Beiträge von Ullie

    Mit Nebenstrecke meine ich keine Feldwege, sondern Land- und Kreisstraßen. Aber bitte ohne die in Niedersachsen dort typischen "Radwege". An den Bundesstraßen sind die Wege ja wenigstens noch baulich in einem halbwegs brauchbaren Zustand, aber die "Radwege" an den Kreisstraßen grenzen alleine schon wegen der vielen Schlaglöcher und Wurzelaufbrüche an versuchte Körperverletzung. Darauf will ich bestimmt nicht fahren: Wenig Autoverkehr auf der Fahrbahn und daneben eine völlig desolate Schlaglochpiste.

    Bezeichnend für Niedersachsen (insbesondere das nordwestliche Niedersachsen) ist, dass der Landkreis Stade im letzten Jahr ein "Radwegekonzept" hat erstellen lassen: https://www.landkreis-stade.de/portal/seiten/…ubrik=901000003

    Es erhebt nicht einmal den Anspruch, ein Radverkehrskonzept zu sein, sondern es wurde nur danach geschaut, an welchen Kreis- und Landstraßen noch "Radwege" fehlen und daher heißt es einfach nur "Radwegekonzept". Kein Wort über bestehende Mängel (insbesondere Sicherheitsmängel) auf vorhandenen Wegen. Alleine schon das Titelbild des Berichts sagt alles: Linksseitig [Zeichen 240]+ Mofas frei an irgendeiner gottverlassenen Straße.

    An solchen Straßen ist es übrigens immer noch leiser als an einer Bundesstraße, auf der alle 60km/h fahren (würden).

    Dein Link führt zu einer Karte mit diesem Link: https://www.landkreis-stade.de/downloads/date…zdGFkZS5wZGY%3D

    Und die erinnert mich an einen kurzen Sommer-Trip von Hemmoor nach Wischhafen.

    Zugegeben ich war wenig vorbereitet, ich wollte einfach nur möglichst zügig mein Ziel Wischhafen erreichen.

    Also bin ich die Bundesstraße 495 lang gefahren. (Ohne das jetzt detailliert untersucht zu haben, war das vermutlich auch die schnellste Verbindung und ich brauchte mich nicht groß damit aufzuhalten, nach dem richtigen Weg zu suchen.)

    Separater Zwei-Richtungsradweg (einseitig) in einigermaßen baulichem Zustand.

    Auf der Fahrbahn wenig los (auf dem separaten Radweg noch weniger), aber das kann sich je nach der Intensität des Fährbetriebes Glücksstadt - Wischhafen auch mal schnell ändern, sagte man mir im späteren Verlauf des Tages.

    Was spricht dagegen, dass auf der Straße Tempo 60 gilt und die Straße etwas verbreitert wird, so dass links und rechts ausreichend breite Schutzstreifen oder Radfahrstreifen (oder geschützte Radfahrstreifen) angelegt werden können?

    Klar die aktuelle Gesetzes- und Verordnungslage spricht klar dagegen. Das ist aber etwas, das geändert werden kann (und muss!). Was spricht denn sonst dagegen?

    Wir sind hier nicht im Märchen, wo "Wünschen" ja manchmal schon geholfen hat, Yeti.

    Aber gut - zugegeben - das könntest du umgekehrt mir genau so vorhalten, dass ich mit der Forderung nach Tempo 60 auf Landstraßen ein "Wunschkonzert" anstimme.

    Zurück zu deinem Wunsch, "eine gut beschilderte Strecke auf Radweg-freien Nebenstrecken, alleine schon wegen des ständigen Lärms auf der Bundesstraße", ist dir lieber als ein Radweg entlang der Bundesstraße oder Fahren auf der Fahrbahn der Bundesstraße.

    Da wir uns hier ohnehin in der "Wunsch-Sphäre" bewegen bleibe ich bei Tempo 60 auf Landstraßen! Es ist dann übrigens auch nicht so laut!

    Dazu folgende Aussagen:

    "Die Absenkung der Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h reduziert den Lärm der Fahrzeuge im Durchschnitt um rund 2 bis 3 dB(A). Eine Absenkung um 3 dB(A) wird dabei von uns Menschen wie die Halbierung der Verkehrsmenge wahrgenommen." Quelle: VCD, Noch mehr Argumente für tempo 30, https://tempo30.vcd.org/argumente.html

    Leider habe ich keinen direkten Vergleich Tempo 100 > Tempo 60 gefunden.

    Aber dafür folgende Aussagen:

    "Eine Tempoabnahme von 100 auf 80 km/h reduziert die Lärmemissionen dem gegenüber um 2 dB." Umweltbundesamt Österreich

    https://www.umweltbundesamt.at/umweltsituatio…hnik/pkw/tempo/

    und diese Aussage:

    "Bei einer Geschwindigkeitssenkung von 80 km/h auf 60 km/h beträgt die Lärmminderung ca. 2 dB(A)," Wirtschaftsministerium Baden -Würtemberg

    https://www.staedtebauliche-laermfibel.de/?p=111&p2=7.1.5

    Eine Temporeduktion von Tempo 100 auf Tempo 60 reduziert also den Verkehrslärm um 4 db(A).

    Demnach halbiert eine Reduktion von Tempo 100 auf 60 den Verkehrslärm in der menschlichen Wahrnehmung um etwas mehr als die Hälfte!

