Beiträge von CKO

    Habe mal wieder an die Polizei geschrieben (CC an Fachdienst):


    Sehr geehrter ...,

    großes Stirnrunzeln erzeugte bei mir diese Unfallmeldung vom 13.9.22 mit der Überschrift "Übersehen":

    LPI-J: Übersehen
    Jena (ots) - Zu einem Zusammenstoß zwischen einem Radfahrer und einem Pkw kam es am Montagmorgen in der Hermann-Löns-Straße. Ein 27-Jähriger Audi-Fahrer befuhr…
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    Zu einem Zusammenstoß zwischen einem Radfahrer und einem Pkw kam es am Montagmorgen in der Hermann-Löns-Straße. Ein 27-Jähriger Audi-Fahrer befuhr die Rudolstädter Straße und beabsichtigte nach links in die Hermann-Löns-Straße abzubiegen. Hierbei übersah der junge Mann allerdings die herannahende 57-jährige Radfahrerin und kollidierte mit dieser, woraufhin die Frau stürzte und sich glücklicherweise nur leicht verletzte.

    Diese Meldung suggeriert, dass das Linksabbiegen von der Rudolstädter Str. in die Hermann-Löns-Str. inzwischen wieder erlaubt sei. Darum war ich heute vor Ort, um festzustellen, dass dort nach wie vor VZ 209-30 steht, es ist also nur gestattet, geradeaus zu fahren!

    Die Überschrift des Unfallberichts hätte demnach lauten müssen: "Falsch abgebogen und dabei Radfahrerin angefahren". Offensichtliche Verkehrsverstöße müssen auch klar benannt werden. Umso mehr, wenn sie unfallursächlich sind. Schön wäre darum ein Nachtrag zur Unfallmeldung, aus dem u.a. klar hervorgeht, dass aus der Rudolstädter nicht nach links in die Hermann-Löns-Str. abgebogen werden darf.

    Mit freundlichen Grüßen,

    ...

    In diesem Fall würde ich sagen, dass die Infrastruktur mit ursächlich für den tödlichen Unfall ist.

    Es geht schon damit los, dass der Schutzstreifen mit [Zeichen 237] beschildert ist. Und mal wieder an der engsten Stelle endet. Den Deckel drauf macht die gleichzeitige Verschwenkung der Fahrbahn nach rechts. Wäre ich dort unterwegs, würde ich wahrscheinlich ab der Bushaltestelle versuchen, kampfradlermäßig in eine Lücke des Kfz-Verkehrs zu kommen. Ob und wie gut das dort gelingt, kann ich aus der Ferne natürlich nicht genau sagen.

    Oh, weh! Selbst meine Tochter sagt inzwischen schon: "Ich versuche mich, so gut es geht an die Regeln zu halten. Wenn ich dadurch aber in Gefahr geraten würde, dann fahre ich auf Sicherheit."

    Bei manchen Kommentaren kann man sich wirklich nur an den Kopf greifen.

    Z.B. zur Geschwister-Scholl-Str. finden sich fast aufeinanderfolgend:

    ".. habe schon einen Radfahrer unter einem linksabbiegenden LKW gesehen (hatte sich glücklicherweise zwischen die Räder abgerollt)"

    ".. und die (Anm: bestehende) Lösung ist aus meiner Sicht super."

    Damit ich nicht die Balance verliere, versuche ich, jeden Tag nur eine Stelle zu kommentieren. Blöd wird es nur bei den Problemstellen, für die überhaupt keine Maßnahme vorgeschlagen wird. (z.B. Flurweg, Saaleufer). Da mache ich es nun auch wie Du, dass ich in der Nachbarschaft darauf verweise.

    Die Gebühren müssen sich zudem nach Größe und Masse des Stehzeuges richten, also nach dem Platz, den es der öffentlichen Nutzung entzieht und dem Schaden, den es dabei direkt an der Infrastruktur anrichtet.

    Da muss ich an Japan denken:

    Zitat

    In Japan ist es nicht möglich ein reguläres Auto zuzulassen ohne einen Parkplatz nachzuweisen. Nur für Kleinstwagen in ländlichen Gebieten entfällt manchmal die Nachweispflicht.

    Mit einem ähnlichen Argument gehe ich zu Hause in den Kampf, wenn meine Tochter irgendein neues Spielzeug oder Gerät haben möchte. ;)

    Massive Einschränkungen für den MIV innerorts und dafür Platz ohne Ende für Fahrräder auf der Fahrbahn, wie soll es denn anders gehen?

    Diesen Luxus durfte ich gestern mit meiner Tochter erleben. Eine für zweispurige Fahrzeuge undurchdringliche Baustelle war die Ursache.

