Beiträge von Ullie

    Bei den Fürbitten in den Gottesdiensten der katholischen Kirche in Deutschland wurde gestern am Sonntag, 29.10.23, folgende Fürbitte vorgetragen:

    "Wir bitten ...

    Für die vielen Menschen, die Opfer der Gewalt im Heiligen Land
    und im ganzen Nahen Osten geworden sind und werden;
    für alle, die dort und weltweit in Sorge sind um nahestehende Menschen;
    für alle, die in Verhandlungen und Gesprächen versuchen,
    die Geiseln im Gaza-Streifen zu befreien;
    für alle, die in Hilfsorganisationen oder privat helfen, das Leid der Menschen zu lindern;
    für die vielen, die Auswege suchen aus dem Kreislauf der Gewalt."

    Zumindest ist das das direkte Zitat aus dem Vorschlag der Diözese Trier, die für ganz Deutschland die Fürbitten-Vorschläge erarbeitet:

    Fürbitten-Vorschlag für den 29. Oktober: 30. Sonntag im Jahreskreis
    Schriftlesungen; Gewalt im Nahen Osten; Krieg in der Ukraine; Amoklauf in Maine/USA; Ende der Weltsynode in Rom
    www.bistum-trier.de

    Den Gemeinden steht es frei, diese Fürbitten-Texte zu übernehmen oder nicht, oder auch sie anders zu formulieren. In der Kirchengemeinde, deren Gottesdienst ich Sonntag besuchte, wurde die erste Bitte zu diesem Thema so umformuliert:

    "Für die vielen Menschen, die Opfer der Gewalt in Israel [anstatt "im Heiligen Land"] und im ganzen Nahen Osten geworden sind und werden; "

    Israel und das Heilige Land sind nicht genau identisch. Allerdings ist es so, dass es keine ganz klar umrissenen Abgrenzungen für das Heilige Land gibt. Die Gebiete im heutigen Palästina gehören jedoch meines Wissens zum Heiligen Land dazu. Wenn man einfach den Begriff "Heiliges Land" durch "Israel" ersetzt, dann erhält die Fürbitte eine etwas andere Bedeutung: Die israelischen Opfer werden besonders hervorgehoben. Ohne jetzt weiter darauf einzugehen, zeigt dieses Beispiel, wie schwer es sein kann, zu dem Überfall der Hamas auf Israel und zu Israels Gegenwehr etwas zu sagen.

    Ich hoffe übrigens sehr, dass die zuletzt genannte Bitte erhört wird, die Bitte für die vielen, die Auswege suchen aus dem Kreislauf der Gewalt. Und dass es wirklich viele sind, die Auswege aus dem Kreislauf der Gewalt suchen.

    Auch wenn die Terrorangriffe der Hamas nicht im "luftleeren Raum" stattfanden, wie Guterres es formuliert hat.

    Kurzfristig ist die Lage der Zivilbevölkerung Gazas die kritischste, hier besteht akute Lebensgefahr für 1.9 Millionen Menschen. Also nur richtig, wenn man darauf klar hinweist.

    Diese Lebensgefahr wurde ausgelöst durch die Terrorangriffe der Hamas auf Israel.

    Die da wären?

    "Stand with Gaza" oder "Free Palestine" sind nicht israelfeindlich, sondern eher israelkritisch. Und Kritik an Israel halte ich für angebracht + notwendig.

    Auslöser waren anscheinend Beiträge wie dieser: "Ein internationaler Account von Fridays for Future ruft auf den Plattformen X und Instagram zu einer umstrittenen Pro-Palästina-Demo auf. Ein Post auf Instagram hatte außerdem die Berichterstattung der westlichen Medien über Israel und Palästina als imperialistisch und als "Gehirnwäsche" bezeichnet sowie die getöteten Palästinenser als "Märtyrer".

    Dieser Post wurde nach einer Welle von Kritik wieder gelöscht und durch einen anderen israelkritischen Solidarisierungspost mit Palästina ersetzt."

    ZDF vom 27.10.23 https://www.zdf.de/nachrichten/po…tismus-100.html

    Mit dem Hinweis auf Recherchen der Jüdischen Allgemeinen berichtet das ZDF: "Unter den inhaltlichen Gestaltern des internationalen Accounts sei wiederum nur eine Handvoll Personen mit einer geradezu "fanatisch israelfeindlichen Einstellung", die die Positionen des Accounts zum Nahost-Konflikt bestimmen - und damit das öffentliche Bild der gesamten FFF-Bewegung prägen würden, heißt es im Artikel. Darunter falle vor allem ein Aktivist auf, Hasan Ö. aus Rheinland-Pfalz, der schon seit Jahren für Posts, die palästinensischen Terror verharmlosen, auf dem internationalen Account verantwortlich sein soll."

    Regt Du Dich jetzt mehr darüber auf, dass FFF israelfeindliche Äußerungen getätigt hat, oder, dass Union und Liberale die Vorlage dankend aufgenommen haben?

    Was regt dich denn mehr auf?

    Guterres "...warf Israel vor, die Angriffe auf den Gazastreifen in beispielloser Weise zu eskalieren. Im Gazastreifen spiele sich vor den Augen der Welt eine humanitäre Katastrophe ab, ..."*) Es ist m. E. nicht unbedingt notwendig, dass sich FFF auf internationaler Ebene darüberhinausgehend auch noch zu Wort meldet, auch dann nicht, wenn es offensichtlich nur mit gering legitimierten Tweets in sogenannten Sozialen Netzwerken geschieht. Viel schlimmer ist, dass die kriegerischen Auseinandersetzungen die dringende Aufgabe, Maßnahmen zum Klimaschutz zu ergreifen, medial in den Hintergrund drängen, so wie es sich unter anderem besonders die FDP und die Unionsparteien wünschen. Gefährlich ist es insbesondere auch deshalb, weil es die Gefahr kriegerischer Auseinandersetzungen verstärkt, wenn nicht an mehr Klimagerechtigkeit gearbeitet wird.