    Und da die Reifengeräusche bei einem Tempo über 30 deutlich dominieren, werden auch 100% Elektro-Autos nicht leiser sein und diese Darstellung nicht entkräften! Immer vorausgesetzt, die Temporeduktions-Maßnahmen werden durch Tempokontrollen oder automatisertes oder teilautomatisiertes Fahren auch durchgesetzt, was bei einem Bundesverkehrsminister unwahrscheinlich ist, der alles andere als möglichst schnelles Fahren als "gegen jeglichen Menschenverstand gerichtet" sieht.

    Noch eine Anmerkung zu deinen Radwegfreien vom Autoverkehr vergleichsweise wenig belasteten Nebenstrecken. Spätestens, wenn es sich staut auf der Hauptstrecke, werden diese "Nebenstrecken" zur Hauptstrecke, es sei denn es gibt Feldwegabschnitte die für den regulären KFZ-Betrieb gesperrt sind.

    Da kann dir dann aber so was begegnen:

    Und besonders zur jetzigen Jahreszeit so was:

       

    Oder so was:

    Zu Erntefest-Wochenenden muss man dann verstärkt mit solchen Fahrzeugen im ländlichen Raum rechnen, so eine Art "ländliches Omnibusunternehmen". Die regulären Omnibuslinien im ländlichen Raum sind ja leider vielerorts schon eingestellt worden. Dafür gibt es dann an Erntefestwochenenden regen "Omnibusverkehr" Verkehr zwischen den Ortschaften, die gegenseitig in Konkurrenz treten, um den am schönsten geschmückten Erntewagen-Anhänger. Manchmal hat man aber auch den Eindruck, es geht weniger um den Anhänger als vielmehr um die Zugmaschine! Sag ich jetzt mal so ganz "frech und frei" an dem Tag, an dem die Landeshauptstadt Hannover von mehr als 1000 Trekkern heimgesucht werden soll von Bauern, die die Nase voll haben, gemobbt zu werden.



    Im Sommer sind es dann statt Rübenvollernter (verharmlosend "Rübenmaus" genannt) Mähdrescher, die ähnlich groß sind. Und von den "regulären" Traktoren hattest du ja schon berichtet.

    Schon wieder dieser Stuss. Du willst du Straßen grade außerorts künstlich verschmälern (angeblich wegen der "Sicherheit"). Wie sollen auf diese schmalen Straßen dann noch breite, abgesetzte "Radspuren" passen? :rolleyes: Ist dir klar, dass der Straßenbau grade in Mittelgebirgsregionen hauptsächlich der Topographie abhängt? Und dass es dafür eben in den meisten Fällen gar keinen Platz für gibt?

    Wie kommst du jetzt darauf, dass ich Straßen verschmälern will?

    Die aktuelle Situation ist doch die, dass es das Bestreben gibt, alle Landstraßen auf Tempo 100 auszubauen. Dem würde sofort der Wind aus den Segeln genommen werden, wenn es ein generelles Tempolimit von 60 auf Landstraßen gilt.

    Die aktuelle Situation ist auch, dass im Sinne der Radverkehrförderung Landstraßen mit separaten Radwegen ausgestattet werden sollen, wenn auf den Landstraßen Tempo 100 gilt. Und damit sind in der Regel Zweirichtungsradwege gemeint, die nur einseitig gebaut werden sollen.

    Das von mir vorgeschlagene Gesamtkonstrukt schmalere Auto-Fahrbahnen + Radfahrstreifen auf der Fahrbahn, das ist breiter als eine Landstraße ohne Radfahrstreifen. Ich plädiere nicht für schmale Straßen, sondern für schmalere Fahrbahnen für den Autoverkehr. Das ist weniger aufwendig zu bewerkstelligen als breite Straßen mit Grünstreifen als Abtrennstreifen und einem separaten Zweirichtungs-Radweg!

    Was du dagegen vorschlägst, ist alles so zu lassen wie es ist und darauf zu hoffen, dass potenzielle Radfahrer von selbst entdecken, das Radfahren auf Landstraßen gar nicht so gefährlich ist. Oder gehst du so weit, wie du es andeutest, dass die Kinder von den sauren Trauben, die ihre Eltern gegessen haben, stumpfe Zähne bekommen? Will heißen: Wenn die Eltern nie Rad gefahren sind, oder auf der Landstraße Rad gefahren sind, dann werden dass (von wenigen Ausnahmefällen abgesehen) die Kinder auch nicht tun, ganz egal wie die Radverkehrsinfrastruktur aussieht?

    Ich sage es auch hier einmal mehr: Tempo 100 ist überhaupt kein Problem - das darfst du mir als Extrem-Viel-Landstraßenradler gerne mal glauben. Weil man als Autofahrer auf schmalen, ansteigenden und verwinkelten Straßen eh keine 100 fahren kann, selbst wenn man es wollte. Zumal auf vielen Straßen außerorts nicht selten eh schon Tempo 70 angeordnet ist. Aber dir geht es ja bekanntlich eh nur um pauschale Gängelei des Pkw-Verkehrs... :sleeping:

    Dass Tempo 100 kein Problem ist, wo man ohnehin keine Tempo 100 fahren kann, das glaube ich dir sofort!

