Radverkehrsplan Jena 2035+

  • Die nächste Stufe vom Radverkehrsplan Jena 2035+ ist online:

    https://radforum-jena.de/


    Es geht nun um die Bewertung der einzelnen Punkte, die von den Fachleuten ermittelt wurden.

    Positiv sehe ich die vorgeschlagene Aufhebung der B-Pflicht in der Saalbahnhofstraße. Ansonsten sind viele Sachen dabei, die man schon x-mal z.B. im Mängelmelder gelesen hat und wo mit kleinen Maßnahmen viel zu schaffen wäre, aber wo der FD Mobilität immer wieder fleißig schrieb: "Alles ist in bester Ordnung; es wird nichts unternommen." Mal schauen, ob sich das ändert, wenn jetzt auf "Expertenvorschläge" zu reagieren ist.

    Ein paar Stellen sind auch dabei, wo man zu dem Schluss kommt, Fahrbahnführung geht gar nicht, neuer Radweg mit B-Pflicht muss her. Und auch bei anderen Sachen, wie z.B. bei der vorgeschlagenen Verkehrsberuhigung in der nördlichen Göschwitzer Straße frage ich mich, ob das wirklich sein muss oder ob man damit nicht wieder nur unnötige Fronten schafft, ohne dass am Ende wirklich jemandem geholfen ist.


    Etliche Punkte erscheinen mir so "ambitioniert", dass sie im Radverkehrsplan Jena 2050+ wahrscheinlich wieder auftauchen werden.

  • boaaaaah, diese Schmerzen beim Lesen.

    Das tut so weh.

    Das Ding ist eine Frechheit.


    Das liest sich, als wenn 500 Maßnahmen erarbeitet wurden und das durch 5 Arbeitskreise lief. Vom Ausschuss für KFZ-Verkehr über Haushalt bis zu den Illuminaten. Und am Ende bleiben 100 Maßnahmen drin, von denen

    - 40% "rote/weiße Farbe hinklatschen"

    - 35% "blaue Schilder aufstellen" (Fahrradstraße, Gehweg+Radfahrerfrei, 240/241), gern auch linksseitig

    - 10% "verkehrsberuhigung" (ahahaaaaaahahaha)

    - 10% Maßnahmen aus dem Utopiebaukasten, wo man ganz genau weiß: kommen nie. "Aber wir wollten auch mal was langfristiges reinschreiben"

    - 5% sinnvolle, einfache Maßnahmen


    Das Ding ist eine Frechheit gegenüber denjenigen, die wirklich etwas für den Radverkehr tun wollen.

    Dieses "Konzept" festigt Separation und fördert Konflikte zw. Rad- und Fußverkehr.

    Bin mal auf das Endergebnis gespannt. Obwohl, eigentlich nicht. X/

  • Ich dachte immer das sei Sinn und Zweck eines Radverkehrskonzepts.

    Man schreibt möglichst viel rein, das unrealistisch ist und sehr teuer, das liest sich gut. Damit dürfen sich die nächsten Generationen in Bauamt und Politik beschäftigen.

    Dazu Maßnahmen, zu denen man sich gerade so durchringen kann und die nicht viel kosten, sprich Farbe verteilen.

    Dann hat man zugehört, es gibt viele Radfahrer die haben Angst, für die gibts dann freigegebene Gehwege, egal wie regelwidrig die eigentlich sind und, sofern man überhaupt Stellen finden kann, die noch keins haben, blaue Schilder mit Radler drauf.

    Bei Neuanlage von Straße allerdings wird Radverkehr entsprechend (meist minimal) -gewürdigt. Also etwas, das sowieso Stand der Dinge sein müsste.

  • Ist mir beim Lesen (Deiner Kommentare) auch aufgefallen. ;)

    Tja, diese Pseudobefragung ist eben ein ganz mieses Märchen.

    Da nehm ich mir raus, das auch so direkt anzusprechen.


