Beiträge von Jonas

    Nochmal ein schöner Artikel zur Hamburger Verkehrssituation. Ich hoffe, der wurde noch nicht gepostet:



    Ich finde, der Artikel trifft gut die Stimmung und die Probleme, die sich bei den aktuellen Verkehrspolitischen anscheinend auftun. Das lässt sich ziemlich gut mit dem klassischen "Not in my backyard" zusammenfassen. Busbeschleunigung, öffentliche Verkehrsmittel oder Radförderung - bitte schön, aber wehe der Parkplatz vor meiner Tür wird dafür abgeschafft. Einmal gewährte Privilegien lassen sich nunmal schwer wieder zurücknehmen.


    Falschparken ist nicht gleich Falschparken. Stehe ich zum Beispiel als gesunder Mensch ohne Parkschein auf einem Parkplatz, dann behindere ich ja niemanden. Der Platz ist dafür vorgesehen, daß da geparkt wird. Sowas kann man meiner Meinung nach nicht rechtmäßig abschleppen.


    Na ja, ein Parkplatz in der Innenstadt hat ungefähr einen Wert von 20-30 k Euro. Wenn irgendwo legales, kostenloses parken ermöglicht wird, bezahlt die Allgemeinheit dafür. Im Unterschied dazu bezahle ich auf einem kostenpflichtigen Parkplatz meinen Anteil dieser Kosten. Wenn ich dort also ohne zu zahlen stehe, nutze ich eine Leistung ohne dafür zu zahlen, also als ob ich im Cafe den Kaffee nicht bezahle oder im Kiosk die Tageszeitung klaue.

    200 Euro statt 15 Euro bei gleicher Gefahr erwischt zu werden, machen aber den Eindruck von Willkür. Der eine muss die 200 Euro zahlen, der andere nicht. 15 Euro mit einer Gefahr von sagen wir 80 % erwischt zu werden und vielleicht noch einer Erklärung, dass die Feuerwehr da sonst nicht durch kommt, hat in meinen Augen mehr Sinn.


    Der stärkste Effekt würde aber erreicht, wenn sich das gesellschaftliche Klima ändern würde. Niemand sollte für Aussagen wie "Ich hab doch nur kurz auf dem Radweg gestanden, weil ich nur eben schnell zum Bäcker (zum Postkasten, zum Supermarkt, mein Kind von der Schule abholen, mal schnell telefonieren) wollte." Ich glaube aber nicht, dass man das nur durch hohe Strafen erreichen kann.

    Ich bin in solchen Fällen eigentlich auch fürs Abschleppen, bzw. für Strafen, die wirklich abschrecken. Wenn man ein Verhalten hart bestraft, dass für die Bevölkerungsmehrheit die Norm ist, kommt es kaum zu einem erzieherischen Effekt. Gestern gab es einen Bericht über einen Russen, der das Abschleppen seines Wagens durch einen Sitzstreik verhinderte und als Held gefeiert wurde:



    Ein anderes Beispiel sind Blitzer, da wird auch nur über die Abzocke geschimpft, statt mal das eigene Verhalten zu reflektieren. Niemand, der sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hält, kann abgezockt werden. Würde man also jedes Falschparken direkt mit 200 Euro Strafe oder Abschleppen bestrafen, würde man auch wieder nur das Gefühl "abgezockt zu werden" erzeugen. Ich denke, wollte man dem Parkproblem wirklich Herr werden, müsste man eine Mischung aus erhöhter Kontrolldichte und Aufklärung betreiben. Aber selbst der Feuerwehrmann in dem zitierten Artikel sagt ja, er sehe ein, dass die Autos irgendwo parken müssen. Es fehlt also eher am politischen Willen.

    Über die möchte aber die Autolobby lieber nicht sprechen (Radverkehr auf die Fahrbahn, rundumgrün auf Kreuzungen, Tempo 30 usw.).


    Das stimmt so nicht: Der ADAC hat sich so einige Gedanken über Tempo 30 gemacht und kann nun ganz klar begründen, warum Tempo 30 keine Unfälle verhindert, sondern im Gegenteil dadurch Radfahrer und Fußgänger noch zusätzlich gefährdet werden. Wobei - kann man das Gedanken nennen? "Krude Thesen" würde wohl besser passen.

