Bild links: Südschnellweg-Protest in der Leineaue unter der Schnellwegbrücke / Bild rechts: Westprotest, Fahrraddemo auf Westschnellweg
Der Westschnellweg (B6) zwischen der Anschlussstelle Herrenhausen und dem Deisterplatz in Linden-Süd ist rund vier Kilometer lang.
14 Brückenbauwerke müssen dort saniert werden. Diese Sanierung will die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) nutzen, um den Schnellweg auf Autobahnniveau auszubauen. Sie wollen genauso weiter machen wie beim Südschnellweg in der Ricklinger Leinemasch. Dort hat die Zerstörung Anfang 2024 schon begonnen."
WESTprotest – Keine Autobahn durch Linden-Limmer!
Wie schon beim Südschnellweg zeigt sich, wie weit Utopie und Realität auseinanderklaffen.
Die Realität ist, dass dringend eine Verkehrswende weg vom Motorisierten Individualverkehr (MIV) stattfinden muss, weil wir uns den nicht mehr leisten können. Finanziell nicht mehr leisten, denn die lächerlich geringen Einnahmen durch KFZ-Steuer und Mineralölsteuer reichen bei weitem nicht aus, um den riesigen Finanzierungsbedarf für den Erhalt und den Unterhalt der gigantischen Autoverkehrsinfrastruktur zu decken. Und klimapolitisch und umweltpolitisch ist der MIV ohnehin am Ende.
Trotzdem halten viele Verantwortungsträger an einer verfehlten Verkehrspolitik fest und bauen aus, statt Autoverkehrsinfrastruktur zurückzubauen. Und aus Furcht vor Wählerwanderungen ins rechtsextremistische Spektrum scheuen demokratische Parteien nicht nur davor zurück, den dringend notwendigen Infrastrukturumbau voranzutreiben. Es werden darüber hinaus auch noch Zugeständnisse gemacht an den grassierenden Autowahn.
Vor diesem Hintergrund startet derweil in Hannover die nächste Autowahn-Ausbauorgie. Nach der Verbreiterung des Südschnellwegs (in Bau) soll der Westschnellweg folgen. Aktuell versucht die Stadt den Eindruck zu erwecken, dass ein Tunnelbau dazu beitragen könne, das Festhalten am massenhaften Autoverkehr umweltneutral zu gestalten.
"... die Stadt Hannover ... hat kürzlich eine Studie vorgestellt, wonach die Schnellstraße unterirdisch geführt werden könnte. Das bringe viele Vorteile, etwa mehr Grünflächen, zusätzliches Bauland und eine Entlastung von Anwohnern, ist Meinung in der Verwaltung. Am Ende muss aber das Land entscheiden, auf welche Weise es den maroden Westschnellweg erneuern will – und die Landesstraßenbaubehörde bleibt zurückhaltend."
https://archive.ph/XGnVF#selection-1443.140-1443.555
Westprotest setzt sich unter anderem ein für "eine Sanierung des Westschnellwegs im Bestand" und "den bedarfsgerechten Ausbau von ÖPNV ( S-Bahn!) und Radverkehrsnetz"
WESTprotest – Keine Autobahn durch Linden-Limmer!
Dabei ist zu beobachten, dass Befürworter einer Tunnellösung die berechtigte Forderung der Bürgerinitiative nach einer "Sanierung im Bestand" versuchen in Misskredit zu bringen, weil das ja angeblich den Erhalt der hohen Autoverkehrskapazität bedeuten würde. Solche Argumentation-Finessen machen deutlich, wie "delikat" das Thema ist. Denn Sanierung im Bestand stellt die geplanten Kapazitätszuwächse wie breitere Fahrbahnen, breitere Mittelstreifen und zusätzliche Seitenstreifen infrage. Für die Landesbaubehörde bedeutet Sanierung im Bestand jedoch, dass in krasser Form erhöhte Mindestvorgaben für Fahrbahnbreiten, Mittelstreifen-Mindestbreiten und Seitenräume dazugerechnet werden. Der eigentlich notwendige Rückbau von Autoverkehrsinfrastruktur tritt dabei in den Hintergrund.
Mit einem flächendeckenden Tempo 30 innerorts beispielsweise (der Westschnellweg ist innerorts) und einer deutlichen Fahrzeugreduktion könnten dagegen die vorhandenen Fahrbahnen und Brücken mit minimalem Erhaltungseinsatz noch Jahrzehnte genutzt werden.
Weitere Infos auch hier:
https://archive.ph/zvHaV#selection-1783.173-1783.316