Beiträge von Ullie

    1: Helme machen keinen Spaß, weil es unangenehm feucht wird über den Augenbrauen.
    2: Helme reduzieren im Falle des Kontaktes zwischen Kopf und irgendwas anderem die auf den Kopf einwirkende Energie um die Summe aus Verformungsenergie und Bruchenergie des Helms.

    Bei Radrennen ist es inzwischen üblich, einen Helm zu tragen. Das spricht für seine Schutzwirkung. Und es mag sein, dass man unter einem Helm leichter schwitzt. Aber bei einem guten Sonnenschutzschild hat man eine angenehme Schattenwirkung, die vor Blenden und Sonnenbrand schützt.

    Das Unglaubwürdige an Helm-Kampagnen von Presseorganen wie der HAZ (=Hannoversche Allgemeine Zeitung) oder der Polizei ist, dass sie sehr viel bedeutsamere Unfallverhütungsmaßnahmen boykottieren. Nicht nur zum Nachteil der Radverkehr-Teilnehmenden.

    Auch ÖPNV-Teilnehmende leiden unter der einseitigen Parteinahme von HAZ und Polizei. Omnibushaltestellen könnten sicherer gestaltet werden und der Omnibusverkehr beschleunigt werden, wenn die Bereitschaft bestünde, bei Autofahrern für entsprechende Maßnahmen zu werben, die diese als Benachteiligung empfinden.

    Stichworte: Vorrangschaltung für den ÖPNV, Haltestellenkaps und Warnblinklichthaltestellen inklusive Kontrolle sicheren Autofahrerverhaltens durch die Polizei.

    Stattdessen erleben wir: Polemik gegen Ampelvorrangschaltung, Haltestellengestaltungen, die ÖPNV-Fahrgäste gefährdet, fehlende Warnblinklicht-Anordnung (Autofahrer seien damit angeblich überfordert), fehlende Kontrollen des Autofahrer-Verhaltens an Haltestellen (Autofahrer sind angeblich unbelehrbar, angebliche oder tatsächliche Personalnot).

    Dazu ein Kommentar in der Wiener Zeitung: Helm ab, ihr Spaßtronauten!

    Ein guter Artikel der Wiener Zeitung, der der Helm auf - Kampagne gehörig ein's auf die "Haube" gibt.

    Es sind wirklich widerliche Kampagnen, diese penetranten Fahrradhelm-Werbeaktionen. Ganz grässlich in Hannover ist die penetrante HAZ-Kampagne mit dem HAZ-Fahrradhelm zum Sonderpreis für Abo-Kunden und ständiger Penetration sonst eigentlich angenehmer Fahrradtreffen, wie z. B. "Autofreier Sonntag". (Obwohl der auch noch andere Macken hat, z. B. die Werbeaktionen für E-Autos.)

    Und immer wieder wird zwischen den Zeilen ziemlich unmissverständlich zu verstehen gegeben: Selbst schuld an den Unfallfolgen, wenn du keinen Helm trägst.

    Ich frag' dann immer gerne mal an den entsprechenden Ständen an, was die Leute denn von einer Helmpflicht halten. Meistens wird das begrüßt. Und dann setze ich eines oben drauf und frag nach, ob sich denn die Fahrradhelmpflicht-Werber auch für die Fußgängerhelmpflicht einsetzen. Schließlich ist der Autos wegen zu Fuß gehen ja auch eine sehr gefährliche Angelegenheit. Bisweilen würden ja sogar Autofahrer ihr Mordsgeschosse bis in Eisdielen lenken. Und ob es da für die Eisdielengäste nicht auch besser sei, sie zum Helmtragen zu verpflichten..... Und immer schön ernst bleiben dabei, bis dann irgendwann der Groschen fällt.

    Das Ganze erinnert mich auch an eine autokritische Karikatur aus der Frühzeit der Automobilisierung. Da hat der Autor Fußgänger mit Sprengstoffpaketen rund um den ganzen Körper verteilt gezeichnet. Im zugehörigen Text wurde deutlich gemacht, dass ein so ausgestatteter Fußgänger nicht von einem Auto angefahren werden würde, weil dann ja das Auto und der Fahrer in die Luft fliegen würden. Vielleicht ist so eine Sprengstoffausrüstung ja wirklich das Sicherste für Fußgänger?