    Selbst mit `nem Hammer ist es offensichtlich nicht so leicht eine Autoscheibe einzuschlagen:


    https://www.youtube.com/watch?v=RaGab8gGQr4


    ESG-Autoscheiben, wie sie normalerweise bei Seitenfenstern eingesetzt werden, haben eine Druckfestigkeit von etwa 800 - 1000 N/mm^2, Knochen von 100-200 N/mm^2. Selbst wenn man es also schafft mit seiner Faust eine Scheibe einzuschlagen, dürfte man sich danach nicht unwesentlich verletzt haben. Die Scheibe könnte natürlich schon vorgeschädigt gewesen sein (Risse, Steinschlag). Kommt mir aber reichlich unwahrscheinlich vor...

    Aggressiver Radler gegen regelverletzende Autolenkerin


    Mal davon abgesehen, dass das Einschlagen einer Autoscheibe kein legitimes Mittel in der Auseinandersetzung zwischen Autofahrer und Radfahrer sein kann und darf, drückt dieser Artikel so dermaßen auf die Tränendrüse und ist so (schlecht gemacht) manipulativ, dass es mir schwer fällt die ganze Geschichte zu glauben:


    1. Ist es überhaupt möglich, per Hand und ohne Werkzeug eine Autoscheibe einzuschlagen?
    2. Natürlich ist sie den verbotenen Weg nur "ausnahmsweise", der Redakteur übernimmt hier komplett unkritisch die Sicht der Autofahrerin.
    3. Die Autofahrerin hält natürlich an und hat sich bis auf die Benutzung des verbotenen Weges natürlich vollkommen korrekt verhalten.
    4. Die Geschichte mit dem behinderten Kind hat mit dem Sachverhalt nichts zu tun und dient nur dazu den Leser auf die Seite der Autofahrerin zu ziehen.


    Nochmal: Eine Scheibe einzuschlagen, ist nicht zu tolerieren und gehört bestraft. Aber der ganze Artikel ist so dermaßen stark von der Sichtweise der Autofahrerin gefärbt, dass die dort passierten Dinge auch komplett anders abgelaufen sein könnten.


    5) Der Radweg verläuft laut Google Maps geschätzte zweieinhalb Meter von der Bordsteinkante entfernt. Also in einer saublöden Entfernung, was Übersicht beim Abbiegen angeht. Herzlichen Glückwunsch an die Bauplanungsabteilung. Die sollte man neben dem Fahrer auf die Anklagebank setzen.


    Ne, da ist noch ein Baum zwischen Fuß- und Radweg. Der Fußweg verläuft relativ weit von der Straße entfernt, der Radweg wird direkt an die Straße geführt. Das führt an dieser Stelle aber häufig dazu, dass Fußgänger über den Radweg abkürzen wollen, weil sie ansonsten den längeren Weg um den Baum herum gehen müssten.

    Ich würde der Polizei mal zugutehalten, dass wahrscheinlich niemand stundenlang über der Formulierung von Pressemitteilungen brütet, da die Jungs hoffentlich wichtigeres zu tun haben. Makaber fand ich aber trotzdem den Satz einer Pressmitteilung zu einem Unfall neulich in Wuppertal, bei dem ein Kind getötet wurde:


    Zitat

    Augenscheinlich entstand an dem Insignia kein Sachschaden.



    Kommen wir aber zur Berufsgruppe der Lokaljournalisten: Da sollte doch etwas mehr sprachliche Sorgfalt zu finden sein:


    Zitat

    Ein Lkw-Fahrer übersah am Mittwochmorgen gegen 8.10 Uhr beim Abbiegen eine Radfahrerin, riss sie zu Boden und flüchtete.


    ...klingt jetzt für mich so, als ob er sie erst übersehen hätte und dann ausgestiegen wäre, um sie danach auch noch umzuschubsen. Tatsächlich nahm er der Radfahrerin die Vorfahrt. Diese folgte der immer wieder geäußerten Aufforderung, als Radfahrer doch defensiv zu fahren und auch mal auf seine Vorfahrt zu verzichten, hielt auf dem Radweg und wurde trotzdem umgefahren...


    Hier fände ich also eine Formulierung wie "fuhr sie (mit seinem LKW) um" deutlich passender.


    ...mal davon abgesehen, dass der LKW-Fahrer anscheinend wirklich alles falsch gemacht hat, was er als LKW-Fahrer in dieser Situation hätte falsch machen können: Erst ohne Sicht durch die Kurve, dabei der Radfahrerin die Vorfahrt nehmen, die Kurve dann auch noch schneiden und zu guter letzt auch noch Unfallflucht begehen.


