Beiträge von Malte

    Ich bin gerade über diesen italienischen Artikel gestolpert: Addio al trasporto pubblico, dopo il Coronavirus tutti in auto privata (deutsche Übersetzung)

    Aufgrund der Pandemie stieg der Anteil des Autos in China (???) von 34 auf 66 Prozent, der Bus und „Metro“ fielen von 56 auf 24 Prozent. Das Fahrrad blieb unverändert bei 45 Prozent. Zahlen aus Deutschland habe ich bislang nicht gefunden, wobei wir ja auch erst vor zwei Wochen aus dem Shutdown gestolpert sind. Es dürfte aber ähnlich aussehen, die Straßen sind wieder voller Kraftfahrzeuge, während die Bahn nach wie vor leer durch die Gegend schnauft.

    Und ich bin ja tatsächlich gespannt, was uns die Bundesregierung am Dienstag bezüglich einer #Coronaprämie präsentieren wird. Der VDA freut sich jedenfalls schon mega:

    Externer Inhalt twitter.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Die Linke schlägt derweil eine Fahrradprämie vor, analog zum französischen Beispiel, wo eine Reparaturprämie von fünfzig Euro für Fahrräder geplant ist, oder Italien, wo sogar der Kauf von Fahrrädern unterstützt werden soll. Tja.

    Für den öffentlichen Nahverkehr gehe ich hingegen immer noch davon aus, dass wir auf einen Impfstoff warten werden, bis sich alles wieder einigermaßen normalisieren kann. Nur gibt es ausgerechnet zum Impfstoff quasi jeden Tag eine andere Aussage. Heute heißt es, die Suche nach Corona-Impfstoff könnte noch Jahre dauern — vor zwei Wochen war plötzlich von einem Impfstoff im Herbst die Rede, während als Eilmeldung aufploppte, dass Deutschland die erste klinische Prüfung von Impfstoffen starte:

    Und so geht es die ganze Zeit weiter: Helfen Masken? Sind Masken eher schädlich? Kann man getrost die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, wenn man sich nicht zu einer Risikogruppe zugehörig fühlt? Kommt nun ein Impfstoff? Oder doch nicht? Oder doch?

    Ich habe keine Ahnung, wie ich aufgrund dieser Informationslage künftig meinen Weg zur Arbeit planen soll. Ehrlich gesagt sehe ich aber noch nicht, dass ich mich wie früher zweieinhalb Stunden pro Tag in die Bahn setze und dementsprechend zweieinhalb Stunden pro Tag eine Maske trage, schon gar nicht bei ausfallender Klimaanlage oder zeitraubenden Verspätungen.

    Uff. Der Autoclub „Mobil in Deutschland“ hat bei OpenPetition eine Petition eröffnet, die mittlerweile über 100.000 Mitzeichner hat: FÜHRERSCHEIN-FALLE DER #STVO-NOVELLE RÜCKGÄNGIG MACHEN

    Nun muss sich der Petitionsausschuss des Bundestages nicht mit OpenPetitionen auseinandersetzen, aber eine gewisse Öffentlichkeitswirkung hat „Mobil in Deutschland“ wohl schon erreicht: “Führerscheinfalle”: Tausende schließen sich Petition gegen neuen Bußgeldkatalog an

    Dass es in den Kommentaren dazu von Argumentationen wimmelt, die meiner eigenen aus dem Eingangsbeitrag ganz ähnlich klingen, finde ich dann doch ein bisschen gruselig.

    In Hamburg gibt es jetzt während einer angemeldeten Demonstration des örtlichen ADFC eine Art „Protected Bike Lane“ entlang der Straße „An der Alster“: „Pop-up-Bikelane“: Radler „klauen“ sich Autospur, Hamburg hat einen ersten Popup-Radweg – aber nur bis heute Abend

    Drüben in Berlin hat man mittlerweile auch ganz gute Erfahrungen mit den an einer Vielzahl von Straßen aufgeploppten Bike-Lanes gesammelt.

