Passend zum taz-Artikel eine Doku, die vor ein paar Jahren bei Arte lief.
Hier noch bei Youtube gefunden:
"Breite Straßen, sie dienen nicht nur dem Verkehr sondern verhindern auch die Brandausdehnung."
Zitat aus dem Film, in den eine sw-Filmszene aus einem Film aus den 50er oder 60er-Jahren eingeblendet wird.
Hier der Link zu der Stelle bei Minute 11:45
Im Anschluss berichtet der Historiker Werner Durth (Jahrgang 1945) von seinen Gesprächen mit den Stadtplanern der Hitlerzeit von denen viele übergangslos in der jungen Bundesrepublik Karriere machten. Sie gaben unter anderem das Erlebnis der Hamburger Feuerwalze an, ein Großbrand in Folge eines Luftangriffs, das sie dazu getrieben habe, breite Schneisen zum Brandschutz durch die Städte zu schlagen.
Minute 12:00 ff
Ab Minute 32:40 wird davon berichtet, dass in Hannover ein historistisch gestaltetes Gebäude aus dem 19. Jahrhundert für die Anlage eines freien Rechtsabbiegers für den Autoverkehr abgerissen wurde. Es gibt eine Bürgerinitiative, die die Flusswassserkunst wiederauferstehen lassen will. Da bin ich dann allerdings hin- und hergerissen. Der historische Wert ist futsch durch den Abriss. Es in alter Form mit modernen Baumaterialien und Baumethoden wieder aufbauen zu wollen, halte ich für "Disneyworld-Kultur".
Immerhin es gibt auch Lichtblicke in dem Film: Bei Minute 31:20 ist im Hintergrund die Alte Synagoge (Neue Synagoge) Essen zu sehen. Sie wurde 1913 fertig gestellt, hat die Bomben des 2. Weltkriegs überstanden, und steht bis heute.
Filmszene:
Internetseite Ale Synagoge (die früher einmal Neue Synagoge hieß) Essen: https://www.essen.de/leben/kultur_/…hauses_.de.html
Interessant wird es in dem ersten Teil des Filmes bei Minute 43:15. Plötzlich wird Hillebrecht in höchsten Tönen gelobt für seine Abrisspolitik. Die einseitig auf den Autoverkehr ausgerichtete Straßenbaupolitik wird plötzlich nicht mehr kritisiert, sondern in höchsten Tonen gelobt mit Begriffen wie "weite geschwungene Straßen, frei stehende Häuser".
Dazu werden Bilder vom Ihmezentrum gezeigt, unter anderem von genau der Fußgänger- und Fahrrad-Durchwegung über die ich an anderer Stelle berichtet habe: RE: Licht am Ende des Tunnels? Dieser >link führt zu einem Beitrag mit einer Aufnahme vom flussseitigen Eingang zur Durchwegung, die auch im Film gezeigt wird.
Das ist unbefriedigend. Und es ist ganz klar, dass solche gewaltigen Wohn-, Büro- und Geschäftskomplexe, die hoch verdichtet sind, wie das Ihmezentrum nicht unbedingt Teil des Problems sein müssen, aber das Potenzial haben Teil einer Lösung zu werden.
Allerdings: Auch im Ihmezentrum existiert eine riesige Tiefgarage mit mehr als tausend Stellplätzen. Die meisten davon heute ungenutzt aber nutzbar. Solange jedoch kostenlos im umstehenden Straßenraum geparkt werden darf, sehen es nur wenige Autobesitzer*innen ein, für ihr Fahrzeug Parkgebühren zu entrichten.
"Komfortabel und sicher parken
im Ihmezentrum Hannover
ca. 1300 Parkplätze – Keine endlose Parkplatzsuche: Hier finden Sie zuverlässig einen Stellplatz.
Ein Dauermietplatz kostet 70 Euro im Monat
Kurzzeitparker: je angefangene Stunde 2,00 EUR, maximal 12,00 EUR pro Tag Parkgebühr.
Nach Zahlung haben die Nutzer 15 Minuten Zeit, um das Parkhaus zu verlassen."
Infos von der Internetseite: https://parken-in-linden.de/#easybv
Das ist eine der vielen Zusammenhänge, die verschwiegen werden. Verdichtetes Bauen mit Wohnungen, Büro und Geschäftsräumen verbessert die Bedingungen für autofrei Mobilität.
Und: Es müssen keine Parkplätze im öffentlichen Straßenraum ausgewiesen werden, denn es sind ausreichend ungenutzte Stellplätze in Tiefgaragen und Parkhäusern vorhanden. Und erst recht nicht muss das Eckenparken, Falschparken auf Gehwegen und Blockieren des ÖPNV hingenommen werden.