    Um mal ein ca. 1,8 km langes Radwegstück zu benennen, das in Hannover sehr beliebt ist:
    Die Strecke vom Königsworther Platz zum Herrenhäuser Garten. Hier wird der Radweg durch den Georgengarten neben einer vierreihigen Allee entlanggeführt, wo zwischen den Baumreihen drei gekieste Wege verlaufen.
    Der Radweg selbst ist geteert und ca. 5 m breit. Es ist zwar Fußverkehr erlaubt, aber kein Autoverkehr. Der Fußverkehr ist nur sehr schwach, weil viele Fußgänger einen der anderen drei Wege bevorzugen.

    Und der selbe Weg noch mal auf der openstreetmap-Karte:

    Ebenfalls sehr schön und gut ausgebaut ist der Radweg/Fußweg am Ihme-Ufer zwischen der Brücke Spinnereistraße und der Brücke Lavesallee (Länge ca. 1,5 km). Jenseits dieser Brücken ist der Radweg zu schmal und/oder zu hoppelig.

    Auf openstreetmap:

    MIch ärgert am meisten, dass man mit dem "Fahrverbot" den MV nicht reduziert sondern nur verlagert.
    Ach, da darf ich nicht fahre, gut fahre ich eben 2km Umweg.
    Damit belastet man dann andere Stellen. Aber solange die unter dem Grenzwert liegen ist das ja OK, auch wenn man den Anwohnern dann mehr Gift in die Wohnungen bläst.

    Das verhält sich nicht so. Und wenn es durch Fahrverbote tatsächlich zu unerwünschten Verkehren an anderer Stelle kommt, dann müssen dort eben auch Maßnahmen ergriffen werden, um den Verkehr zu reduzieren. Das Ziel ist der Umstieg auf Rad und ÖPNV sowie Fußverkehr, denn diese Verkehrsträger ermöglichen eine sehr viel höhere Transportkapazität bei deutlch geringerem Flächenverbrauch als der MIV.

    Tja. Das eine, was ein grüner Politiker sagt. Das andere, was er im schwarz-grünen, oder im rot-grünen Hamburger Senat umsetzt. Oder im grünen Ländle oder in meinem (noch) rot-grün-blauen Bundesland. Oder in meiner rot-grünen Stadt. :/

    Das ist es nicht alleine. Das Schlimme ist, dass die Bereitschaft abnimmt, zu sagen, dass z. B. ein generelles Tempolimit auf Autobahnen not tut, weil das die Gafahr beinhaltet, dass die einen sich abwenden, weil sie diese Forderung für überzogen halten, und die anderen sich abwenden, wenn es nicht gelingt, das in Koaltionsvereinbarungen umzusetzen. Also werden mehr und mehr vage Aussagen in die Welt gesetzt. Die dann freilich auch nicht jeden befriedigen werden. Und möglicherweise sind gerade Politiker der Grünen besonders anfällig dafür, es allen recht machen zu wollen.

    Natürlich wurde auch wieder die unglücklich agierende Behördenfrau vorgeführt - und die Radverkehrsbeauftragte Kirsten Pfaue war leider auch unterirdisch; das waren beides Auftritte, bei denen ich mir lebhaft vorstellen kann, warum Menschen zu den Wesen werden, die man auf Anhörungen oder öffentlichen Sitzungen erlebt und die Politiker nur niederbrüllen. Mit einer Haltung "Sie haben ein falsches Bewusstsein, Sie müssen das alles anders wahrnehmen, es ist in Wirklichkeit ganz anders" kann man nur scheitern.

    Wie sollte man denn auf diese Vorwürfe intelligenter reagieren?
    Ich bin zwar kein Planer oder offiziell Beauftragter Fahrrad-Vertreter, aber ich erlebe es immer wieder, dass radfahrende Menschen zum Beispiel absolut nichts davon wissen wollen, dass ein breiter Radfahrstreifen auf der Straße Vorteile hat gegenüber einem Hochbordradweg hinter parkenden Autos. Und da kann der Radfahrstreifen noch so breit sein. Manche lassen sich selbst durch "Engelszungen" nicht von einer einmal eingenommenen starren Haltung abbringen.

    Jahrzehntelang wurde von den Verkehrsplanern die Bevölkerung und ihre politischen Vertreter damit geimpft, dass eine Trennung der Verkehrswege das A und O guter Verkehrsführung sei. Und jetzt soll plötzlich Radverkehr auf der Straße stattfinden. Und sofort wird gemault nach Strich und Faden.

    Aber vielleicht hast du ja ein Patentrezept? Oder zumindest ein paar nützliche Tipps? Wie hätte denn zum Beispiel die in dem NDR-Beitrag dargestellte "unglücklich agierende Behördenfrau" geschickt reagieren sollen?