    Hier in Kiel reicht es zwar „nur“ für die autofreie Kiellinie zur Steigerung der Aufenthaltsqualität, aber spätestens seit der Kraftverkehr in den letzten beiden Wochen wieder ganz erheblich zugenommen hat, während die Radwege teilweise wieder der üblichen Überfüllung anheim fallen, obwohl der ganze Radverkehr zur Universität momentan gar nicht stattfindet, fände ich es durchaus als angemessen, hier und da einen Fahrstreifen für den Radverkehr umzuwandeln. Kann ja nun nicht sein, dass wir aufs Rad anstatt in den Bus steigen sollen, aber mit dem Rad teilweise keinen ordentlichen Platz finden.

    Edit: Hier noch ein Tweet von gestern.

    Externer Inhalt twitter.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Ich staune ja gerade, wie viele verschiedene Anbieter zu diesen Unfallkarten im Netz herumschwirren. Greenpeace hat eine Karte, Fixmyberlin zeigt auch noch Planungen mit an, dann gibt es noch die Meldeplattform Radverkehr. Der Mängelmelder wird unter anderem vom ADFC Bremen genutzt, während NahverkehrHamburg vor einigen Jahren Radwegmängel auf Basis von Mark-A-Spot sammelte.

    Ganz sicher hat jedes dieser Werkzeuge seine Berechtigung, jedes seine Vor- und jedes seine Nachteile. Aber ich habe den Eindruck, dass diese Karten momentan nur zum Einsatz kommen, um, ich formuliere es mal bösartig, etwas Aktionismus vorzutäuschen und beispielsweise Mängel zu sammeln, die man dann als Medium in einem oder mehreren Artikeln zu publizieren. So wie es NahverkehrHamburg damals in sorgfältig aufbereiteten Artikeln vorgemacht hat ist das natürlich legitim und bietet einen echten Mehrwert, aber irgendwie denke ich mir: Schade um die ganzen Daten, die in sich abgeschlossen in jeder dieser einzelnen Karten-Installationen herumliegen und nicht genutzt werden.

    Es gibt einen relativ etablierten Standard namens Open311, mit der sich genau diese Art von Daten austauschen lassen. Damit ließen sich die ganzen Daten — theoretisch — sammeln, aggregieren und zu einer echten Prioritätenliste ausarbeiten, mit der man dann gegenüber den Kommunen oder Straßenverkehrsbehörden argumentieren könnte.

    Aber ich habe das Gefühl, dass die Daten momentan mehr oder weniger fleißig gesammelt, aber nicht für wesentliche Verbesserungen im Straßenverkehr genutzt werden. Und das ist eigentlich sehr schade.

    Tatsächlich ist die Reaktivierung der Bahnlinie zwischen Stade und Bremervörde inzwischen auch in der Politik angekommen und findet dort breite Unterstützung (jedenfalls so lange nicht darüber geredet wird, wie die Kosten zwischen den Gemeinden und Landkreisen verteilt werden).

    https://www.kreiszeitung-wochenblatt.de/stade/c-politi…hrt-auf_a164999

    Ah, der Weser-Kurier hat letzte Woche auch darüber berichtet: Die Idee: Vom Auto in die Bahn

    Es geht um

    Herstellung von Mineralwasser aus Leitungswasser am Hahn durch Einsatz von Filterungs- und Mineralstoffzugabesystemen (gibt es schon lange von verschiedenen Herstellern)

    Diese Wassersprudler scheinen mir grundsätzlich die einzig sinnvolle Alternative zum Wasserkistenschleppen für die meisten Haushalte zu sein. Wenn ich das aber in den üblichen Debatten zum Vorschlag bringe, ist die Begeisterung eher gering, weil diese Systeme als unhygienisch gelten oder man sich einfach nicht umgewöhnen möchte. Dass die Leute aber selbst stilles Wasser kistenweise in Plastikflaschen kaufen, was in nicht unbedingt schlechterer Qualität direkt aus dem Wasserhahn kommt, verstehe ich tatsächlich nicht.