    Und wenn auf vielen Landstraßen ohnehin schon Tempo 70 angeordnet ist, dann kann man doch auch nicht von "Gängelei" sprechen, wenn von mir ein 10 km/h niedrigeres generelles Tempolimit von Tempo 60 angeregt wird. Aus gutem Grund übrigens!

    "Wie schnell dürfen Busse auf der Landstraße sein?

    Auf der Landstraße darf ein Linienbus nicht schneller als 60 km/h fahren, wenn nicht für jeden Fahrgast ein Sitzplatz verfügbar ist."

    Quelle: Bußgeldkatalog.de https://www.bussgeldkatalog.de/hoechstgeschwindigkeit-bus/

    LKW über 7,5 t dürfen übrigens auch nur Tempo 60 km/h fahren auf Landstraßen. Quelle ebenda: https://www.bussgeldkatalog.de/lkw/

    Ein generelles Tempolimit von Tempo 60 auf Landstraßen würde also schon alleine deshalb mehr Sicherheit schaffen, weil etliche Überholanlässe entfallen.

    Und das mit dem Linienbus hatte ich schon an anderer Stelle erläutert, es stärkt den ÖPNV!

    ...besteht darin, dass das als gesellschaftlich viel akzeptabler erscheinender Vorwand gebrauchte „gefühlte Unfallrisiko“ gar nicht der eigentliche Grund fürs Fahrbahmeiden ist. Es geht da bloß darum, dass du einen sehr „breiten Rücken“ brauchst, um das Gefühl auszuhalten, dass du alleine da gerade den „ganzen Verkehr“ aufhältst.

    Einen "breiten Rücken" brauchst du auch, wenn du auf dem Weg zu Fuß zum Markt mit dem Einkaufstrolley an der Hand die Fahrbahn benutzt. Die Fußwege sind voll und oft auch noch mit Fahrrädern zugeparkt. Und mit dem Einkaufstrolley an der Hand, bist du ein sehr breiter Fußgänger. Was noch nicht bedeutet, dass du einen breiten Rücken hast. Dank Tempo 30 Zone fast rundum um den Marktplatz in meiner Nähe und an Markttagen hohem Verkehrsaufkommen (was den Verkehr verlangsamt) ist es relativ gefahrlos möglich als Fußgänger mit Einkaufstrolley die Fahrbahn zu benutzen.

    Spannende Reaktionen besonders von Autofahrern sind garantiert.

    Was du da beschreibst ist genau die Gefahrenquelle von separaten Radwegen. Aber selbst wenn das eindeutig belegbar sicherer ist, auf der Fahrbahn zu fahren, auch wenn da Tempo 100 gilt, das macht (fast) keiner. Deshalb fordere ich ja eine Temporeduktion. Und was die Abbiegesituation angeht: Auch ein separater Radweg kann im Kreuzungsbereich oder Einmündungsbereich rechtzeitig (150 bis 200m) an die Fahrbahn herangeführt werden, so dass Radfahrende rechtzeitig erkennbar sind. Kann man natürlich nicht bei jedem Feldweg machen. Darum die Feldwegzufahrten absperren und dafür sorgen, dass die Feldwege andernwegs zugänglich gemacht werden anstatt über eine Radweg hinweg. Und der Treckerfahrer und andere Abbiegende müssen noch sehr viel deutlicher das Tempo reduzieren, so dass auch mehr Zeit zum Kucken bleibt, ob Radfahrer gefährdet sind.

    Ich vermute übrigens, dass auch viele S-Pedelec-Fahrer, die ja gar nicht auf dem Radweg fahren dürften, einen einigermaßen gut geteerten und ebenen Radweg benutzen werden, wenn auf der Fahrbahn Tempo 100 gilt und schneller dichter Verkehr herrscht.

    Das Wetter in Rheinland-Pfalz ist übrigens noch milder als bei uns in Norddeutschland. Was die Geländemodulation angeht, müsste man allerdings in der Tat noch mal genauer hinschauen.

    Mal abgesehen von der Sicherheit für Fußgänger und Radler, mit deiner sehr auf Radfahrer eingeschränkten Sichtweise ist das sicher ganz schön und der Alltag funktioniert ja auch genau so. Insofern müsste sich da dann (fast) gar nix ändern.

    Erweitert man deine Sichtweise um Fußgänger, Autofahrer und was so kreucht und fleucht, dann ist es ja auch kein Problem, wenn Autos auf Radwegen parken, Fußgänger auf Radwegen stehen und gehen und Hundebesitzer die Hunde auf dem Kinderspielplatz kacken lassen.

    Bei dem im zweiten Absatz genannten schätze ich würdest Du schon ein, zwei Probleme erkennen ;)

    Da schätzt du mich aber ganz schön falsch ein, bzw. ich habe wohl zu missverständlich geschrieben.

