Beiträge von Ullie

    Und was hältsts du nun von dem Beitrag selbst? Was mich ärgert ist: Es wird so getan, als gäbe es ein geradezu unüberwindbares mentales Problem, Menschen für das autonome Fahren zu begeistern. Da gibt es sicher Probleme, aber die sind nicht so überwindbar wie von Frau Lenz behauptet. Vielmehr habe ich den Eiundruck da werden Probleme aufgebauscht, um das autonome Fahren möglichst lange hinauszuzögern. Auch kleine technische Hilfsmittel, die Bausteine des autonomen Fahrens sind, wie der Notbremsassistent, werden möglicherweise unnötig hinausgezögert.

    Heute kommt Prof. Monheim nach Stade. Nachmittags gibt es einen Workshop mit Mitgliedern des Stadtrates und der Verwaltung und abends einen öffentlichen Vortrag in der Seminarturnhalle.

    Ich hatte ja schon mal über einen Vortrag von Monheim in Hannover berichtet. Ich denke es lohnt sich, dort hinzugehen.

    Das Interessante an Monheims Vortrag ist meines Erachtens, wie er es schafft seinen Zuhörern klar zu machen, das Verkehrsprobleme nicht dadurch gelöst werden, dass man mehr und breitere Straßen baut und zusätzliche Parkplätze bereit stellt.

    Bei Minute 17:13 in dem Audio-Beitrag wird als Beispiel für die Überlegenheit des Menschen gegenüber der Maschine das Beispiel "ein Ball rollt auf die Straße" genannt. Die Wissenschaftlerin Barbara Lenz stellt es so dar, dass es da noch Probleme beim automatisierten Fahren gäbe, weil der Ball von einem erfahrenen Autofahrer so interpretiert würde, dass er mit einem nachfolgenden Kind rechnet.

    Die Maschine sei dagegen noch nicht vergleichbar in der Lage solche Gefahrenmomente richtig zu erkennen.

    Das heißt doch: Eine Maschine denkt vielleicht, der Ball sei ein Igel und der würde überfahren werden, weil das sicherer ist, als eine Vollbremsung hinzulegen. Also fährt die Maschine weiter und überfährt nicht nur den Ball, sondern auch das hinterhereilende Kind. Ein Mensch sieht den Ball als Ball und bremst, weil er genug Phantasie besitzt, das hinterhereilende Kind zu erahnen.

    Ein anderes "Geplänkel" in dem Podcast dreht sich um den Moment der "Übergabe". Barbara Lenz stellt es so dar: Und dann das sagt das Auto plötzlich: "Und jetzt du!" Der Mensch kann so eine Situation nicht erfolgreich bewältigen, deshalb muss möglicherweise ausgeschlossen werden, dass ein Benutzer eines automatisierten Fahrzeuges die Fahrzeug-Kontrolle übernehmen kann, vermutet Lenz. Das halte ich für Quatsch! Automatisiertes Fahren heißt automatisiert, weil der Automat es tut. Warum sollte ich dann eingreifen? Wenn ich in einem Zug sitze kann ich auch nicht eben mal den Lokführer vom Sitz schmeißen. Die maximale Eingriffsmöglichkeit für den Fahrgast ist die Notbremse.

    Ich nenne das jetzt mal "Geplänkel", weil ich auch beim weiteren Hören des Beitrages zunehmend den Eindruck gewinne: Das Autofahren ist eine gefährliche Art der Fortbewegung, bei der man den Autofahrern in einem hohen Maße Zugeständnisse macht, die mit Nachteilen für andere Verkehrsteilnehmer verbunden sind. Oder einfacher formuliert: Einer Maschine würde man es nicht erlauben so zu fahren, wie man es Menschen erlaubt.

    So wird es aber in der Sendung leider nicht zugespitzt. Stattdessen haufenweise "Gepklänkel".

    Die "Angst" ist nicht eine Angst vor dem automatisierten Fahren, sondern es ist eine Angst vor dem Verlust von Autofahrer-Privilegien. Aber vielleicht ist es ja auch Absicht der Sendung, diese Einsicht zu vermitteln, ohne es direkt anzusprechen?