    Ist halt alles eine Frage der Priorisierung, technisch können wir mit Sicherheit da einiges davon umsetzen. Wenn wir jetzt mit drastischen Corona Massnahmen nur so wenig Reduzierung haben, bin ich der Meinung, wir sollten stattdessen lieber in solche Entwicklungen Geld stecken.

    Einerseits schrieb Yeti schon, dass wir eine ganze Menge brauchbarer Lösungen haben, die wir aber nicht einsetzen wollen, sei es weil der Widerstand gegen Windkraftanlagen besonders medienwirksam geführt wird oder weil aus politischen Gründen keine Änderung gewollt ist, weil die Kumpel im Bergwerk zu der stimmberechtigten Wählerschaft zählen. Ich finde es insofern sehr bedenklich, wenn aus der Ecke der Freidemokraten immer wieder smarte und technische Lösungen zur Bewältigung der Krimakrise gefordert werden, bestehende smarte und technische Lösungen (Windkraft! Teleheimarbeit! Solarzellen!) hingegen keinerlei Akzeptanz finden.

    Eine Anpassung unserer Lebensumstände und unserer Umwelt an die Klimakrise wird zwangsläufig erfolgen müssen, da wir ganz erheblich viele so genannter Kipppunkte bereits überschritten haben. Das Eis der Arktis und Grönlands sind nicht mehr zu retten, unsere Regenwälder holzen wir in einem nie dagewesenen Tempo ab, so dass wohl ab 2025 herum die ersten Regenwälder großflächig veröden werden, einen Großteil unserer Insekten und Vögel und Kleinstlebewesen, die überlebenswichtig für unser Ökosystem sind, können wir gar nicht mehr retten.

    Und es ist schier unmöglich, bei all diesen Themen technische Lösungen zu suchen, denn die Prozesse, die wir in den letzten Jahrzehnten in Gang gesetzt haben, ließen sich selbst mit einer Maschine, die überschüssiges CO2 aus der Luft entfernt, nicht wieder rückgängig machen. Man mag vielleicht noch in der Lage sein, die Bestäuberfunktion von Bienen mit Flugrobotern nachzubilden, aber wie will man Regenwürmer ersetzen?

    Es gibt in unserer Umwelt quasi keinen einzigen Bereich, den wir mit unseren Eingriffen nicht zerstört oder wenigstens deutlich negativ beeinflusst haben, das kriegen wir nicht einmal mit Technik wieder in den Griff, da helfen nur noch radikale Maßnahmen, um das allerschlimmste abzuwenden.

    Ich habe an meinem schneeweißen Fahrrad einen Lowrider, den ich unter anderem aufgrund des zweiten Fahrradständers sehr schätze, weil das Rad dann auch bei voller Beladung und Seitenwind sicher steht und das Vorderrad nicht umschlägt.

    Nun habe ich trotz Physik-Leistungskurs im Abitur vor zwölf Jahren meine Probleme mit der Einschätzung der Hebelkräfte, die auf einen Lowrider wirken.

    In Fahrradhalterungen in Zügen werden im Nahverkehr, sofern es überhaupt Halterungen gibt, die Räder meistens einigermaßen horizontal eingehängt, im Fernverkehr gibt es vereinzelt ein paar vertikale Halterungen, die unproblematischer sind. Mit einem Lowrider stößt man in den Halterungen schnell an die Grenzen und muss ein bisschen tricksen, so dass die Fahrradhalterung schlussendlich zwischen Lowrider und Reifen klemmt. Weil sich das Rad während der Fahrt beispielsweise beim Beschleunigen und Bremsen des Fahrzeuges zur Seite bewegt, reißt die Halterung entsprechend stark am Lowrider herum. Besteht eurer Ansicht nach das ernsthafte Risiko, dass der Lowrider, die Schrauben oder die Gabel auf Dauer Schäden davontragen? Mir kommt das nicht so ganz gesund vor, wobei andere Radfahrer, beispielsweise Patrick, ihr Rad einfach so dort reinstellen und offenbar bislang keine großen Probleme beobachten konnten.