    Mir ist diese Bürgerin sehr unangenehm aufgefallen, die in Minute 35:22 lospoltert und von einem ganz großen Nonsens der Behörde redet, die da einen "exklusiven Radweg" vernichtet. Die Behördenvertreterin (in Minute 35:30 ich vermute, die meinst du) antwortet sachlich und weist darauf hin, dass der alte Radweg abgängig war. Ich bin mir da auch nicht sicher, ob man es dem Filmenmachern zum Vorwurf machen kann, dass sie da die "Wutbürgerin" sich so großartig "auskotzen" lässt. Vielleicht ist es ja auch eine Frage des Betrachters. Wer sich von dem Gejammere dieser Frau über ihren "exklusiven Radweg im Grünstreifen" beeindrucken lässt, der ist m. E. nicht in der Lage eine Radwegeführung konsequent zu Ende zu denken. Da kann man natürlich entschuldigend einwerfen, das muss ja auch ein Bürger nicht können. Aber man muss auch als Behördenvertreter nicht über jedes Stöckchen springen, dass einer hinhält. Es gibt Situationen da kommen beide Verwaltung und Bürger nicht immer hundertprozentig zusammen.

    Auch Kirsten Pfaue, ich kenne die nur aus dem Film, reagiert m. E. keineswegs so daneben, wie du das anscheinend wahrnimmst. Und für Menschen, die auf Sitzungen einfach nur jemanden niederbrüllen, die oder der ernsthaft versucht einen Weg aus dem Dilemma aufzuzeigen, dass Radverkehr häufig benachteiligt wird und wie der Radverkehr stattdessen gestärkt werden kann, habe ich wenig Verständnis.

    In der Tat: Das ist pure Augenwischerei, Opium fürs grüne Wählervolk. Was für eine Farce!

    Du scheinst von den Wählern der Grünen keine hohe Meinung zu haben? Oder glaubst du wirklich, dass sich eine Grünen-Wählerin oder ein Grünen-Wähler von solchen "Halbgarheiten" beeindrucken lässt?
    Das Problem ist doch, dass mehr nicht drin ist mit den durch die Reihen durch verbohrten Autofahrer-Parteien.

    Man kann ja gut und gerne über die Grünen schimpfen nach der Manier, dass sie in Wirklichkeit gar nicht so grün seien, wie sie tun, oder dass viele ihre Mitglieder selbst die größten Dieselstinker fahren usw. usw.

    Aber sag mir doch bitteschön mal eine andere Partei mit einem Konzept, dass eine Verkehrswende weg vom Auto ermöglicht, die diesen Namen auch wirklich verdient!

    Nach vielen Gesprächen mit Parteivertretern unterschiedlicher Parteien bin ich zu dem Schluss gekommen, dass du mit grünen Parteivertretern zumindest ernsthaft über die Notwendigkeit einer Verkehrswende weg vom Auto diskutieren kannst. Bei allen anderen Parteien erlebe ich es in schönster Regelmäßigkeit, dass deren Vertreter von vornherein die Notwendigkeit einer Verkehrswende weg vom Auto in keinster Weise anerkennen und dich komplett ignorieren, wenn du auch nur kleinste Maßnahmen ansatzweise erwähnst, wie zum Beispiel Geschwindigkeitsreduktionen oder ein Tempolimit auf Autobahnen.

    Im besten Falle kannst du dir bei einzelnen Vertetern verschiedener Parteien noch anhören, dass man ja in Sachen Verkehrswende ganz viel mache und auch schon viel erreicht habe, aber das eben nur dadurch, dass man diese Maßnahmen nicht an die "große Glocke" gehängt habe. So habe man es geschafft, in vielen Wohngebieten Tempo 30 einzuführen, aber man möge doch jetzt bitte nicht diese Erfolge gefährden, indem man ein flächendeckendes Tempo 30 innerorts fordere. Und man müsse sich damit begnügen, dass es neuerdings einfacher geworden sei, vor Schulen und Kitas Tempo 30 einzuführen.

    Also seit ich in diesem Forum mitlese ... :whistling:

    Wie zerstritten die Radfahrer untereinander auch tatsächlich sein mögen oder wie einig sie sich sein mögen, das ist m. E. nicht das Entscheidende. Den Filmbeitrag vom NDR sehe ich deshalb kritisch, weil der Fokus viel zu strak auf Streit und Auseinandersetzung gerichtet ist, anstatt auf positive Entwicklungen.