    Richtig eklig wird es an der Stelle, an der Barbara Lenz die "Flexibilität der Straße" über den grünen Klee lobt und als klares Vorrangsstellungs-Merkmal herausstellt gegenüber dem "Organisationsprinzip" Eisenbahn. Die Idee, dass vielleicht in den letzten Jahrzehnten Fehler gemacht wurden, weil zu viele Firmengründungen ohne Eisenbahnanschluss zugelassen wurden, wird nicht einmal angesprochen.

    Übertroffen wird das nur noch von der Behauptung von Barbara Lenz in Minute 48:00: Laut Barbara Lenz haben wir zu volle Autobahnen mit zu wenigen Fahrspuren, so dass autonomes Fahren erst mal lange Zeit noch kein Thema in Deutschland sein wird.

    In Minute 50:00 bezeichnet Lenz das Fahren mit dem Auto als "Übergangsphase" zwischen Arbeit und zu hause ankommen oder als zwischen zu hause und am Einkaufsort ankommen. Und diese Übergangsphase wird laut Lenz als positiv erlebt, wenn es am Steuer eines Fahrzeuges passiert.

    Immerhin ist diese Aussage ein klares Eingeständnis, dass Autofahrer eben nicht ganz dringend unbedingt alle auf das Auto angewiesen sind, wie viele es behaupten, sondern dass sie deshalb Auto fahren, weil sie es "spaßig" finden.

    Natürlich darf das nebulöse Aufzeigen von positiven Zukunftsperspektiven nicht fehlen: Du "pfeifst" nach einem Auto und das von dir präferierte Modell kommt um die Ecke. Vielleicht würde das dazu führen, dass man öfter mal den Bus benutzt, weil man gerade sieht, dass da ja auch eine Bushaltestelle in der Nähe ist und man ja gerade nicht die Notwendigkeit hat, sein Auto wieder zurück nac hause zu bringen.

    Ich mach jetzt mal Schluss, weil ich mich gerade als Katholik komplett "verarscht" fühle. Ja über die Katholiken wird gerade geschimpft, von wegen die sollen doch gefälligst mal den "Schwanz einziehen". Und auch wenn das alles zutrifft, dass sich da was ändern muss. So wie Barbara Lenz in Minute 1:00 darf man keine christlichen Heiligenlegenden entfremden. Sie vergleicht das Prinzip Teil-Auto mit dem Prinzip "Mantel-Teilen", dass sie jedoch nicht dem Heiligen Martin zuordnet, sondern fälschlicherweise dem Heiligen Christopherus.

    Nein! Es geht doch noch weiter: In Stunde 1:05:00 warnt Barbara Lenz davor, dass die Städte wieder in die Fläüche wuchern könnten, wenn autonomes Fahren zur Regel werden würde und von den Menschen als angenehm empfunden würde. Sie warnt geradezu vor dem autonomen Fahren, weil dann viele Menschen nicht mehr in der Stadt wohnen wollen, sondern irgendwo auf dem Land, wo sie bequem hingebracht und abgeholt werden von autonomen Fahrzeugen. Die Autofahrerei an sich ob autonom, teilautonom oder sonstwie wird an keiner Stelle in Frage gestellt. Dafür erwähnt Barbara Lenz sehr brav und ausdauernd immer wieder, dass ihre Arbeit ja von Mercedes finanziert wird. (Zum Beispiel Stunde 1:13:00)

    Was dagegen wirklich not tut, ein Infrastruktur-Umbau, der den MIV reduziert und ÖPNV, sowie den Rad- und Fußverkehr deutlich begünstigt, das wird an keiner Stelle thematisiert. Autofahren könnte dann reduziert werden auf autonomes Fahren, das nur noch in ganz wenigen Anwendungsfällen stattfindet.