    Und an der Gabel habe ich ein paar Abstandshalter am Lowrider angebracht. Ich bekomme es leider nicht hin, dass der Lowrider einigermaßen zentriert am Vorderrad sitzt. Die Halterung des Ständers ist acht Millimeter breit, meine übrigen Distanzringe leider einen Zentimeter. Das heißt, ich habe auf der Seite des Ständers 1,8 Zentimeter Abstand, auf der anderen Seite zwei Zentimeter. Das ist, wie ich finde, schon ganz schön viel — meint ihr, ich bewege mich damit bereits im ungesunden Bereich?

    Wenn ich auf jeder Seite einen breiten Distanzring entferne, drücke ich den Lowrider direkt in den Lack der Gabel, weil ich einen Mindestabstand von einem Zentimeter brauche. Die beste Idee wäre wohl, einen entsprechenden Distanzring anzuschaffen? Die Dinger haben einen Außendurchmesser von 1,2 Zentimetern und einen Innendurchmesser von 0,5 Zentimetern. Wenn ich an meinen letzten Besuch im Baumarkt denke, war ich vor dem Regal mit Schrauben und Unterlegscheiben ziemlich aufgeschmissen.

    Ich fürchte, ohne Faltpedal verdirbt man sich relativ schnell den Spaß am gesamten Faltrad. In der Bahn ist beispielsweise ohne eingeklapptes Pedal an vielen Stellen kein Platz für das Brommie, es passt außer im Mehrzweckabteil an so gut wie keinen der bevorzugten Plätze, beim Schieben oder Tragen wiederum stößt man sich vermutlich schnell den Unterschenkel oder das Knie blutig.

    Ich habe das B75 beim Fahrradladen um die Ecke im Fenster gesehen und es macht auf mich irgendwie einen, ich sag mal vorsichtig, ausgesprochen günstigen Eindruck. Mein erster Gedanke war: Das klappert bestimmt wie so ein Baumarkt-Faltrad, mein zweiter Gedanke war: So viel zum Klappern ist da ja gar nicht dran.

    Ich weiß nicht — die Komponenten sind zwar alle nicht besonders alt und wurden bis 2017 an jedem normalen Brompton verbaut, aber in Gegenwart der anderen Brommies kommt das B75 doch etwas, naja, „billig“ daher. Und ausgerechnet die Sache mit dem nicht einklappbaren linken Pedal kapiere ich nicht so ganz, weil dort meines Erachtens das Verhältnis zwischen finanzieller Einsparung und dem praktischen Nutzen sehr weit auseinander klafft.

    Kiel schafft zwar nach meiner Kenntnis nur an der Kiellinie Platz für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer, dafür dort allerdings ernsthaft: Die Sperrung wurde noch mal um eine Woche verlängert:

    Externer Inhalt twitter.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne Ihre Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Vielleicht könnten wir das ja auf unbestimmte Zeit so beibehalten.

    Wieso ungünstiger Weise? Ich hab eine BC25, die Punkte verfallen nicht. Du meinst, weil Du Dir dann jeden Tag eine neue Fahrkarte kaufen musst?

    Nein, ungünstigerweise meinte ich in dem Kontext, dass ich mich zeitnah entscheiden muss, ob ich mir eine weitere BahnCard 100 anschaffe, die ich womöglich weder ab Juli noch im Herbst oder im Jahr 2021 vernünftig nutzen kann. Falls die Reisebeschränkungen aufrecht erhalten werden oder eine zweite Welle heranrollt oder öffentliche Verkehrsmittel mit ebenjenen 25 Prozent Kapazität fahren werden, kann ich mir auch alles schenken. Ich gehe ohnehin nicht davon aus, dass ich in diesem Jahr noch besonders viele Bahnfahrten abseits meiner Pendlerstrecke Kiel–Hamburg unternehmen werde, schon gar nicht außerhalb Schleswig-Holsteins, und sich die ganze Sache überhaupt nicht rentiert.

