Und schon gibt es die ersten Studien zu dem Thema:
Es ist ja oft noch viel krasser, was alles schon bekannt ist, aber entweder keinen interessiert, wie "Explosiv" das formuliert, oder aber bewusst ignoriert wird, oder gar dazu benutzt wird, dem Autoverkehr seine Domninanz zu sichern:
"Die Straßenbahn der Zukunft
Deutschlands Straßenbahnstädte leiden an den starren Stadtbahnrichtlinien, die stets einen eigenen Gleiskörper und eine beschleunigte Fahrt fordern, egal, ob das städtebaulich paßt und verkehrlich sinnvoll ist oder nicht. Aufgrund solcher Maximalforderungen sind viele kommunale Straßenbahnprojekte gescheitert oder unnötig teuer geworden. Vielfach wurden so überflüssige Tunnelprojekte provoziert, die den Netzfortschritt massiv behindert haben."
http://www.heinermonheim.de/projekte/projekte.html
In Hannover beispielsweise wurde im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion über den kostenlosen ÖPNV, der von der Bundesregierung mit dem Brief aus dem Verkehrsministerium angestoßen wurde, von Seiten der Stadtbahn-Tunnelbefürworter angeführt, dass die mangelnde Kapazitäten des ÖPNV, an denen ein solches Vorhaben wie kostenloser ÖPNV zwangsläufig scheitern müsse, nur dadurch hervorgerufen worden sei, dass die Stadt ihre einst sehr ergeizigen U-Bahn-Pläne aus den 60er-Jahren nicht im notwendigen Umfange zur Ausführung gebracht habe.
Was natürlich kompletter Unfug ist, weil diese U-Bahn-Pläne ja vor allem dazu dienten, den ÖPNV mit einer äußerst kostenintensiven Methode vor der seit Beginn der 60er-Jahre massiv ansteigenden Massenmotorisierung zu schützen. Die Straßenbahn sollte nicht im allgegenwärtigen Autoverkehrsstau stecken bleiben. Deshalb sollte sie in den Tunnel unter die Erde ausweichen. Und um auf den verbliebenen oberirdischen Abschnitten eine zügiges Vorankommen zu gewährleisten, sollte die Straßenbahn (im Zuge dieser Umstellungen dann Stadtbahn genannt) möglichst überall ein eigenes Gleisbett erhalten.
Was sich natürlich vielerorts nur dann durchsetzen ließe, wenn der Autoverkehr massiv zurückgedrängt würde.
Das wiederum scheitert in der Regel am politischen Widerstand der Autolobby. Und so wird in Hannover stets heftig gestritten, wenn es um den Straßenbahnausbau geht und dabei Autoverkehrswege beschnitten werden. Zum Beispiel an dieser Stelle, wo an dem Platz vor der Stadthalle Hannover und dem HCC (=Hannover Congress Zentrum) ein Hochbahnsteig errichtet wird, der den barrierefreien Einstieg in die Stadtbahn ermöglicht.
Weil dazu eine der beiden Autofahrbahnen zurückgebaut werden muss haben die Parteien im Stadtrat, die sich üblicherweise dem Autoverkehr in besonderer Weise verpflichtet fühlen, Einspruch erhoben gegen die Pläne der Regionsverwaltung, die für den ÖPNV und damit auch die Ausführung des Hochbahnsteigs zuständig ist. Information zum Foto: Beide Fahrspuren auf dem Foto stehen für den Autoverkehr in derselben Richtung (Richtung Zoo) zur Verfügung. Der Gegenverkehr verläuft auf der gegenüberliegenden Platzseite. Na zumindest hat keiner den Radweg in Frage gestellt, der auf dem Foto ebenfalls zu sehen ist.
Ergänzung: Link zum entsprechenden Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 3.1.18: "Straße vor dem HCC soll einspurig werden"