Beiträge von Yeti

    Wenn man bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung des ÖPNV die Einsparungen durch vermiedene Schäden des Autoverkehrs einpreist, steht er sehr viel besser da, als wenn man das nicht tut.

    Ich bin mir sicher: Würde man dem Autoverkehr die tatsächlich verursachten Kosten auferlegen und alle Subventionen streichen, wäre Autofahren massiv teurer als ein kostendeckender ÖPNV. Es gäbe dann auch eine deutlich gesteigerte Nachfrage, die auch im ländlichen Raum einen rentablen Betrieb ermöglichen würde.

    In einem System, das den Autoverkehr über alles andere stellt, muss man sich nicht wundern, dass die Leute hauptsächlich Auto fahren.

    Paradoxerweise klammert die FDP, die sonst immer davon redet, dass der Markt regulieren soll, am festesten an der Marktverzerrung durch Autosubventionen. Würde man tatsächlich den Markt regulieren lassen, wären die Busse voller und es gäbe ein Angebot, bei dem man nicht eine Stunde Fahrzeit für 15km bräuchte.

    Also, als Bürger, der auf dem Land wohnt und ca. 20 min. Fußweg zur nächsten Bushaltestelle bzw. 3,5 km zum nächsten Bahnhof hat, bin ich ganz entschieden dagegen, dass jeder Steuerzahler den ÖPNV noch mehr subventioniert.

    Bist du auch dagegen, dass jeder Steuerzahler den Autoverkehr subventioniert? Das wäre konsequent.

    In der Tat darf sich eine Förderung des ÖPNV aber nicht nur an die richten, die bereits ein Angebot haben, sondern muss vor allem auch dazu dienen, das Angebot auszubauen.

    Dass Radverkehrtanlagen den Radverkehr fördern soll, ist bestenfalls(!) unbelegt. Ich gehe vom Gegenteil aus.

    Allerdings ist auch das Gegenteil unbelegt. :) Ich gehe davon aus, dass brauchbare Radverkehrsanlagen in der Tat den Radverkehr fördern können. Dass in Deutschland Vieles unbrauchbar ist, bestreite ich hingegen nicht. Die Frage ist, ob es nur Placebos sind, oder ob Radverkehrsanlagen wirklich dafür geplant sind, das Radfahren attraktiver (nicht nur flauschiger) zu machen. Viele "Radwege" in Deutschland empfinde ich eher als abstoßend und als Hindernis der Radverkehrsförderung, s.o. sozialer Abstieg in der Verkehrshierarchie.

    Für den Alltagsradverkehr sind insbesondere direkte und schnelle Verbindungen wichtig, die ganzjährig und bei jedem Wetter nutzbar sind. Wassergebundene Oberflächen fallen da schonmal raus und entlang von Hauptstraßen steht man an jeder zweiten Ampel. Auch auf der Fahrbahn, wenn die grüne Welle auf eine Geschwindigkeit von 50km/h abgestimmt ist. Aber da man in der Stadt ohnehin fast nirgends 50km/h fahren kann, könnte man grüne Wellen ja auch gleich auf realistische Geschwindigkeiten abstimmen, die dann auch mit dem Fahrrad erreichbar sind.

    Eine Radwegstrategie, die nur darauf abzielt, mehr Radwege zu bekommen, muss natürlich zum Scheitern verurteilt sein, wenn man sich nicht für den bestehenden Schrott interessiert und wenn nicht auch das Ziel verfolgt wird, Radfahrer als gleichwertige Verkehrsteilnehmer zu behandeln.

    Genau sowas meine ich (auch) mit "Fahrradfirlefanz": ein kurzer Streifen verblasstes rotes Pflaster hier, eine vergessene Furtmarkierung da, eine linksseitige Gehwegfreigabe dort, fertig ist der Eindruck "hier sind Revanchefouls erlwünscht".

    Aber genau gegen diesen Firlefanz gehe ich doch die ganze Zeit vor. Das habe ich auch immer wieder in den Abstimmungsrunden mit dem ADFC betont, dass man in Niedersachsen Firlefanz bekommt, wenn man Radwege fordert und dass wir nicht zu wenige Radwege haben, sondern zu viele: Nämlich "Radwege", die gar keine sind und die man nicht braucht.

    Deshalb lehne ich aber Radwege nicht grundsätzlich oder aus Prinzip ab. Wenn ein Außerorts-Radweg in einem brauchbaren Zustand und breit genug für sichere Begegnungen und Überholen ist, wenn er an Kreuzungen dicht an der Fahrbahn im Sichtbereich geführt wird und wenn man auf freie Rechtsabbieger und ähnliche Kfz-Beschleunigungen verzichten würde, könnten die sicher sein und entspannter wäre es ohnehin. Dass Radwege in Deutschland diese Voraussetzungen oftmals nicht erfüllen, ist eine andere Sache.

    Was ich in Dänemark vorgefunden habe, fand ich allergrößtenteils benutzbar und stimmig (teilweise allerdings ebenfalls unnötig). Die typischen Radweg-Gefahrensituationen habe ich nicht erlebt, weil sich die Autofahrer dort anders verhalten haben als man es aus Deutschland gewohnt ist. Wechsel der Straßenseite waren nur selten erforderlich, weil es meistens auf beiden Straßenseiten Radwege gab oder eben gar keinen.