    What do you want? Climate-Justice!, um mal einen bekannten Ausruf auf FFF-Demos zu zitieren.

    *)dlf vom 29.10.23

    Nahostkrieg - UNO-Generalsekretär Guterres kritisiert "beispiellose Eskalation" durch Israel
    UNO-Generalsekretär Guterres hat erneut zu einer sofortigen Feuerpause im Nahostkrieg aufgerufen.
    www.deutschlandfunk.de

    "Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat sich im Namen von Fridays for Future Deutschland klar von israelfeindlichen Äußerungen auf dem internationalen Account der Klimaschutzbewegung distanziert."

    Darüber berichtet unter anderem das ZDF vom 28.10.23

    Klimaaktivistin Neubauer: "Verurteilen Terror der Hamas"
    Fridays for Future Deutschland grenzt sich klar von israelfeindlichen Aussagen auf dem internationalen Account der Bewegung ab.
    www.zdf.de

    Vorausgegangen waren Versuche insbesondere von FDP und CDU/CSU, die Klimabewegung FFF zu delegitimieren: ""Die israelfeindlichen Äußerungen von Greta Thunberg und ihrem Umfeld sind Wasser auf die Mühlen der Hamas", sagte FDP-Fraktionschef Christian Dürr den Funke-Medien. Ähnlich äußerte sich der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thorsten Frei. "Teile von Fridays for Future vergiften mit inakzeptablen antisemitischen Äußerungen und Verschwörungstheorien das gesellschaftliche Klima.""

    Wer selbst im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen, könnte man sagen. An dieser Stelle ist es angezeigt, an den früheren FDP-Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann zu erinnern:

    "Mit seiner verständnisvollen Haltung zu den Terrorakten der Palästinenser in Israel hat sich FDP-Vizechef Jürgen Möllemann kräftig Schelte eingehandelt. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, mahnte zu mehr Objektivität und Sachkenntnis."

    Spiegel vom 5.4.2002

    Streit über Nahost-Politik: Buhmann Möllemann
    Mit seiner verständnisvollen Haltung zu den Terrorakten der Palästinenser in Israel hat sich FDP-Vizechef Jürgen Möllemann kräftig Schelte eingehandelt. Der…
    www.spiegel.de

    Und mit der Koalition mit Aiwangers Freien Wählern bekleckern sich die Unionsparteien aktuell auch nicht gerade mit Ruhm, wie man an Aiwangers halbherzigem Distanzierungs-Versuch von einem antisemitischen Flugblatt sehen kann, das er als "Jugendsünde" seines Bruders abtut.

    Siehe auch Tagesspiegel vom 28.8.23

    Flugblätter nur eine „Jugendsünde“?: Aiwangers Bruder kritisiert „Schmutzkampagne“
    In der Affäre um Hubert Aiwanger meldet sich nun erneut sein Bruder und Verfasser der antisemitischen Flugblätter zu Wort. Helmut Aiwanger teilt dabei auch…
    www.tagesspiegel.de

    Wie schwierig es ist, für die Terrorangriffe der Hamas gegen Israel und deren Abwehr durch Israel, die richtigen Worte zu finden, hat nicht zuletzt die Rede des UN-Generalsekretärs, Antonio Guterres, gezeigt. Siehe auch DW vom 18.10.23:

    Vertracktes Verhältnis: Israel und die UN – DW – 28.10.2023
    Die Rede von UN-Generalsekretär Antonio Guterres ließ den Streit zwischen Israel und den Vereinten Nationen eskalieren. Dabei sind deren Beziehungen schon…
    www.dw.com

    Trotzdem ist es wichtig, mehr zu tun, als einfach nur zu relativieren. Das geschieht allerdings auch: Die aktuelle Kritik an internationalen FFF-Statements in sozialen Medien gegen Israel bleiben nicht im luftleeren Raum stehen. Das zeigt nicht zuletzt die vom ZDF dokumentierte Reaktion von Luisa Neubauer. Die Kampagne von Parteien wie FDP und CDU/CSU, die Klimabewegung insgesamt zu delegitimieren, indem sie als antisemitisch eingeordnet wird, ist jedoch ganz offensichtlich vor allem dem Umstand geschuldet, dass diese Parteien jahrelang nichts für eine nachhaltige Wirtschafts- und Umweltpolitik getan haben. Und auch weiterhin alles daran setzen, die notwendige Wende hin zu mehr Klimaschutz zu blockieren.

    Wir haben wie in vielen anderen Fällen, wo nach härteren Strafen und strengeren Regeln gerufen wird, eigentlich gar kein Regelungs-, sonder bloß ein Vollzugsdefizit. Bevor wir die Limits noch weiter senken und ausdehnen, sollten wir wenigstens erstmal die, die es schon längst gibt, durchsetzen.

    Im Falle von Landstraßen wird das allerdings extrem schwierig.

    An vielen Landstraßen stehen keinerlei Schilder, die ein niedriges Tempolimit anordnen, obwohl es im Sinne der Verkehrssicherheit geboten ist, deutlich langsamer zu fahren, als das generell erlaubte Maximum von Tempo 100 km/h.