    Das hat zur Folge, dass unbedarfte Zuschauer das Thema nur als Quelle großen Ärgers wahrnehmen und Radfahrer als Störenfriede. Selbst so erlebt im Gespräch mit Bekannten. Das wäre an sich nicht so schlimm, wenn es mal ein einzelner Beitrag wäre, der diesen Fokus hat. Aber bei Ermangelung anderer qualifizierter Beiträge ist das gelinde gesagt unglücklich, Radfahrer nur als Quelle von Ärgernis und Störung zu präsentieren.

    Man stelle sich zum Beispiel mal vor, eine Sendung über Autofahrer würde so aufgemacht werden:

    Die Fahrer von Bernzinfahrzeugen schimpfen über die Fahrer von Dieselfahrzeugen, weil diese die Stadt-Luft verpesten.
    Und die Besitzer und Benutzer einer eigenen Garage oder eines Stellplatzes schimpfen wie die Rohrspatzen über Autofahrer, die rücksichtslos Fußwege und Gehwege zuparken, bzw. ihr Autro einfach kostenlos im öffentlichen Straßenraum abstellen.
    Oder diejenigen die eine defensiven Fahrstil pflegen werden als massive Kritiker von Schnellfahrern dargestellt. Bzw. umgekehrt, die Zügigfahrer regen sich über die vorsichtigen Autodfahrer auf.
    Oder Autofahrer, die ein Tempolimit auf Autobahnen fordern, werden gegen solche ausgespielt die das ablehnen und umgekehrt.
    Oder ältere Autofahrer schimpfen über junge und umgekehrt: Junge Autofahrer fordern massiv regelmäßige Fahrtests für Autofahrer über 60.
    Das sind alles Positionen, die ich in Gesprächen teils ständig einfach so zu hören bekomme, oder bei Bedarf aus den Leuten herauskitzeln kann, wenn ich's drauf anlege.

    Das könnten Filmautoren oder Journalisten locker auch, machen die aber nicht oder nur sehr selten. Stattdessen wird allzu gerne "Deutschland einig Autoland" beschworen.

    Trotz der Qualitäten des Filmbeitrages, ich vermute eine tendenzielle Berichterstattung, die einer Verkehrswende hin zu mehr Radverkehr nicht zum Vorteil gereicht. Aber bitte, vielleicht bin ich ja auch ein bisschen paranoid?
    Ich lass' mich gerne auf eine andere Einschätzung ein!

    Mit google street view kann man ja diese beliebten Kurzausflüge machen. Um die NDR-Angaben zu überprüfen bin ich mal eben nach Kopenhagen "gestreetviewt". Und stelle fest: Auf ganz vielen Straßen fahren Radfahrer. Das war echt auffällig. Auch die breiten Hochbordradwege habe ich gefunden. Aber halt auch Straßen ohne eigene Radwege, sowie Radwege-Abschnitte, die nicht mit einem Bord abgetrennt waren, sondern nur mit einer Markierung.

    Und es wurde erwähnt, dass in Kopenhagen "Kampfradler" unbekannt seien. Kampfautofahrer tauchen dort auch wenig auf, verglichen mit den vielen Wildparkern in Hamburg bzw. Deutschland generell. Interessant dabei: Kopenhagens Radwege kommen ohne Poller aus.

    Hattest du auch den Eindruck, der NDR-Beitrag ist eher eine sehr listig verpackte Negativberichterstattung, die sich gegen eine nachhaltige Verkehrswende richtet?

    Noch zwei Sachen, die mir aufgefallen sind:

    "In Kopenhagen ziehen alle an einem Strang, um ein umfassendes Fahrradkonzept umzusetzen.", heißt es in Minute 16:44." An anderser Stelle wird jedoch ausführlich darüber berichtet, dass auch in Kopenhagen der Widerstand der Autolobby riesig war und erst mal überwunden werden musste. Und es bleibt unklar, ob das auch tatsächlich schon nachhaltig gelungen ist. Ganz sicher gibt es auch heute noch in Kopenhagen der Versuch der Autolobby, ihre "Besitzstände" zu wahren und den Radverkehr auszubremsen. Darüber wird jedoch nicht berichtet. Stattdessen wird so getan als brauche es erst mal den Konsens auch der Autofahrer, um positive Veränderungen zu bewirken. Tatsächlich jedoch, so meine Erfahrung braucht es vielmehr den Mut zu politischen Entscheidungen gegen die ewig nörgelnde "Autofahrermeute" und ein dickes Fell der Entscheidungsträger. Im Nachheinein stellt sich dann schnell heraus, dass das Schreckbild vom Verkehrskollaps, dass die Autofahrerlobby gerne benutztr, ausbleibt.