    Und wenn ich diese ganzen Rosa-Wolken-Radwege-Apologeten da schon lese, geht mir die Hutschnur hoch. Zusätzlich zu dem Mist, der vom Fach(!)bürro zu den Radverkehrsanlagen kommt.

  • Was mir auch Sorgen macht, ist diese Bewertungsfunktion, denn die Beteiligung insgesamt ist eher gering, aber es scheint kein echtes Hindernis zu geben, dort mehrfach abzustimmen. Insofern lassen sich relativ einfach Trends herstellen und am Ende heißt's bestimmt in der Auswertung, dass "die Radfahrer" bestimmte Maßnahmen bevorzugen oder ablehnen, auch wenn's tatsächlich nur ein fleißiger Anwohner war, der keinen Bock auf Fahrradstraße vor seiner Haustüre hat.

  • keine einzige der vorgeschlagenen Fahrradstraßen stellt eine reale Verbesserung zum Status quo dar. Einzig die Wöllnitzer Straße ließe sich diskutieren. Ansonsten einfach nur Makulatur und ein Sticker im Album der Stadtverwaltung.

  • Der MA des für den Radverkehrsplan beauftragten Büros war ja gestern im Radverkehrsbeirat zu Gast.

    Ich möchte dem Herrn nicht zu nahe treten. Die Regelungen für den Radverkehr aus ganz unterschiedlichen Verordnungen und Gesetzen, Empfehlungen und Richtlinien sind echt umfangreich.


    Aber wer als Fachplaner im Jahre 2022 bei der Freigabe von Einbahnstraßen noch immer von "kann-Regelungen" spricht und schreibt, der hat bei mir eine Glaubwürdigkeit von 0.

    Und ich sehe das insofern kritisch, dass so ein MA im Gegensatz zu Polizei und StVB eben gerade ein "engeres" Aufgabengebiet hat. Radverkehr.


    Das gibt bzgl. der vorgeschlagenen Maßnahmen im erarbeiteten Radverkehrskonzept auch echt ein stimmiges Bild ab.

    Dort ist die einzige "Neuerung", die mal vorgeschlagen wird: Haifischzähne als Verdeutlichung der Vofahrtbeziehungen.


    Aber auf der anderen Seite wird stringent die Freigabe von Gehwegen vorgeschlagen. Die Möglichkeit, gem. Geh- und Radwege ohne BPflicht einzurichten: nö, kommt nicht vor.

    Klar, ich bin um diesen Umstand nicht unfroh und werd den Teufel tun, derartiges vorzuschlagen. :whistling:

    Insbesondere bei dem Verhalten unserer StVB und dem Gießkannenprinzip des Büros im Radverkehrskonzept. Einfach überall Radfahren auf Gehwegen erlauben...


    Die technische Umsetzung ist gut. die inhaltliche eine Beinahe-Katastrophe.

  • Da nehm ich mir raus, das auch so direkt anzusprechen.

    Immerhin sind auch ein paar kostbare Perlen dabei herausgekommen. Z.B. zum Linksabbiegen von der Camburger in die Naumburger Str.:

    Zitat

    ...

    Der Wechsel von der rechten Fahrbahnseite in die Mitte der Fahrbahn (Abbiegespur) funktioniert ganz einfach: Hand raushalten, Schulterblick, leichtes Lenken nach links. Fertig.

    Meine Tochter hat gerade Argumentieren als Thema im Deutschunterricht. - Da konnte ich ihr diesen Dialog mit dem Fachplaner nicht vorenthalten. Umso mehr, wenn dieser dann antwortet:

    Zitat

    ... wir berücksichtigen Ihre konkreten Vorschläge gerne.

