Beiträge von Malte

    Seit gestern Abend gilt in Deutschland ein „umfangreiches Kontaktverbot“: Bund und Länder verständigen sich auf umfangreiches Kontaktverbot

    Ich vermag als Laie natürlich nicht zu beurteilen, ob diese Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung von SARS-CoV-2 sinnvoll sind und im Endeffekt Leben retten oder nicht.

    Was mir aber ziemlich klar ist: Diese Maßnahmen werden nicht wie versprochen in zwei Wochen wieder aufgehoben. Das wird nach meiner laienhaften Einschätzung schon daran scheitern, dass sich Erfolge im Kampf gegen SARS-CoV-2 sich nicht so schnell einstellen werden. Dumm nur: Was passiert, wenn wir uns daran gewöhnen? Der soziale Druck, auf seine eigenen Rechte zu verzichten, noch nicht einmal die Möglichkeit zum Joggen oder zur sportlichen Betätigung draußen wahrzunehmen, ist immens.

    Und es wäre natürlich schön, hätte ich ein etwas größeres Vertrauen in unsere Polizei, die ich beispielsweise in Hamburg als sehr einseitig an den Befindlichkeiten von Menschen interessiert erlebt habe, die nicht mit dem Auto unterwegs sind und die mir schon zwei Mal versucht haben, einfach so eine Ordnungswidrigkeitenanzeige reinzudrücken und mit halbgaren Unfallaufnahmen dafür sorgten, dass ich jedes Mal unnötigen Ärger mit der gegnerischen Versicherung hatte, um dann diese lustige Rotlichtkontrolle durchzuziehen. Ich habe die Polizei in den letzten Jahren eher als Gegner wahrgenommen, obwohl ich nie auf einer linken Demonstration Mollis geschmissen oder gar irgendwelche Straftaten begangen habe. Die wenigen positiven Ausnahmen war jeden Monat die Begleitung diverser Critical-Mass-Touren seitens der Polizei, die in der Regel sogar einigermaßen freundschaftlich ablief.

    Aber nach meinem Gefühl her ist es äußerst ungünstig, jetzt plötzlich eine Ausweispflicht zu haben, die von der Polizei durchgesetzt wird:

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    Da die Stadt Kiel aber nach einer relativ ausführlichen Mail zu Beginn des Jahres nicht mehr auf meine Beschwerden reagiert, nehme ich zur Kenntnis, dass man dort wohl andere Sorgen hat.


    Vielleicht Falschparker? Naja:

    Mittlerweile wundert sich auch manch anderer über die fröhliche Falschparkerei in der Andreas-Gayk-Straße. Das ist eigentlich umso absurder, als dass der Kommunale Ordnungsdienst sein Bureau eigentlich auf der anderen Seite der rechts zu sehenden Häuserzeile bewohnt. Nun ist mir klar, dass man mit einer überschaubaren Anzahl von Mitarbeitern im Schichtbetrieb nicht eine ganze Stadt abdecken und außerdem noch vor der eigenen Haustür vor Ordnung sorgen kann, aber das quasi im Vorgarten des Kommunalen Ordnungsdienstes ein solcher Falschparker-Hotspot entstanden ist, das ist wirklich ein bisschen peinlich:

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    Zu tun gäbe es eigentlich genug dadurch, dass einerseits ständig auf dem linken Fahrstreifen und auf dem rechten Radfahrstreifen geparkt wird:

    Aber vielleicht muss man diese regelmäßigen Gefährdungen einfach hinnehmen. Naja.

    Gestern trugen sich „gleich zwei Unfälle in Hamburg“ zu:

    1. In Rothenburgsort kollidierte ein Radfahrer mit einem Kraftfahrzeug auf der Kreuzung zwischen Billstraße und Heidekampsweg. Nach bisherigem Ermittlungsstand missachtete der Radfahrer eine rote Ampel, er wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.
    2. Kurz darauf stießen am Hanseatenstieg ein Rennradfahrer und ein Kraftfahrer[/url] zusammen. Mehr konnte ich über den Unfall allerdings bislang nicht herausfinden.

    Die CSU in München hat quasi alles versucht. Wahlplakate aufgehängt, die von der Beseitigung einer Fahrspur durch Rot-Grün künden, Einwurfbriefe warnten vor der ultimativen Parkplatzzerstörung, man gründete eine Bürgerinitiative für Erhalt der Parkplätze, man verteilte als Strafzettel getarnte Wahlwerbung, warnte vor der „völligen Zerstörung und Umpflügung von 40 Straßen“, wollte aber eigentlich doch wirklich nicht mehr als ein „faires Verkehrskonzept“. Die Münchener Abendzeitung mischte kräftig mit und bemängelte, dass die Grünen in mehr als acht großen Straßen feste Blitzer gegen Raser installieren wollten, während der gebührenfinanzierte Bayerische Rundfunk die Debatte zum Glaubenskampf um Platz auf Straße erhob und Focus Online die Debatte in Fahrrad-Mekka oder Auto-Paradies einteilte.