    Das andere ist ein Detail, aber kein unwichtiges: Kopenhagen wird einerseits als die Stadt der Hochbordradwege gepriesen. Radwege mit Bordstein abgetrennt vom Autoverkehr einerseits und abgetrennt mit Bordstein vom Fußverkehr andererseits. Das mag in vielen Fällen auch die beste Lösung sein. Leider verhindert das Schielen auf diese "beste aller Lösungen" oft die guten Lösungen. Zum Beispiel eine ausreichend breite Radfahrspur, die auf die Fahrbahn markiert ist. Und genau eine solche Spur befährt der ehemalige technische Bürgermeister Kopenhagens im Bild genau in dem Moment, als der Sprecher von den abgetrennten Radwegen schwärmt.
    Das ist genau in der Zeit 16:59 bis 17:06! In dieser Filmsequenz wird eine auf die Fahrbahn markierte Fahrradspur gezeigt, ausreichend breit, aber eben nicht mnit einem Bordstein abgetrennt.

    Der Filmautor vermittelt jedoch den Gesamteindruck, gute Radverkehrsinfrastruktur ist zwar in Kopenhagen möglich, aber in Deutschland nicht vorstellbar, weil "Deutschland ist ja Autoland". Diese Aussage tauchte nach meiner Erinnerung auch an irgendeiner Stelle im Film auf. Ich finde die nur grad nicht. Oder ist es nur der Gesamteindruck, den ich von dem Film habe? Beurteile ich das möglicherweise überempfindlich?

    Das Kopenhagens Radwege ohne Poller auskommen wurde nach meiner Erinnerung im Film nicht erwähnt. Ebensowenig wurde erwähnt, wie konsequent gegen Falschparker vorgegangen wird (wie hoch z. B. die Kosten für's Falschparken sind und wie oft kontrolliert und abgeschleppt wird), oder ob sich die Kopenhagener Autofahrer einfach respektvoller gegenüber dem Radverkehr verhalten. Das sind m. E. ganz entscheidende Bedingungen für eine erfolgsreiche Verkehrswende, aber eben auch zugleich ganz "heiße Eisen", die anscheinend auch der NDR nicht gerne anpackt.

    Der Fahrradkrieg: Kampf um die Straßen

    Sehr sehenswert!
    Alles drin, was man so kennt und diesmal keine Windschutzscheibenperspektive :)
    Bei 4'25" sieht man ein paar beinharte Dooring-Unfälle...

    Zwei Sachen, die mir unangenehm aufgefallen sinb:

    Es fehlt der Hinweis darauf, dass ein abgesenktes Tempolimit ebenfalls einen Beitrag dazu leisten würde, dass sich Radfahrer auf der Straße sicherer fühlen würden. Besonders bei der ländlichen Initiative für einen Radweg an der Landstraße hätte zumindest mal angesprochen werden können, welche Höchstgeschwindigkeit auf der entsprechenden Straße gilt. Vielleicht braucht es dort ja gar keinen Radweg, sondern eine schmalere Straße mit niederigerem Tempo und ein Schutzstreifen würden auch funktionieren. Das mit dem niederigeren Tempolimit hätte auch bei der Oldenburger Schutzstreifen-, bzw. Radspur auf der Straße-Sitúation angesprochen werden müssen.

    Und es wurde sehr stark der Eindruck vermittelt, dass die Radfahrer hoffnungslos untereinander zerstritten seien, betreff der Frage, was dem Radverkehr wirklich gut tut. Obwohl doch zumnindest in einem Punkt große Einigkeit besteht: Die Autoverkehr-Infrastruktur gehört zurückgebaut. Das wurde jedochg lediglich im Zusammenhang mit Kopenhgagen angesprochen.

    Hallo Malte,

    kannst du bitte mal den Link zu der Diskussion im Verkehrsportal angeben?

    Du sagst die "Rennleitung" in Hamburg sieht das Mitführen von Plakattafeln recht entspannt. Mit der "Rennleitung" ist vermutlich die Polizei gemeint?

    Wie sehen das denn die Telnehmer? Einige halten sich ja nicht an die Vereinbarung, keine Trillerpfeifen, Plakate o. ä. mitzunehmen. Und auf deinem Avatar-Foto ist ja auch ein junger Mann zusehen, mit einem zeimlich eindeutigen T-Shirt-Motiv auf der Brust. Wenn das die "Rennleitung" in Hannover zu sehen bekäme - wer weiß?