    Du schreibst ja selbst, dass der Schwächere auf den Stärkeren Rücksicht zu nehmen hat, deshalb ist es eben nicht in Ordnung, wenn Autofahrer Fußwege zuparken. Oder Hunde in die Sandkiste kacken. Und es ist auch nicht in Ordnung, dass Radfahrer auf dem Gehweg fahren. Es kommt aber trotzdem vor. Wie zum Beipiel auf der von mir dargestellten Ortsdurchfahrt mit dem Angebotsradweg. Und da ist es ja sogar erlaubt, dass Radfahrer hochbord fahren. Aber sie sollen und da stimme ich dir zu, dabei keine Fußgänger gefährden oder behindern. Im Prinzip ist ein Angebotsradweg so zu benutzen wie ein Fußgängerweg, der für den Radverkehr frei gegeben ist. Aber ich würde eben nicht gegen jeden Angebotsradweg Sturm laufen und dafür plädieren, umgehend umzupflastern, so dass dort kein Angebotsradweg mehr hineininterpretiert werden kann. In meinem Beispiel könnte man das ja machen. Noch ist das Pflaster unterschiedlich, noch gibt es da einen Angebotsradweg. Aber wäre das Pflaster einheitlich, dann würde das gelten, was auf dem Baustellenschild steht [Zusatzzeichen 1012-32]! Oder der Radfahrer müsste eben auf die Fahrbahn wechseln.

    Wo ebenfalls die Stärkeren auf die Schwächeren Rücksicht nehmen müssten, das ist an Bushaltestellen.

    Ich habe kein Verständnis dafür, dass Radfahrer danach verlangen, dass Radwege so zu führen seien, dass sie rechts an den Bushaltestellen-Halteborden vorbeifahren können. (Siehe Bild)

    Vielmehr ist es richtig, dass der Verkehr auf der Fahrbahn stattfindet auch der Radverkehr ( je nach Verkehrsdichte auf einem Radfahrstreifen oder Schutzstreifen oder gemeinsam mit den Autos), und dass der gesamte Verkehr steht, wenn der Bus an der Haltestelle hält. Dann können zunächst die schwächeren Verkehrsteilnehmer ungefährdet den Bus besteigen und verlassen, auch dann ungefährdet, wenn mal eben einer auf dem letzten Drücker von der gegenüberliegenden Seite herangeeilt kommt. Oder wenn ein ganz eiliger Fahrgast oder eine ganze Gruppe eiliger Fahrgäste direkt nach dem Aussteigen vor oder hinter dem Bus die Fahrbahn kreuzen.

    Im Großen und Ganzen stimme ich dir in allen Punkten zu, Yeti. Allerdings sehe ich den Teil kritisch, in dem es um deine Kritik am ADFC geht. Überhaupt möchte ich deinem letzten Absatz so nicht zustimmen.

    In Hannover steht beispielsweise diese Straße zum Umbau an: Die Geibelstraße (hier Ecke Stephansplatz)

    Nach dem was ich bisher darüber in Erfahrung bringen konnte, ist die Verkehrsverwaltung nicht bereit, dort das Tempo auf 30 km /h zu reduzieren. (Erschließungsstraße und starke Ausladstung der Straße durch den Autoverkehr, argumentiert die Verwaltung.)

    Dass dort quer geparkt wird und sich Radfahrer den aufgrundessen extrem schmalen verbleibenden Bordstein für einen schmalen Gehweg und sehr schmalen benutzungspflichtigen Radweg teilen müssen, finde ich unmöglich.

    Immerhin hatte die Verwaltung Signale gesendet, eine Reduktion der Autostellplätze anzustreben. (Wenn das was werden soll, dann müsste dafür statt Querparken Längsparken angeordnet werden.

    Dazu kommt der vorhandene Baumbestand. Die Fahrbahn lässt sich nicht beliebig verbreitern.

    Ideal fände ich: Fahrradstraße, Auto-Durchgangsverkehr auf ein Minimum reduzieren, breite Gehwege.

    Fakt ist, es wird ein Umbau stattfinden und die Option "Fahrradstraße" ist nicht realistisch (und das ist zurückhaltend formuliert).

    Es wird dort (leider!) weiter viel Autoverkehr stattfinden. Die Fahrbahn wird wegen der Bäume schmal bleiben.

    Längsparken statt Querparken anzuordnen kann gelingen, wenn als zusätzliches Argument zu (die Anzahl der Parkplätze ist zu reduzieren, was für viele kein Argument sondern ein rotes Tuch ist) hinzukommt: Der Radweg muss verbreitert werden, ohne dass der Gehweg schmaler wird!

    Vermutlich ist es wichtig, dass sich der ADFC an dieser Stelle vehement für diese Lösung(Hochbordradweg) stark macht. Wenn dann einer dazwischenfunkt und sagt, der Radverkehr wäre aber auf der Straße viel sicherer und besser aufgehoben, dann wäre das meines Erachtens sehr kontraproduktiv.

    Hier ein google-Street-view-Link von der Stelle auf dem Link ist auch das Foto aufgenommen worden: https://www.google.de/maps/@52.36036…!7i13312!8i6656

    Übrigens: Du bedauerst ja, dass es die Radwegebenutzungspflicht gibt. Und ich sehe das genau so.

    Es gibt allerdings auch eine Option mit dem Fahrrad ganz legal die Fahrradbenutzungspflicht zu umgehen. Du musst dir dazu allerdings ein S-Pedelec zulegen.

