Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, aber es muss klar sein, was die Alternativen sind, zwischen denen man sich entscheiden muss. Wer seinen Oldtimer weiter betreiben will und bereit ist, für einen Liter E-Fuels 15,- EUR zu bezahlen, soll das meinetwegen machen. Solange es bei einer Nischenanwendung mit überschaubarer Nachfrage bleibt, wäre das möglich. Aber es ist aus meiner Sicht bösartige Irreführung, wenn man so tut, als wäre das eine Option für den gesamten Kfz-Bestand und sogar noch für nach 2035 neu gebaute Fahrzeuge.
Es wird immer so getan, als wäre erneuerbare Energie bereits im Überfluss vorhanden und wir müsste nur nach Wegen suchen, sie loszuwerden. Das Gegenteil ist doch der Fall und wir decken erst 15% unseres derzeitigen Energiebedarfs durch Erneuerbare. Beim Strom sind wir zwar schon bei knapp 50%, aber das ist ja nicht alles.
Das Gute ist, dass wir nicht um den Faktor 6 vom Ziel entfernt sind, wie die 15% zunächst vermuten lassen. Beim Umstieg von Öl- und Gasheizungen auf Wärmepumpen sinkt der Energiebedarf um den Faktor 3-5, beim Umstieg vom Verbrenner auf E-Autos um den Faktor 3. Einfach deshalb, weil diese Technologien effizienter sind.
Wenn man auf E-Fuels setzt, hält man an der ineffizienteren Technologie fest und geht dann zusätzlich noch den Umweg, mit elektrischer Energie zunächst Brennstoffe herzustellen. Dann käme noch einmal im günstigsten Fall der Faktor 2 oben drauf und wir wären um den Faktor 12 vom Ziel einer vollständig auf erneuerbaren Energien basierenden Energieversorgung entfernt.
Wenn man die Leute also um ihre Meinung zu E-Fuels fragt, muss man sie eigentlich nach einer Priorisierung fragen, wofür die verfügbare Energie eingesetzt werden soll.
Wofür würdet ihr 100 kWh Wind- und/oder Sonnenenergie nutzen?
1. 3 - 4 Tage ein Einfamilienhaus mit einer Wärmepumpe heizen
2. Einen halben Tag ein Einfamilienhaus mit Wasserstoff heizen
3. 500 km mit einem E-Auto fahren
4. 100 km mit E-Fuels ein Verbrennerauto fahren
Da man Energie nur einmal nutzen kann, muss man sich entscheiden. Alternativ müssten die Leute bereit sein, Wind- und Sonnenenergie nochmals um den Faktor 3 stärker auszubauen als ohnehin erforderlich.