    Womöglich reicht dann eben wieder die bereits bekannte Netzkarte für Schleswig-Holstein oder ein ICE-Abo Kiel–Hamburg, wobei beides gewisse Nachteile mit sich bringt: Mit der Netzkarte kann ich nicht in den ICE steigen und muss stattdessen mit dem Nahverkehrsrüttler fahren, dem ich ja eigentlich abgeschworen hatte, mit dem ICE-Abo muss ich für jede Strecke abseits Kiel–Hamburg eine neue Fahrkarte kaufen.

    Unter der Berücksichtigung, dass ich einen erheblichen Batzen meiner BahnBonus-Punkte verlieren werde, wenn ich nicht durchgängig eine BahnCard mit Kreditkartenfunktion habe, bringt mich das in Zugzwang, weil ich eigentlich meine BahnBonus-Punkte für unsere Hochzeitsreise aufsparen wollte.

    Wer da alles zusammen so drin sitzt in so einem Wagen? Wagt die Polizei da Kontrollen durchzuführen? Oder gilt das Auto wie die Wohnung als geschützter Privatraum, der nur in begründeten Ausnahmefällen durchsucht werden darf?

    Steht doch im Artikel drin: Maximal zwei Personen pro Fahrzeug und die Polizei hat keine Verstöße festgestellt.

    Was mich nur immer Kopfschütteln macht: Dass LKW-Fahrer systemrelevant sind, merken viele erst jetzt?!

    Ich bemerke jedenfalls in meinem Umfeld, beziehungsweise in den einschlägigen Gruppen der gesellschaftlichen Netzwerke, dass Lkw-Fahrer plötzlich nicht mehr nur als jene Menschen wahrgenommen werden, die beim Rechtsabbiegen Radfahrer totfahren. Da hat doch ein gewisses Umdenken eingesetzt, das sich auch außerhalb der Fahrradblase fortsetzt: Einige Menschen aus meinem Umfeld, die dem Auto noch etwas mehr abgewinnen können als ich, äußern sich plötzlich etwas verständnisvoller für Elefantenrennen auf der Autobahn.

    Auch wenn ein Flugzeug vielleicht nicht die Kriterien eines öffentlichen Verkehrsmittels erfüllt, weil es grundsätzlich sowohl am leichten Zugang als auch an der ökologischen Bilanz mangelt, hat sich heute Nacht wohl der nächste Akt im Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und Wirtschaftsleistung abgespielt: Die Lufthansa wird zu 25 Prozent verstaatlicht.

    Der Tagesschau-Beitrag erklärt unter anderem:

    Zitat

    Rettungspaket mit Klimazielen verknüpft

    Ein Blick auf europäische Nachbarn in der Luftfahrtbranche zeigt, wie dort ein Hilfspaket für die Airlineholding AirFrance-KLM mit Bedingungen verknüpft worden ist. Frankreich und Holland machen Milliardensummen locker, die Darlehen sind aber mit klaren Auflagen verbunden. Ein bereits vorgelegter Restrukturierungsplan muss jetzt massiv beschleunigt werden. Außerdem fordert die Regierung in Paris, dass AirFrance wenig rentable Inlandstrecken in Frankreich kappt.

    Auch Klimaschutz spielt für das Rettungspaket eine wichtige politische Rolle: So soll die Flotte kontinuierlich auf weniger Treibstoff verbrauchende Maschinen umgerüstet werden. Und AirFrance-KLM muss auf Inlandflügen generierte CO2-Emissionen zu 100 Prozent kompensieren. Sauberer fliegen, leiser fliegen, dafür greifen beide Staaten der Holding unter die Arme.

    Dabei handelt es sich aber offenbar tatsächlich nur um Beispiele aus unseren Nachbarländern. Für die Lufthansa gelten solche Auflagen nicht, auch wenn das im Artikel nur sehr verklausuliert hervorgeht — und obwohl unsere Bundeskanzlerin noch am Dienstag beim Petersberger Klimadialog beteuerte, die deutschen Klimaziele zu verschärfen. Reden und handeln sind wohl zwei verschiedene Paar Schuhe und zeigen auf, wohin dann am Dienstag die Reise mit den so genannten Autobossen geht.