    Bereits nach 200 m rief sie: "Guck mal, Papa!", und zeigte mir ihre Fortschritte im freihändigen Fahren. :love:

    Das ist die Stelle, an der ich das blaue Fahrradsymbol links neben dem Streugut-Kasten fotografiert habe.

    An dieser Stelle erscheint es mir sinnvoll, da sowohl die Furtmarkierung Richtung Gehweg als auch das Überholverbot in der Unterführung Mobbing-Vorfälle auf der Fahrbahn begünstigen.

    In Jena fallen mir gerade vier Stellen ein, wo das legale und sicherheitsbewusste Radfahren auf der Fahrbahn auffällig stark infrage gestellt wird. In einem Fall wurde im Mängelmelder bereits nach [Zeichen 254] verlangt. Immerhin hat die StVB dem widersprochen, doch einen ganz wichtigen Grund hat sie lieber für sich behalten. Wenn sie nun dort Fahrradpiktogramme auf die Fahrbahn malen würden, das wäre ein Statement. Wesentlich stärker als ein: "Naja, wir dürfen es nicht verbieten."

    War sicher eher als Spaß gemeint oder? Denn im Resultat fühlt es sich doch exakt genauso an.

    Den Eindruck hatte ich nicht. Zum einen muss ein Beiratsvorsitzender seinem Wirken auch etwas Positives abgewinnen können, zum anderen kennt er den Laden seit Jahrzehnten. Und da hat sich schon etwas getan, denke ich. Doch ob, wie und wann sich erleichtertes Radfahren für Kinder und Senioren auch ohne Kollateralschaden für die, die zügig und sicher fahren können, entwickelt, bleibt abzuwarten.

    Positiv stimmt mich, wenn Entscheidungsträger selbst regelmäßig mit dem Rad auf Arbeit fahren, einen sehe ich besonders häufig, seit kurzem grüßen wir uns sogar. ;)

    In Hannover werden seit rund zwei Jahren blaue Fahrradsymbole auf die Fahrbahnen von Straßen aufgebracht, die oft nur einen Gehweg mit Fahrradverkehr-Freigabe oder einen Angebotsradweg haben. So soll der Fahrradverkehr auf die Fahrbahn gelockt werden:

    Da dieser Trick auch in Jena angewendet werden soll, kommt die spannende Frage: Ist in Hannover dadurch eine Veränderung des Fahrverhaltens eingetreten?

    Nicht von der Hand zu weisen ist auch die Befürchtung, dass mittel- und langfristig das Fehlen solcher Symbole als Fahrbahnbenutzungsverbot interpretiert wird.

    Klar, ich bin um diesen Umstand nicht unfroh und werd den Teufel tun, derartiges vorzuschlagen. :whistling:

    So geht es mir z.B. mit der beidseitigen Benutzungspflicht im Jenzigweg statdtauswärts. Da bin ich natürlich völlig verunsichert und fahre weder links noch rechts, sondern eben auf der Fahrbahn. :whistling:

    Da nehm ich mir raus, das auch so direkt anzusprechen.

    Immerhin sind auch ein paar kostbare Perlen dabei herausgekommen. Z.B. zum Linksabbiegen von der Camburger in die Naumburger Str.:

    Zitat

    ...

    Der Wechsel von der rechten Fahrbahnseite in die Mitte der Fahrbahn (Abbiegespur) funktioniert ganz einfach: Hand raushalten, Schulterblick, leichtes Lenken nach links. Fertig.

    Meine Tochter hat gerade Argumentieren als Thema im Deutschunterricht. - Da konnte ich ihr diesen Dialog mit dem Fachplaner nicht vorenthalten. Umso mehr, wenn dieser dann antwortet:

    Zitat

    ... wir berücksichtigen Ihre konkreten Vorschläge gerne.

    Ja, Hand raushalten, Schulterblick, leichtes Lenken nach links. Fertig. :thumbup:

    Ganz nebenbei offenbart dieses Theater einen grundlegenden Schwachpunkt einer ganz auf Separation der Fahrzeuggattungen ausgerichteten Verkehrsorganisation. Sie ist unflexibel und überfordert wenn plötzlich eine neue Fahrzeuggattung auftaucht, oder eine bestehende sich weiterentwickelt (Bsp. S-Pedelec).

    Letzter Satz im Text: "Für Radfahrer bleibt es bei der Sperrung."

    Ist halt SHK. Vor kurzem traf ich unseren Beiratsvorsitzenden auf dem Weg zur Arbeit und sprach mit ihm darüber u.a. über dieses Thema.

    Sein Erfahrungsbericht: Kein Vergleich zu Jena, alles eingefleischte Autofahrer. Verstehen vom Radverkehr so viel wie 'ne Kuh vom Fahrradfahren.

    Naja, der letzte Satz war von mir. ;)

    Kann mich erinnern, dass nach der "Wende" angeblich viele Alleen abgeholzt wurden.

