Beiträge von CKO

    Naja, die Wiesenstraße ist schon eine ganz spezielle Strecke

    Vor einer Woche Telefonat mit der Pressestelle der Polizei. Eigentlich wollte ich eine Aufklärung von https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/126722/5069503, zumal an dieser Position der Radfahrer von vorn gekommen ist:

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    und zum Übersehen desselben schon einiges dazu gehört.

    Der Beamte erklärte mir, dass man Radfahrer nicht genug zum Aufpassen mahnen kann. In Jena gibt es schließlich viele Straßen ohne Radweg, und es gibt auch gefährliche Radwege, wie z.B. in der Wiesenstraße. - Ja, das hat er so gesagt.

    ich zieh den Zweck des Portals jetzt mal auf Links.

    #6971-2021 Straße/Gehweg/Radweg | Jena Mängelmelder

    Süß!

    Mal sehen, wann die Meldung geschlossen wird. Ganz ohne guten Willen zu bekunden, wird es hier aber nicht gehen.

    Ganze 5 Worte, in Kleinbuchstaben, ohne Punkt und Komma. Dienst nach Vorschrift? Zumindest wurde das Anliegen des Meldenden mit einer passenden Begründung abgewiesen. Auf Kommentare zu geschlossenen Meldungen wird ohnehin nur nach Lust und Laune reagiert. :(

    „Autofahren ist schlimmer als eine Sucht“ DLF vom 11.11.2017

    Hier die neueste Folge zum Thema:

    Tempolimit: Zeitgemäß oder Freiheitsberaubung? | DW | 30.11.2021
    Immer schneller? Denkste! In deutschen Großstädten werden Geschwindigkeitsbeschränkungen populärer. Manche Fahrer sorgen sich allerdings, um ihren Fahrspaß…
    www.dw.com

    Das 4 Jahre alte Interview von H. Knoflacher hingegen finde ich geradezu erfrischend.

    Hier sprechen die obersten Dienstherren.

    .. des größten Freistaats unseres Landes ||

    Naja, in Jena habe ich vor 2 Wochen mit der StVB, vor einer Woche mit der Polizei gesprochen. Beide haben mir und anderen Radfahrern quasi Narrenfreiheit in der Wahl der Verkehrsfläche zugesagt. Mindestens bis Fastnacht?

    Muss wahrscheinlich auch sein, wenn die Polizei keine Halteverbote mehr kontrolliert ;)

    Warum kommt eigentlich der Falschparker ungeschoren davon? Ohne ihn wäre die Gefahrensituation doch gar nicht erst entstanden.

    Es entsteht der Eindruck, dass haltende Fahrzeuge als integraler Bestandteil von Radfahrstreifen aufzufassen sind, und ein wesentlicher Grund, warum kleine Kinder dort nicht fahren dürfen.

    Unser Verkehrsrecht und die Rechtsprechung sind schon krass. Autos stehen unter besonderem Schutz:

    Die Klägerin fällt auch in den Schutzzweck dieser Regelung, da mit dem Verbot der Nutzung baulich nicht abgetrennter Radwege Gefährdungen durch unsichere Fahrweise von jüngeren Kindern vermieden werden sollen. Das gilt einerseits zur Abwendung der Gefahr von dem Kind selbst, andererseits fallen aber auch neben dem Radweg verkehrende Fahrzeuge in den Schutzbereich, weil typische Folge unsicherer Fahrweise die Berührung parallel verkehrender Fahrzeuge und die hieraus resultierenden Schäden sind.

    ..

    Dass die Tochter bei Fahrt auf dem Gehweg möglicherweise geparkte Autos hätte beschädigen können, stellt nicht denselben Schaden dar. Überdies resultiert die Gefahrensituation, die hier zum Unfall geführt hat, gerade aus der fehlenden Abtrennung vom Fahrzeugverkehr und der Notwendigkeit des Ausweichens auf die Fahrbahn im Fall einer Blockierung des Radwegs durch abgestellte Pkw. Diese Gefahrensituation hätte bei einer Fahrt auf dem Gehweg nicht bestanden.

    ..

    Mit einer langsamen Annäherung an die sich aus dem abgestellten Fahrzeug und dem auf dem Radweg verkehrenden Radfahrern ergebenden Gefahrensituation kam die Klägerin aber ihren Pflichten nach. Aus den Bekundungen des Zeugen M hat sich ferner ergeben, dass die Klägerin nicht mit den rechten Rädern auf dem Radweg stand, denn der Zeuge hat bekundet, nach seiner Erinnerung habe der rechte Außenspiegel des Pkw lediglich leicht auf die Markierungslinie des Radwegs geragt. Eine Benutzung ihrer Fahrbahn weiter auf der linken Seite war der Klägerin nicht möglich, da sie dann angesichts der geringen Breite ihres Fahrstreifens in den Gegenverkehr geraten wäre.