    In unserer Fahrradblase mag kaum jemand Lkw- und Lieferwagenfahrer leiden: Sie gelten als rücksichtslos, unfreundlich, beim Rechtsabbiegen als gemeingefährlich und ihre Fahrzeuge stellen sie zugunsten des „echten Verkehrs“ auf der Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger ab.

    Und dennoch haben diese Menschen in Zeiten der Coronakrise ihre Systemrelevanz unter Beweis gestellt. Diese Menschen fahren unsere Lieferungen aus, die wir im Internet bestellen, weil die Läden geschlossen sind, diese Menschen fahren neue Lieferungen für den Supermarkt durch die Gegend oder von einem Lager ins nächste, schlafen ohne Dusche und Waschbecken auf verdreckten Autobahnparkplätzen, die in Zeiten der Coronakrise niemand mehr reinigt, und nehmen ihre Mahlzeiten auf dem Bock zu sich, weil die Raststätten gesperrt sind, damit wir uns am Ende nur über fehlendes Toilettenpapier, aber nicht über fehlende Lebensmittel beklagen können.

    Diese Menschen werden für uns grundsätzlich nur sichtbar, wenn wir uns über sie ärgern, will sagen: Wenn sie auf Geh- und Radwegen parken.

    Und das schafft eben Probleme. Supermärkte müssen beliefert werden, haben aber in Innenstadtlagen häufig keine eigene Laderampe, sondern teilweise nur einen kleinen Hintereingang mit einem kleinen Zwischenlager. Ein Supermarkt hier in der Nähe wird beispielsweise beliefert, indem Sattelzüge rückwärts von einem einzelnen Fahrer auf den benutzungspflichtigen Geh- und Radweg manövriert werden. Das läuft hier mehrmals pro Woche so, denn der Supermarkt muss ja schließlich beliefert werden. Für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer wird das übliche „man kann ja auch mal absteigen“, „man kann ja auch mal Rücksicht nehmen“ und „irgendwo muss er ja parken“ empfohlen, während in Wirklichkeit der Radverkehr durch die hohle Gasse saust und den Fahrer bepöbelt. Es gab dort nach meiner Kenntnis auch mindestens einen Unfall, als ein Radfahrer auf dem Gehweg mit der Ladung kollidierte, die sich auf der Rampe selbstständig machte und aus dem Lager rollte.

    In der Kieler Innenstadt hat am Asmus-Bremer-Platz kürzlich ein neuer Supermarkt eröffnet, der sich über die Andreas-Gayk-Straße beliefern lässt. Das Gebäude hat zwar einen Innenhof, in den allerdings kein Last- oder Lieferwagen reinpasst, so dass im Regelfall der Fuß- und Radweg blockiert wird. Offenbar gab es hier schon Probleme mit dem Ordnungsamt, denn der benachbarte Bussonderfahrstreifen müsse freigehalten werden. Fußgänger und Radfahrer sind hier nicht so wichtig, wobei einer der Fahrer sogar mal die Mülltonnen auf den Radweg bugsiert hat, um anzuzeigen, dass Vorbeifahren gerade eine schlechte Idee wäre.

    Und so läuft das hier eigentlich bei jedem innerstädtischen Supermarkt, der von diesen standardisierten Bauplänen mit großem Parkplatz und eigener Laderampe abweicht. Selbst wenn nicht direkt auf dem Radweg geparkt wird, werden wenigstens Sichtbeziehungen zwischen abbiegenden Verkehrsteilnehmern und nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern unterbrochen, beziehungsweise rote Ampeln verdeckt. Auch hier lautet die Antwort bekanntlich man könne ja auch mal absteigen, warten, Rücksicht nehmen.

