mit seiner BMW-Dienstlimousine einen Verkehrsunfall, bei dem einer starb (Paul Rubinstein) und ein anderer schwer verletzt wurde. 1990 von Streibl ins Kabinett berufen, 1993 von Stoiber zum - Trara - bayerischen Verkehrsminister ernannt.

    2005 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Lebt. m.W. immer noch.

    Wer eine Dienstlimousine hat, der hat auch einen Fahrer. Setzt er sich selbst ans Steuer, dann zeigt das vor allem eines: Autofahren ist keine notwendige Form von Mobilität, die man nicht zum Spaß macht, wie es gerne immer wieder von den Verteidigern des Autowahns behauptet wird. Im Gegenteil: Ich bin sicher, Autofahren machen die meisten deshalb, weil es ihnen so viel Spaß macht.

    Am liebsten sind mir dabei die Rennfahrer, die ausschließlich nur auf nicht öffentlichen Rennstrecken Auto fahren. Besonders dann, wenn die nicht mit dem Rennwagen zur Rennstrecke fahren. Solche Rennstrecken sollten eigentlich so gebaut werden, dass sie ausschließlich nur mit dem ÖPNV oder dem Fahrrad oder zu Fuß erreichbar sind. Zufahrtwege ausschließlich nur für Betriebszwecke.

    Falschparker blockieren Verkehrswende

    Befürworter einer Verkehrswende werden kriminalisiert, wenn sie zum Beispiel mit der Blockade von Autofahrspuren darauf aufmerksam machen, dass der massenhafte Autoverkehr in eine Sackgasse führt und die Lebensgrundlagen auf unserem Planeten zerstört.

    In einem anderen Zusammenhang hatte Böhmermann den Begriff "Systemerhaltungs-Reflex" benutzt.

    Wer das vielfach als unbrauchbar bewiesene Verkehrsinfrastruktur-System MIV infrage stellt, muss ebenfalls mit Systemerhaltungs-Reflexen rechnen.

    Das Kriminalisieren von Befürwortern einer echten Verkehrswende ist so ein Systemerhaltungs-Reflex.

    Dabei wird gerne übersehen, dass die Autofahrerschaft im Vergleich dazu mit Samthandschuhen angefasst wird, wenn sie vergleichbare Aktionen unter Zuhilfenahme ihres "Heiligen Blechles" durchführt, um die Botschaft zu vermitteln, es brauche mehr Parkplätze, breitere Straßen und insgesamt deutlich mehr Platz für den Autoverkehr. Das "Heilige Blechle" ist vielen so "heilig", dass es nicht entfernt wird, auch wenn es noch so sehr den ÖPNV oder den Fahrradverkehr blockiert.

    Mit der Begründung, es gäbe ja ganz einfach zu wenig Parkplätze, sodass sie zum Falschparken regelrecht gezwungen würden, kommen Autofahrer immer wieder entweder gänzlich ohne Sanktionen davon oder werden allenfalls mit einem niedrigen Ordnungsgeld belangt. Dabei ist es ja gar nicht so, dass sie ihre Fahrzeuge auf der Straße fest geklebt hätten. Aufladen und Abtransportieren aber ist eine Gegenmaßnahme, vor der die Verkehrsbehörde zurückschreckt. Kein Wunder: Schließlich erfahren solche Autofahrer*innen immer noch ein viel zu breiten Rückhalt in der Politik.

    Wie nun? Ist jetzt Radfahren hier verboten oder erlaubt?

    Die Auflösung:

    Radfahren auf der Fahrbahn ist erlaubt, aber weil viele Radfahrer*innen das Holperpfalster lieber meiden, weichen sie auf den Gehweg aus, der allerdings nicht für den Radverkehr freigegeben ist. Da hat die Hausverwaltung dann in Eigeninitiative Abhilfe schaffen wollen.

    Meine Beobachtung ist:
    Ampel- und Laternenmasten habe oft eine ca. 20 - 30 cm hohe Klappe mit einer Öffnung dahinter. (Befestigung Ampeldrückknopf oder Revisonsöffnung) Dieses Loch im Mast in ca. 30 cm bis 1,20 m Höhe ist dann die Schwachstelle, an der der Mast einknickt, wenn er oberhalb davon seitlich belastet wird. Oder auch wenn er unterhalb davon angefahren wird, dann knickt der Mast allerdings oberhalb von der angefahrenen Stelle in die Richtung, aus der der "Angreifer" kommt.