    Die generell erlaubten Tempo 100 auf Landstraßen haben vor allem einen Sinn: Die Bauindustrie soll auf Jahrzehnte hinaus mit Aufträgen versorgt sein, bei denen es darum geht, "langsame" Landstraßen in schnelle Landstraßen umzuwandeln.

    (Streckenbegradigung, Kreuzungsausbau oder Ausbau von höhengleichen Kreuzungen zu teilweise oder ganz und gar höhenfreien Kreuzungen. Ein Beispiel aus Hannover ist die Pferdeturmkreuzungen, wo vor einigen Jahren eine Trogstrecke geschaffen wurde, um zumindest teilweise Höhenfreiheit herzustellen:

    https://www.google.de/maps/place/Pfe…d835h?entry=ttu )

    Es geht also nicht um Verkehrssicherheit, sondern um Gigantismus und Größenwahn, wenn es verabsäumt wird, Tempolimits zu überwachen. Dabei wäre es eigentlich leicht, Tempolimits technisch zu überwachen oder Fahrzeuge so zu bauen, dass sie Tempolimits automatisch einhalten. Das erfordert kein zusätzliches Personal. Ist aber nicht gewollt, denn es könnte dann ja passieren, dass alle weitgehend zufrieden sind, mit dem Angebot an Straßen in dem Zustand in dem sie sind.

    Die Diskussion um Tempolimits wird aber von interessierter Seite so geführt, dass möglichst hohe Tempi im Vordergrund stehen und Verkehrssicherheit nur in dem Sinne von Verkehrssicherheit bei möglichst hohem Tempo verstanden wird.

    Ein niedriges generelles Tempolimit auf Landstraßen von z.B. Tempo 60 mit verbesserter Überwachung würde eine enorme Verbesserung der Verkehrssicherheit bedeuten. Selbst ohne deutlich verbesserte Überwachung würde es eine Verbesserung der Verkehrssicherheit bedeuten.

    Im gegeben Fall ist es jedoch so, dass eine effektive Überwachung gar nicht möglich ist auf den Streckenabschnitten auf Landstraßen, auf denen zwar kein Tempo 60 oder 30 oder 70 per Schildern angeordnet, es aber notwendig ist, dort deutlich langsamer als die generell erlaubten Tempo 100 zu fahren. Und solche Streckenabschnitte gibt es sehr viele.

    Und selbst wo ein niedrigeres Tempo angeordnet ist, werden bisweilen noch erläuternde Zusatzbeschilderungen angebracht, um auf die Verkehrssicherheit hinzuweisen:

    Ich möchte nicht wissen, wie viele Autofahrerinnen das Schild so lesen: "Wenn kein Baumunfall-Piktogramm dazu kommt, dann kann ich Tempo 70 auch ignorieren."

    Helsinki hatte 2019 einen bislang einmaligen Ausreißer. Gleich im nächsten Jahr waren es wieder 6 radelnde/laufende Todesopfer, mehr als im Durchschnitt der Jahre vor Einführung von T30.

    Brüssel, Spanien und Frankreich gehen mit dem (überall in Europa zu beobachtenden) Corona-Dip hausieren.

    Und schließlich: das, was jüngst in Belgien, Frankreich, Spanien als "Tempo 30" eingeführt wurde, entspricht bis auf marginale Unterschiede dem, was in deutschen Städten schon seit >20 Jahren Standard ist (also de facto ausgedehnte T30-Zonen plus 50er Magistralen). Etwaig bestehenden Unterschiede sind so klein, dass man jedenfalls keine "Quantensprünge" in der Unfallstatistik mehr erwarten darf, falls D da noch nachzöge.

    Was willst du damit aussagen? Doch hoffentlich nicht das, was manche Kritiker von Tempolimits seit eh und je behaupten: "Gegner des Tempolimits gaben nicht der hohen Geschwindigkeit, sondern den mangelnden Fahrfähigkeiten der Autofahrer Schuld." aus: Spektrum.de vom 11.4.23

    Tempo 30: Die Entschleunigung der Straße
    Gegen die systematische Ausweitung von Tempo-30-Zonen gibt es erheblichen Widerstand - dabei sprechen die Erkenntnisse der Verkehrsforschung für sich
    www.spektrum.de

    An anderer Stelle heißt es in dem Artikel in dem unter anderem Buxtehude ausführlich erwähnt wird:

    "Das belegten schon die Ergebnisse der Forschungsgruppen, die den Modellversuch in den Achtzigern fünf Jahre lang begleiteten. Besonders die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer verbesserte sich damals erheblich: Die Zahl der Schwerverletzten sank in den Tempo-30-Zonen um mehr als drei Viertel, die der Leichtverletzten um 58 Prozent. Absolute Zahlen liegen nicht vor. Zudem verringerte sich der Lärmpegel um ein bis sieben Dezibel und auch die Luft war weniger verschmutzt. Besonders verblüffend: Auf zwei Hauptstraßen verkürzten sich sogar die Fahrzeiten, obwohl die Durchschnittsgeschwindigkeit gesunken war. Als Grund gaben die Forscher einen deutlich verbesserten Verkehrsfluss an. Die Autofahrer fuhren gleichmäßiger, ruhiger, defensiver. Sie mussten weniger bremsen und seltener anfahren."

    Zu Paris diese Quelle vom 22. Jan. 23: "Accidents : moins de morts sur les routes à Paris et en petite couronne
    Les chiffres de la sécurité routière à Paris et en petite couronne montrent une baisse du nombre d'accidents en 2022. Le nombre de morts est en net recul."

