Richtig ungünstig wird es, wenn die beiden Positionen so sehr "kultiviert" werden, dass es zu Spaltungen und Grabenkriege zwischen den Fahrradfahrer*innen kommt. Das nutzt dann nur den Gegnern einer Verkehrswende.
Diesen Punkt, den Ullie nicht zum ersten Mal erwähnt, finde ich sehr wichtig. Umso mehr, da die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Radfahrer eine größere Bandbreite haben als es in allen anderen Verkehrsmodi der Fall ist.
Dazu kommen noch lokale Unterschiede, z.B. hat meine Urgroßmutter erst mit 30 Jahren Radfahren gelernt, nachdem sie von Hessen nach Nordsachsen umgezogen sind. Sie ist dann zwar auch regelmäßig gefahren, doch nicht wie die Einheimischen mit dem vollen Kuchenblech unter dem Arm.
Würde ich z.B. in Münster wohnen, wäre meine Fahrweise warscheinlich eine andere als in Jena:
gerade in Städten wie Jena wäre das mit dem VC sowas von angebracht und offen machbar:
- relativ viele Rad Fahrende
- kaum Platz für Radwegbau
- kaum Radwege vorhanden
Auch die eigene Erfahrungen (Stürze, Unfälle ..) gehen nicht spurlos an uns vorüber und können zu Vermeidungsreaktionen führen, bei Frauen oft stärker ausgeprägt.
Wenn ich häufig auf der Fahrbahn fahre, dann natürlich erstmal, um zügig und sicher voranzukommen. An manchen Stellen aber auch, um diese Verkehrsfläche nicht kampflos aufzugeben, zumal ich auf dem Rad eher zur robusten Sorte gehöre. Auf unserer "berühmten" zHg 60 - Strecke stadtauswärts fast immer im Wettkampfmodus:
#3794-2020 Straße/Gehweg/Radweg | Jena Mängelmelder