    Hier noch mal der Link zu dem Audiobeitrag auf der Internet-Seite des "Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft e.V.":

    https://forschergeist.de/podcast/fg003-autonomer-verkehr/

    Laut Wikipedia finanziert sich der Stifterverband in erster Linie aus den Spenden seiner rund 3.000 Mitglieder; zu seinen Hauptförderern gehören eine Reihe großer Konzerne wie die Deutsche Bank, Daimler und Bosch, aber auch Mittelständler und Privatpersonen. Wer sich die Sendung anhört, der macht gleich einen kleinen Kurs in: "Wie manipulieren große Industrieunternehmen die öffentliche Meinung?"

    Sag mal foobar, hast du dir den ganzen Beitrag angehört, was hältst du denn davon?

    Wenn ich mit der Anschaffung von vier Bügeln für je 200 Euro garantiert und zuverlässig einen Autostellplatz auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen könnte, dann käme ich glatt in Versuchung, mir das hin und wieder zu gönnen. ;)

    Manchmal kann auch ein großer weißer LKW unsichtbar sein ...

    Edit: ... bzw. für ein hochhängendes Verkehrsschild gehalten werden.

    Ja ein Tesla-Fahrzeug - selbstfahrend - hat einen Computer, der einen fahrenden LKW mit einer Reklametafel verwechselt hat.

    Über so was regen sich dann alle auf und manche sehen darin den ultimativen Beweis, dass der Mensch eben doch der bessere Autofahrer sei.

    Da spielen Verlustängste eine große Rolle. Ich habe es nicht mehr in meiner Hand (bzw. in meinem Gas- und Bremsfuß), was mit dem Fahrzeug passiert, mit dem ich gerade unterwegs bin. Es soll ja Autofahrer geben, die es nicht aushalten, auch einmal als Beifahrer mitzufahren! Und da wird natürlich ein äuserst seltenes Ereignis zum Anlass genommen, alles verbal ganz pauschal "in die Tonne zu treten", was in Richtung Fahrerassistenzsysteme bis hin zu selbstfahrendem Auto geht.

    Vermutlich spielen solche psychologischen Barrieren ein mindestens ebenso bedeutsame Rolle, wie die eigentlichen technischen Herausforderungen bei der Entwicklung automatisierten Fahrens.

    Zumindest mutet es doch merkwürdig an, dass täglich tausende von Autounfällen (in Deutschland rund 10 am Tag mit tödlichem Ausgang) einfach so hingenommen werden. Und trotzdem ganz offensichtlich wirksame Maßnahmen ergriffen werden könnten, um die Unfallgefahr zu senken, geschieht das nicht. Selbst der Sicherheitsgurt hatte es bei seiner Einführung nicht leicht. Und heute noch gibt es zahlreiche "Gurtmuffel". Um so schwerer ist es Temporeduktionen durchzusetzen. Vielleicht gelingt das erst mit selbstfahrenden Autos oder "teilselbstfahrenden" Autos?

    So wie du das beschreibst würde ein solcher Notbremsassistent also nicht reagieren, wenn zum Berispiel ein Fußgänger auf der Fahrbahn auftaucht, während dort ein Autofahrer langfährt der droht den Fußgfänger umzufahren? Auch dann nicht, wenn noch genügend Zeit wäre, um zu bremsen, und so der Zusammenstoß mit dem Fußgänger zu verhindert werden könnte oder zumindest die Folgen abgemildert?

    Und wie ist das dann bei den selbstfahrenden Autos, an denen ja ebenfalls geforscht wird? Und die in manchen US-Staaten bereits unterwegs sind? Es gab ja diesen einen Unfall, bei dem eine Radfahrerin, die ihr Rad über die Straße schob, von einem selbstfahrenden Auto überfahren wurde. Wenn ich mich recht erinnere, wurde so darüber berichtet, dass das eigentlich nicht hätte passieren dürfen und für gewöhnlich auch nicht passiert. Ist das dann ein Notbremsassistent besserer Qualität?

    Und das soll nun als Argument dienen, an Verbrennern festzuhalten?