    Die "Revisionsklappe" vom weiter oben gezeigten Mast wurde mit viel Klebeband umwickelt.

    Nein, die Fakten sagen das Gegenteil. Keiner hat eine Ahnung, wie man Radwege unter halbwegs realistischen Rahmenbedingungen bauen müsste, damit sie Sicherheit generieren können.

    Und da man Benutzungspflichten praktisch nur mit dem Sicherheitsgewinn begründen kann, ist jede, also wirklich jede, rechtswidrig, weil widerlegt ist, dass sie ein geeignetes Mittel ist.

    Das gilt allerdings auch für Fußwege.

    Keiner hat eine Ahnung, wie man Fußwege unter halbwegs realistischen Rahmenbedingungen bauen müsste, damit sie Sicherheit generieren können.

    Ein besonders krasses Beispiel ist das hier aus Stuttgart.

    Ginge es nach der Intention der Verkehrsbehörde, die hier Betonwände zum Einpferchen der Verkehrsteilnehmer*innen auf dem Fußweg angeordnet hat, dann müssten die Betonwände vermutlich so hoch sein, wie es die Berliner Mauer einmal war.

    Wenn die Mauern dann noch so stabil gebaut wären, dass sie auch einen 40-Tonner auf Irrfahrt stoppen könnten, dann wäre Sicherheit gegeben. Aber wer wollte in einem rund 1,50 bis 2,00 m breiten Gang zwischen einer meterhohen Mauer auf der einen und 4 bis 5 Geschossen hohen Häusern auf der anderen Seite noch lang gehen?

    Für eine konsequente Reduktion der Unfallgefahren verbunden mit deutlich mehr Bewegungsfreiheit für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer*innen braucht es eine echte Verkehrswende! Und da spielt dann das Auto nur noch für ganz wenige Anwendungsfälle eine Rolle. Und keinesfalls die Rolle als Verkehrsmittel für jedermann. Eine private Nutzung zum Beispiel ist dann nicht mehr möglich.

    Auch bei dieser Veranstaltung waren reichlich Vertreter*innen von Fridays for Future, Parents for Future, Scientists for Furture usw. vor Ort:

    Die Hannoversche Allgemeine Zeitung hatte zum HAZ-Forum eingeladen. Auf dem Podium unter der Schnellweg-Flutbrücke am Ricklinger Kiesteich diskutierten und beantworteten die Fragen aus dem Plenum:

    Tümpeltown-Sprecher*in Belgrad

    Leinemasch-Sprecherin Julia Förster

    die Landtagsabgeordnete aus der CDU-Fraktion Martin Machula

    und als prominentester Gast der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies.

    Dazu rund 200 Zuhörer*innen, die sich nicht nur in mehreren Fragerunden sehr aktiv beteiligten, sondern auch immer wieder durch Beifall oder Gesten der Missbilligung die Redner auf dem Podium begleiteten.

    Leider gab es dazu Anlass. Eine der krassesten Aussagen kam von der CDU-Vertreterin, die zunächst den Eindruck erweckte, am geplanten autobahnmäßigen Ausbau unverändert festhalten zu wollen. Laut Machulla seien vor allem "wenig wertvolle Bäume" von der Abholzung betroffen.

    Wirtschaftsminister Lies dagegen stellte in Aussicht durch Gespräche mit den Verantwortlichen auf Bundesebene eine Reduktion der Ausbaupläne durchsetzen zu wollen, ohne jedoch grundsätzlich das geplante Vorhaben infrage zu stellen. Lies sieht die Möglichkeit, statt der angepeilten zwei Fahrstreifen je Richtung plus jeweils einen breiten Standstreifen, nur die beiden Fahrstreifen je Richtung und dazu Notbuchten zu bauen. Zusätzlich soll eine Temporeduktion für mehr Sicherheit zu sorgen.

    Es sei nicht einzusehen, warum man den rund 2 km langen Streckenabschnitt mit Tempo 100 befahren können muss, so wie es bislang vorgesehen ist, so Lies.

    Allein es fehlt im Publikum der Glaube an der Durchsetzungskraft des niedersächsischen Verkehrsministers gegenüber den Vorstellungen des Bundesverkehrsministeriums. Und manche befürchteten einen schmutzigen Trick des Ministers, mit dem er die Wogen glätten will, obwohl er selbst über die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens Bescheid weiß.