    Siehe diesen Bericht:

    https://www.bike-bild.de/fahrrad/ebike/…kes-370715.html

    Oder diesen Bericht:

    https://www.pd-f.de/2018/04/05/s-p…zeug-wird_12377

    pressedienst-fahrrad,

    S‑Pedelecs: Wenn das Fahrrad zum Kraftfahrzeug wird

    Darin heißt es:

    „Die Erfahrungen in der Schweiz zeigen ein anderes und unproblematisches Bild“, sagt Anja Knaus von Flyer. „Der Marktanteil der S‑Pedelecs ist hier 25 mal so hoch wie in Deutschland!“ Der Grund: Die schnellen E‑Räder dürfen in der Schweiz den Radweg benutzen. Fachjournalist Marius Graber aus Luzern bewertet die Erfahrungen als durchweg gut: „Konflikte, die es gibt, ordne ich eher der gestiegenen Dichte auf den Radwegen zu. Je mehr Velofahrer es gibt, desto mehr Rücksichtslose gibt es. Und die fallen auf.“ Auch Graber verdeutlicht: So viel schneller als andere Radfahrer sind solche mit S‑Pedelecs nicht. „Daher verträgt sich das gar nicht so schlecht . Wenn die Radwege gut gebaut sind, erst recht nicht.“

    Offensichtlich ist es für viele S-Pedelec-Fahrer extrem unangenehm, auf der Fahrbahn zu fahren, deshalb möchten sie gerne, dass so wie in der Schweiz auch in Deutschland das S-Pedelec fahren auf den Radwegen erlaubt wird.

    Es wäre sehr ambitioniert, wenn der ADFC in dieser Situation herginge und grundsätzlich solchen Überlegungen eine Abfuhr erteilt.

    Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was der ADFC dazu sagt, dass die S-Pedelec-Fahrer auf die Radwege wollen. Und ehrlich gesagt, ich weiß es selber nicht einmal so richtig. Grundsätzlich natürlich schon: Der Autoverkehr auf den Fahrbahnen muss deutlich weniger und deutlich langsamer werden.

    NACHTRAG: Habe grad noch mal hier https://www.pd-f.de/2018/04/05/s-p…zeug-wird_12377 (den Link hatte ich weiter oben schon angegeben) nachgelesen:

    "Der Bundesgeschäftsführer des ADFC, Burkhard Stork, sieht eine deutliche Stärke von S‑Pedelecs darin, Kfz-Fahrten von Pendlern aufs Rad zu bringen. „Der ADFC tritt allerdings entschieden gegen S‑Pedelecs auf Radwegen innerorts ein, vor allem mit Blick auf den Schutz schwächerer und unsicherer Radfahrer, wie etwa Kindern und Senioren.""

    Innerorts nicht sagt der ADFC, das deutet so ein bisschen an, dass außerorts vielleicht doch auf Radwegen mit dem S-Pedelec gefahren werden können soll dürfen. (NACHTRAG)

    Und wenn es um die Frage geht: Querparken weiter zulassen und dafür auf Radweg (egal ob Hochbord oder Radfahrstreifen, geschützt oder ungeschützt) verzichten. Dann bin ich ganz energisch für breite Bürgersteige entweder mit Hochbordradweg oder mit Freigabe für Radverkehr, oder auch mit benutzungspflichtigem Radweg. Am liebsten Radfahrstreifen.

    Aber auf keinen Fall bin ich bereit, an der schlechten Situation für den Radverkehr fest zu halten, damit die Autos in der Geibelstraße weiter quer parken können!

    Für mich ist Niedersachsen nicht Fahrradland, sondern Radwegland Nr.1!

    Dann wäre es vielleicht angebracht, mal zu schauen, ob sich das positiv (oder negativ) in den Statistiken niederschlägt hinsichtlich der Häufigkeit, mit der das Fahrrad in Niedersachsen im Vergleich zu anderen Bundesländern benutzt wird.

    Nach dieser Statistik aus 2008 aus dem Hause des Bundesverkehrsministers (damals noch Ramsauer, nicht dass das was besser machen würde) ist die Radnutzung so, dass bei den Flächenbundesländern Niedersachsen mit 14,7% an zweiter Stelle liegt (an erster Stelle liegt übrigens Sachsen Anhalt mit 15,1%).

    Im Bundesland Rheinland-Pfalz aus dem ja Pirminator häufiger berichtet, dass es dort nur wenige Radwege gibt, liegt der Fahradanteil bei 6,2%.

    Radverkehr in Deutschland, Zaheln, Daten, Fakten, Seite 10 https://www.ziv-zweirad.de/fileadmin/reda…r-in-zahlen.pdf

    Fazit: Viele Radwege = hoher Anteil der Fahrradnutzung!

    Um nicht missverstanden zu werden: Ich plädiere hier keineswegs blindwütig für mehr Radwegebau. Aber wenn man auf Landstraßen, an denen es keine Radwege gibt, Tempo 100 erlaubt, dann muss sich keiner wundern, dass dort keiner mit dem Rad langfahren will.

    Für Landtsraßen muss als generelles Tempolimit Tempo 60 gelten, und es muss eine breite abgesetzte Radspur auf der Fahrbahn geben, die für den Radverkehr reserviert ist. Wo es gelingt, den Autoverkehr entsprechend zu reduzieren oder wo ohnehin jetzt schon wenig Autoverkehr stattfindet kann es auch ein ausreichend breiter Schutzstreifen (2 m) sein, der im Bedarfsfall vom Autoverkehr überfahren werden darf. Wo der Autoverkehr noch weiter reduziert werden kann oder ohnehin jetzt schon wenig Autoverkehr stattfindet braucht es auch keine Schutzstreifen.