    Das war im Norden häufig der Fall. Gerade Alleen, wo die Baumkronen im Sommer ein dichtes Dach bildeten, waren betroffen. Bäume, die den Menschen auch während Diktatur und Willkürstaat Schatten spendeten.

    Gibt es eigentlich im Landkreis Stade noch ein paar Allen? :/

    Sind in der ehemaligen DDR nicht alle Kinder als Ganztags-Kindertagesstättenkinder aufgewachsen?

    Da war ich noch Fußgänger und bin mit meinem besten Kindergartenfreund unbegleitet dorthin gelaufen. Einmal kamen wir zwei Stunden zu spät. =OAllzusehr hat es uns im Kindergarten offensichtlich nicht gefallen. ;)

    Jedenfalls gut, dass du den Straßenkampf unbeschadet überlebt hast: ;)

    In Großstädten (Erfurt, Halle) bin ich erst mit 13-14 Jahren gefahren, meine Heimatstadt war gerade halb so groß wie Stade. Dort war so richtiger Mischverkehr mit -im Vergleich zu heute- hohem Anteil an Mopeds und kleinen Motorrädern, auch Mähdrescher, Panzer und andere Militärfahrzeuge fuhren auf öffentlichen Straßen. Die gefürchtetsten Engüberholer fuhren übrigens Moped.

    Doch mein schlimmster Unfall war ein - Trommelwirbel - Alleinunfall. Im Wald ist meine Mutter mit ihrem 7-jährigen Sohn auf einer Schotterpiste bergab gefahren. Der hatte ein 20-Zoll-Rad mit Rücktritt und einer Stempelbremse am Vorderrad. Der Rücktritt war nicht dosierbar und die Stempelbremse nahezu unwirksam, sodass ich schreiend den Berg runterrollte und in der rechtwinkligen Kurve am Ende der Abfahrt geradeaus bis zum nächsten Baum gefahren bin. Meine Mutter hat sich natürlich große Vorwürfe gemacht und schon befürchtet, dass ich nie wieder Rad fahren will. .. Zum 10. Geburtstag bekam ich endlich ein Rad mit Felgenbremse, damit war das Trauma überwunden. ;)

    Kurzum: Als problematisch empfand ich weniger den Verkehr, sondern die Ausstattung der Räder und Qualität der Straßen und Wege.

    Wobei natürlich heftige Nachwirkungen der jahrzehntelang gepredigten Doktrin "Du darfst nicht auf der Straße [sic] fahren!" zu bemerken sind. Man hat das quasi mit der Muttermilch eingesogen.

    Mich persönlich macht diese Krisenbeschreibung dankbar für meine Kindheit in der DDR. Da gab es bis auf wenige Ausnahmen keine Radwege, sodass ich als "Straßenkind" aufgewachsen bin. Ich wünschte, alle wären wie ich. ^^

    Die StVO regelt, wie der Konflikt aufgelöst wird, weil eine Kommunikation nur schwer möglich ist: Die einen warten, bis sie überholen können, die anderen ermöglichen das Überholen, wenn sich eine Gelegenheit bietet. Bei Radfahrern kommt erschwerend die Diskriminierung hinzu. Einige erwarten, dass der Konflikt nicht miteinander sondern einseitig vom Radfahrer gelöst wird. Die Radfahrer haben dann den Stress, den Konflikt einseitig auflösen zu wollen (zu glauben, es zu müssen) und es jedoch nicht zu können. Kommunikation als Entspannungsmöglichkeit funktioniert auch nicht, weil Autos Kommunikationskiller sind.

    Ja, das ist ein grundlegendes Defizit. Und doch gebe ich die Kommunikation nicht auf, glotze dafür auch mal durch eine getönte Scheibe, um genau diese Entspannungsmöglichkeit zu suchen. Immer mit der selbstverständlichen Grundhaltung, dass sich hier zwei gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer begegnen.

    Und mit dem Humor, der auch für Yeti unentbehrlich ist, um im Landkreis Stade nicht zu verzweifeln. ;)

    LPI-J: Zwei Unfälle unter Beteiligung von Radfahrern
    Jena (ots) - Am Dienstag ereigneten sich zwei Verkehrsunfälle im Stadtgebiet, bei denen Radfahrer beteiligt waren. Kurz nach 08 Uhr querte eine 34-jährige…
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    Im ersten Fall ist die Radfahrerin vermutlich an der versetzt geschalteten FG-Ampel mit Mittelinsel gescheitert. Die hintere Ampel war schon grün, die vordere noch rot.

    Der zweite Fall sorgt für Stirnrunzeln, da hatte der Hauptverursacher mal wieder "keine Möglichkeit, den Zusammenstoß zu vermeiden."