    Accidents : moins de morts sur les routes à Paris et en petite couronne
    Les chiffres de la sécurité routière à Paris et en petite couronne montrent une baisse du nombre d'accidents en 2022. Le nombre de morts est en net recul.
    actu.fr

    Mit Hilfe von Google-Übersetzer und meinen bescheidenen Französische-Kenntnissen:

    Unfälle: Weniger Tote auf den Straßen von Paris und den Vororten
    Die Verkehrssicherheitszahlen in Paris und den inneren Vororten zeigen einen Rückgang der Unfallzahlen im Jahr 2022. Die Zahl der Todesfälle ist stark rückläufig."

    Vielleicht ist es aufgrund von Corona noch zu früh für eine Bewertung, aber es gibt keinen Grund so zu tun, als gäbe es nachweislich keinen Grund zur Annahme, dass niedrige Tempolimits einen Beitrag zur Unfallreduktion leisten. Eine genauere Prüfung muss darüber hinaus einbeziehen, ob niedrigere Tempolimits auch eingehalten werden. Damit wäre man dann ganz schnell beim nächsten Streitpunkt (Wie kann das Einhalten von Tempolimits umgesetzt werden?) zu dem ich weiter oben bereits geschrieben habe, dass eine automatische Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit angepasst an die geltenden Tempolimits geboten ist.

    "„Es kann aber an der Witterung gelegen haben“, sagte die Sprecherin. „Da müssen wir erst prüfen.“ Auch Unfallbeteiligte berichteten nach Angaben mehrerer Medien, sie seien von der Sonne geblendet worden, außerdem sei plötzlich Nebel aufgezogen."

    So steht es in dem von dir verlinkten Artikel im letzten Absatz, quasi als Resümee. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit spielt nach Angaben der zuständigen Verkehrsbehörden keine Rolle und in den Augen der Autofahrer*innen ohnehin nicht.

    Was stattdessen ausschlaggebend angeblich ist, steht in dem anderen von littlet verlinkten Artikel:

    Zitat: "Auf dem Streckenabschnitt galt fast 20 Jahre lang Tempo 130. Nach einem Ausbau der Autobahn war dieses Tempolimit im März dieses Jahres aufgehoben worden." Zusammengefasst: Je breiter die Straßen, umso sicherer sind sie, nach Einschätzung vieler Verkehrsbehörden. Breite Straßen sind quasi angewandte Unfallverhütung.

    So gesehen macht es wenig Sinn, niedrigere Tempolimits zu fordern. Zumindest nicht, wenn man versucht, das als Unfallverhütungsmaßnahme zu begründen. Vielmehr besteht die Gefahr, dass der Hinweis auf Unfallschwerpunkte dazu führt, dass die betroffenen Straßen verbreitert werden.

    Den Ausbau-Befürwortern (nicht aber den Befürwortern niedriger Tempolimits) spielt es in die Hände, wenn auf Unfallschwerpunkte hingewiesen wird. Das ist ein schon viele Jahrzehnte altes und immer noch funktionierendes Schurkenstück der Autobesitzenden Klasse.

    Hier ein paar Vorabinformationen zu einem Spiegel-Artikel-Absatz von 1956 (sic!), in dem es darum geht, mit welchen Widerständen der damalige CDU-Verkehrsausschussvorsitzende und CDU-Mitglied Rümmele zu kämpfen hatte, als er versuchte, in Deutschland erneut generelle Tempolimits festzulegen. Zur Erinnerung: von 1934 bis 39 hoben die Nazis die bis dahin geltenden Tempolimits auf. Autobahnbau und Tempolimit, das passt nicht zusammen, dachte man wohl. Ab Kriegsbeginn galt dann: Wir dürfen keine Menschenleben mehr im Straßenverkehr verlieren, wir brauchen Soldaten und deshalb wieder Tempolimits im Straßenverkehr.

    1953 wurden im Zeichen der Massenmotorisierung erneut, diesmal nicht von den Nazis, sondern von der Adenauer-Regierung, sämtliche generellen Tempolimits aufgehoben.

    1956 jedoch unternahm CDU-Verkehrsausschuss-Vorsitzende Oskar Rümmele aufgrund rapide ansteigender Unfallzahlen einen Vorstoß für die Wiedereinführung von generell geltenden Tempolimits und erreichte 1957 immerhin die Einführung von Tempo 50 innerorts. Unterstützt wurde Rümmele vom damaligen Verkehrsminister Hans-Christoph Seebohm, damals Mitglied der weit rechts angesiedelten "Deutschen Partei".

    Und jetzt das Spiegel-Zitat von 1956:

    "Noch deutlicher umreißt Müller Hermanns SPD-Kollege Helmut Schmidt [der spätere Bundeskanzler] die Ursachen der hohen Unfallziffern: »Rümmele sollte sich in erster Linie darum kümmern, daß endlich die Straßen verkehrsgerecht ausgebaut werden.«

    Die SPD legte ein Gesetz vor, mit dessen Hilfe ein Straßenbaufonds - aus dem Aufkommen der Mineralölsteuer, der Mineralölzolle und der Kraftfahrzeugsteuer - gebildet werden soll. Allein für den Ausbau der Durchfahrtstraßen in den Großstädten werden 25 bis 30 Milliarden Mark benötigt. Der Ausbau der Durchfahrtstraßen ist besonders wichtig, denn dort ereigneten sich im vergangenen Jahr wegen der Verdichtung des Verkehrs trotz örtlicher Geschwindigkeitsbegrenzungen 84 Prozent aller Verkehrsunfälle. Vordringlich ist der verkehrsgerechte Ausbau des gesamten bundesdeutschen Straßennetzes:

    - Verbreiterung der Bundesstraßen auf drei Fahrbahnen,

    - bessere Gestaltung der Fahrbahnoberfläche und ausreichender Winterdienst,

    - Beseitigung unübersichtlicher Stellen, Anlage von getrennten Radfahrwegen."