    So lange das nicht umgesetzt ist, muss leider alles so weiter laufen wie bisher und die Autofahrer werden dringend gebeten, sich nicht dazu hinreißen zu lassen, das Tempolimit von 100 auf Landstraßen ständig auszureizen, insbesondere dann nicht, wenn mit Radverkehr zu rechnen ist. (Auch dann nicht, wenn der auf einem separierten Radweg stattfindet, denn diese sind oft sehr unzulänglich.) Und mit Radverkehr sollte stets zu rechnen sein, auch wenn das, was ich weiter oben als erstrebenswert beschrieben habe, noch nicht umgesetzt ist.

    Ich finde Piktogrammketten nicht schlecht, wo die Verkehrsteilnehmer noch lernen müssen, dass Radfahrer auf der Fahrbahn fahren und nicht auf Gehwegen. Irgendwann sollte das aber überflüssig und als Normalfall akzeptiert werden. Leider ist das vielerorts noch ein weiter Weg dahin.

    Nicht alle Radfahrer fahren auf der Fahrbahn und wenn es keinen Hochbordradweg oder geschützten Radfahrstreifen gibt, dann fahren sie eben gar nicht. Und das fände ich wirklich schade!

    Ich habe auch kein großes Problem damit, wenn ein Radfahrer langsam, vorsichtig und defensiv (kein Klingeln und Drängeln) den Fußweg benutzt, auch dann nicht, wenn da kein Angebotsradweg vorhanden ist.

    Warum willst du unbedingt alle Radfahrer dazu erziehen, auf der Fahrbahn zu fahren?

    Es sollte möglichst umgehend als Normalfall akzeptiert werden, dass es den "Normalfall" nicht gibt! Es gibt Radler, die fahren auf dem Hochbord-Angebotsradweg oder dem Gehweg, der für den Radverkehr freigegeben ist (und in einzelnen Fällen auch dann, wenn der Gehweg nicht freigegeben ist) und es gibt Radler, die fahren auf der Fahrbahn. (Manche auch dann wenn die Fahrbahn nicht freigegeben ist für den Radverkehr, weil ein blaues Radwegeschild die Benutzung des Radweges vorschreibt.) Na und? Was soll's?

    Schau mal Bild 1 und 2 an! Das ist an einem Ortsausgang im ländlichen Raum. Normal gilt Benutzungspflicht auf einem Zweirichtungsfuß- und radweg [Zeichen 240]. Das Schild haben sie beim Baustellen-Ausschildern vergessen abzudecken. Der Zweirichtungsfuß- und radweg wird gerade renoviert. Die Straße wird in dem ca. 100 m langen Renovierungsabschnitt einspurig ausgeschildert und eine Absperrwand schützt einen Fußweg, der auf der einen Fahrbahn der Straße angelegt wurde.

    Warum der nicht deutlich breiter gemacht wurde und als gemeinsamer Fuß- und Radweg ausgeschildert wurde ist mir ein Rätsel, aber dem will ich hier nicht nachgehen.

         

    Der Radfahrer auf Bild 1 macht alles richtig, aber vermutlich hat er ein bisschen die Sorge, ob er sich beeilen muss, die einspurige Fahrbahn-Strecke zu durchfahren, weil es ihm andernfalls passieren kann, dass der Gegenverkehr bereits auf ihn zugerollt kommt, bevor er den Baustellenabschnitt verlassen kann.

    Ich habe da größtes Verständnis für, wenn der Radfahrer auf diesem Abschnitt den als Fußweg ausgeschilderten Weg benutzt. Zumal da ohnehin nur sehr selten Fußgänger unterwegs sind. (Bild 2)

    Oder schau mal auf Bild 3! Ortsdurchfahrt im ländlichen Raum. Es gilt keine Radwegbenutzungspflicht. Hochbord gibt es einen Angebotsradweg. (Kann man an der unterschiedlichen Pflasterung erkennen. Den Angebotsradweg benutzen auch viele Radfahrer, weil mit Tempo 50 (darf) und Tempo 60 bis 70 (darf eigentlich nicht) mit Autos und Lastwagen durch den Ort durchgebrettert wird. Hin- und wieder wird von Autofahrern auch gehupt, wenn Radfahrer die Fahrbahn benutzen.

    Warum stellt da einer an dieser Stelle ein "Radfahrer absteigen" [Zusatzzeichen 1012-32] auf?

    Das wird dich sicher freuen Yeti, denn es könnte ja einen Radfahrer auf die Idee bringen, dass er auf der Fahrbahn weiter fährt. Die allermeisten Radfahrer, die sich für den Angebots-Hochbordradweg entschieden haben, ignorieren jedoch das [Zusatzzeichen 1012-32] und da mache ich auch keinem von denen ein Vorwurf draus. Auch dann nicht, wenn ich selbst immer die Fahrbahn benutze, um durch diesen Ort zu fahren.

    Wenn du wirklich willst, dass mehr Radfahrer auf solchen Ortsdurchfahrten die Fahrbahn benutzen, dann stelle sicher, dass dort der Autoverkehr nicht schneller als 30 km/h fährt. Und dass das so kontrolliert wird, dass die Tempo 30 auch wirklich eingehalten werden!

    Zustimmung! Der einzige Unfall in Stade vom Unfalltyp "Unfall im Längsverkehr" und Unfallart "Zusammenstoß mit seitlich in gleicher Richtung fahrendem Fahrzeug" war in 2018 ein Zusammenstoß zwischen zwei Radfahrern auf einem untermaßigen "Radweg". Mindestens eine Person wurde dabei schwer verletzt.