    Trotz höheren Reifenabriebs überwiegen aus meiner Sicht die Vorteile (Weniger Lärm, keine Abgase).

    Das Wichtigste ist aber eigentlich die drastische Reduktion aller KFZ. Was verbleibt, soll bitte elektrisch fahren. Vielleicht auch mit Wasserstoff statt Batterien.

    Keineswegs soll an den Verbrennungsmotoren festgehalten werden. Ich fürchte allerdings, dass man gerade dabei ist den Teufel (Auto mit Verbrennungsmotoren) mit dem Beelzebub (Elektroautos, die immer größer und schwerer werden) auszutreiben. Durch die gesetzlich festgelegte Begrenzung des CO2-Ausstoßes im Flottenverbrauch ist ja auch eine Begrenzung der Leistung der Autos bzw. ihres Gewichtes indirekt gegeben. Bei Elektrofahrzeugen fällt dieser Begrenzungsfaktor weg. Das heißt, die Autofahrer kaufen immer schwerere und immer größere Fahrzeuge, die immer mehr PS haben. SUV-Seuche, wie KleverRadfahrer so treffend anmerkte. Aber durch die zunehmende Größe und das zunehmende Gewicht kommt der zunehmende Reifenabrieb ins Spiel. Bloß weiß ich nicht genau und ich habe dazu auch noch keine zuverlässigen Hinweise gefunden, wie stark sich dieser zusätzliche Reifenabrieb auf die Luftverschmutzung auswirkt. Sollte jedoch der zunehmende Reifenabrieb bei E-Autos die abnehmenden Motor-Emissionen bei Verbrennerautos quasi überkompensieren, dann ist das E-Auto auch nur wieder ein Schmierentheater, dass eine wirkliche Mobilitätswende ausbremst. Oder anders gesagt: Das E-Auto stinkt zwar nicht nach Abgasen erzeugt aber durch zusätzlichen Reifenabrieb so viel Dreck, dass es tatsächlich nötig ist, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um ganz vom Auto wegzukommen.

    Ein Grund mehr, Verbrenner abzuschaffen.

    Heute war im "Mobilitätsteil" der HAZ (Printausgabe) ein Bericht über Reifen an Elektroautos. Zusammenfassend gesagt: Reifen an Elektroautos haben aufgrund des höheren Gewichtes in Kombination mit den erhöhten Fliehkräften in Kurven, und aufgrund der stärkeren Beschleunigungsfähigkeit einen doppelt so hohen Abrieb im Vergleich zu Reifen an Benzinern und Dieseln. Leider war nicht zu ersehen, wie sich das auf die Feinstaubproduktion der Reifen auswirkt im Vergleich zur verminderten Feinstaubproduktion aufgrund von E-Motor statt Verbrenner.

    "Bald sollen in der EU und in einem Dutzend anderer Länder nur noch Neuwagen mit einem Notbremsassistenten zur Vermeidung von Unfällen im Stadtverkehr auf den Markt kommen. Darauf haben sich die Mitglieder des "Weltforums für die Harmonisierung fahrzeugtechnischer Vorschriften" geeinigt.

    Die EU hat noch nicht entschieden, zu welchem Zeitpunkt die Vorschrift umgesetzt wird. In Planung ist nach Informationen aus der Kommission 2022. Alte Autos müssten nicht nachgerüstet werden." https://www.zdf.de/nachrichten/he…flicht-100.html

    Ich möchte hier gar nicht damit anfangen Spekulationen darüber anzustellen, was da von AfD und Co noch an Verschwörungstheorien zusammengeschwurbelt wird.

    Ich habe das schon häufiger in Kommentarspalten eingesetzt, wenn in den Zeitungen über Unfälle berichtet wurde. Das führt bisweilen zu "eisigen" Entgegnungen, wenn es jemand wagt, die Tauglichkeit des Autolenkenden anzuzweifeln. Wenn du sinngemäß schreibst: Mit einem Notbremsassistenten wäre der Unfall möglicherweise nicht geschehen. Wann wird der endlich Pflicht? Dann hagelt es Vorwürfe, man wolle wohl die Autofahrer zum Buhmann machen usw.

