Um mal ein bisschen die Hitzigkeit aus der Diskussion zu nehmen:
Man darf in der Diskussion über Fahreignungstests für Führerscheinbesitzer nicht vergessen, dass gleichzeitig eine Entwicklung stattfindet, die es Menschen ermöglicht, ein automatisch gesteuertes Auto zu benutzen.
Noch ist das zum Beispiel in Deutschland nicht möglich, was andernorts schon verwirklicht ist.
Dieser Spiegel-Artikel beschreibt, warum der Mobilitätsdienstleister Voyage in der Rentnerstadt The Villages in Florida auf eine gute Rendite hofft:
"Die älteren Menschen wollen mobil sein, möchten sich häufig aber nicht mehr mit einem eigenen Auto belasten. Viele fühlen sich auch gar nicht mehr fit genug, selbst zu fahren. In den Villages ist also nahezu jeder Einwohner ein potenzieller Voyage-Kunde." *)
Verliert so der Fahreignungstest, überhaupt die Gefahr im Alter nicht mehr fit genug zu sein für das eigene aktive Autofahren, seinen Schrecken? Und kann man noch von Ausgrenzung der Alten sprechen, davon, dass ihnen die "Mobilität geraubt" wird, wenn sie bei einem Fahreignungstest scheitern sollten?
*) Die Zeit vom 15.3.2019: Im Roboterauto vom Seniorenheim ins Theater
Dieser Satz aus dem Artikel lässt aufhorchen:
"Viele fühlen sich auch gar nicht mehr fit genug, selbst zu fahren."
Ich habe den Satz oben im Zitat fett hervorgehoben. Denn der Satz ließe sich zum Beispiel so fortsetzen:
"Viele fühlen sich auch gar nicht mehr fit genug, selbst zu fahren. ... Aber so lange es keinen ÖPNV als brauchbare Alternative gibt, quälen sie sich weiter selbst hinters Steuer."
oder so:
"Viele fühlen sich auch gar nicht mehr fit genug, selbst zu fahren. ... Deshalb sind sie froh, dass es einen gut ausgebauten ÖPNV gibt, der barrierefrei zugänglich ist, mit ausreichend Bushaltestellen in gut erreichbarer Nähe."
In dem Artikel wird der Satz so fortgesetzt:
"Viele fühlen sich auch gar nicht mehr fit genug, selbst zu fahren. ... Die Feindschaft, die den Roboterautos in anderen US-Städten entgegenschlägt, gebe es bei den Senioren in Florida nicht, heißt es bei Voyage. Im Gegenteil: Die Roboter sind keine potenzielle Gefahr, sondern herzlich willkommen."