    Radfahrer in Kopenhagen haben sich regelkonform verhalten, aber auch selbstbewusst, ohne sich devot unterzuordnen. Das war etwas ganz Anderes als wenn man hier den ADFC in Opfer-Uniform und mit Pool-Nudel fahren sieht.

    Zunächst einmal wäre auch eine Klarstellung durch [Zeichen 239] wichtig, dass auf einem Weg, auf dem zuvor aus angeblichen Gründen der Verkehrssicherheit mit dem Rad gefahren werden musste, nun aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht mehr gefahren werden darf. Es wäre auch sehr hilfreich, wenn die Kommunen das Thema nicht über Jahre hinweg hinziehen, weil sich die Leute dann natürlich fragen, warum an einer Straße diese Regel gilt und an einer anderen Straße mit ganz ähnlichen Bedingungen eine andere.

    Außerdem muss das öffentlichkeitswirksam kommuniziert und nicht klammheimlich die Verkehrszeichen abmontiert werden. Wenn darüber gestritten wird, ist es gut, weil es dann noch mehr Aufmerksamkeit erhält. Wichtig ist, dass die Kommunen nicht gleich beim ersten Gegenwind einknicken. Hilfreich ist es auch, den Schutz der Fußgänger hervorzuheben, der damit einhergeht.

    Ich erwarte ja gar nicht, dass die Menschen die wahren Unfallrisiken zur Kenntnis nehmen sollen. Ich wünsche mir nur, dass die Radwege-Strippenzieher in den Menschen wenigstens nicht noch ständig nach Kräften neue Ängste wecken und bestehende Sorgen zur Phobie potenzieren würden.

    Ja, daran arbeite ich auch hier vor Ort und das habe ich auch in den Abstimmungen des Bündnisses eingebracht und die Position im BUND immer wieder vertreten. Daher finde ich es ungerecht, wenn du mich immer wieder in die "Radweg"-Ecke stellen willst.

    Aktuell bekomme ich in Stade gerade von allen Seiten Prügel, weil auf meine Initiative vor 3 1/2 Jahren auf einer Hauptroute von einem Ortsteil in Richtung Innenstadt die Benutzungspflicht aufgehoben wurde. Da hat sich inzwischen ein regelrechter Widerstand formiert bei Leuten, die nun zum Trotz erst recht auf dem linken Gehweg fahren und vermutlich keinen blassen Schimmer haben, welches Risiko sie in dem Zuge an zwei Kreuzungen mit abknickender Vorfahrt eingehen. Ich fahre dort täglich extra einen kleinen Umweg, damit Radfahrer auf der Fahrbahn normaler werden.

    Mir ist in fünf Jahrzehnten Rad fahren noch kein Autofahrer begegnet, der mich ohne Fahrradfirlefanz* auf den Bürgersteig mobben wollte.

    Mir schon. Vor allem, wo nach Entfernung der [Zeichen 240] ohne weitere Maßnahmen oder begleitender Öffentlichkeitsarbeit aus einem "Radweg" ein Gehweg geworden ist, oder wenn in irgendeinem Kaff Gehwege baulich nicht von benutzungspflichtigen kombinierten Geh- und "Radwegen" zu unterscheiden sind, weil das alles der selbe Schrott ist. Das beeindruckt mich persönlich zwar wenig, aber für viele scheint selbst eine soziale Benutzungspflicht von Gehwegen zu bestehen, wo es keinen "Radweg" gibt.

    Daher müssen diese ganzen rechtwidrigen Anordnungen verschwinden, aber ich werde nicht auch noch dafür kämpfen, dass der Radverkehr an stark befahrenen Hauptstraßen im Mischverkehr geführt wird, sondern mich damit zufrieden geben, wenn dort wenigstens regelkonforme Radwege gebaut werden. Dann hat man immer noch genug zu tun, die Leute für die Gefahren zu sensibilisieren, die dort auf sie warten, damit sie nicht völlig gedankenlos solche Wege benutzen.

    Auch wenn es Widerstände gibt, ist es natürlich absolut notwendig, solche "Radwege" wie hier im Bild ersatzlos aufzuheben. Es mag sein, dass Leuten, die bereits Fahrrad fahren, schwer fällt, ihre Gewohnheiten zu ändern und danach auf der Fahrbahn zu fahren. Viele werden dort zunächst einfach weiter auf dem Gehweg fahren, aber das wäre dann deren Problem.

    Ich bin mir allerdings auch sicher, dass solche zum Radfahren benutzungspflichtige Gehweg-Ruinen niemanden motivieren, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen. Aber das wird ja vom ADFC immer behauptet, dass die Leute nicht umsteigen, wenn es keine "Radwege" gibt.

    Es gibt keinen Radweg ohne soziale Benutzungspflicht, und diese soziale Benutzungspflicht ist die einzig relevante, weil sie Fahrbahnradlern -und das leider nicht nur auf Straßen mit Radweg, aber natürlich auch und gerade auf diesen- den Schutz der gegenseitigen sozialen Kontrolle raubt.