    Immerhin schwenkte Machulla im Verlauf der Diskussion nach und nach auf die Positi0n des Wirtschaftsministers ein. Für die Verteidiger der Leinemasch bleibt freilich klar, dass maximal Erhaltungsmaßnahmen im Bestand vorgenommen werden dürfen, wenn ernsthaft auf eine Verkehrswende hingearbeitet werden soll.

    Trotz winterlicher Temperaturen und zunehmender aufsteigender Feuchtigkeit harrte das Publikum über zwei Stunden aus!

    Österreicher machen vielleicht ernster mit Geschwindigkeitsübertretungen.

    Wenn man genau liest, geht es um 60km/h Überschreitung, nicht Geschwindigkeit.

    Trotzdem, wenn das mal hier zur Diskussion steht, kann ich alle schon heulen hören.

    In dem von Autogenix verlinkten Artikel auf tagesschau.de heißt es bezogen auf die Autos von notorischen Zuschnellfahrern:
    "Diesen Personen müsse man die "Tatwaffe aus der Hand nehmen"."

    Dass auf tagesschau.de ein (wenn auch zitierter) so eindeutiger und ungeschönter Hinweis auf das Gefährdungspotenzial von Autos abgedruckt wird, ist beachtenswert. Musste ich doch die Erfahrung machen, dass selbst in einem Verkehrsforum von und für Fahrradfahrer*innen eine schonungslos kritische Bezeichnung für das Verkehrsmittel Auto schnell mit einem gesenkten Daumen quittiert wird.

    Österreich will extremen Rasern das Auto wegnehmen
    Kein Führerschein und auch kein Auto mehr: Österreichs Verkehrsministerin will strenger gegen extreme Raser vorgehen. Wer innerorts mehr als 60 km/h zu schnell…
    www.tagesschau.de

    Gut aus der Hüfte geschossen John Wayne!

    Wir sind uns also einig, dass die Autofahrerin den Radfahrer nicht umbringen wollte?! Totschlag ist es dann auch nicht.

    Was wollt Ihr dann jetzt tun? Immer wieder feststellen, dass die Autofahrerin schuld ist? Und das wollt Ihr nun bis an Euer Lebensende feststellen? Und immer wieder wollt Ihr überrascht sein, dass Menschen Fehler machen, unvollkommen sind und irgendetwas missachten? Und Ihr habt die Hoffnung, dass die Autofahrer irgendwann perfekte Menschen werden, so wie die Radfahrer?

    Was glaubt Ihr? Wird das passieren?

    Oder sollte man als durchschnittlich intelligenter Mensch nicht doch vorher wissen, dass andere Menschen (nicht man selbst) unvollkommen sind und diese bahnbrechende Erkenntnis bei seinem eigenen Verhalten berücksichtigen?

    Das Auto ist ein gemeingefährliches Mordwerkzeug. Es gehört ganz einfach in die Mottenkiste technischer Fehlentwicklungen.

    Weiß wer, wie sich der ADFC-Hamburg in dieser Frage verhalten hat.

    Der ADFC setzt sich an vielen Stellen für den Radwegebau ein.

    Diese Position ist aus verschiedenen Gründen umstritten, wie nicht zuletzt dieses Beispiel aus dem Mopo-Artikel zeigt.

    Auf der Internet-Seite des ADFC-Hamburg habe ich diese allgemeine Positionierung gefunden:

    "Eine Umverteilung des öffentlichen Raums sollte immer zulasten des Autoverkehrs erfolgen und nicht zulasten zu schmaler Fußwege und des Stadtgrüns.

    Als Vertreter aller Radfahrer*innen in der Stadt setzt sich der ADFC Hamburg für eine gute und alltagstaugliche Fahrrad-Infrastruktur ein. Für immer mehr Menschen ist Radverkehr Alltagsverkehr.

    Eine fahrradfreundliche Stadt ermutigt ihre Einwohner*innen zum Umsteigen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu Umwelt- und Naturschutz. Denn für die Stadt bedeutet mehr Radverkehr einen Weg aus Stau und Umweltbelastung.

    Als Umweltverband setzt sich der ADFC Hamburg außerdem dafür ein, vorhandene Bäume in Hamburgs Straßen möglichst zu erhalten. Denn sie sorgen für bessere Luft, ein besseres Stadtklima und mehr Aufenthaltsqualität."