    Ja, Hand raushalten, Schulterblick, leichtes Lenken nach links. Fertig. :thumbup:

  • Klar, ich bin um diesen Umstand nicht unfroh und werd den Teufel tun, derartiges vorzuschlagen. :whistling:

    So geht es mir z.B. mit der beidseitigen Benutzungspflicht im Jenzigweg statdtauswärts. Da bin ich natürlich völlig verunsichert und fahre weder links noch rechts, sondern eben auf der Fahrbahn. :whistling:

  • mh. etwas ungünstig ist, dass jetzt teilweise Kommentare wie

    Zitat

    Naja, für Schisser ist das doch eine gute Lösung ;-). Die Matchos radeln sowieso auf der Straße^^.

    (Saalebrücke, Lobedaer Straße) auftauchen.


    Ich bin bei einigen Beiträgen sicher auch Kind von Traurigkeit, wenn es um überspitzte Darstellungen geht, die Sachverhalte verdeutlichen sollen. Aber sowas halte ich dann doch bei den harten Fronten der Radwegapologeten für Kontraproduktiv. :/


    Aber immerhin scheint sich der ADFC jetzt in Form von Frau Alb.Keck dazuzuschalten. Da sind für mich als nicht-mehr-ADFC-Mitglied immerhin die gebrachten Hintergrundinformationen ganz interessant. Obwohl ich auch hier befürchte, dass irgendwann der "gemeinsame Geh- und Radwege ohne B-Pflicht!"-Vorschlag kommen wird aus der Richtung. X/

  • Bei manchen Kommentaren kann man sich wirklich nur an den Kopf greifen.

    Z.B. zur Geschwister-Scholl-Str. finden sich fast aufeinanderfolgend:

    ".. habe schon einen Radfahrer unter einem linksabbiegenden LKW gesehen (hatte sich glücklicherweise zwischen die Räder abgerollt)"

    ".. und die (Anm: bestehende) Lösung ist aus meiner Sicht super."


    Damit ich nicht die Balance verliere, versuche ich, jeden Tag nur eine Stelle zu kommentieren. Blöd wird es nur bei den Problemstellen, für die überhaupt keine Maßnahme vorgeschlagen wird. (z.B. Flurweg, Saaleufer). Da mache ich es nun auch wie Du, dass ich in der Nachbarschaft darauf verweise.

  • mh. etwas ungünstig ist, dass jetzt teilweise Kommentare wie ... auftauchen

    Mach' Dir nicht zu viele Sorgen. Es gibt auch noch Leute, die vor dem Schreiben durchaus nachdenken. Z.B. auf "Hand raushalten, Schulterblick, leichtes Lenken nach links. Fertig." hat jemand sehr angemessen reagiert.


    Die meisten "Leser" scheinen jedoch gar keine Kommentare zu lesen, sondern in Windeseile jede angebotene Fahrradstraße zu liken. :S

  • Was mich aber geradezu umhaut, ist der Kommentar eines Mathematikprofessors, der jetzt auf dem Rad nicht unbedingt zu den Schnellen gehört, zur Wiesenstraßenverlängerung. Unglaublich, aber wahr:

    Zitat

    Bei Neuplanung ist der Radverkehr sicher AUF der Fahrbahn zu führen. In beiden Richtungen. Bei jeder Einfahr- und Abbiegemöglichkeit ist die sichere Bewältigung mit dem Fahrrad AUF der Fahrbahn einzuplanen. Die unsicheren Seitenstraßen auf der bisherigen Wiesenstraße, der MTB-Parcours auf der Naumburger Straße in Löbstedt stadtauswärts und die vielen widersinnigen Stellen in Jena, wo der Radverkehr über Haltestellen geführt wird, sollten hinreichend klar machen: wer den Radverkehr nicht auf der Fahrbahn führt, hindert den Radverkehr.

  • Was mich aber geradezu umhaut, ist der Kommentar eines Mathematikprofessors, der jetzt auf dem Rad nicht unbedingt zu den Schnellen gehört, zur Wiesenstraßenverlängerung.

    ... und sich auch an anderen Stellen sehr dezidiert gegen seltsame Vorschläge ausspricht:

    - brückenstraße nach kunitz

    - leutragraben/johannisplatz

    - am Steinbach