    Nun wäre das eigentlich alles ganz normal, alles wie immer, wenn nicht seit Dienstag der neue Bußgeldkatalog in Kraft getreten wäre. Und der sieht für das Halten und Parken auf Radverkehrs- oder Fußgängerinfrastruktur nicht nur deutlich höhere Bußgelder vor, sondern belohnt besonders hartnäckiges Falschparken mit Behinderung oder ab einer Stunde sogar mit einem Treuepunkt. Das heißt, wenn alle oben abgebildeten Verstöße zur Anzeige gebracht würden, wären die Fahrer binnen einer Woche ihren Führerschein für eine Weile los.

    Es ist naheliegend, dass das nicht Sinn der Sache sein kann. Und genauso wenig kann es Sinn der Sache sein, die Belieferung von innerstädtischen Supermärkten ohne eigene Laderampe einfach einzustellen. Aber wie wäre es mit einer ganz abwegigen Lösung: Wir erkennen endlich einmal die Systemrelevanz derer an, die uns für einen undankbaren Lohn die Warenversorgung sichern und schaffen Ladezonen für Lastkraftwagen, Paketdienste, Lieferanten?

    In Kiel kam just diese Diskussion auch pünktlich mit dem neuen Bußgeldkatalog auf: Neue Regeln auf den Straßen von Kiel

    Die angepassten Bußgelder träfen nicht nur Lieferanten der Geschäfte, sondern auch deren Kunden, die hier in der Holtenauer Straße gerne „nur ganz kurz“ in zweiter Reihe parken. Der Einzelhandel beklagt hier regelmäßig das Fehlen von Parkplätzen, was bekanntlich zu einer Totalblockade jeglicher Verbesserungen für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer führte, da sowohl eine bessere Radverkehrsinfrastruktur als auch mehr Platz für Fußgänger oder gar eine Straßenbahn auf diese Weise verhindert werden. Das Motto lautet nach wie vor: Nur ein leerer Kofferraum kauft ein. Wenn der leere Kofferraum aber ab einer Viertelstunde in der zweiten Reihe mit einem Punkt nach Hause fährt, steuert er beim nächsten Mal vielleicht nicht den inhabergeführten Einzelhandel in der Holtenauer Straße an, sondern eines der Einkaufszentren auf der grünen Wiese. Dort sind Autos willkommen, da gibt’s keine Parkplatzsorgen und Punkte nur für echte Treue beim Einkaufen.

    Der Einzelhandel und die Stadt Kiel haben sich insofern auch direkt positioniert: Lieferungen wären nur mit Falschparken auf Rad- und Gehwegen möglich, Ladezonen könnten nicht eingerichtet werden, denn die gingen zulasten anderer Verkehrsteilnehmer. Schön, dass in der Stadt im Klimanotstand Fußgänger und Radfahrer offenbar keine Verkehrsteilnehmer sind. Die Begründung offenbart noch einen weiteren Knick in der Argumentation, denn einerseits hätten Radfahrer in Kiel eine zu starke Lobby, die aber andererseits nicht mal stark genug ist, um ein paar Poller zur Abwehr von Falschparkern auf dem Radweg anzuleiern?

    Andererseits drohen bereits Konflikte: So ist jetzt schon das Halten auf markierten Radwegen auf der Straße verboten. 55 bis 100 Euro und ein Punkt drohen. Die ersten Kaufleute in Kiel reagieren bereits aufgebracht – an vielen Straßen von Holtenauer Straße über Knooper Weg oder am Exerzierplatz wird so der Lieferverkehr mit großen Fahrzeugen erschwert oder zunichte gemacht. Namentlich wollen sie nicht genannt werden: In Kiel haben die Radfahrer eine (zu) starke Lobby, heißt es. Die Stadt entgegnet: Man könne zwar Ladezonen schaffen – das würde jedoch zulasten anderer Verkehrsteilnehmer gehen.

    Was man eigentlich sagen will und was in einer so genannten Stadt im Klimanotstand genau wie in einer ehemaligen Europäischen Umwelthauptstadt und überall anders gilt: Dem Auto soll kein Platz weggenommen werden.