    3 von 4 Unfällen zwischen Fußgängern und Radfahrern ereigneten sich 2017 auf untermaßigen Geh- und "Radwegen", ein Unfall auf einem untermaßigen getrennten Geh- und Radweg vor einer Schule. 2018 gab es erstaunlicherweise keine Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern.

    Ich kann mich nur wundern, warum die Leute keine Angst haben, auf solchen Kackwegen zu fahren.

    Ein wichtiger Grund dafür, dass Radfahrer lieber auf handtuchschmalen und holprigen Radwegen fahren, als auf der Fahrbahn rührt daher, dass der Autolobby gewogene Parteien, insbesondere Verteter der CDU aber auch der (anderen) Rechtspopulisten es gelingt Radfahrer aufzuhetzen, indem sie ihnen einreden, das Fahren mit dem Rad auf der Fahrbahn würde ja von den Grünen nur deshalb propagiert und angeordnet, weil die Radfahrer als Bremse für den zu schnell fahrenden Autoverkehr missbraucht werden sollen.

    Leider habe ich in vielen Gesprächen mit dafür anfälligen Mitmenschen erlebt, dass dieses Argumentationsmuster hervorragend verfängt.

    Da steckt diese rechtspopulistische Grund-Hetze gegen "die da oben" drin. "Die da oben interessiert es einen Dreck", wie es euch geht, die denken nur an sich.

    Da steckt drin: Im Grunde genommen müsste ja nur mal einer mit der "starken Hand" auf den Straßen für Ordnung sorgen, das trauen sich "die da oben" aber nicht. Deshalb werden die wehrlosen Radfahrer als Bremskeile auf die Fahrbahn geworfen. Und müssen den "Blutzoll" zahlen für die Untätigkeit von "denen da oben".

    Kurios: Selbst engagierte und routinierte Radler, die selbst bevorzugt auf der Fahrbahn fahren, weil sie um die Schwächen von abseits der Fahrbahnen gelegenen Radwegen und Hochbordradwegen wissen, propagieren bisweilen die Radwegebenutzung, mitunter sogar die Radwegebenutzungspflicht, obwohl sie sich selbst gar nicht daran halten. Die fühlen sich dann als eine Art Elite, als "Herrenmenschen" auf dem Rad, denen mehr erlaubt ist und zuzutrauen ist, als dem "Untermenschen", der sich gefälligst in sein Reservat, in sein "Township" zu verkrümeln habe.

    https://www.amsterdamredlightdistricttour.com/history-of-ams…strict-history/ Auf dieser Internetseite wird über die Geschichte Amsterdams berichtet. Und dieses Foto von 1940 gezeigt: https://i1.wp.com/www.amsterdamr…d-World-War.jpg

    Heute war leider einer dieser drei bis fünf Tage im Jahr, ...

    Anschließend soll man wohl irgendwie durch die Bushaltestelle fahren oder sich an dieser strategisch ungünstigen Stelle auf die Fahrbahn einordnen:

    (...)

    Diese Bushaltestellensituation ist interessant! Du hast ja in deinem Beitrag hauptsächlich über die Benachteiligung des Radverkehrs geschrieben.

    Aber besonders auf dem Land werden auch die ÖPNV-Fahrgäste erheblich benachteiligt.Das ist deshalb so schlimm, weil auch auf dem "flachen Land" ÖPNV die richtige Alternative zum MIV ist!

    Das kann auch funktionieren, wenn deutlich mehr unternommen wird, die zahlreichen Benachteiligungen der ÖPNV-Fahrgäste abzustellen.

    Ganz konkret an der Stelle auf dem Foto würde das bedeuten:

    Der Omnibus fährt nicht in eine Haltebucht, sondern die Einstiegskante rückt so weit zur Fahrbahnmitte, dass der Buss gerade an die Haltestellenkante heranfahren kann (ohne Lenkmanöver) und der nachfolgende Autoverkehr hinter dem Bus warten muss!

    Auf dem Beispiel-Foto ist sehr schön die Mittelinsel zu sehen und das blaue Schild, das ein links an der Mittelinsel vorbeifahren verbietet.

    Die Mittelinsel kann so platziert werden, dass Radfahrer die Möglichkeit hätten, an dem Bus vorbeizufahren, Autofahrer allerdings nicht, weil sie zu breit dafür sind.

    Es sind eine große Menge Fahrgästre, die da beim Einsteigen zu sehen sind.

    Ein Fahrgast braucht durchschnittlich 0,8 Sekunden. 50 Fahrgäste bräuchten also 40 Sekunden

    Die Haltestellen-Standzeit hängt unter anderem davon ab, wie eben der Einstieg ist, ob mehrere Türen zur Verfügung stehen und ob der Fahrer damit seine Zeit verschwendet, Fahrkarten zu verkaufen.

    Siehe auch hier:

    http://ivh.ivs.bau.tu-bs.de/peb/de/Mitarbe…haltszeiten.pdf


    Zur Zeit werden diese Verlängerungsfaktoren kaum beachtet. Das verbreitete Denken ist:

    "Der Omnibus hält ja ohnehin in der Haltebucht und ist damit dem Autoverkehr nicht im Weg.

    Wie lange er da hält ist egal, es betrifft ja nur Omnibusfahrgäste, die Nachteile von den langen Haltestellen-Standzeiten haben."

