Die Wiesenstraße in Jena kommt seit knapp einem Jahr ohne Radwegbenutzungspflicht aus. Das ist für mich natürlich ein Anlass, meine bisherige Wegewahl zu ändern. Ich fahre die Wiesenstraße jetzt häufiger. Sehr viel häufiger.
Was sich in dem Jahr herauskristallisierte: die Übergriffe nehmen zu. Mir ist nicht erklärlich, wieso - aber es ist so.
Ich hab mal die Rennleitung zu gefragt:
ZitatAlles anzeigenSehr geehrtes Team der LPI-Jena,
seit ungefähr 14 Monaten darf der Radverkehr die Wienstraße zwischen Wiesenbrücke und dem Kreisverkehr Brückenstraße in beiden Richtungen auf der Fahrbahn fahren. Die mehrere Jahre angeordnete Radwegbenutzungspflicht stadteinwärts wurde im Mai/Juni 2025 abgeordnet, stadtauswärts war seit meinem Zuzug nach Jena keine Radwegbenutzungspflicht angeordnet.
Seit Jahren befahre ich die Wiesenstraße mit dem Rad entsprechend der StVO auf der Fahrbahn. Bis Mitte 2025 nur stadtauswärts, seit Mitte 2025 auch stadteinwärts.
Es ist unbestreitbar, dass die Anzahl der Übergriffe durch mit KFZ-Führenden seit dem zugenommen haben. Ich werde angehupt, es wird trotz Gegenverkehr überholt, ich werde geschnitten und sogar abgedrängt. Ich werde beleidigt und bedroht ("Das nächste Mal überfahr ich dich!"), es wird überholt und anschließend ausgebremst, ich werde mit wilden Gesten auf die Nebenfläche der Wiesenstraße hingewiesen.
Das sind keine Versehen oder Zufäligkeiten, das sind vorsätzliche Gefährdungen meiner körperlichen Unversehrtheit durch einige KFZ-Führende. Menschen, die ganz offentlichtlich der Meinung sind, in Personalunion vermeintliche Verkehrsordnungswidrigkeiten (Radfahrer benutzt keinen Gehweg / Radweg) festzustellen und direkt selbst zu ahnden. Das ist eine Form von Selbstjustiz, die auch und gerade im Straßenverkehr nicht toleriert werden kann.
Erstaunlicherweise ist die Anzahl der Vorfälle z.B. auf der B 88 zwischen Jena und Porstendorf / Dornburg fast null. Obwohl die Verkehrsbelastung ähnlich ist und begründet anzunehmen ist, dass in beiden Abschnitten die selben Personen im KFZ unterwegs sind.
Auch auf anderen Straßen Jenas kommt es nicht zu diesen massiven Übergriffen, das Problem ist direkt auf die Wiesenstraße einzugrenzen.
Da die Landespolizei für den nicht-ruhenden Verkehr zuständig ist, möchte ich freundlich um Auskunft bitten:
- welche Möglichkeiten sieht die LPI Jena, die zunehmenden Übergriffe durch KFZ-Führende einzuhegen?
- welche Möglichkeiten wird die LPI Jena konkret ergreifen, um die Sicherherheit für Radfahrende auf der Fahrbahn in der Wiesenstraße zu gewährleisten?
Ich habe auch recht zügig eine Antwort erhalten. Die ausfiel wie erwartet:
ZitatAlles anzeigenSehr geehrter [dmhh],
mir wurde Ihre Mail zur weiteren Bearbeitung übergeben. Vorerst würde ich Sie noch um Geduld bitten, da wir aktuell im Benehmen mit der Stadt Jena zur Verkehrssituation entlang der Wiesenstraße sind. Bis zur abschließenden Klärung / Klarstellung kann ich zwar keine verbindliche Aussage treffen, gehe aber aufgrund der Beschilderung, insbesondere in dem Fall aufgrund der auf dem Boden aufgebrachten Piktogramme (Piktrogrammkette) der „Gehwege“ entlang der Wiesenstraße aktuell davon aus, dass es sich in Gänze um einen gemeinsamen Geh- und Radweg handelt. Insofern kann ich Ihnen zur Vermeidung etwaiger Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern bis dahin nur empfehlen, diesen in beide Fahrtrichtungen mit entsprechender Rücksichtnahme auf Passanten und Vorsicht an den Einmündungen/Kreuzungen zu nutzen.
In jedem Fall steht es Ihnen aber frei, die Straße nutzen oder auf den Geh- und Radweg ausweichen, da es für diesen keinesfalls eine Benutzungspflicht gibt.
Hierzu muss aber der Hinweis ergehen, dass im ersten Teilstück (in stadtauswärtiger Sicht) die Befahrung durch Fahrradfahrer aufgrund der Beschilderung mit dem Zeichen Gehweg (VZ 239) mit der Kombination Gehweg Radfahrer frei ( VZ 239 mit ZZ 1022-10) möglich ist, aber Radfahrende im Seitenraum Schrittgeschwindigkeit fahren müssen.
Verstehen kann ich natürlich Ihren Frust über das ungebührliche bis grenzüberschreitende Verhalten der Fahrzeugführer wie von Ihnen dargestellt.
Sollten Sie konkrete Informationen zu den von Ihnen geschilderten Ereignissen haben (Tatort, Tatzeit, Tathandlung, Verursacher (Fahrzeug, Kennzeichen, Personenbeschreibung), dann lassen Sie uns diese bitte zukommen. Einige der von Ihnen dargestellten Abläufe erfüllen durchaus den Tatbestand von Straftaten oder mindestens Ordnungswidrigkeiten, was hier eine Aufnahme bzw. Verfolgung zur Folge hätte.
Sie können selbstverständlich bei zukünftigen ähnlich gelagerten Vorkommnissen entsprechende Anzeigen erstatten.
Nach Klärung mit der Straßenverkehrsbehörde komme ich nochmal auf Sie zu, um meine Aussage bzw. Empfehlung nochmal zu bekräftigen oder ggf. richtig zu stellen.
Unsere operativen Kräfte haben die Sachlage im Blick und werden sie weiterhin beachten.
Für die Verkehrssicherheit im Kontext baulicher Gegebenheiten steht die jeweilige Straßenverkehrsbehörde vorrangig in Verantwortung. Zum konkreten Sachverhalt stehen wir auch auf Grundlage Ihrer Darstellungen, bereits im Austausch.
Mit freundlichen Grüßen
sachlich wird die Situation dort richtig eingeordnet: ich darf auf der Fahrbahn fahren.
Inhaltlich wird mir aber dezent gesagt, dass ich bei Angst vor sexuellen Übergriffen statt des Minirockes doch besser Latzhose anziehen möge. ![]()
Puh. Mal gucken, ob in einer späteren Reaktion noch etwas passiert. Bin auch gespannt, ob die Polizei hier - so lese ich das - auf die Wiederanordnung der RWBP drängt. ![]()