    Mal wieder ein schönes Beispiel seriöser Polizei-Pressemeldungen:


    Radfahrer verletzt sich bei Unfallflucht



    Geschieht ihm recht, dem Lump, erst einen Unfall bauen und dann noch feige abhauen... Ach, der Autofahrer hat den Unfall verursacht und die Unfallflucht begangen?

    Gerade das Parken ist ein Auswuchs, alles andere als Autoverkehr nicht als Verkehr zu sehen. Ich glaube, dass sich Radfahrer in vielen Fällen nicht unbedingt an die Verkehrsregeln halten, hängt auch damit zusammen. Mein Eindruck ist zumindest, dass in Städten mit hohem Radverkehrsanteil, je mehr Radverkehr also als Teil des Verkehrs gesehen wird, die Regeltreue deutlich größer ist, als in Städten in denen Radfahrer eher Exoten sind. Autofahrer, die diesem Denkmuster folgen, parken "rücksichtsvoll", wenn sie den Autoverkehr nicht behindern. Dazu passt eine Situation, die ich neulich in Dinslaken beobachtet habe: In einer verkehrsberuhigten Straße parkte ein Auto und ein weiteres Auto kam aus derselben Richtung. Ihnen entgegen kam eine alte Frau auf dem Rad. Die Spur der Radfahrerin war frei, das entgegenkommende Auto musste dem parkenden Auto ausweichen. Die Frau sprang in vorauseilendem Gehörsam vom Rad und schob an den Rand der Straße, damit das entgegenkommende Auto dem parkenden Auto ausweichen konnte. Wenn sich Radfahrer schon selber nicht als Teil des Verkehrs sehen, werden sie auch andere Radfahrer nicht als Teil des Verkehrs sehen, wenn sie vom Rad ins Auto wechseln. Von denjenigen Verkehrsteilnehmern, die nie auf dem Rad sitzen, mal ganz zu schweigen...

    Ich glaube, der Streifen wirkt durch die sehr dicke Linie deutlich schmaler, als er in Wirklichkeit ist. Wenn ich da eher links auf dem Streifen fahren würde und das Auto mit dem im Bild zu sehenden Abstand fährt, könnte ich damit gut leben. Sieht in meinen Augen immer noch besser aus, als das Meiste, was in Deutschland so als Schutzstreifen aufgepinselt wird. Zu Bild 2: Gut, man hätte sich die Radwegkurve sparen können und den Radweg gerade an die Straße führen können und statt der Stufe gehört da ein vernünftiger Übergang hin. Wenn das aber Beispiele für schlechte Radwegführung in Dänemark sind...

    Bei Rennradfahrern ist das Abbremszeichen Standard, im Alltag hält man im Allgemeinen aber so viel Abstand, dass ich bisher noch keine kritischen Situationen mit anhaltenden Radfahrern hatte. Ganz anders sieht es mit linksabbiegenden Radfahrern aus - gern auch mit Kopfhörern.

    Beim ersten Bild kann ich kein Problem erkennen, der Radweg auf dem zweiten Bild, von der Kante mal abgesehen, wäre einer, den ich in Deutschland wohl freiwillig benutzen würde.

    Wenn man zweimal bereits wegen Körperverletzung im Straßenverkehr verurteilt wurde (und den Führerschein natürlich noch hat) und erneut eine Nötigung begeht, kostet das in Köln 900 Euro:


    Leider fehlen die zwei wichtigsten Infos: Wieviel Tagessätze sind das und muss er jetzt den Führerschein abgeben?


    Wenn man einen Müllmann verprügelt, nur weil der seiner Arbeit nachgeht, wäre wahrscheinlich die angemessene Strafe, dass Ümet K. bis zum Ende seiner Tage seinen Müll höchstpersönlich zur Deponie fahren darf - mit dem Fahrrad!


    Auch im `Recht für Radfahrer' steht, Radfahrer dürften sich nicht zum Linksabbiegen einordnen, wenn eine "Radverkehrsführung" das indirekte Linksabbiegen eindeutig verlange. Und danach noch eine Menge Text um das näher zu erläutern.


    Das klingt jetzt für mich eher freiwillig und dann ist ein Radweg doch nur Fahrbahnbegleitend, wenn er in die gewünschte Richtung führt. Das impliziert für mich, wenn es eine Einrichtung für indirektes Linksabbiegen gibt, muss ich erstmal nach rechts, d.h. in die falsche Richtung, damit würde er für mich schon die Eigenschaft "Fahrbahnbegleitend" verlieren.