    - Schadensverursachung durch Ausweichbewegung eines 6-jährigen Kindes auf Radweg

    Gilt der Mindestabstand beim Überholen etwa nur dann, wenn gerade kein Gegenverkehr kommt?

    Mit dem Fahrrad oder zu Fuß brauchst du etwa 2000 bis 10000 Prozent weniger Energie als mit einem Auto, um von A nach B zu kommen (je nach Autogewicht, Antriebsart).

    Ob die Zahlen stimmen? Wenn mir jemand verspricht, irgendwo mehr als 100% einsparen zu können, dann werde ich misstrauisch. ;)

    Aber dass es so viele normal finden, das 20-fache ihres Körpergewichts als Ballast hin und her zu karren, nur um Strecken zurück zu legen, die die Menschen jahrhundertelang täglich gelaufen sind, ist und bleibt mir rätselhaft.

    Erste Lektion gelernt: Irgendwie bist du immer schuld, sozusagen die Ursache dafür, dass ein anderer ausrastet. Schon mal dran gewöhnen, "kleiner Mann"...

    Die Pressemeldung wurde übrigens von einer Frau geschrieben. Und ja, der "kleine Mann" ist derjenige, bei dem sich der Ausgerastete am meisten entschuldigen muss. Das wäre sehr wichtig.

    Leider sind heute nicht mehr so viele Passanten zu Fuß unterwegs wie zu meiner Kindheit gegen Ende der DDR. Da geschah es, dass ich, 11-12 Jahre, mit dem Rad zum Schachtraining fuhr, den Arm links raushielt, Richtung Straßenmitte fuhr und links abzubiegen begann. Wollte sich ein Mopedfahrer noch links vorbeidrängeln und es kam zur Kollision. Ob jemand gestürzt ist, weiß ich nicht mehr. Aber der Mopedfahrer gab mir die Schuld, schließlich war er der Stärkere. Das beobachtete aber ein Passant, der uns entgegen kam und knöpfte sich den Mopedfahrer vor: "Was fällt Ihnen ein, sich so aufzuführen? Der Junge ist im Recht! Er hat den Arm ordentlich und rechtzeitig rausgehalten. Entschuldigen Sie sich gefälligst bei dem Jungen!"

    Das war eine ganz wichtige Erfahrung für mich auf dem Weg zum selbstbewussten Radfahrer.

    Sich für Kinder einzusetzen, ist immer eine Investition in die Zukunft.

    Unsere Polizei-Pressestelle gibt ihren Lesern in der Tat immer wieder Rätsel auf. Ich muss da morgen mal anrufen.

    Sie wissen die genaue Stelle auch nicht. Der meldende Beamte hat es nicht aufgeschrieben. Zumal es ja kein Unfall war, sondern § 223 StGB - Körperverletzung. Da kommt es auf die Breite des Gehwegs sowieso nicht mehr an.

    Genau das habe ich vor 15 Jahren in Nepal gesehen, Tiere inklusive - Kühe haben die höchste Priorität.

    Dazu kommen schadhafte und kurvenreiche Straßen. Je schneller man fährt, umso lauter muss man hupen. Weder Revierkämpfe noch Berührungsängste habe ich dort erlebt. Allerdings gibt es viele Unfälle und auch vergleichsweise viele Verkehrstote, besonders außerorts.

    In Deutschland lernen wir wieder neu - "Sicheres Radfahren in einem gemeinsam genutzten Straßenraum":

    https://bast.opus.hbz-nrw.de/files/2506/A44.pdf

    Hierbei stehen folgende Forschungsthemen im Fokus:

    • Verkehrskultur, -klima und rücksichtsvolles Miteinander
    • Gefahrenwahrnehmung und -bewertung

    Eine echte Wende in der Politik ist indes von einer solchen Konstellation nicht zu erwarten.

    Als wir 2014 in Thüringen einen linken MP bekamen, da haben wir uns ehrlich gefragt, was die ganzen Phrasen vom Politikwechsel eigentlich sollen.