    Spiegel-Ausgabe vom 16.10.1956

    Nächstes Jahr langsamer
    Unruhig rutschte am vergangenen Donnerstag der CDU-Bundestagsabgeordnete Oskar Rümmele, 66, aus Hinterzarten im Schwarzwald, auf dem provisorischen…
    www.spiegel.de

    [Anmerkung von mir]

    Diese Straßenausbau-Orgie, inklusive der Anlage von Radverkehr-separierenden Radwegen, wurde also keineswegs nur damit begründet, dass Verbesserungen für den motorisierten Fahrzeugverkehr angestrebt wurden, sondern es wurde quasi überhöht zu einer Politik gegen Rechts. Frei nach dem Motto: Wer Tempolimits fordert, ist ein verkappter Nazi.

    Entschuldigung bitte für den etwas ausufernden langen Beitrag, aber ich finde es wichtig, über diese Propaganda-Lüge Bescheid zu wissen, um gegenwärtige Diskussionsbeiträge besser einordnen zu können. Insbesondere die unseligen Nazi-Vergleiche, die von manchen angestellt werden, wenn sie gegen die Forderung der Grünen nach niedrigeren Tempolimits polemisieren und oft auch regelrecht hetzen.

    Noch mehr Informationen dazu findet man auch hier:

    „Die Raserei ist schuld“ • LunaPark21
    Die fatale Bilanz von 120 Jahren freier Fahrt für unmündige Bürger – eine kleine Verkehrsgeschichte Dass auf deutschen Autobahnen Krieg herrscht, leugnen nur…
    www.lunapark21.net

    Die von littlet verlinkten Artikel zeigen, dass die Propaganda-Lüge von den breiten Straßen, die angeblich Unfälle verhüten, nach wie vor virulent ist.

    Was wäre da eigentlich die Motivation für? Hältst du schon 50 pauschal für viel zu hoch, oder kalkulierst du bei der Forderung nach 30 (?) von vorneherein ein, dass ein gewisser Prozentsatz immer schneller als erlaubt fahren wird, dies dann aber wenigstens nicht mehr mit 65-70 täte, sondern mit vielleicht 45 (so dass im Endeffekt niemand schneller als die 50 führe, die "safe" wären, wenn alle sich dran hielten?

    "Im europäischen Ausland nimmt die Tendenz zur Senkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit zu: In Helsinki wurde Tempo 30 im Jahr 2018 als Teil der „Vision Zero“-Strategie beschlossen und mit Beginn des Jahres 2019 im Stadtgebiet eingeführt. In 2019 wurde dort erstmals keine zu Fuß gehende oder radfahrende Person bei einem Verkehrsunfall getötet (Schmiester, et al., 2020). Die belgische Hauptstadt Brüssel hat am 1. Januar 2021 ein generelles Tempolimit von 30 km/h in der Innenstadt eingeführt (ARD-aktuell / tagesschau.de, 2021). In Frankreich haben bereits ca. 200 Gemeinden ein generelles Tempolimit von 30 km/h eingeführt, darunter Lille, Nantes und Grenoble (Pomrehn, 2020). Spanien hat 2021 innerorts Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit an allen Straßen mit nicht mehr als einem Fahrstreifen pro Richtung eingeführt (ADAC e.V., 2021)."

    Umweltwirkungen einer innerörtlichen Regelgeschwindigkeit von 30 km/h - PDF Free Download
    Stand: 14. November 2022 Umweltwirkungen einer innerörtlichen Regelgeschwindigkeit von 30 km/h Forschungsprojekt FKZ im Auftrag des Umweltbundesamtes 1…
    docplayer.org

    Erstmal dieser Hinweis, weil ja in Deutschland gerne so getan wird, als sei jeder der nach Tempo 30 max. innerorts ruft ein Komplett-Verrückter, der keine Ahnung davon habe, was für einen Unsinn er da einfordert.

    Dann den hier: "Unbestritten ist, dass die Überlebenschance für ungeschützte Verkehrsteilnehmer:innen wesentlich höher ist, wenn der/die Autofahrer:in bei einer Kollision 30km/h fährt, anstatt 50 km/h."

    Tempo 30 – ist das sinnvoll? - EXPERI
    Die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland ist seit einem Höchststand von 21.332 im Jahr 1970 im Vergleich zu heute signifikant zurückgegangen. 2019 waren es…
    www.experi-forschung.de

    Und dann noch dieser Hinweis:

    Faustformel für den Anhalteweg bei Tempo 30: 3x3+3x3=18 m Bei Tempo 50: 5x3+5x5=40 m

    Die Vernunft gebietet es sofort Tempo 30 als generelle Höchstgeschwindigkeit innerorts umgehend umzusetzen. Darüberhinaus ist an vielen Stellen (z.B. Wohngebiete/Einkaufsstraßen Tempo 20 sinnvoll und eine Ausdehnung verkehrsberuhigter Bereiche und komplett Privat-KFZ-freie Städte und Stadtteile.)

    Meine Motivation ist ganz klar, dass generell Tempo 30 max. und weitere Begrenzungen des KFZ-Verkehrs nicht nur angeordnet, sondern auch durchgesetzt werden. Zwar ist die Überlebenschance für "Weichziele" bei Tempo 50 immer noch besser als z. B. bei Tempi über 50, aber die Unfallforschung scheint bei Tempo 30 eine signifikante Grenze erkannt zu haben, ab der die Todesgefahr sehr rapide sehr steil ansteigt.