    Das wird sich ganz schnell ändern, wenn ganz selbstverständlich der Autoverkehr hinter dem Bus warten muss, bis dieser weiter fährt. So kann man ÖPNV auch in der Fläche attraktiv gestalten! Und das Ganze ist nur mit minimalen Einschränkungen für den Autoverkehr verbunden. Denn die Taktzeiten auf dem flachen Land sind nicht sehr dicht. Nur wenige Autofahrer müssten dann halt hin- und wieder mal warten.

    Und wenn diese wenigen Autofahrer dann "den Lauten machen", dann greift das eine geschickte Verkehrverwaltung auf und trifft Entscheidungen, die das Ein- und Aussteigen an den Haltestellen beschleunigen.

    Auch irritiert mich der gutmenschliche Ansatz vieler. Wer einer eingeengten oder unterbrochenen Radweg gutheisst, damit kein Baum gefällt wird, argumentiert nicht als Radfahrer sondern als Umweltschützer. Es muss ohne Frage eine Abwägung geben, aber nur Radfahrer brauchen dazu keine Umweltschützer mehr, sie verringern ihre Ansprüche schon im Vorfeld zugunsten von Aspekten, die sicherlich von verschiedenen Radfahrer verschieden beurteilt werden.

    In der Realität ist es doch leider so, und ich habe solche Diskussionen schon ganz konkret erlebt, dass nicht darüber diskutiert wird, ob für die Anlage eines Radweges ein Baum gefällt wird. Viel öfter wird darüber diskutiert, ob man auf das Anpflanzen von Bäumen oderdas Vergrößern von Baumscheiben verzichtet, um keine Verluste von Parkplätzen sich einzuhandeln.

    Und dann kommt statt Fußweg + Grünstreifen mit Bäumen im Wechsel mit Parken + Radfahrstreifen + Fahrbahn eben nur Parkstreifen ohne Bäume.

    Und selbst darüber schmollen dann noch die Autofahrer, weil ihnen wäre es ja viel lieber gewesen sie hätten weiter quer zur Fahrbahn parken dürfen, dann hätte es zwar keine Radfahrstreifen gegeben, aber es wären auch keine Parkplätze weggefallen.

    Ich halte es tatsächlich für einen "gutmenschlichen Ansatz", wenn ein Radweg so gebaut wird, dass Parkplätze wegfallen, damit Bäume gepflanzt oder erhalten werden können. Überhaupt habe ich mit "gutmenschlichen Ansätzen" in der Regel kein Problem. Aber es nervt, wenn wer behauptet, man müsse doch auch mal an die armen Automobilfabrik-Arbeiter denken, die alle ihren Job verlieren, wenn wir in der Stadt Bäume anpflanzen statt Autoparkplätze vorzuhalten.

    Und wenn dann wer über Bande zu spielen versucht, nach dem Motto, "ich behalte meinen Parkplatz und für dein Radweg werden Bäume gefällt", dann ist das <X.

    Früher, bevor der Pedelec-Trend groß wurde, habe ich mir genau das überlegt. Mit dem Fahrrad an der Ampel stehen oder bergab oder im Windschatten von jemand anders fahren, dabei weitertreten und die Akkus aufladen. Wenn man statt einem Akku ein Schwungrad nutzt, könnte das vielleicht noch als Fahrrad durchgehen, da nie Energie von aussen zugeführt wird:

    https://youtu.be/BOnjtEKArXk

    Ein Schwungrad, kann jedoch vermutlich nur dann viel Energie speichern, wenn es viel wiegt. Vermutlich ist eine Batterie leichter und kann trotzdem sehr viel mehr Energie speichern.

    Im Grunde genommen ist das "Raketen-Fahrrad" auch nichts anderes als wenn du dich auf ein Pedelec-Transportfahrrad (unbeladen, also ohne Fracht) setzt und dich drüber wunderst, dass du mit ganz minimaler Kraft pedalierend so sehr stark beschleunigen kannst, wie du es von einem gewöhnlichen Fahrrad (aber auch von einem gewöhnlichen Pedelec) nicht gewohnt bist. Was daran so erstrebenswert sein soll, Geschwindigkeiten bis 80 km/h zu fahren und Autofahrer zu verblüffen erschließt sich mir nicht.

    Die würde ich viel lieber dadurch verblüfft sehen, dass Tempo 30 zur Regelgeschwindigkeit innerorts gemacht wird. Und dass gesetzlich für Autos vorgeschrieben wird nur noch mit einer automatischen Geschwindigkeitsregulierung zu fahren, die ein Überschreiten vorgegebener Höchstgschwindigkeiten zuverlässig ausschließt. (Es gäbe da freilich auch noch ein paar weiterer Anliegen in dieser Art, für die das "Raketen-Fahrrad" gerne auf den Mond fliegen dürfte.)

    Die verkehrspolitische Konkurrenz ist nicht der "andere Radfahrer", sondern der Autoverkehr.

    Klar ist es richtig, dass bei verkehrspolitischen Entscheidungen mitunter der schlimmste Feind des Radfahrers der Radfahrer ist.

    Aber es ist auch richtig, hier gesittet und ohne großes "Staub aufwirbeln" sich auf befriedigende Lösungen zu einigen, anstatt sich gegenseitig an den Kragen zu gehen. Dann ist nämlich der Autofahrer der lachende Dritte.