    ADFC-Position: Bäume
    Eine Umverteilung des öffentlichen Raums sollte immer zulasten des Autoverkehrs erfolgen und nicht zulasten zu schmaler Fußwege und des Stadtgrüns.
    hamburg.adfc.de

    Dieser allgemeinen Positionierung folgend, kann der ADFC die ursprünglichen städtischen Pläne für den Radwegbau in Bramfeld eigentlich nicht gutheißen. Gibt es denn eine gezielte Positionierung zu dem Radwegebau in Bramfeld, über den die Mopo in dem von Fahrbahnradler verlinkten Artikel berichtet?

    Und welche Straße ist das genau, in der die Bäume stehen, die die Stadt für den Radwegebau fällen wollte? Was gilt dort für ein Tempolimit, wie wird dort geparkt, wie stark ist die Verkehrsbelastung? Und wie soll jetzt weiter verfahren werden? Wird die Fahrbahn verengt? Kommt ein niedriges Tempolimit? Wird der Autoverkehr reduziert?

    Das Foto im Mopo-Artikel (hier der Direktlink zum Foto: https://cdn.mopo.de/uploads/sites/…2C1497px&webp=1 ) zeigt einen getrennten Fußweg und Radweg, die augenscheinlich beide zu schmal sind.

    Und Frauen, die sinngemäß sagen: "das ist doch ein Radfahrer, warum macht der keinen Platz"

    impliziert in mir: -> weil ich bin doch groß und viel zu blöd um die Kiste jetzt auch noch 5m zurückzufahren und dazu müsste ich mich umdrehen und auch noch beide Gehwarzen mehrfach und koordiniert bewegen, da hat es der Radler doch viel einfacher,...

    macht meine Vorurteile nicht definitiv nicht geringer.

    In dem Film ist es allerdings hauptsächlich der Beifahrer, der sagt, die Radfahrerin solle bei Seite fahren.

    Stille Nacht allerseits:

    "In einer koordinierten Aktion haben Umweltschützer die Luft aus den Reifen von knapp 900 SUVs gelassen. Das ist ihre Methode.

    In der Nacht von Montag [1.12.22] auf Dienstag [2.12.22] haben Aktivistinnen und Aktivisten in sieben europäischen Ländern sowie in New York City Hunderte SUVs lahmgelegt. Das berichtet das Kollektiv "Tyre Extinguishers", zu Deutsch "Reifenlöscher", in einer Pressemitteilung am Dienstagmittag. Die lose organisierte Gruppe ließ die Luft aus den Reifen von rund 900 Wagen ab.

    (...)

    Weitere Aktionsnächte sollen folgen, heißt es von den "Tyre Extinguishers". In Deutschland traf es insgesamt 124 Wagen, ..."

    Aktivisten "entwaffnen" Hunderte SUVs
    Deutschland, Frankreich und weltweit: In einer koordinierten Aktion haben Umweltschützer die Luft aus SUV-Reifen gelassen. Knapp 900 Fahrzeuge sind betroffen.
    www.t-online.de

    Da bekommen doch die Begriffe "Stille Nacht, heilige Nacht" noch mal eine ganz andere Bedeutung.

    Habe gerade noch mal beide Videos, das auf t-online und das auf Instagramm verglichen.

    Bei t-online ist die Radfahrerin verpixelt. Bei Instagramm nicht.

    Richtig übel finde ich die Aussage des Beifahrers im Auto:
    "Wir fahren da jetzt rüber. Die Dame will einfach nicht hören." Das mit dem "Rüberfahren" war eindeutig auf die Radfahrerin gemünzt.

    Und der zweite Autofahrer, der von hinten kam, hatte der Radfahrerin offensichtlich Schläge angedroht.

    Geht gar nicht.

    Stimmt. Das auf Twitter war eh nur eine Kopie.

    Das Original ist auf Instagram:

    Externer Inhalt www.instagram.com
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    Danke für den Link.

    Leider hat der zweite Fahrradfahrer, der aus der Gegenrichtung kam, die Radfahrerin auf der Fahrbahn nicht unterstützt. Vielleicht hatte er einfach keine Lust, in irgendwas reingezogen zu werden, was er nicht richtig erfasst hat? Vielleicht tut es doch Not, solche Begegnungen bewusst herbeizuführen? Mehrere Fahrradfahrer könnten an so einer Stelle eine solche Situation schaffen, in der der Autofahrer oder die Autofahrerin es einsehen würde, dass sie das Verkehrshindernis ist.

    Allzu verbreitet ist immer noch das Denken, dass gefälligst die "schwächeren" Verkehrsteilnehmer gefälligst Platz zu machen hätten. Die Kommentare des Beifahrers zeugen reichlich davon.