    Dann musst du gleich auch noch die Abschaffung von Gehwegen fordern, weil es auch Autofahrer gibt, die eine soziale Benutzungspflicht des Gehweges sehen, wo es keinen "Radweg" gibt.

    Herr Schwendy sagt die Statistik spricht eindeutig für sein Kreuzungsdesign und von der Fahrbahn abgetrennte Radwege, weil dann viel mehr Rad gefahren...

    Meiner Meinung werden Details der Infrastruktur überbewertet, wenn es darum geht, wie viele Menschen mit dem Fahrrad fahren. Was in Deutschland schief läuft, ist die Geringschätzung, die einem auf dem Fahrrad überall entgegengebracht wird. Der Umstieg vom Auto auf das Fahrrad fühlt sich hier wie ein Abstieg an und niemand möchte freiwillig auf der sozialen Leiter absteigen.

    Bei diesem Gefühl spielt Infrastruktur allerdings eine Rolle. Wir sehen überall Straßen, die für den Autoverkehr optimiert sind und wo Fußgänger und Radfahrer als Störfaktoren behandelt werden. Dieser Eindruck überträgt sich auf das Verhalten aller Verkehrsteilnehmer: Autofahrer beanspruchen die "Straße" für sich, Radfahrer wollen lieber irgendwo am Rand fahren.

    Um dieses Bild zu ändern, reicht es nicht aus, den Leuten Unfallstatistiken zu zeigen, dass sie eigentlich im Mischverkehr auf der Fahrbahn sicherer fahren.

    Gegenfrage: welches StVO-konforme Verhalten bedingt eigentlich die Zulässigkeit einer Radwegebenutzungspflicht?

    Du klingst langsam wirklich paranoid. Das Wort "Radwegebenutzungspflicht" kommt in dem verlinkten Artikel nicht einmal vor. Und falls du gelesen hättest, was ich oben zu den BUND-Positionen geschrieben habe, hättest du vielleicht sogar gemerkt, dass es dabei um das genaue Gegenteil ging.

    Das sind keine 8 Forderungen, sondern im Grunde bloß eine einzige: "Mehr Fahrbahnverbote für Radfahrer!"

    Kannst du solche Aussagen auch begründen?

    Hintergrund-Info: Es gab im letzten Jahr ein gemeinsames Positionspapier eines Bündnisses initiiert von Fridays for Future Niedersachsen zusammen mit dem ADFC, VCD, BUND und dem NABU. Ich war daran für den BUND beteiligt und konnte durchsetzen, dass genau dieses von dir unterstellte Ergebnis NICHT in das gemeinsame Papier kommt. Leider hat der ADFC aus dem Titel der gemeinsamen Forderungen "Mehr Radverkehr jetzt" etwas anderes gemacht und das auf seiner eigenen Seite unter der Überschrift "Mehr Radwege jetzt" veröffentlicht. Dass auch andere Punkte vom ADFC nicht übernommen wurden, kann ich nicht beeinflussen.

    Im BUND haben wir die Forderungen danach weiterentwickelt. Es ging dabei immer um ein Radverkehrsnetz und nicht um ein Radwegenetz. Insbesondere für den BUND spielt das Thema Flächenversiegelung eine wichtige Rolle und daher ging es vorrangig um die Nutzung, Erhalt und Ertüchtigung vorhandener Infrastruktur und nicht wie beim ADFC um den Bau möglichst vieler neuer Radwege oder die Schaffung einer flächendeckenden Doppelstruktur. Ein Radverkehrsnetz besteht aus Sicht des BUND vor allem auch -wo möglich- aus verkehrsarmen Nebenstraßen.

    Eine wesentliche Forderung, die es auch in das gemeinsame Papier geschafft hat, war es, geltende Regeln und Vorschriften konsequent umzusetzen. Gemeint war damit insbesondere die Aufhebung unzulässiger Radwegebenutzungspflichten.

    Die Forderung nach Tempo 70 an Landstraßen ohne getrennte Radwege sehe ich ebenfalls nicht als indirekte Forderung nach Fahrbahnverboten.

    Was eine verbesserte Mitnahme von Fahrrädern im ÖPNV mit Fahrbahnverboten zu tun haben soll, weißt du wohl auch nur alleine.

    Die Forderungen nach mehr Personal bei den Landesbehörden hat ebenfalls nichts damit zu tun, mehr Fahrbahnverbote anzuordnen. Es ist leider Fakt, dass es überall an der nötigen Abstimmung zwischen den beteiligten Stellen mangelt. Unterschiedliche Baulastträger und Verkehrsbehörden müssten sich besser abstimmen. Ein durchgängiges Radverkehrsnetz müsste zwischen den Landkreisen koordiniert werden. In der Realität wird dann irgendwo irgendwas gebaut und die Verkehrsbehörde ist nicht einmal im Vorfeld beteiligt. Hinterher werden dann einfach wieder die selben Verkehrsschilder aufgestellt wie vorher und alles bleibt beim Alten.