Aber dafür muss man doch nicht so weit gehen, den ADFC-Bundesvorsitzenden zu unterstellen, dass sie sich für den Bau von Fahrradwegen in bestimmten Straßen aussprechen, obwohl angeblich längst abschließend geklärt sei, dass es keine "sicheren Radwege" gäbe.
Ich habe mehrfach versucht, mit dem ADFC Bundesverband ins Gespräch zu kommen: Keine Reaktion auf Mails, auf Briefe (ganz oldschool) und auch am Telefon wurde ich immer abgewimmelt. Ich wollte über die ständig wiederholten Falschbehauptungen sprechen, dass das deutsche Verkehrsrecht angeblich die Flüssigkeit des Autoverkehrs über die Sicherheit des Radverkehrs stellen würde. Der ADFC hat selbst ein Rechtsgutachten beauftragt, in dem steht, dass nicht das Verkehrsrecht das Problem ist, sondern die Tatsache, dass es von den Behörden nicht im Interesse des Radverkehrs (oder gar nicht) umgesetzt wird.
Wenn sowas trotzdem immer weiter behauptet wird, ist das kein Versehen, sondern Absicht. Man möchte Stimmung machen für das Ziel "mehr Radwege", weil man sich davon verspricht, dass mehr Leute Fahrrad fahren, wenn sie überall das flauschige Gefühl haben, dabei dem Autoverkehr nicht im Weg zu sein.
Dabei stehen Fakten natürlich im Weg. Man kann nicht zugeben, dass die gefühlte Sicherheit auf Radwegen trügerisch ist und Radwege neue Gefahren schaffen. Man kämpft gegen das Verkehrsrecht, weil es darin Regeln gibt, wann es Radwege geben soll und vor allem: Wann die benutzungspflichtig sein dürfen. Weil auch der ADFC weiß, dass keine Kommune Angebotsradwege baut, die nicht benutzt werden müssen, stört sich der ADFC auch nicht an der Benutzungspflicht, die im ganzen Land mit der Gießkanne verteilt wird. Der ADFC hat ernsthaft gefordert, §45 (9) S. 3 zu streichen, weil das die Anordnung von T30 erschwere. Natürlich weiß der ADFC ganz genau, dass dieser Absatz alle Verkehrsteilnehmer, also auch Radfahrer vor willkürlichen Beschränkungen durch die Verkehrsbehörden schützen soll. Aber wer überall "Radwege" fordert, stört sich natürlich nicht daran, dass eine Radwegebenutzungspflicht auch eine Beschränkung ist.
Wenn der ADFC wirklich ein Interesse daran hätte, die Sicherheit des Radverkehrs zu erhöhen, ergo die Zahl der getöteten Radfahrer zu senken, müsste er sich vor allem für die Abschaffung von Radwegen einsetzen. Stattdessen erzählt der ADFC immer wieder, dass man zum sicheren Radfahren auf jeden Fall ein durchgehendes Radwegenetz braucht und dass Radfahren ohne Radweg lebensgefährlich ist. Damit verhindert er, dass Leute auf das Fahrrad steigen, wo es keinen Radweg gibt und liefert eine Grundlage für die Aggressionen gegen Radfahrer. Nein, ich behaupte nicht, dass der ADFC daran alleine Schuld ist, aber damit verstärkt man das Problem, anstatt es zu lösen.
Der ADFC fordert schönere Käfige, anstatt sich dafür einzusetzen, dass Radfahrer nicht weggesperrt werden.

*edit: Zu den Aussagen auf den Screenshots:
1. Es war noch nie erforderlich, dass erst Unfälle passieren mussten, bevor Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit getroffen werden. Eine Maßnahme muss aber geeignet sein, um die Gefahr zu mindern.
2. Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer steht schon seit langem über der Flüssigkeit des Verkehrs. Nach der letzten Überarbeitung der VwV-StVO wurde lediglich nochmals betont, dass mit "Flüssigkeit des Verkehrs" tatsächlich alle Verkehrsarten und nicht nur der Autoverkehr gemeint ist.
3. Die Behauptung, dass Vision Zero nicht im Verkehrsrecht verankert sei, ist falsch: Das steht gleich im allerersten Satz der VwV-StVO.