    Im Endeffekt hat die CSU zwar viel versucht, aber nicht so ganz viel erreichen können:

    29,1 % für die GRÜNEN, 24,7 % für die CSU, 22,0 % für die SPD, der ganze Rest mit FREIE WÄHLER, AfD, DIE LINKE, FDP und ÖDP hat es maximal auf 4 % gebracht. Letzteres reicht dann trotzdem für drei Sitze im Stadtrat, aber viel zu melden hat man da nicht mehr.

    Die Karte zum Bezirksauschuss ist auch ziemlich grün.

    Die Süddeutsche Zeitung schreibt dazu: Mehr abwählen geht kaum, die CSU meint in der Abendzeitung hingegen: "Haben die richtigen Themen gesetzt"

    Was ist eigentlich, wenn die Welt vor einer Wirtschaftskrise noch nie dagewesenen Ausmaßes steht?

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    Im Freistaat Bayern gelten ab Mitternacht umfangreiche Ausgangsbeschränkungen: Bayern verhängt landesweite Ausgangsbeschränkungen

    Hier ist die Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege vom 20.03.2020, Az. Z6a-G8000-2020/122-98: Vorläufige Ausgangsbeschränkung anlässlich der Corona-Pandemie

    Interessant sind unter anderem Punkt 4 und 5: Friseure dürfen nicht mehr besucht werden, aber Sport und Bewegung an der frischen Luft sind nur noch alleine oder mit Mitgliedern des eigenen Haushaltes erlaubt.

    Die altehrwürdige Frankfurter Allgemeine freut sich, dass wir ja noch das Auto haben und in Zeiten wie diesen nicht in die verseuchte Sozialraupe steigen müssen: Gut, dass wir das Auto haben (€)

    In Bogotá werden offenbar in rasender Geschwindigkeit Fahrstreifen in Radfahrstreifen umgewandelt, um Pendlern den Umstieg vom ÖPNV aufs Fahrrad zu erleichtern:

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    Mexico-Stadt macht das offenbar auch, soweit ich das übersetzen kann:

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    In Deutschland wird man natürlich auch tätig und verteilt den wertvollen Straßenraum um, die Stadt Düsseldorf gibt die Umweltspuren frei, weil ja jetzt alle wieder mit dem Auto fahren wollen. War ja klar. Der Fahrradverein ADFC fordert Fahrradspuren während der Coronakrise in Düsseldorf.

    Eigentlich finden alle Radfahren in Zeiten wie diesen ganz toll:

    Immerhin zählen mittlerweile auch Fahrradreparaturen zu jenen Dienstleistungen, die auch in der Coronakrise erbracht werden dürfen:

    Außerdem:

    Und als ich heute beim Einkaufen an einem geschlossenen Optiker vorbei kam, dachte ich noch "Was machen denn jetzt Brillenträger wie ich, wenn die Brille kaputt geht, ich sie aber zum Arbeiten im HomeOffice brauche?".

    In Kiel hatten gestern mindestens zwei Optiker geöffnet. Es durften aber je nach Größe des Geschäfts nur ein oder zwei Kunden in den Laden, der Rest musste draußen im Regen warten.

    Die Fahrradschleuse ist das hier:


    Weil da in der Regel auf beiden Seiten der Holtenauer Straße jeweils zwei Kraftfahrzeuge drauf parken (Polizei: „Irgendwo müssen die Autofahrer ja parken!“), können Radfahrer nicht rechts nach vorne in die Schleuse fahren. Allerdings muss auch der vor der Ampel wartende Kraftverkehr noch ein Stück weiter nach links rücken, denn je nach Parkkünsten der Falschparker ist rechts ganz schön wenig Platz. Dadurch können aber entgegenkommende Radfahrer, die ja diese freigegebenen Einbahnstraßen in beiden Richtungen durchfahren dürfen, nicht mehr durch.

    Hin und wieder parken dort auch Fahrzeuge des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. In solchen Fällen lohnt auch gar nicht die private Anfertigung einer Ordnungswidrigkeitenanzeige oder gar das Hinzuziehen der Ordnungsmacht, weil ich den Spaß mit meinen Rundfunkgebühren sowieso finanzieren werde.