    Der Weg zu niedrigeren Tempolimits ist lang, denn ich erlebe ich immer wieder in Diskussionen, dass mit einer so inbrünstigen, unverbesserlichen, völlig vernagelten Weltsicht die "freie Fahrt für freie Bürger" als höchstes Rechtsgut erachtet wird, das bei vielen Menschen nicht mal eben so mit Vernunftgründen auch nur in Frage gestellt werden kann. Andererseits bin ich Optimist und es gibt Beispiele die Hoffnung spenden. Siehe zum Beispiel den ersten Absatz. Oder erfolgreich durchgesetzte Tempolimits in der Vergangenheit.

    Wer weiß, vielleicht läuft es ja so, dass die neuerdings pflichtmäßig eingebauten Intelligenten Geschwindigkeitsassistenten in der ein oder anderen Form eine Aufwertung erfahren: Bisher ist es anscheinend "Privatvergnügen", davon Gebrauch zu machen. Das könnte sich möglicherweise schnell ändern, wenn Gerichte anfangen die Fahrzeug-Fahrdaten und die Frage ob der Geschwindigkeitsassistent eingeschaltet war oder nicht bei der Beurteilung des Strafmaßes stärker zu berücksichtigen.

    Sollen doch diejenigen, die meinen Tempo 50 steht für "geduldet 70" oder Tempo 30 steht für "geduldet 50" sich noch ein bisschen daran erfreuen, dass sie bislang noch meist glimpflich davonkommen. Selbst in Fällen, in denen ihre Fahrweise zu Unfällen führt. Und lass doch die Toren darüber lachen, dass sie ihren Geschwindigkeitsassistenten nutzlos spazierenfahren dürfen. Möglicherweise erleichtert diese absurde "Freude", die weitere Umsetzung von Tempobegrenzungen, weil die ohnehin (noch!) keiner so richtig ernst nimmt. Und wenn eines Tages der Geschwindigkeitsassistent "scharf geschaltet" wird, dann ist es zu spät. Denn in wenigen Monaten würde deutlich werden, dass die Unfallgefahr und die Zahl der Verkehrstoten und Verletzten drastisch zurückgeht, ohne dass irgendwo die an die Wand gemalten Mega-Staus entstehen, die angeblich nur dadurch zu verhindern seien, wenn jeder so schnell rasen darf wie er will.

    Bei uns gilt grundsätzlich ein Schritt nach dem anderen. Piktogramm für nicht benutzungspflichtigen Geh- und Radweg aufgepinselt. Mal sehen, ob und wenn ja wann die Schilder dann verschwinden.

    Habe gerade den Text gefunden, mit dem Fuß e.V. die Kommunen bittet, von dem Boden-Piktogramm gemeinsamer Fuß- und Radweg keinen Gebrauch zu machen:

    Gemeinsame Geh- und Radwege spalten Fuß- und Radverkehr

    Darin heißt es:

    "Eine neue Regelung erhöht potenziell den Konflikt um Verkehrsfläche zwischen den Unmotorisierten, zum Glück ist sie noch kaum bekannt: Erst seit rund einem Jahr (Mai 2017) gibt es in der Bundesrepublik Geh- und Radwege ohne Benutzungspflicht. Die Vorgaben lassen ein in regelmäßigen Abständen am Boden aufgebrachtes Piktogramm zu: Oben ist das Zeichen für Fußverkehr, unten das für Radverkehr. Beide werden durch einen Querstrich getrennt, ...

    Aus Sicht des FUSS e.V. darf ein gemeinsamer Geh- und Radweg ohne Benutzungspflicht innerörtlich allenfalls einen bisher benutzungs­pflich­tigen Geh- und Radweg mit Verkehrszeichen 240 ersetzen. Das heißt: keine zusätzlichen gemeinsamen Geh- und Radwege, und schon gar kein Ersetzen bisheriger Gehwege mit „Radfahrer frei“."

    Zu der Beschilderung [Zeichen 240] schreibt die Polizei Duisburg: "Was darf der Fußgänger?
    Fußgänger dürfen den gemeinsamen Fuß- und Radweg auf der ganzen Breite benutzen und dort auch stehenbleiben. Sie dürfen darauf vertrauen, dass Radfahrer rechtzeitig durch Glockenzeichen auf sich aufmerksam machen. Sie brauchen, da dort Radfahrer keinen Vorrang haben, nicht fortwährend nach Radfahrern, die etwa von hinten herankommen könnten, Umschau zu halten. Fußgänger müssen Radfahrer natürlich passieren lassen."

    Präventionstipps für Fußgänger und Fahrradfahrer
    Die Verkehrszeichen 240 und 241 regeln, wer kombinierte Fuß- und Radwege benutzen muss.
    duisburg.polizei.nrw

    Das passt nicht so recht zu diesem Gemeinsamen Fuß und Radweg auf dem Macpillary-Foto aus Berghausen bei Karlsruhe:

    Mapillary cookie policy use

    Trotzdem macht es natürlich Sinn, als Fußgänger an so einer Engstelle wie auf dem Foto sich so zu verhalten, wie es das Piktogramm nahelegt. Fußgänger sollen laut dem Piktogramm an der Engstelle rechts gehen. Ungerecht gegenüber Fußgänger*innen ist die Winzigkeit des Fußgänger-Piktogramms gegenüber dem vergleichsweise riesigen Fahrradpiktogramm.