    Ich bin mir da auch unsicher, was die richtige Strategie ist damit umzugehen. Mein Eindruck ist, dass es unter den Vertetern der Ordnungsbehörden solche gibt, die critical mass Fahrten am liebsten unterbinden würden.

    Kommt man denen zu sehr entgegen, wenn man auf Plakattafeln gänzlich verzichtet. Werden die dann als nächstes andere Gründe vorschieben, um critical mass Fahrten zu erschweren?

    Werden dann auch die T-Shirt-Aufdrucke kontrolliert?

    Wird das Sitzen auf einem Fahrradsattel irgendwann bereits als politisches Statement einklassifiziert, so dass jede Fahrt mit dem Fahrrad dann als politische Kundgebung vorab angemeldet werden muss?

    Was passiert, wenn man mit einer Gruppe von Leuten Rad fährt und dabei eine kleine Spruchtafel am Gepäckträger angebracht hat?

    Siehe Foto:


    Dann kommt die Polizei vorbei "und nimmt sie alle mit".

    Nein das nun auch wieder nicht gerade! Aber die Ansage der Polizei war: Wer in einer Gruppe Rad fährt und dabei eine Plakattafel mitführt, der führt eine Demonstration durch. Und die muss angemeldet sein!

    Im Sinne der Deeskalation wurde die kleine Plakattafel handlich verpackt. Und weitergefahren.

    So geschehen bei einer critical mass Fahrt in Hannover mit ca. 150 Teilnehmern. Welche Erfahrungen haben die Hamburger und die critical mass Teilnehmer aus anderen Städten mit der dargestellten Problematik gemacht?

    Hätte man jetzt darauf bestehen sollen, eine Spontandemonstration zu sein? Hätte dann spontan ein Versammlungsleiter benannt werden müssen?


    Oder einfach ignorieren und weiterfahren?

    Welche Strategien gibt es damit umzugehen?

    Meine Papierzeitung sagte heute morgen, dass es mit dem "bedingten Vorsatz" eben nicht getan sei. Das dazu auch noch die Gemeingefährliche Handlung kommen musste. Einen einzelnen Radfahrer zu knapp zu überholen mag also zwar Vorsatz sein, enthält aber eben nicht die allgemeine Gefährdung sondern nur die spezifische. Das macht einen erheblichen Unterschied.

    Auch das ist sicher eine interessante Frage an die Expert*innen, die heute abend in der Redezeit zu Gast sind:
    Andrea Synatschke-Tchon
    Fachanwältin für Verkehrsrecht
    Dr. Karl-Friedrich Voss
    Verkehrspsychologe
    Oliver Malchow
    Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP)
    Diskutieren Sie mit, sagen Sie Ihre Meinung!
    An den Redezeit-Sendetagen können Sie ab 20.30 Uhr unter der kostenfreien Telefonnummer (0 8000) 44 17 77 anrufen und Ihre Fragen stellen. Für Anrufer aus dem Ausland lautet die kostenpflichtige Rufnummer +49 40 44 17 77. Siehe auch:


    Ich muss allerdings gestehen: Ich bin immer noch skeptisch, ob das Urteil vor der nächst höheren Instanz Bestand haben wird. Wird das Urteil jedoch bestätigt, dann darf man das wohl ohne Übertreibung einen wichtigen Wendepunkt der deutschen (Ent-)Automobilsierungs-Geschichte nennen!

    Davon bekommst von mir ein "gefällt mir nicht".

    Der Urheber desselben wird normalerweise verborgen, aber hier ist es mir durchaus wichtig: Autofahren hat eine absolute Berechtigung. Da gibt es eine Unzahl von Fällen, in denen genau dieses notwendig und wichtig ist. Ich liefere gerne Beispiele - die können wir dann im Einzelnen zerpflücken und uns mit Gegenargumenten bewerfen und uneins sein. Eine Welt ohne individuelle Mobilität mit Gepack und über größere Strecken ist grober Unfug.

    So.. werf ich meine eigene These in den Raum.

    Um ein Beispiel zu nennen, das deine Behauptung völlig erschlägt: Ich muss gelegentlich Strecken größer 200km (aber kleiner als ~600km) mit vier bis sechs Meßgeräten (a 10 kg, plus Zubehör und Materialien) bewältigen. Das kann kurzfristig sein (also so in der Art von: heute Nachmittag müsstest du los - Hotel ist gebucht). In keinem Szenario das ich kenne ist das mit öffentlichen Verkehrsmitteln machbar. Bring Gegenbeispiele. Standort: Nürnberg.