    Aber vielleicht bewahre ich die Fotos sicherheitshalber auf, bis der NDR mal wieder einen journalistisch wertvollen Beitrag über Kampfradler zurechtzimmert.

    Weil hier mittlerweile spätestens ab dem späten Nachmittag geparkt wird (und in Zeiten wie diesen sowieso rund um die Uhr, weil der Kommunale Ordnungsdienst mutmaßlich mit der Kontrolle von Spielplätzen oder ordnungswidrig geöffneten Einzelhändlern beschäftigt ist), wird die Sache ernsthaft ärgerlich: Mit dem Rad darf man geradeausfahren, mit Kraftfahrzeugen nicht. Steht man also mit dem Rad nicht auf der Pole Position, fahren bei grünem Licht Kraftfahrzeuge von beiden Seiten in die Kreuzung ein und bekaspern sich erstmal, wer jetzt rechts und wer jetzt links abbiegen will. Und dann kommt man noch mit dem Rad daher und will eigentlich geradeaus. Das ist mittlerweile echt lästig, zumal man dann noch kluge Ratschläge bekommt, dass man ja auch absteigen und nebenan über die Fußgängerampel schieben könne.

    Was mich momentan tatsächlich am meisten verwundert ist die plötzlich ungebrochene Bereitschaft der Bevölkerung, auf eigene Rechte und Freiheiten zugunsten der Bekämpfung des SARS-CoV-2 zu verzichten.

    Mein Mobilfunk- und Internetanbieter gibt momentan Bewegungsdaten an das Robert-Koch-Institut weiter — natürlich ohne mich zu informieren, geschweigedenn zu fragen, aber natürlich ganz doll anonymisiert. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob man für dieses Verfahren überhaupt anonyme Daten nutzen kann oder ob eigentlich eine Pseudonymisierung gemeint ist.

    Natürlich ist das alles bloß für die gute Sache und soll Leben retten und niemand will mir etwas böses. Und trotzdem wundere ich mich, ob meine Daten nicht doch plötzlich in Rohform ganz ausversehen woanders bei einem Empfänger landen, der sich auch darüebr freut. Das muss ja gar nicht die hiesige Neonazi-Gang sein, die ein paar Linke verkloppen möchte, sondern vielleicht die Polizei? Irgendein Grund wird sich schon finden, um in Zeiten wie diesen Anspruch auf Positionsdaten der Menschen zu erheben, vielleicht der Schutz vor Plünderungen oder so.

    Schon krass: Monatelang sind abertausende Menschen in verschiedenen Bundesländern auf die Straße gegangen, um gegen eine Verschärfung der Polizeigesetze zu demonstrieren, jetzt kassiert SARS-CoV-2 alles wieder ein und wir wünschen uns plötzlich eine Polizei, die so ziemlich alles kann und darf, um doch nur dieses Virus abzuwehren.

    Sascha Lobo schreibt dazu im Spiegel: Wider die Vernunftpanik

    René Schlott sieht beim WDR sogar die Demokratie durch Corona in Gefahr?

    Und ich habe da auch ein ziemlich ungutes Gefühl.

    Schleswig-Holstein verschärft die Regelungen noch einmal, Touristen dürfen sich jetzt nicht mehr innerhalb der Landesgrenzen aufhalten, Restaurants müssen jetzt bis auf weiteres komplett dichtmachen: [url=https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Coronavirus-Viele-Geschaefte-dicht-Tourismus-gestoppt,corona882.html]Coronavirus: Schleswig-Holstein für Touristen gesperrt[/url]

    Ich bin ja gespannt, wie viele Tage wir noch von einer kompletten Ausgangssperre entfernt sind. Momentan überschlagen sich die Ereignisse ja geradezu.

    Und ich wundere mich ja grundsätzlich, warum neuerdings in der Landeshauptstadt im Klimanotstand davon absieht, eine vernünftige Radverkehrsführung im Bereich von Arbeitsstellen zu installieren. Hier kreuzt sich eine zu normalen Zeiten durchaus stark frequentierte Fahrradstraße mit einer ebenfalls einigermaßen stark frequentierten Fahrrad-Querverbindung. Hier wird nun gebaut, tatsächlich auch zugunsten des Radverkehrs, aber während gebaut wird, muss sich der Radverkehr leider selbst seinen Weg suchen. Hier soll dann wieder § 1 StVO gelten und Radfahrer sollen irgendwie rücksichtsvoll absteigen und schieben, während eigentlich die süße Verlockung des Zeichen 237 in der Luft hängt. Das Zeichen 239 mit „Fahrrad frei“ bezieht sich auf den Gehweg nach rechts in die neu gebaute Fahrradstraße:

    Und natürlich darf auch das Spielchen nicht fehlen, ob man wohl mit dem Fahrrad irgendwie rechts oder links abbiegen darf:

    Damit es nicht allzu langweilig wird, gibt es im Bereich einer Arbeitsstelle auf dem alten Hochbordradweg jetzt einen kleinen Griff in die große Kiste mit lustigen Fahrradschildern:

    Manchmal frage ich mich ja, ob meine E-Mails bei der Straßenverkehrsbehörde überhaupt gelesen werden oder ob man selbst auf die Idee kommt, hin und wieder was an der Verkehrsführung zu ändern. Nachdem ich das Zeichen 237 bemängelte, muss ja jemand losgefahren sein und Zeichen 254 besorgt haben.

    Das ist nun in Kombination mit dem nach links weisenden Pfeil aber total super, weil jetzt der Notweg für den Radverkehr gesperrt wird.

    Schade, dass man sich nicht dazu durchdringen konnte, die Beschilderung und den Notweg einfach bleiben zu lassen.

    Ob das klappt? Keine Ahnung. Aber vielleicht schaffe ich es in diesem Jahr endlich mal, die Sonne nicht nur durchs Bureaufenster zu sehen.

    Und nach gerade mal zwei Monaten ist klar: Das wird nichts. Momentan halte ich es nicht für sinnvoll, mein Faltrad und mich in leeren Fernverkehrszügen durch die Republik zu kutschieren und Lücken auf der Heatmap zu schließen.

    Tatsächlich könnte ich auch ein paar grüne Scheine auf den Tisch blättern und wäre immer noch nicht pleite, aber vielleicht geht noch etwas kaputt und es muss ein neues Notebook her oder eine neue Waschmaschine oder im Zuge der Hochzeit tauchen ungeplante Ausgaben auf, dann investiere ich die Kohle lieber dort.

    Das schrieb ich übrigens vor nicht ganz einem Monat. Seitdem ist einiges passiert:

    • Das Finanzamt arbeitet nach meiner Kenntnis momentan auf Sparflamme, also lässt die Steuerrückzahlung auf sich warten.
    • Die Waschmaschine ist im Begriff den Dienst zu quittieren. Das passiert halt nach ein paar Jahren, wenn vorne zwar Bauknecht draufsteht, aber in Wirklichkeit Whirlpool drinsteckt. Bei der Gelegenheit soll aufgrund der Umstände — man kann ja nie wissen — ein Waschtrockner her.
    • Um diesen riesigen Berg an Gemüse, den wir momentan jede Woche aus solidarischer Landwirtschaft geliefert bekommen, haltbar machen zu können — man kann ja nie wissen — soll ein kleiner Gefrierschrank angeschafft werden.
    • Die Hochzeit findet nach momentaner Planung zwar statt, aber nur im allerkleinsten Familienkreis. Und wenn ich das mal so frech sagen darf: Wer nicht zur Hochzeit kommt, steckt auch nichts ins Sparschwein. Die Kosten bleiben allerdings, denn den Brunch werden wir hoffentlich trotzdem einnehmen können und ein paar Hochzeitsfotos vom Fotografen wären auch echt toll.

    Insofern bin ich schon ein bisschen froh, meine Ersparnisse jetzt nicht noch mit 2.600 Euro belastet zu haben, die ich womöglich — wer weiß schon, was die nächsten Wochen und Monate bringen — noch nicht einmal ordentlich auf die Straße bringen kann.

    Es ist für den einen oder anderen eine ganz neue Erfahrung, dass es von einem geregelten Leben bis hin zum unverschuldeten Absturz aufgrund einer Krise nur ein paar Tage sein müssen und diese Abstürze jeden treffen können.

    An der CAU Kiel wird momentan in Erwägung gezogen, das Sommersemester 2020 ausfallen zu lassen. Das bedeutet für Lischen-Radieschen und mich, dass sich unser großer Lebensplan um mindestens ein halbes Jahr nach hinten verschieben wird. Ansonsten ändert sich bislang nicht viel.

    Für viele ihrer Kommilitonïnnen ist das Studium damit beendet. Den ganzen Unikram mit Prüfungen und Semester, den bekäme man sicherlich noch irgendwie geregelt. Nur wenn junge Studentïnnen auf einen Nebenjob angewiesen sind, dann landen sie häufig genug mit Mindestlohn in der Gastronomie — ebenjene Gastronomie, die es mit dem Arbeitszeitgesetz mitunter nicht ganz soooo ernst nimmt und junge Menschen ohne Berufserfahrung in Teilzeitangestelltenverhältnissen vielleicht doch ein wenig über den Tisch zieht. Einige von ihnen haben wohl in den letzten beiden Tagen eine fristlose Kündigung bekommen, da Gaststätten in Schleswig-Holstein bis auf weiteres nicht mehr öffnen dürfen.