    Dieser Fußgänger geht an der Stelle allerdings eher mittig bis links auf dem Gemeinsamen Fuß und Radweg (Macpillary-Aufnahme von derselben Stelle, allerdings in Gegenrichtung aufgenommen):

    Mapillary cookie policy use

    Andererseits ist auf Landstraßen geregelt, dass Fußgänger linksseitig gehen sollen, wenn kein Gehweg vorhanden ist: "StVO §25 (1) Wer zu Fuß geht, muss die Gehwege benutzen. Auf der Fahrbahn darf nur gegangen werden, wenn die Straße weder einen Gehweg noch einen Seitenstreifen hat. Wird die Fahrbahn benutzt, muss innerhalb geschlossener Ortschaften am rechten oder linken Fahrbahnrand gegangen werden; außerhalb geschlossener Ortschaften muss am linken Fahrbahnrand gegangen werden, wenn das zumutbar ist."

    § 25 Fußgänger

    Wie breit ist denn der Tunnel ?

    Das Zeichen 240 trotz zwei unterschiedlich gefärbter Bodenflächen kann man ja oft an Stellen finden wo man einen 241-Radweg aufgeben musste, weil mindestens einer der beiden Hälften zu schmal ist.

    Hier versucht man es mit getrennter Führung.Was aufgrund der Breite auch nicht gut ist

    Die geplasterte Hälfte hat 12 x die Breite eines Klinkersteines. Die gibt es 10 bis 12 cm breit.

    Das heißt etwa 1,20 m bis 1,50 m Breite. Die asphaltierte Hälfte ist vielleicht etwas breiter, aber nicht viel. Gesamtbreite ca. 3,00 m.

    Vielen Dank für dein Beispiel auf Macpillary.

    Nicht weit von dem von mir fotografierten Beispiel, habe ich etwas Ähnliches auf Macpillary gefunden:

    Mapillary cookie policy use

    Der Unterschied:

    Bei deinem Beispiel sind zusätzlich zu den Fahrradpiktogrammen Fußgängerpiktogramme eingezeichnet. Und zwar so, dass die Piktogramme dem Fußgänger signalisieren, dass er rechtsseitig gehen soll.

    Mapillary cookie policy use

    Das finde ich spannend, denn auf Landstraßen ohne Fußweg sollen Fußgänger ja linksseitig gehen.

    "Hat eine Straße keinen baulich getrennten Gehweg und auch keinen Seitenstreifen, dürfen sie die Fahrbahn benutzen. Außerhalb geschlossener Ortschaften ist dies häufig der Fall. Dabei gilt: Sofern es zumutbar ist, müssen Fußgängerinnen und Fußgänger den linken Fahrbahnrand benutzen."

    Sicher auf der Landstraße – zu Fuß und auf dem Rad | Runter vom Gas
    Zu Fuß Gehende, Rad- und Pedelecfahrende werden bei Landstraßenunfällen oft schwer verletzt. So kommen alle sicher an.
    www.runtervomgas.de

    Eine unglückliche Kombination:

    Die Beschilderung ist für einen gemeinsamen Fuß- und Radweg. Das Pflaster, einseitig und Asphalt auf der anderen Seite, sieht dagegen nach getrenntem Fuß und Radweg aus.

    Fotografiert in Bayreuth, Fußgängertunnel bei der Jugendherberge unter der Universitätsstraße nahe der Prieserstraße.

    Wenn man die auf Google Maps verügbaren Luftbilder der Herzog ausmisst findet man eine Fahrbahnbreite von knapp über 6 m . Und Breite des überwiegend zugeparkten westlichen Gehwegs ca.1,8 m. D.h legales Fahrbahnparken ist möglich. Aber nur einseitig. Eine legale Anordnung von Hochbordparken wird zweiseitiges Parken nicht ermöglichen. Dazu sind die Gehwege zu schmal.

    Das Dumme ist halt, dass sich mit der Faktenlage keiner lange aufhält, der dagegen polemisiert, wenn illegale "Parkplätze" zurückgebaut werden, indem zum Beispiel ein einseitiges Halteverbot angeordnet wird.

    Eine Anwohnerin, die ich an darauf ansprach, fing sofort an zu schimpfen wie ein Rohrspatz und sprach von Enteignung, weil ihr der Parkplatz von der rot-grün versifften Regierungskoalition im hannoverschen Rathaus "geklaut" worden sei. Was interessieren so jemand Fakten, wie Gehweg-Mindestbreiten?

    Dazu gibt es jetzt eine Petition zu härteren Strafen bei Tötungen im Straßenverkehr:

    https://www.change.org/p/strafversch%…%C3%9Fenverkehr

    Ich habe den Petitionstext gelesen und will hier diese Passage herausheben: "Der Staatsanwalt verwies in seinem Plädoyer dabei auf die systematisch niedrigen Strafen, die im generell im gesamten Bundesgebiet und insbesondere in Berlin verhängt werden. Ähnliche Fälle ereignen sich in trauriger Regelmäßigkeit, und stoßen bei der Bevölkerung in der Regel auf Unverständnis."

    Mag sein, dass die Strafen zu niedrig sind, für zu schnelles Fahren (der Rotlichtmissachter fuhr mit 65 km/h statt den erlaubten max. 50 km/h). Aber ist es nicht noch sehr viel wichtiger, die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten deutlich zu reduzieren?!

