Kuriose Stilblüten treibt die aktuelle Verkehrsdebatte in Hannover. Zu anderen Zeiten wird gerne behauptet, dass vor allem Auto-Poser von angeblich südländlicher Herkunft Schuld daran seien, dass der Autoverkehr zum Problem wird, weil sie mit ihren getunten, dicken und PS-starken Autos lautstark die Straßen unsicher machen. Die Scheiben dieser Angeber-Autos sind in der Regel allerdings getönt, sodass man oft nicht einmal ansatzweise erkennt, ob dahinter ein Blondschopf sitzt oder es Hinweise auf eine ausländische Herkunft gibt.
Und jetzt? Der Center-Manager der Ernst-August-Galerie kritisiert den Oberbürgermeister von Hannover für seine Politik für eine autoarme Innenstadt. Schuld am Autoverkehrschaos ist jedoch das chaotische Verhalten der Autofahrer, die immer wieder die Kreuzungsbereiche blockieren, weil sie in den Kreuzungsbereich häufig auch noch bei Rot einfahren. Und natürlich trägt der viel zu hohe Autoverkehrsanteil am Modal Split Schuld an den Staus.
Besonders perfide: In dem Flugblatt wird der Oberbürgermeister Belit Nejat Onay genannt, obwohl er in den Medien lediglich mit nur einem Vornamen genannt wird: Belit Onay. Mann muss schon googeln, um auf den zweiten Vornamen zu stoßen. Mein Eindruck: Der Center-Manager will rassistische Ressentiments gegen unseren Oberbürgermeister bedienen, weil der türkischer Abstammung ist.
Egal was ist:
Fahren Sie Autos, dann wird ihnen nachgesagt, die Türken seien am Autoverkehrschaos Schuld.
Ruft ein türkisch-stämmiger Oberbürgermeister dazu auf, kein Auto zu fahren, dann ist der türkisch-stämmige Oberbürgermeister am Autoverkehrschaos schuld.