    Ohne Job kein Gehalt, ohne Gehalt keine Miete. Wer kann, tritt unter diesen Umständen den Heimweg an und überwintert das Sommersemester bei den Eltern. Wer das aus bestimmten Gründen nicht kann, sitzt jetzt in der Klemme, denn ein neuer Job muss her, doch wo einen finden in Zeiten wie diesen? Man sollte ja meinen, in Supermärkten würden gerade billige Arbeitskräfte ohne Ende gesucht, aber bislang scheint das noch nicht der Fall zu sein.

    Da merkt man erst einmal wieder, wie privilegiert man doch aufwächst, diese Sorge nicht zu haben ;(

    Mal sehen wie die VPN Kapazität am Montag aussieht...

    Das dürfte ja bei vielen Firmen das Problem werden. Wenn bislang nur in Ausnahmefällen von zu Hause oder aus einem Hotel gearbeitet wurde, war die VPN-Verbindung und -Konfiguration wohl auch entsprechend bummelig ausgelegt. Das wird natürlich nicht funktionieren, wenn statt fünf oder zehn Personen plötzlich dutzende oder gar hunderte Kollegen ins Netzwerk drängen.

    Und was zur Hölle haben die Leute für Probleme mit dem Toilettenpapier?

    Das mit dem Toilettenpapier ist ein Ding, das ich echt nicht verstehe. Aber es gibt Menschen, die sich wirklich darum streiten:

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    Und ich fahre jetzt noch mal zum Supermarkt, um ein paar Vorräte zu organisieren.

    Solche Szenen kannte ich bislang tatsächlich nur aus Endzeit-Sci-Fi-Filmen:

    Am Eingang des Supermarktes standen drei breit gebaute Typen und passten auf, dass hier keiner Scheiße baut. Und was zur Hölle haben die Leute für Probleme mit dem Toilettenpapier?

    Das Toilettenpapier ist momentan echt meine geringste Sorge. Notfalls steigt man halt nach dem Stuhlgang kurz unter die Dusche. Spülmaschinentabs und Backpapier habe ich nicht mehr bekommen, das muss ich jetzt mein meinen Eltern (Risikogruppe!) erbetteln.

    Getrieben von den vielen Lücken in den Regalen habe ich dann viel zu viel eingekauft und musste die Tiefkühlpizza in einer praktischen Pizzahalterung transportieren:

    Aber: Ich habe so viel Konversation im Supermarkt betrieben wie schon lange nicht mehr. Ich habe mich mit vier verschiedenen Menschen über „normalen Reis“ unterhalten, über „passierte Tomaten“ und zum Abschied haben wir uns die Füße zum Gruß aneinandergeschlagen. Es ist nicht alles schlecht, ich arbeite an meiner Sozialkompetenz.

    Aber jetzt gönne ich mir erst einmal einen Schnaps oder zwei oder drei. Ich spreche normalerweise eher selten dem Alkohol zu, aber momentan möchte ich meine Seele ein wenig beruhigen.

    Die ausgefallene Fernreise, eingeplant als ein besonderer Spot im Jahresurlaub, entfällt und die Welt dreht sich trotzdem weiter. Und mir geht es gut dabei. Kein Jetlag, kein Konkurieren mit Nachbarn und Kollegen, wer das ausgefallenste und/oder das am weitesten entfernt liegende Urlaubsziel hatte.

    Ja, die Erfahrung mussten in den letzten Tagen tatsächlich ein paar Kollegen machen, deren Urlaubsreisen in die Vereinigten Staaten nicht mehr stattfinden konnten. Gestern Abend wurden dann auch einigermaßen klimafreundlich erreichbare Urlaubsziele in Dänemark, Polen und Tschechien abgesagt. Das wirft natürlich trotzdem eine Menge Fragen auf, angefangen von den Urlaubstagen, die eventuell noch aus dem Vorjahr stammen und eigentlich bis Ende März abgebummelt sein sollten, bis hin zu den teilweise Beträgen im mittleren vierstelligen Bereich, die nun einfach erstmal „weg“ sind und die Ansprechpartner bei den Flug- und Reisegesellschaften auch noch keine Ahnung haben, was gerade Sache ist.