    Ich denke dein Beispiel bestätigt voll und ganz meinen Beitrag. Es gibt Menschen, die in Berufen arbeiten, bei denen das Auto unverzichtbar ist. Schließlich soll die Feuerwehr nicht mit dem Pferdegespann vorfahren müssen, wenn's mal brennt. Es wird aber in unserer Gesellschaft so getan, als sei es grundsätzlich für alle Menschen von enormer Bedeutung, dass sie ein Auto besitzen können müssen.
    Inwieweit, das in den konkreten Einzelfällen tatsächlich notwendig ist, dafür gibt es jedoch keinerlei Messlatte, sondern lediglich ein komplettes Politikversagen. Dieses heiße Eisen will keiner anpacken.

    Das Mordopfer (das darf man jetzt wohl so schreiben) saß selbst im Auto.
    Es ist trotzdem noch ein Unterschied, ob man mit 160 innerorts ein Rennen fährt und alle rote Ampeln mißachtet, oder ob man hupend einen Radfahrer zu eng überholt. Das kann man nicht direkt vergleichen.
    Hoffentlich gibt es trotzdem einen Trend, vorsätzliche Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer schärfer zu ahnden.

    "Laut Zeugenaussagen verlor der Fahrer des Lamborghini nach dem Einbiegen in die Karmarschstraße beim Beschleunigen die Kontrolle über den teuren Sportwagen. Der kam von der Fahrbahn ab, rauschte in den Gegenverkehr, touchierte eine 27-jährige Radfahrerin." Das ist jetzt nicht der Fall in Berlin, über den hier die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet, sondern ein Fall in Hannover, bei der eine Radfahrerin Opfer eines illegalen Rennens wurde. Zum Glück überlebte sie leicht verletzt. Es hätte freilich sehr leicht sehr viel schlimmer kommen können.

    Und genau dieser rund ein Jahr zurückliegende Fall wurde heute wieder hervorgeholt von der HAZ, denn auch hier stellt sich die Frage, ob bedingter Vorsatz im Spiel war. Und da macht es einen Unterschied, ob eine Körperverletzung als fahrlässige Körperverletzung beurteilt wird oder als bedingt vorsätzliche!
    Ich will da zunächst mal nicht so weit ausgreifen, denn die Anwälte der Angeklagten im Berliner Fall streben ja eine Revision an. Und wenn man das Rauschen im Blätterwald verfolgt, dann vernimmt man auch viele Stimmen, die das Urteil kritisieren. Offensichtlich tun sich viele schwer damit, das Auto als "Mordwerkzeug" einzustufen.

    Der Ausdruck "Freiwild" trifft meines Erachtens auf nicht motorisierte Fußgänger und Radfahrer stärker zu als auf ebenfalls motorisierte Unfallopfer. Denn die modernen Kraftfahrzeuge sind geradezu ein Sicherheitskäfig. Den haben Fahrradfahrer und Fußgänger nicht. Und leider gibt es eine nicht übersehbare Tendenz, das Auto zunehmend zur "Festung" auszubauen. Zunehmender Trend zum SUV, möglichst groß, möglichst breit und hoch und möglichst brachial im Erscheinungsbild.

    Abgesehen von eng überholen gibt es auch noch andere Gefahren für Fußgänger und Fahrradfahrer, die m. E. zu nachlässig beurteilt werden. Aber wie schon gesagt, warten wir erst mal auf die Bestätigung der nächst höheren Instanz.

    Auf NDR-Info ist heute das Thema der Redezeit: "Gefährliche Raserei" Und es geht in der Redezeit um das vieldiskutierte sog. "Raser-Urteil"
    Man kann bereits im Vorfeld Emails an den NDR senden und außerdem in der Sendung anrufen. Siehe Link!

    Es ist ein ganz grundsätzliches Urteil, denn wenn es auch vor der nächst höheren Ebene bestand hat, dann wäre es das erste Mal, dass in Deutschland bei einem Autofahrer davon ausgegangen wird, dass er bedingt vorsätzlich einen anderen Verkehrsteilnehmer totgefahren hat.

    Oder andersrum formuliert: Das Urteil sagt aus, dass wir als nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer in Deutschland nicht länger Freiwild sind, für die Teilnehmer am motorisierten Individualverkehr. Und das wäre fürwahr ein längst überfälliger Paradigmen-Wechsel!