    Und die technischen Möglichkeiten zu nutzen, um das Einhalten der erlaubten Höchstgeschwindigkeiten sicherzustellen?! Z. B. der Intelligente Geschwindigkeitsassistent, der bei einer Tempo 30 Vorgabe verhindern könnte, dass schneller als 30 km/h gefahren wird. Für neuere Fahrzeuge ist der Intelligente Geschwindigkeitsassistent Pflicht. Aber seine Benutzung ist freigestellt.

    Wie ist es im konkret vorliegenden Fall, wenn der Unfall mit einem modernen Fahrzeug verursacht wurde und nachgewiesen werden kann, dass der Geschwindigkeitsassistent einwandfrei hätte arbeiten können, die Geschwindigkeit aber nicht reduzierte, weil er vom Fahrer ausgeschaltet wurde. Würde das Strafmaß erhöhen?

    "Hätte, hätte ..." wird da jetzt mancher polemisch rufen.

    Ja! "Hätte..." heißt auch in die Zukunft schauen. Und bei Tempo 30 max., das nicht überschritten werden kann, weil ein scharf geschalteter Geschwindigkeitsassistent das verhindert, hätte die Fußgängerin eine größere Überlebenschance gehabt.

    Und noch etwas: Bei modernen Bahnstrecken werden Züge zwangsgebremst, wenn der Triebfahrzeugführer nicht hingeschaut hat. Warum werden Autos nicht zwangsgebremst, wenn der Fahrzeugführer Rot missachtet?

    https://efahrer.chip.de/news/er-kommt-…rker-an_1015760


    Sollte bei solchen Artikeln aus Transparenzgründen auch eine Rechnung geben, wieviel die Leute im Laufe der Jahre Nichtahndung gespart haben. 😁

    In Hannover habe ich in vergleichbaren Fällen einfach mal vor Ort nachgefragt bei Passanten, die ich auf der Straße getroffen habe. Einverstanden mit dem Zuparken der Bürgersteige sind in der Regel Autofahrer*innen, wer kein Auto fährt empfindet das ordnungswidrige Zuparken der Gehwege als das was es ist: Eine unzulässige Behinderung des Fußverkehrs.

    Das hat jetzt aber alles nichts mehr mit dem Georg-Christoph-Lichtenberg-Weg zu tun. Sorry, habe ja selbst damit angefangen ...

    Ist denn der Georg-Christoph-Lichtenberg-Weg ein reiner Fahrradweg, der auch tatsächlich nicht von Fußgänger*innen benutzt wird?

    Ich fürchte ich hatte das weiter oben schon mal so ähnlich gefragt. Aber ich finde es grad nicht wieder. Auf dem Foto sieht da so aus, als ob da der Fußweg zumindest nicht direkt daneben verläuft. Mithin ein Grund, dass dort Fußverkehr stattfindet.

    Auf dem Foto ist kein Fußweg in unmitelbarer Nähe:

    Den "dänischen Ansatz" mit der Strichlinie in der Mitte als Hinweis auf einen Zweirichtungsradweg finde ich interessant, aber ist die dänische Lösung auch wirklich gut? Du schreibst ja, bei den Dänen gilt:

    In Dänemark ist das übrigens Standard, dass Zweirichtungsradwege eine Mittellinie haben, Einrichtungsradwege nicht. Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen (oder müssen?) Fußgänger in DK auf Radwegen gehen. Die Wege sind dennoch als Radweg beschildert und nicht als kombinierter Geh- / "Radweg".

    Wie ist das in Dänemark im Vergleich zu Deutschland, wenn du einen Zweirichtungsradweg als Fußgänger benutzt?

    In Dänemark, müssen die Fußgänger außerhalb geschlossener Ortschaften den Radweg benutzen. In Deutschland dürfen sie dass nicht. Allerdings sind in Deutschland in der Regel reine Fahrradwege nur dann als solche ausgeschildert, wenn in unmittelbarer Nähe auch ein Fußweg verläuft.

    Das macht auf mich erst mal den Eindruck, dass ich in Dänemark als Fußgänger ein ungebetener und wenig gelittener Gast auf dem Fahrradweg bin. Und wie verhalte ich mich als Fußgänger richtig auf diesem Radweg:

    Muss ich dann in Dänemark in dem im Foto gezeigten Fall wie in Deutschland auf einer Fahrbahn links gehen, wenn kein Fußweg vorhanden ist, oder muss ich rechts gehen? Dass eine Mittellinie markiert ist, das macht in Deutschland noch keine Radweg zu einem Zweirichtungsradweg. Und außerdem ist der Georg-Christoph-Lichtenberg-Weg innerhalb einer geschlossenen Ortschaft.

    Jo mei. (Bin grad in Bayern, da sagt man das wohl so bei solchen Gelegenheiten.)

    Der Artikelschreiber tut so, als seien die Grünen gerade ganz fürchterlich übel von der FDP über den Tisch gezogen worden.

    Was an keiner Stelle deutlich wird: Nicht nur bei der FDP sondern auch bei der SPD mangelt es an Bereitschaft, die Abkehr von der "autozentrierten" Gesellschaft ernsthaft voranzutreiben. Den Artikelschreiber aber interessieren nicht die Fakten, sondern er versucht die FDP als den geschickteren Teilnehmer am "Politpoker" zu beschreiben und die Grünen als ungeschickte Stümper darzustellen, die sich vom kleinsten Koaltionspartner über den Tisch ziehen lassen.

    Ob das Erreichte zu Veränderungen führen nwird, zum Beispiel mehr Tempo 30 in Städten und Gemeinden, das wird sich zeigen. Wichtig ist, dass es bald nicht mehr so einfach wie bisher von der Autolobby verhindert werden kann, indem sie Gerichte für ihre Machenschaften instrumentalisieren.