    Was wollen die denn schon großartig anders machen als ihre Vorgänger? Und 2019 führte Ramelow einen erfolgreichen Wahlkampf, indem er sagte: "Seht, wir regieren jetzt schon 5 Jahre und es ist nichts Schlimmes passiert." und überdies eher wie ein SPD-Politiker auftrat. Vom Politikwechsel war da schon längst keine Rede mehr.

    Ach wie sorglos konnte ich als Kind noch auf der Fahrbahn fahren. Heute darf man sich da keinen Fehler mehr erlauben. Nicht mal auf dem Dorf:

    LPI-J: Auseinandersetzung auf offener Straße
    Saale-Holzland-Kreis (ots) - Weil sein 6-jähriger Sohn am Dienstagnachmittag ausversehen auf die Straße fuhr, landete ein 34-Jähriger auf dem Asphalt. Der Mann…
    www.presseportal.de

    Nach dem Polizeibericht muss es sich um die Dorfstraße im Ortskern handeln, die Vater und Sohn von Ost nach West befuhren. Auf dem touristisch angepriesenen Kirchenradweg Jena-Thalbürgel:

    Google Maps
    Find local businesses, view maps and get driving directions in Google Maps.
    www.google.com

    Was soll man dazu sagen?

    Kinder müssen die Dummheiten der Erwachsenen ertragen,
    bis sie groß genug sind, sie selbst zu machen.
    -- Jean Anouilh

    Und wir Erwachsene müssen lernen, wie man Konflikte im Straßenverkehr deeskaliert. Bzw. immer vollkommener darin werden.

    Urteile selbst wie der ADAC-Propaganda-Film gegen Popup-Radwege vom 30.7.2020 wohl auf viele wirken wird:

    Etwa so: "Die Radfahrer können die Konsequenzen ihrer Forderungen i.A. überhaupt nicht überblicken. Ihre Verkehrskompetenz reicht dazu einfach nicht aus. Nur jemand, der noch über gesunden Menschenverstand verfügt, sieht klar, wo die Radfahrer am besten aufgehoben sind."

    "am besten aufgehoben" - das klingt sehr pädagogisch ;)

    Was mich an der Argumentation des Buchhändlers am meisten gewundert hat: "Auf der Straße könnten die Radfahrer schneller fahren als man von ihnen erwartet. Das wäre gefährlich! Deshalb sollten sie besser (zwischen den parkenden Autos und dem Gehweg) auf dem Radweg fahren. (Nur dort hat man die Radfahrer unter Kontrolle, und sie fahren nicht so leichtsinnig schnell.)"

    Grundstimmung: Die Radfahrer viel zu unberechenbar. Die will man lieber nicht auf der Straße haben.

    Richtig ungünstig wird es, wenn die beiden Positionen so sehr "kultiviert" werden, dass es zu Spaltungen und Grabenkriege zwischen den Fahrradfahrer*innen kommt. Das nutzt dann nur den Gegnern einer Verkehrswende.

    Diesen Punkt, den Ullie nicht zum ersten Mal erwähnt, finde ich sehr wichtig. Umso mehr, da die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Radfahrer eine größere Bandbreite haben als es in allen anderen Verkehrsmodi der Fall ist.

    Dazu kommen noch lokale Unterschiede, z.B. hat meine Urgroßmutter erst mit 30 Jahren Radfahren gelernt, nachdem sie von Hessen nach Nordsachsen umgezogen sind. Sie ist dann zwar auch regelmäßig gefahren, doch nicht wie die Einheimischen mit dem vollen Kuchenblech unter dem Arm.

    Würde ich z.B. in Münster wohnen, wäre meine Fahrweise warscheinlich eine andere als in Jena:

    gerade in Städten wie Jena wäre das mit dem VC sowas von angebracht und offen machbar:

    - relativ viele Rad Fahrende

    - kaum Platz für Radwegbau

    - kaum Radwege vorhanden

    Auch die eigene Erfahrungen (Stürze, Unfälle ..) gehen nicht spurlos an uns vorüber und können zu Vermeidungsreaktionen führen, bei Frauen oft stärker ausgeprägt.

    Wenn ich häufig auf der Fahrbahn fahre, dann natürlich erstmal, um zügig und sicher voranzukommen. An manchen Stellen aber auch, um diese Verkehrsfläche nicht kampflos aufzugeben, zumal ich auf dem Rad eher zur robusten Sorte gehöre. Auf unserer "berühmten" zHg 60 - Strecke stadtauswärts fast immer im Wettkampfmodus:

    #3794-2020 Straße/Gehweg/Radweg | Jena Mängelmelder