    Was allerdings neu ist für mich: Ich wusste nicht, dass es bereits ab 2022 eine Verpflichtung für Neuwagen geben soll, dass diese mit einem Notbrems-Assistenten ausgerüstet sein müssen. Was so ein Notbrems-Assistent wohl so alles kann? Und trägt er auch dazu bei. Radfahrer zu schützen?

    Eins der Hemmnisse für den geplanten Radschnellweg ist die Radwegführung außerhalb der Stadtgrenzen. Lehrte, wo der Radweg hinführt und die Stadt, die neben Hannover enorm von dem Radweg profitieren würde, will nichts dafür bezahlen. Heute berichtete die NP dazu: "Nun allerdings wächst die Hoffnung, dass der offenkundige Schildbürgerstreich doch ausbleibt. Die Region Hannover hat der Stadt Lehrte in Aussicht gestellt, dass sie die Kosten für das Projekt komplett übernimmt." http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine…g-zum-Nulltarif

    Nach links geht's zum Gehöft, nach rechts geht's auf den Acker. Ich würde nach links fahren, hoffen, dass mich kein scharfer Hofhund überfällt und sich wer findet, der sich in der Gegend auskennt. Und dabei wäre es mir ganz egal, was irgendwelche Schilder, Karten oder Navigationsgeräte vorgeben.

    Die Braunschweiger Versuchsanlage hatte nur ein Blinklicht mit Radfahrersymbol in etwa 2m Höhe. Die Bikeflash-Anlage in Garbsen in der Region Hannover hat Blinklichter in drei verschiedenen Höhen. Merkwürdig finde ich, dass in der Zeitungsberichterstattung über die Bike-Flash-Anlage in Garbsen nicht über die Anlage in Braunschweig berichtet wurde.

    Die Hamburger CDU will nun ein neues Verkehrskonzept vorlegen. Mit Unterstützung der Hamburger Morgenpost landet man schon mal einen Quick Win und verkauft bereits die Ankündigung der Ankündigung des Verkehrskonzeptes als Erfolg: So will die CDU den Auto-Frust bekämpfen

    Möglicherweise eine überregional durchgeführte Aktion. In Hannover schließen zwei Klamottenläden und prompt meldet sich die CDU zu Wort: "CDU: „Parkplatzverhinderung“ schuld an Innenstadt-Problemen in Hannover- Staus in der City, immer weniger Parkplätze mit immer höheren Gebühren: Die Ratsopposition sieht die Stadt in der Schuld für die zunehmenden Geschäftsschließungen wie bei Esprit und Benetton." HAZ vom 5.2.2019, http://www.haz.de/Hannover/Aus-d…Verkehrspolitik

    Nach den Unverschämtheiten des Bundes-"Auto-Ministers" und den zahlreichen positiven Rückmeldungen, die Scheuer auf seine Fake-News erhielt, scheinen die Unionsparteien mal wieder alle von der Leine zu lassen, die ganz klassisch auf's Auto setzen, wenn es um Mobilitätsfragen geht.

    Nebenbei: Ich finde es ja immer wieder faszinierend, dass Leute, die den Radverkehrsanteil steigern wollen, diese Paranoia mitmachen und unbedingt suggerieren müssen, wie gefährlich Radfahren doch sei. Und durch ihr Helmchen die Ängste der "Noch-Nicht-Radfahrer" bestätigen.