    "Die Anklage hatte im Prozess argumentiert, die Männer hätten bei ihrem Rennen zwar niemanden vorsätzlich töten wollen, aber mögliche tödliche Folgen billigend in Kauf genommen. Juristen nennen das einen bedingten Vorsatz. Die Verteidiger hatten dagegen Schuldsprüche wegen fahrlässiger Tötung für den einen Fahrer und wegen Gefährdung des Straßenverkehrs für den anderen gefordert."
    Quelle:
    Tödliches Rennen in Berlin -Erstmals Raser wegen Mordes verurteilt
    Stand: 27.02.2017 14:50 Uhr auf tagesschau.de:

    In diesem Satz aus der tagesschau-Berichterstattung scheint mir der "Knackepunkt" der Angelegenheit zu stecken.
    Allerdings frage ich mich, ob die Überschrift dann nicht heißen müsste:
    Tödliches Rennen in Berlin -Erstmals Raser wegen bedingt vorsätzlicher Tötung verurteilt

    Das ist schon eine Frage an den richtigen... 8)
    Die Antwort ist: Ja, wenn das Menschenleben gekostet hat und bedingter Vorsatz vorlag, also keine versehentliche (was sicher auch in besonderen Ausnahmefällen vorkommt) deutliche Geschwindigkeitsübertretung vorlag. Geschwindigkeitsverstöße, insbesondere innersorts, sind angesichts des Gefährdungspotentials generell viel zu gering sanktioniert, da ist ohnehin vom Gesetzgeber nachzulegen.

    Wichtiger Hinweis an alle, die hier mitduskitieren:
    Auf NDR-Info ist heute das Thema der Redezeit: "Gefährliche Raserei" Und es geht um das hier diskutierte sog. "Raser-Urteil"
    Man kann bereits im Vorfeld Emails an den NDR senden und außerdem in der Sendung anrufen.
    Man kann auch in die Emails reinschreiben, dass man gerne in der Sendung einen Redebeitrag per Telefon einbringen will, bzw. Fragen an die Studio-Gäste stellen will.
    Nach meiner Erfahrung rufen da nicht so massig viel Leute an, und ein Beitrag wie den hier zitierten von Peter Viehrig fände ich gut!

    Ich denke der Knackepunkt in der Diskussion ist der von Peter Viehrig benannte "bedingte Vorsatz". Leider blendete die "Autogesellschaft" viel zu lange aus, dass ein Auto auch eine "Mordwaffe" sein kann. Genau so wie zum Beispiel ein Messer oder ein Schrotgewehr. Nach dem Motto, was nicht sein darf, das nicht sein kann, wurde einfach viel zu lange grundsätzlich nur Fahrlässigkeit angenommen, wenn ein Auto im Spiel war.
    Würde jemand ein Schrotgewehr in eine Richtung abfeuern, in der zufällig Passanten stehen, dann würde doch jeder sofort von bedingtem Vorsatz ausgehen. Der Schütze hat so gehandelt, dass er sich sagte, ist halt Pech, wenn es jemanden trifft. Was ist da bei einem Auto mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit anders? Dass da einer ein Auto fährt macht ihn ja nicht persé zu jemanden, der nur gute Gedanken hegt.

    Ein Bekannter hatte mich kürzlich damit überrascht, dass er davon gelesen habe, dass carsharing das Autofahren weiter verbreite, anstatt die Autofahrerei zu reduzieren. Er konnte mir bloß nicht genau sagen, wo er das gelesen hatte. Er war übrigens ziemlich sauer darüber, weil er sich schon ein bisschen "angemacht" fühlte, durch diese Berichterstattung und weil er selbst gelegentlich das "Teilauto" benutzt.

    Vielen Dank für den Hinweis.

    Die Sache verdient es untersucht zu werden!

    Ohne jedoch einer detaillierten Untersuchung vorgreifen zu wollen oder allzustark auf das einzugehen, was die DUH in dem Artikel dazu sagt. Was mich stört, ist, dass carsharing eben auch "Autofahren" bedeutet. Mit all seinen zahlreichen Nachteilen. Und das muss von wenigen Ausnahmen abgesehen (Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr z. B.) nicht sein.

    Eine Welt mit ausreichend Mobilität für alle Menschen ist möglich. Aber das kann keine "Automobilität" sein. Auch keine gelegentliche durch carsharing.

    Ist das jetzt zu "puristisch" gedacht? Oder zu "dogmatisch"? Und wie ist das mit pedelecs dann zu bewerten? Kann man das vergleichen?