    Die zugrunde liegende Argumentation lautet außerdem, dass man sich als Fußgänger oder Radfahrer nicht über Lastkraftwagen oder den von Einparkvorgängen ausgehenden Behinderungen oder Gefährdungen beschweren dürfe, weil man selbst ja auch vom reichhaltigen Angebot der Supermärkte profitiere. Das ist zwar richtig, lässt aber außer acht, dass nach meiner Kenntnis auch Kraftfahrer auf regelmäßig zugeführte Nahrungsmittel angewiesen sind. Insofern müsste ich doch davon ausgehen dürfen, dass Kraftfahrer mit demütiger Begeisterung ihre wertvollen Parkplätze aufgeben, um dort eine Ladezone einzurichten?

    Ich find’s tatsächlich lächerlich: Im unmittelbaren Umfeld des ganz oben abgebildeten Supermarktes, deren Lieferanten rückwärts mit dem Sattelschlepper einparken, zähle ich grob geschätzte 64 Parklätze. Aber es ist wohl ein Ding der Unmöglichkeit, diese 64 Parkplätze auf, naja, 50 Parkplätze zu reduzieren, und die übrigen 14 Parkplätze morgens als Ladezone und den Tag über als Kundenparkplatz zu nutzen? Entlang der Holtenauer Straße und des Knopper Weges stehen kilometerlange Seitenstreifen zum Parken zur Verfügung, aber es gibt keinen Platz für eine Ladezone, wirklich nirgends? Dort parken doch auch keine Kunden des Einzelhandels, dort parken Anwohner, teilweise tagelang, weswegen die Kundschaft des Einzelhandels ja in zweiter Reihe parkt.

    Aber es fällt mir schwer zu glauben, dass bei jeweils zwei Fahrstreifen pro Fahrtrichtung und einem beinahe durchgängigen Seitenstreifen kein Platz zum Parken bleiben soll. Ich vermute mal, der Grund ist eigentlich ganz einfach: Dem Auto soll mal wieder kein Platz weggenommen werden und von Autos haben wir einfach zu viele in der Stadt.

    Die Dummen sind dann weiterhin Lkw-Fahrer, die auf Rechnung ihres eigenen Punktekontos arbeiten, und nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer, die mal wieder sehen können, wo sie bleiben. Während man einem rückwärts auf dem Radweg einparkenden Sattelzug noch ausweichen oder aus dem Weg gehen kann, wird es bei unterbundenen Sichtbeziehungen zwischen nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmern und abbiegenden Kraftfahrern schon schwieriger, nicht vielleicht doch irgendwann einmal „erwischt“ zu werden.

    Aber ich vermute, wenn selbst in einer so genannten Stadt im Klimanotstand nicht mit der Einrichtung von Ladezonen zu rechnen ist, braucht man es in anderen Städten auch gar nicht erst versuchen. In Kiel wurde ja in der Vergangenheit tatsächlich mal um 20 Uhr für Lkw-Fahrer aus dem Fenster geklatscht, aber nachdem wieder alles seinen gewohnten Gang geht und die Supermärkte wieder einigermaßen gefüllt sind, ließ die Begeisterung für diese Berufsgruppe schnell wieder nach.

    Außerdem haben Ladezonen auch den Nachteil, dass man Falschparker nicht nur sanktionieren, sondern auch abschleppen müsste. Ganz schwierige Thematik.

    Wie asozial müsste man sein um dann drauf zu halten oder sogar noch zu beschleunigen, weil die Fahrt dann mehr Spaß macht?

    Wenn ich mir das Verhalten einiger Mitmenschen so anschaue, scheinen manche nur aus der Hoffnung mit dem Auto zu fahren, dass sich Greta ordentlich ärgert. Die Häme, die gerade auch in einigermaßen zivilisierten Gruppen in den gesellschaftlichen Netzwerken niederprasselt, lässt mich schon vermuten, dass manch einer sich ganz besonders anstrengen wird, der nachfolgenden Generation möglichst viel verbrannte Erde zu hinterlassen.