    Wenn überhaupt, dann sind die Helm-Bewerber Leute, die so tun, als wollten sie den Radverkehrsanteil steigern. Das ist das eigentlich Schlimme an diesen Helm-Kampagnen. HAZ und Neue Presse in Hannover beispielsweise zählen zu diesen Helm-Propagandisten. Und die reden dir nach dem Mund, ohne dabei rot zu werden. Gehst du zu einem solchen Stand und zeterst ein bisschen rum, dass eine Zeitung ganz andere Möglichkeiten hat etwas für den Radverkehr zu tun, als Helme zu verkaufen (man kann die tatsächlich in der Geschäftsstelle der Zeitung kaufen) dann drucksen sie rum und wenn du denen sagst, das alles was man zum Radfahren nicht braucht, die Leute vom Radfahren abhält, wenn man's ihnen vorschreibt, obwohl man's nicht braucht, dann machen sie einen auf: "Die Helmpflicht wollen wir ja nun nicht herbeireden mit unserer Aktion." Wenn du aber so kommst, dass du sie lobst für ihre "Helm-Initiative" und so tust, als würdest du eine allgemeine Helmpflicht für alle Radfahrer*innen toll finden, dann kriegst du ganz was anderes zu hören. So Sachen wie Radfahrer vor sich selber schützen etc. <X 

    "Der Grünpfeil für Radfahrer ist eine Luftnummer"

    findet die Süddeutsche Zeitung:

    "Statt hier neue, innovative Lösungen zu präsentieren, zeigt das Pilotprojekt Grünpfeil für Radfahrer nur die bekannte Strategie vieler deutscher Verkehrspolitiker: zögern, abwarten, niemandem wehtun. Aber am Ende behaupten, man tue doch was. Ob das eine Mehrheit der Stadtbewohner das noch lange akzeptiert? Es sieht nicht danach aus.", ist in dem Artikel zu lesen. Ich fürchte allerdings, dass eine Mehrheit der Stadtbewohner*innen gar keine andere Chance hat, als zahlreiche Benachteiligungen für den Radverkehr hinzunehmen. Und auch an die allgegenwärtigen Präsenz - oft in verkehrsgefährdender Weise - des Autoverkehrs wird weiter kräftig von der Politik geduldet.
    Zumindest bringt der Grünpfeil eines, das auch im Artikel zu lesen ist: Der Grünpfeil dient "zur Entkriminalisierung eines harmlosen Vorgangs." Aber dazu müsste der Grünpfeil quasi flächendeckend zum Einsatz kommen. Wird er das? Ich fürchte nein.

    Zwei Radfahrer aus Hannover, Gregor Bischoff & Gerd Reincke, haben eine online-Petition gestartet mit dem Titel: "Hannovers Ampelschaltungen gefährden Leben!"

    Als Begündung führen die beiden unter anderem an: "Am 18.04.2018 verstarb ein 11jähriger Schüler am Industrieweg in Vahrenwald nach einem Zusammenstoß mit einem 40-Tonner-Sattelzug. Er und seine Mutter, die auf dem Radweg hinter ihm fuhr, vertrauten darauf, dass sie sicher fahren durften, weil die Ampel grün zeigte." Ferner weisen die beiden darauf hin: "Der Bezirksrat Nord hat in seiner Sitzung Ende September die Entkoppelung der Ampelschaltung gefordert." Hier ein Link zu einem Zeitungsbericht der HAZ vom 19.4.18: http://www.haz.de/Hannover/Aus-d…agen-ueberrollt

    Mein Eindruck ist, dass eine Umsetzung dieser Petition zu großen Nachteilen für den Radverkehr (und Fußverkehr) führen würde. Denn eine "Entkoppelung" würde ja bedeuten, dass es dann eine Phase geben wird, in der der PKW-Geradeausverkehr fahren darf, die Rechtsbabbieger fahren dürfen, aber der Radfahrer- und Fußgänger-Geradausverkehr stehen und warten muss.

    Aber vielleicht gibt es hier ja auch Forumsbesucher, die das anders sehen? Auf die Diskussion bin ich gespannt. Die Petition kann von allen Unterschrieben werden, auch Leuten, die nicht in Hannover wohnen. Hier geht's zur Petition: https://www.openpetition.de/petition/onlin…n#petition-main

    Es ist auch möglich auf der Petitionsseite Pro- und Contra-Kommentare zu verfassen!

    Hier noch ein Bild von dem Ort des Unfalls, der für die Initiatoren der Auslöser war, die Petition zu starten:

    Die auf dem Bild sichtbare Rotmarkierungen der Radfahrerfurten war eine Sofort-Reaktion der Stadt auf den Unfall. Inzwischen sind auch an vielen anderen Kreuzungen die Radfahrerfurten rot markiert worden. Leider wird in dem Petitions-Text nicht darauf eingegangen, sodass der falsche Eindruck entsteht, die Stadt habe seitdem nichts unternommen.

    Deine Idee mit der Ampel mit Dauerrot für Radfahrer und Fußgänger, das zum Sofortgrün wird bei Annäherung von Radfahrern oder Fußgängern (und Rot für den Abbiegeverkehr) gefällt mir. Gibt es irgendwo so was schon? Allerdings befürchte ich, dass eine solche Anlage deutlich teurer sein wird als die Bikeflash-Anlage. Das ist allerdings kein Ausschlussgrund. In einem aktuellen Artikel zum Thema aus den Schaumburger Nachrichten heißt es, die Bikeflash-Anlage kostet 34.000 Euro. http://www.sn-online.de/Aus-der-Region…lage-bei-Amazon . Vermutlich kostet die von dir beschriebene Ampelanlage ungefähr das Drei- bis Vierfache?

    Also vielleicht fehlt mir ja einfach die Phantasie. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Anlagen irgendwann auch nur an 1/10 der Ampelanlagen montiert sein werden.

    Der Trend geht zum selbstfahrenden Auto, das seine Umgebung erkennt. Auf dem Weg dorthin werden Schritt für Schritt immer mehr Sensoren verbaut, die auch Radfahrer erkennen. Und in den nächsten fünf Jahren wird auch noch die EU Abbiegeassistenten zur Pflicht machen bzw. ein Datum setzen, ab dem das der Fall ist. Und die helfen dann an jeder Kreuzung. Und nicht nur an solchen mit Ampeln.

    In diesem Umfeld wird so eine Anlage kaum mehr weite Verbreitung finden. Eventuell gibt es nach der Pilotphase vereinzelt weitere Installationen. Aber das war es mMn dann auch.

    Man muss an dieser Stelle vielleicht noch mal genauer auf die Geschichte der ersten Bike-Flash-Anlage Deutschlands zurückschauen: Wenn du dir nämlich ein google-Satelliten-Bild anschaust, dann siehst du von der Straße erstmal nur einen eingezeichneten Schatten. https://www.google.com/maps/place/Ama…609!4d9.5709563

    Es handelt sich um die Kreuzung Burgstraße-Grabenstraße! Auf dem Bild von 2009 ist davon noch gar nichts zu sehen.

    Dort wo heute die Bike-Flash-Anlage steht, da gab es damals noch gar keine Kreuzung. An der Burgstraße entlang verläuft ein Zwei-Richtungs-Radweg.

    Dann kommt Amazon und baut sein Logistikzentrum. Wie hoch die LKW und sonstige Autoverkehrsbelastung an der Kreuzung ist, das kann ich nicht genau sagen, aber angesichts der Größe des Logistikzentrums dürfte da einiges zusammenkommen. Hier ein Bericht von 2018 in dem die Zahl 2400 Fahrzeuge täglich genannt wird. http://www.haz.de/Umland/Garbsen…chten-zu-Amazon

    Und hier noch ein Bild aus der lokalen Internetzeitung myheimat, das die Kreuzung vor der Installation der bike-flash-Anlage zeigt:

    https://www.myheimat.de/garbsen/politi…n-d2932939.html

    Diese Bikeflash-Anlage ist aus dieser Diskussion um die Verkehrssicherheit bei der Neuansiedlung eines Logistikzentrums heraus geboren worden.

    Dass auch nur ein Tausendstel aller Kreuzungen in Deutschland mit einer Bike-Flash-Anlage ausgestattet werden, halte ich für unwahrscheinlich. Viel entscheidender ist jedoch, dass bereits die eine in Garbsen sich dahingehend auswirkt, dass Abbiegeassistenten mit Notbremsfunktion und ohne Abschalt-Möglichkeit zur Pflicht werden.